

Wer hätte je gedacht, wie sehr die Welt von der Erfindung des Mobiltelefons verändert werden würde? Und erst recht vom Smartphone, dessen großer Durchbruch eindeutig dem Apple iPhone zuzuschreiben ist. Rückblickend betrachtet ist unser alltäglicher Begleiter schon ein Stück wahrgewordene Science Fiction. Ein kleiner, handlicher Kasten mit einem hochauflösenden Bildschirm, einer Rechenleistung, die die Computer der ersten NASA-Mondmission um ein Vielfaches übersteigt und mit einer Funktionsvielfalt gesegnet ist, die schier unbegrenzt ist.
Von den zweifellos auch vorhandenen negativen Entwicklungen, die davon ausgingen – vor allem im Bereich Social Media – soll hier nicht die Rede sein. Es geht erst mal nur um den reinen Nutzen und die Technik. Eine Komponente, die sich dabei im Laufe der Jahre ihren Weg gebahnt hat – wenn auch nicht so abrupt, wie andere – sind flexible Displays. Erst diese ermöglichen es, die Form von Smartphones anders zu denken. Konzeptstudien ersonnen daraus beispielsweise Geräte in Stift- oder Zylinderform, die mit einem herausrollbaren Bildschirm à la Papyrusrolle funktionieren sollten. Das ist bislang keine Realität geworden. Hingegen sind klappbare Smartphones inzwischen bei anderen Herstellern seit einigen Jahren Realität. Und nun will auch Apple ein Stück von diesem Kuchen abhaben.
Alle Bilder in diesem Artikel sind Mockup Renderings, gefunden via YouTube,
ftpBringt Apple frischen Wind in die Foldable-Idee?Wie mehrfach in der Vergangenheit ist Apple zwar nicht der eigentliche Erfinder bestimmter Erfolgsmodelle, könnte aber, wie ganz besonders beim iPhone geschehen, wieder dasjenige Unternehmen sein, das es „richtig“ macht. Apple lässt sich gerne mal Zeit. Bei einer bestimmten neuen Technologie zu folgen, bringt dann aber oft neue Gedanken und andere Bedienkonzepte ins Spiel. Ob das mit einem klappbaren Smartphone wieder so gut klappen könnte, wie mit dem ursprünglichen iPhone geschehen, wage ich zu bezweifeln. Denn es steht jetzt schon fest, dass das kolportierte „iPhone Ultra“ (der gängige Arbeitsname in den Medien, aber noch nicht endgültig feststehend) auf die bekannte iOS-Oberfläche setzt und bei der Hardware kaum große Neuerungen zu vergleichbaren Produkten von beispielsweise Samsung bieten wird. – Außer vielleicht Verbesserungen im Detail. So wird zum Beispiel in der Gerüchteküche gemunkelt, Apple könnte es gelungen sein, den lästigen Display-Knick bei seinem Konzept komplett zu vermeiden. Abwarten.

