Vor 25 Jahren: iTunes wird vorgestellt und begeistert die Applewelt


Im Jahr 1999 hatte Cassady & Greene ein kleines Musikprogramm namens SoundJam vorgestellt, welches es rasch zu hoher Beliebtheit brachte – unter anderem als Programm des Jahres von der MacWorld ausgezeichnet. Schneller Zugriff auf Musiktitel, einfaches Abspielen, so lautete das Konzept. Doch nicht nur Nutzer, auch Apple war auf die Software aufmerksam geworden und erwarb Anfang 2000 die Rechte an SoundJam MP. Gleichzeitig wechselten die Entwickler nach Cupertino. SoundJam sollte zur Basis dessen werden, was Apple dann vor 25 Jahren auf der MacWorld San Francisco präsentierte: iTunes 1.0.
Es war tatsächlich eine Revolution"Es wird in die Geschichte eingehen als Wendepunkt der Musikindustrie. Das ist das Zeug, aus dem Meilensteine gemacht sind", versprach Steve Jobs damals. Kaum jemand ahnte jedoch, zu welchem Stellenwert es iTunes eines Tages bringen sollte. "Rip, Mix, Burn" lautete der einst gewählte Slogan, iTunes machte aus dem Mac eine Medienzentrale ("Digital Hub"). Von Nutzern wurde iTunes von Anfang an mit Begeisterung aufgenommen. Übersicht, schnelles Filtern und Finden, einfacher Import, unkompliziertes Brennen – all das war ziemlich einmalig.
Bei 50:40 beginnt der Abschnitt zur MusikstrategieIm Oktober desselben Jahres lieferte Apple zudem die passende Hardware, nämlich den ersten iPod. Hardware und Software ergänzten sich optimal, was einer der wesentlichen Gründe war, warum der Musikplayer zu einem solchen Erfolg wurde.
Die erste Version von iTunes Die Folgejahre: iTunes Music Store, Windows, Serien, FilmeVon nun an ging es Schlag auf Schlag. 2003 ging mit zwei wesentlichen Ankündigungen einher, Apple brachte nämlich den in iTunes integrierten iTunes Music Store sowie iTunes für Windows auf den Weg. Die Software nahm einen immer höheren Stellenwert ein und galt längst schon nicht mehr als eine Apple-App unter vielen. Weitere Mediengattungen sollten folgen, denn ab 2005 gab es Podcasts und TV-Serien, ab 2006 erste Spielfilme.
2008: und dann sogar AppsSucht man nach einem Zeitpunkt, an dem Apple mit iTunes möglicherweise falsch abgebogen ist, so dürfte das Jahr 2008 als Beispiel gelten. "Wir haben eine Plattform zum Vertrieb von digitalen Inhalten, warum nicht auch noch iPhone-Apps darüber verkaufen?", so die Entscheidung. Das mochte zum Befüllen des iPhones mit allen möglichen Inhalten bequem erscheinen, so langsam kam immer mehr Kritik auf, wie überfrachtet (und zunehmend lahm) die einst so schlanke Software geworden war. Die Wahrnehmung begann zu kippen, die Beschwerden nahmen zu. Jahre folgten, in denen Apple immer weitere Funktionen einführte (u.a. Genius, iTunes LP, Ping, iCloud, Mini-Player, den Streaming-Dienst iTunes Music).
2019: Der Wendepunkt: das iTunes-Aus auf dem MacWährend der Präsentation von macOS 10.15 Catalina scherzte Craig Federighi persönlich über das mögliche weitere Wachstum des Programms. Am Anfang sei man "completely focussed" auf Rip, Mix, Burn gewesen, konzentrierte sich also auf die Hauptaufgabe: Schnelle Organisation der Musik-Bibliothek, zügige Suche, einfache Synchronisation, komfortables CD-Brennen. Nach Musikverwaltung seien der iTunes Music Store mit Musikkauf, Podcasts, Filme und neben iPod- auch iPhone-Synchronisation auch der App Store hinzugekommen – doch könnte iTunes nicht noch mehr erledigen? Zur Belustigung der Zuschauer zählte Federighi Kalender (alle Termine und auch noch die besten Lieder in nur einer App!), Mail und Safari auf. Wie man zwischen diesen Bereichen wechsele? Ganz klar, iTunes erhalte noch ein eigenes Dock! Natürlich handelte es sich dabei nur um Selbstironie, denn Apple hatte die Entscheidung getroffen, iTunes in einzelne, spezialisierte Programme pro Mediengattung aufzuspalten. Was auf dem iPhone immer der Fall gewesen war, sollte auch auf dem Mac Einzug halten.
iTunes-Sektion bei 1:43:45Fazit: Die (wenig überzeugenden) Erben von iTunesWas sich durchaus seit Jahren viele gewünscht hatten, also die Aufsplittung, sorgte aber für eine gewisse Ernüchterung. Schnell und übersichtlich wurde es dadurch leider nicht, denn die verschiedenen Apps sind auch Jahre später noch von sehr durchwachsener Qualität. Oft hört man, Apple habe so ziemlich jeden einzelnen Bestandteil aus iTunes damit ruiniert. Der Versuch, alles neu zu erfinden, ging oft mit dem Wegfall bewährter Funktionen oder schlechterer Umsetzung derselben einher. Wie es scherzhaft einmal in einer unserer Redaktionsbesprechungen hieß: "Wir haben wohl damals zu viel gemeckert und wussten nicht, was wir hatten!". Wäre es nicht wünschenswert, heute wieder ein Programm zu haben, das so großartig ist, wie iTunes vor mehr als zwei Jahrzehnten war?