REWIND Spezial – Messebericht High End 2015MessehighlightsDas tolle an einer Messe wie der High End ist, dass man immer wieder überraschende Entdeckungen macht, mit denen im Vorfeld nicht zu rechnen war. Bei einigen Produkten wurde Presse und z.T. auch Verbraucher schon Wochen oder gar Monate vorher der Mund wässrig gemacht, aber manche Dinge finden sich auch durch puren Zufall, wofür allerdings bei manchen kleinen Dingen ein geschultes Auge erforderlich ist, um darin überhaupt etwas besonderes zu entdecken. Hier sind meine Messehighlights. Darunter zwei dieser unscheinbaren Dinge, über deren Entdeckung man sich im Nachhinein richtig freut.Dass micromega (Vertrieb: Audio Reference) den "M•One" vorstellen würde, war kein Geheimnis und der Besuch stand als allererstes auf meinem Zettel. Schließlich soll der M•One in ähnliche Gefilde vordringen wie mein heiß geliebter Devialet (dazu später mehr). Das flache Gerät im äußerst gelungenen Voll-Alu-Gehäuse ist DAC, Vor- und Vollverstärker und verfügt über Streamingfunktionen via Bluetooth, AirPlay und Netzwerk. Dank des cleveren doppelten Displays kann er sowohl liegend als auch aufrecht an der Wand betrieben werden. Preislich soll es voraussichtlich im Sommer ab 3.500 Euro losgehen. Der M•One steht weit oben auf meiner Testliste.Der micromega M•One kann optional in beinahe unendlich vielen Designvarianten geliefert werden. Seien es spezielle Farben, Gravuren oder Oberflächentexturen. Der Individualisierung sind kaum Grenzen gesetzt.Audio-Reference-Mitarbeiter Jens Welle präsentiert nicht ohne gewissen Stolz den micromega M•One. Übrigens soll es im nächsten Jahr ein weiteres Modell dieser Serie geben, das dann auch über ein integriertes optisches Laufwerk zum Rippen verfügt.Mit geheimnisvollen Teilansichten hat der französische Lautsprecherbauer Focal im Vorfeld das Interesse an seiner neuen Lautsprecherserie Sopra geweckt. Die Form erinnert nach ihrer Enthüllung dann aber doch stark an die höher positionierte Utopia-Serie. Technisch hat sich Focal aber einiges einfallen lassen, um die Performance der Utopia-Modelle in einen bezahlbareren Bereich zu bringen.Neben einer komplett neu konstruierten und patentierten Sicke sticht vor allem das in dem schwarzen Keil untergebrachte Hochtönergehäuse hervor. Der darin untergebrachte Beryllium-Hochtöner arbeitet nach hinten auf eine sich hornförmig erweiternde Konstruktion, die zur Rückseite komplett offen ist und dem Hochtöner so keinerlei Gegendruck bietet. Eine völlig offene und luftige Wiedergabe soll das Ergebnis sein. Kurzes Reinhören auf der Messe ließ allerdings noch keine eindeutige Einschätzung zu.So sieht die Konstruktion des Hochtönergehäuses aus. Vorteile u.a.: Relativ einfache (und kostengünstige) Fertigung, resonanzarmer und zugleich extrem fester Kunststoff, akustisch isoliert vom Bass- und Mitteltonvolumen.Die Sopra gibt es auch als Zwei-Wege Kompaktlautsprecher für ca. 9.000 €/Paar Korrektur: ca. 7.000 Euro, 8.000 mit Standfüßen. Die Standlautsprecher kosten 12.000 Euro.Die klanglich beste Vorführung gab es für meinen Geschmack bei KEF, die hier erstmals die Blade 2 in Aktion vorführten (letztes Jahr noch als Prototypen). Kein anderer Hersteller hat derzeit das Koaxialtreiberprinzip und die quasi-punktförmige Schallabstrahlung besser im Griff. Unter den schweren Messebedingungen hängten die Blade 2 selbst vielfach teurere Systeme ab. Dabei sind sie mit rund 20.000 Euro auch nicht gerade Schnäppchen. Gespielt wurde übrigens mit einer neuen Arcam-Vor-Endstufenkombination und einem neuen Arcam-DAC.Eine der gemütlichsten und entspannendsten Vorführungen – inkl. leckeren Kaffeemischungen – gab es bei dem altgedienten US-Hersteller Bryston, die in den achtziger Jahren mit der legendären Endstufe 4B zu HiFi-Ruhm gelangten. Vorgeführt wurde mit den Erben der berühmten Endstufe, der 4B SST, sowie mit Bryston Lautsprechern. Aus audiophiler Sicht war das vielleicht nicht die "realistischste" Darbietung, aber eine der angenehmsten.Eine der erfreulichsten Überraschungen war der Auralic Aries Mini (rechts im Bild). Der Streamer Aries links daneben konnte bereits im REWIND-Test (Ausgabe 467) seine Qualitäten unter Beweis stellen. Der neue Mini kostet weniger als ein Drittel davon (459 Euro) und kann sogar mehr, denn er verfügt über einen eingebauten DAC und Analogausgänge. In seinem kompakten Gehäuse ist zudem noch Platz für eine 2,5" Festplatte oder SSD.Die Rückseite des Aries Mini. Der kompakte und preiswerte Streaming Node arbeitet mit der selben Software wie sein größerer Bruder. Sobald das Gerät verfügbar ist, was noch ein paar Monate dauern wird, gibt es einen ausführlichen Test in der Rewind.Bei audioquest habe ich zwei weitere Highlights aufgespürt. Obwohl äußerlich total unscheinbar, hat es der "Beetle" doch faustdick hinter den Ohren. Dabei handelt es sich um einen kleinen DAC zum Betrieb am Mac. Das gibt es schon länger von audioquest mit dem Firefly, aber der Beetle bietet zusätzlich einen optischen Digitaleingang sowie Bluetooth zum Streaming von iDevices. Dabei soll er der weltweite erste Bluetooth-DAC mit asynchronem Streaming sein – quasi die Drahtlosvariante zu asynchronem USB. Der Preis wird voarussichtlich bei 150 Euro liegen.Mit dem Jitterbug hatte audioquest eine weitere Mini-Überraschung im Gepäck. Dabei handelt es sich um eine Art Trennfilter für USB-Verbindungen. Letztere transportieren nämlich eine ungeheure Menge Müll über Datenleitung, Strom und Schirmung, was (auch wenn einige es noch immer nicht wahrhaben wollen) erhebliche klangliche Auswirkungen haben kann. Der Jitterbug ist eine äußerst einfache und mit ca. 50 Euro auch bezahlbare Möglichkeit, dem Jitter in all seinen Ausprägungen den Gar auszumachen.Unabhängig von audioquest hatte Norbert Lindemann (siehe Test des musicbook:15 in Ausgabe 480) fast die selbe Idee und führte in München mit dem Prototypen eines USB-Kabels vor (leider kein Foto gemacht), welches quasi die Stromverbindung und den Schirm vom Computer entkoppelt und auch die Datenleitung filtert, um dem Problem des Rauschens und zeitlicher Varianzen Herr zu werden. Sobald verfügbar, werde ich dieses clevere Kabel ausgiebig ausprobieren und berichten. Ebenso wie den Jitterbug.Nächste Seite: Best of Show – DevialetWeitere Seiten des Artikels:1. Einleitung: Die Show der Superlative für Audiofans2. Ultra High End3. Kopfhörer4. Messehighlights5. Best of Show – Devialet6. Querbeet7. Querbeet – Fortsetzung8. Fazit