Wenn die Gerüchte stimmen, wird das Ultra eine Grundform im Buchstil besitzen, mit zwei rechteckigen Gehäuseteilen, die zusammengeklappt weniger Platz in der Hosentasche einnehmen, als die meisten bestehenden iPhones (man vermutet um 5,5" für das Außendisplay), aufgeklappt aber fast die Bildschirmfläche eines iPad mini erreicht. Doch wie genau die Form am Ende auch sein wird (viel Spielraum gibt es nicht), es dürfte ein mit den bekannten Kompromissen behaftetes Produkt sein. Zusammengeklappt zwar klein in der Fläche, aber relativ dick und schwer. Aufgeklappt zwar größer als ein iPhone Max, aber kleiner als jedes iPad. Und auch mechanisch muss sich erst zeigen, ob und wie gut Apple die bekannten neuralgischen Punkte wie Gelenk und Display-Knick in den Griff bekommt.
Renner oder Rohrkrepierer?Betrachtet man die Verkaufszahlen bereits erhältlicher „foldable“ Smartphones, liegt ihr Anteil bei verschwindend geringen Stückzahlen, die nur wenige Prozent der Gesamtverkaufszahlen im (Android) Smartphone-Markt ausmachen. Die Zahlen habe ich mittels KI-Recherche ermittelt. Demnach betrug ihr globaler Marktanteil im dritten Quartal 2025 rund 2,5 %. Betrachtet man nur die Foldables untereinander, zeichnet sich jedoch ein klarer Trend ab:
- Der Book-Style (Buch-Format, so wie vermutlich das iPhone Ultra): Hat mit 52 % im Jahr 2025 die Mehrheit. Modelle wie das Samsung Galaxy Z Fold oder das Huawei Mate Series setzen sich durch, da sie aufgrund der größeren Bildschirme besser für Produktivität geeignet sind.
- Clamshell (Muschel-Format): Kommt auf 48 %. Geräte wie das Samsung Galaxy Z Flip oder das Motorola Razr verlieren an Boden, da Book-Style-Modelle zunehmend bevorzugt werden.
Für das Jahr 2026 prognostizieren Marktforscher (u.a. Counterpoint Research), dass der Anteil der Book-Style-Geräte auf etwa 65 % (aller Foldables) steigen wird.
Die Zahlen mögen mit anderen Recherchemethoden und Rechenweisen abweichen, jedoch dürfte der Gesamtanteil an Foldables in jedem Fall bei „verschwindend gering“ bleiben. Ob sich daran mit dem Markteintritt von Apple etwas maßgeblich ändern wird, ist eher unwahrscheinlich.
Sinn und Nutzen abwägenZwei Hauptpunkte stehen einem echten Massenerfolg für Foldables meiner Ansicht nach im Weg: Erstens, weil es ein Kompromissprodukt ist, das wie oben beschrieben zwar in gewissem Maße die Vorzüge kompakter Smartphones mit den großen Displays von Tablets verbindet, dabei aber weder Fisch noch Fleisch ist. Also von beidem ein bisschen, aber beides nicht optimal.
Zweitens, der Preis. Es scheint schon ausgemachte Sache zu sein, dass das iPhone Ultra neue Hochpreisrekorde für Smart-Devices aufstellen wird. Nicht zuletzt auch wegen der aktuellen allgemeinen Preiserhöhungen von Apple. Preisschilder im Bereich ausgewachsener MacBook Pro sind wahrscheinlich.
Allein diese beiden Punkte bedeuten am Ende, dass auch das iPhone Ultra im Vergleich zu herkömmlichen iPhones kaum einen substantiellen Marktanteil erreichen dürfte. Auch wenn sicherlich genug Menschen mit ausreichend Geld dafür vorhanden sind, werden sich viele davon doch die Nutzen-Frage sehr genau überlegen. Denn sinnvoll ist so ein modernes „Klapptelefon“ im Grunde nur für Anwender, die für ihre Online-Aktivitäten nahezu ausschließlich auf ein Smart-Device setzen wollen. Also solche, die sich keine unterschiedlichen Geräte für unterschiedliche Zwecke kaufen (möchten).

Bei mir herrscht Arbeitsteilung in Sachen Apple-Devices. Ein Mac Studio läuft stationär am Desktop für die tägliche Schreibarbeit. Ein MacBook Pro ist mein „Ausweich-Mac“, wenn der Studio schon Feierabend hat oder nicht in Reichweite ist. Zusätzlich nutze ich ein iPad Pro für „Spontanarbeiten“ und „Sofa-Recherche“, also wenn das MacBook weniger komfortabel für diesen Zweck wäre. Mein täglicher Begleiter ist natürlich ein iPhone, und nur auf Reisen nehme ich bevorzugt noch mein MacBook mit. Das iPad bleibt eher zuhause, weil iOS für viele meiner Workflows einfach nicht so gut geeignet wie macOS ist. Kleinigkeiten können zwischendurch immer mit dem iPhone erledigt werden.
Die Kosten für die Anschaffung all dieser Geräte übersteigen natürlich die eines iPhone Ultra, auch wenn das noch teurer als befürchtet werden sollte. Aber es kann ganz sicher nicht die Vielseitigkeit der getrennten Komponenten für unterschiedliche Aufgaben ersetzen. Nicht einmal annähernd. Allein iOS steht dem im Weg. Von daher würde ein Klapp-iPhone für mich gar nicht in Frage kommen. Ich werde – beim derzeitigen Stand der Möglichkeiten für Foldables – auf absehbare Zeit lieber zum herkömmlichen iPhone Pro in Normalgröße greifen.
… Und ich denke, sehr vielen anderen Nutzern wird es ähnlich gehen.
Am Ende bleibt abzuwarten, ob Apple mit der Entwicklung eines Foldables einen langfristigen Hit landet, oder ob es eher ein „Hobby“ wird, wie einst das Apple TV.