Kommentar: Apples sensationelle Verkaufszahlen – also gibt es doch keine Probleme?
In Entwicklerkreisen ist daher immer häufiger zu hören, wie sich das Verhältnis zwischen "an neuen Funktionen arbeiten" und "gegen Apple-Fehler und undokumentiertes Verhalten ankämpfen" ungünstig verschiebt. Auch davon merkt der Kunde nichts, denn was im Hintergrund geschah, ist für ihn natürlich von wenig Relevanz. Wenn Apple-Bugs zu Problemen in Drittanbieter-Apps führen, bekommt zudem der Drittanbieter den Ärger ab – Apple ist fein raus.
Kunden sehen nicht, was sich im Untergrund zusammenbrautVor allem Liquid Glass zeigte einen an vielen Stellen indiskutablen Zustand. Die entsprechenden Frameworks waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht nur unfertig und (wie üblich) schlecht dokumentiert, sondern höchst fehleranfällig, halbgar umgesetzt und ließen die Entwicklungszeit allein durch eine Fülle an Problemen nach oben schießen. Besonderes Engagement bei Apple, sich mit voller Energie an die Fehlerbehebung zu machen, war leider nicht zu erkennen.
Dazu kommen die vielfach diskutierten Usability-Rückschritte (z.B.
,
und
), denn diesen Aspekt hatte Apple beim offenkundig hastig vollzogenen Redesign vernachlässigt. Zumindest in diesem Punkt haben größere Nutzerkreise von den Schwierigkeiten mitbekommen – unseren Serverstatistiken zufolge sind die Marktanteile von iOS 26 unverändert desaströs niedrig (unter 40 Prozent, normal zu diesem Zeitpunkt wären um die 80 Prozent).
Die anderen sind auch nicht besserApple kann sich aus verschiedenen Gründen wohl noch ausruhen. Findet man Hersteller, die es deutlich besser machen? Eher nicht – wenngleich ein "schaut euch die Fehler der anderen an!" keine Handlungsmaxime sein sollte. Zudem hat Apple Sorge dafür getragen, das Ökosystem nur schwerlich verlassen zu können. Apples Kampf mit Zähnen und Klauen gegen die Öffnung der Plattform hat nach Einschätzung vieler nicht die Sicherheit der Nutzer im Mittelpunkt, sondern die Sorge, dass diese zu Alternativen greifen könnten. Auch hier gilt: Hardwareseitig dürfte so bald niemand Apple das Wasser reichen können, preislich oder hinsichtlich Softwarefunktionen sieht es anders aus.
Dienste-Umsätze: Finanziell erfolgreiche NeuausrichtungZu Apples enormem finanziellen Erfolg tragen neben den hohen Verkaufszahlen noch andere Strategien bei, unter anderem die Fülle an Abos und kostenpflichtigen Zusatzleistungen, die es inzwischen an allen Ecken und Enden des Systems gibt. Das alte Mantra von "Kaufe einen Mac, habe alles" gilt schon lange nicht mehr. Dazu kommt immer mehr
Werbung im App Store oder teils gar per Push-Nachricht. Die beiden wesentlichen Faktoren des unerschütterlichen Geldbrunnens "Dienste" stehen zudem auf etwas wackligen Füßen. 20 Milliarden pro Jahr erhalten, damit Safari-Nutzer die Google-Suche verwenden, wäre in den USA beinahe im Kartellverfahren verboten worden. Die Apple Tax, das Geschäftsmodell aus hohen Gebühren bei erzwungenem Verkauf via App Store, steht ebenfalls weltweit unter Beschuss und hat einige Löcher bekommen.
Fazit: Ja, oberflächlich sieht alles perfekt ausWer sich für ein Apple-Produkt entscheidet, erhält in fast allen Fällen so ziemlich das Beste, was es auf dem Markt gerade gibt. Punkt. Die Hardware ist konkurrenzlos, die Vernetzung aller Produkte untereinander bietet niemand sonst, vor technischer Komplexität schirmt Apple Anwender ab, ohne diese aber im Alltag zu behindern. Alles perfekt ist aber dennoch nicht, denn was Apple zunehmend an Qualitätsproblemen auf Softwareseite aufbaut, hat langfristige Auswirkungen. Wenn etwas Fehlerbehaftetes die Grundlage für das nächste nicht mit höchster Sorgfalt umgesetzte Projekt ist, welchem man dann wiederum wenig Zeit für Problembehebung widmet, kann diese "Katastrophenspur" irgendwann in sich zusammenfallen. Das wäre dann der Punkt, an dem mehr Nutzer davon etwas mitbekommen – und sich ein Ruf einschleichen kann, der Premiumpreise weniger als momentan rechtfertigt. Die Umsatz- und Gewinnzahlen sprechen für "alles genau richtig!" – aus Sicht der Kunden ist es das wohl auch – doch die Oberfläche unterscheidet sich hingegen deutlich vom Unterbau.