Speichermangel: IDC sieht "erdbebenartige Verschiebungen" auf dem Smartphonemarkt kommen


Der Marktforscher IDC spricht von einer "Krise wie keine andere", selbst die Belastungen durch Pandemie und Handelszölle wirkten im Vergleich fast harmlos. Die
Rede ist von der sich weiterhin verschärfenden Speicherknappheit samt sprunghaft steigender Preise. Der Markt werde einen erdbebenartigen Wandel erleben – bei Volumen, Durchschnittspreisen und Wettbewerbsstruktur. Vor Mitte 2027 sei mit keiner Trendwende zu rechnen, bis dahin nehmen die Probleme eher noch zu. Die IDC erwartet für 2026 nur noch 1,1 Milliarden ausgelieferte Smartphones, im abgelaufenen Jahr waren es noch 1,26 Milliarden.
KI-Anbieter kaufen, was man nur kaufen kannDer Kern des Problems ist wie schon mehrfach diskutiert DRAM – insbesondere "High Bandwidth Memory" (HBM), das für KI-Server in Rechenzentren benötigt wird. Große KI-Anbieter kaufen derzeit enorme Mengen dieser spezialisierten Speicherchips auf. Hersteller priorisieren deshalb die Produktion von HBM gegenüber klassischem DRAM, das in Smartphones und anderen Consumer-Geräten zum Einsatz kommt. Die Folge daraus ist, dass der globale Speichermarkt laut IDC bis ins kommende Jahr "leergefegt“ sei. Die Preise steigen deutlich, während Smartphone-Hersteller zunehmend Schwierigkeiten haben, ausreichend Komponenten zu sichern.
Günstige Smartphones könnten verschwindenVor allem günstigere Android-Geräte leiden unter steigenden Preisen besonders. Dort sind Margen oft extrem knapp kalkuliert, Preiserhöhungen lassen sich nur begrenzt an Endkunden weitergeben. Selbst wenn sich die DRAM-Knappheit ab 2027 entspannt, rechnet die IDC nicht mit einer Rückkehr auf das Preisniveau von 2025. Das könnte strukturelle Folgen haben, nämlich dauerhaft höhere Smartphone-Preise und eine stärkere Konzentration auf margenstarke, teure Geräte. Das Zeitalter niedrigpreisiger Smartphones könnte vor dem Ende stehen, denn diese werden überproportional stark teurer und nähern sich damit hochwertigeren Produkten an.
Apple erwartet ab diesem Jahr deutlichere AuswirkungenWährend der jüngsten Quartalszahlen hatte Tim Cook erklärt, steigende Speicherpreise hätten bislang nur minimale Auswirkungen auf die Bruttomarge gehabt. Für 2026 erwarte man jedoch einen etwas stärkeren Effekt – zumal ein
Bericht gerade erst besagte, Apple müsse mit einer Verdopplung der Einkaufspreise rechnen. Als Anbieter, der im Premiumsegment aktiv ist, steht man allerdings wesentlich besser da als ein großer Teil des restlichen Marktes. Schwankungen lassen sich aufgrund besonders hoher Margen intern leichter abfedern, zudem sind die Kunden weniger preissensibel.