Branchenstimme: RAM-Verknappung kann Produkte und ganze Unternehmen killen


Khein-Seng, CEO des Speichercontroller-Herstellers Phison, warnt in einem Fernsehinterview vor gravierenden Folgen der aktuellen RAM-Knappheit. In einem Gespräch
erklärte er, dass Unternehmen bereits in der zweiten Jahreshälfte 2026 möglicherweise gezwungen sein könnten, Produktlinien einzustellen oder gar ihren Geschäftsbetrieb ganz aufzugeben. Die Hauptursache der Verwerfungen ist wie mehrfach berichtet vor allem der rasante Ausbau von KI-Infrastruktur – denn KI-Server benötigen enorme Mengen an Hochleistungs-RAM. Inzwischen haben sich die Preise teils versechsfacht, ohne dass eine Trendwende zu erkennen wäre.
Verknappung zieht weite KreiseDie Auswirkungen sind vielfältiger Natur. Hersteller müssten möglicherweise ihr Produktportfolio verkleinern, geraten in Liquiditätsprobleme – was am Ende beim Kunden in Form steigender Preise ankommt. Selbst Branchenriesen wie Apple könnten zunehmend Schwierigkeiten haben, ausreichende Stückzahlen zu beziehen. Der Mangel betrifft inzwischen nicht nur Arbeitsspeicher, sondern indirekt auch NAND-Speicher für SSDs und andere speichernahe Komponenten.
Marktführer bauen nur langsam ausDer Markt steht dabei vor einem strukturellen Problem. Drei Unternehmen kontrollieren rund 93 % des weltweiten DRAM-Marktes, nämlich Samsung, SK Hynix und Micron. Diese Anbieter investieren zwar in neue Fertigungskapazitäten, bauen aber bewusst nicht rasant aus – unter anderem aus Sorge vor Überkapazitäten in einem zyklischen Markt. Außerdem profitieren sie eindeutig von der aktuellen Situation, haben also kein großes Interesse daran, wieder grundlegend andere Verhältnisse herbeizuführen.
Neue HerausforderungenSollte sich der Trend fortsetzen, könnte KI nicht nur die Zukunft des Computings bestimmen – sondern auch, wer überhaupt noch genug Speicher bekommt, um überhaupt daran teilzunehmen. Eine wenig realistische Option ist hingegen, rasch konkurrierende Speicherhersteller wachsen zu sehen, die mehr Wettbewerb bringen. Ein Großteil der relevanten Patente befindet sich in den Händen der großen Drei, der Bau von Speicherfabriken dauert bis zu fünf Jahre – und kostet zudem noch wesentlich mehr, als Anlagen für die Herstellung von Prozessoren.