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KI-Werkzeug "Claude Desktop" installiert ungefragt Browser-Schnittstellen – Sicherheitsrisiko?

Anthropic gehört zu den Großen, was die US-amerikanischen KI-Anbieter angeht. Das von ehemaligen OpenAI-Angestellten gegründete Unternehmen betont regelmäßig, nach ethischen Grundsätzen zu handeln – so verweigerte es eine Zusammenarbeit mit dem US-Militär in bestimmten Bereichen. Doch wenn es um die Installation des eigenen Clients auf Anwender-Rechnern geht, scheint der Anbieter von KI-Tools unter dem Namen „Claude“ wenig zimperlich vorzugehen – und seiner App vorab Zugriff auf Browser zu gewähren. So lautet zumindest der Vorwurf von Alexander Hanff: Er entdeckte auf seinem Mac sieben browser-spezifische „NativeMessagingHosts“-Konfiguationsdateien, die ohne seine Zustimmung installiert wurden.


Auf diese Weise stattet Claude Browser-Erweiterungen im Voraus mit vollen Nutzerrechten aus, argumentiert Hanff, der selbst einen Native-Messaging-Helper entwickelt und darum über diese Konfigurationsdateien stolperte. Die Freibriefe im JSON-Format landen allesamt im Ordner „Application Support“, und zwar in den spezifischen Unterordnern der jeweiligen Browser. Falls ein Browser nicht auf dem Mac installiert ist, legt eine Installationsroutine die Ordnerstruktur eigenständig an. Für den Chrome-Browser sieht der Pfad etwa so aus:

~//Library/Application Support/Google/Chrome/NativeMessagingHosts/com.anthropic.claude_browser_extension.json

Da er sich nicht erinnern konnte, eine derartige Installation vorgenommen zu haben, machte er sich auf die Suche nach dem Ursprung. Er konnte recht zweifelsfrei feststellen, dass die Software Claude Desktop der Verursacher ist. Er wurde jedoch nie danach gefragt, ob er eine entsprechende Installation wünsche.

Unterschied zu Claude Code
Dabei differenziert er zwischen „Claude Desktop“, einer Rundumlösung für Anwender, und „Claude Code“, einem auf Software-Entwickler ausgerichteten Werkzeug. Letztere fragt den Anwender bei der Installation, ob er entsprechende Browser-Erweiterungen nutzen wolle, und installiere diese dann auch. Claude Desktop richtet lediglich eine Vorabfreigabe für drei Erweiterungen ein, fügt diese allerdings gar nicht der Mac-Konfiguration hinzu. Dennoch, so argumentiert Hanff, entstehe eine potenzielle Sicherheitslücke: Eine nachträglich geladene Chrome-Erweiterung, welche einem der drei Definitionen entspreche, sei automatisch für sieben Browser aktiviert und könne deren Inhalte lesen und wie der Anwender mit Websites interagieren.

Datei wird immer wieder erneuert
Der Entdecker hält dies zumindest für ein „Dark Pattern“. In einer tieferen Analyse beobachtete er, dass die entsprechenden JSON-Dateien im Dezember 2025 installiert und seitdem 31-mal geändert wurden. Löscht er sie von Hand, legt Claude Desktop beim nächsten Start nach und legt sie erneut an den entsprechenden Orten ab. Ein Test in einer virtuellen Maschine bestätigt: Noch bevor der Anwender dem Speichern von Cookies zugestimmt hat, finden sich die claude_browser_extension-Dateien im Application-Support-Ordner – für Google Chrome, Chromium, Brave, Arc, Vivaldi, Opera und Edge.

Obwohl Claude Desktop noch nicht vollständig gestartet ist, werden bereits Browser-Erweiterungen vorab freigegeben.

Widerspruch zu E-Privacy-Richtlinie?
Aus Sicht des Entwicklers entspricht dies einer Vorabaktivierung von Spyware, welche im Nachgang installiert werden kann. Dies könnte im Widerspruch zur E-Privacy-Richtlinie stehen. Zudem wundert er sich, wie es sein kann, dass ein Programm mit derartigen Eingriffen in die Konfiguration von Software anderer Anbieter der Überprüfung von Apple standhält: Das Claude-Desktop-Paket hat eine gültige Signatur des Entwicklerzertifikats von Anthropic, wurde also bei Apple auf Überprüfung eingereicht.

Kommentare

thomas b.
thomas b.22.04.26 16:08
Wenn die Entwicklung so weiter geht, haben wir alsbald wohl den KI-Terminator auf den Computern und werden ihn nicht mehr los, weil er das aktiv zu verhindern weiss.
+10
Dunnikin
Dunnikin22.04.26 16:16
Es gibt diverse Gründe, warum ich fast keine KI nutze. Weil ich dem Zeug (den Unternehmen dahinter und den LLMs selbst) nicht traue, ist einer davon. Und der wichtige zweite Grund ist, daß ich die Antwort einer KI verifizieren muß. Dann kann ich gleich selbst recherchieren.

Ich habe von einer KI mal einen kleinen Bildbetrachter für den C64 stricken lassen. Das war sogar sehr brauchbar.

Aktuell habe ich das Gefühl, daß bei KI eine Wildwest-Stimmung herrscht, da wird alles geschnappt, was nicht bei drei auf dem Baum ist, Urheberrecht hin, Zugriffsrechte ohne Zustimmung auf dem Computer her.
+8
AE-35
AE-3522.04.26 16:38

Isch abe gar keine Vivlaldi. Vivaldi hatte ich vor Jahren gelöscht.

Vorgestern hatte ich nach längerem Zögern Claude Desktop installiert. Gestern las ich diesen las und habe die App gleich per CleanApp gelöscht und die entsprechende Datei von Claude auch.
-2
AE-35
AE-3522.04.26 16:39
AE-35

Isch abe gar keine Vivlaldi. Vivaldi hatte ich vor Jahren gelöscht.

Vorgestern hatte ich nach längerem Zögern Claude Desktop installiert. Gestern las ich diesen Blogpost und habe die App gleich per CleanApp gelöscht und die entsprechende Datei von Claude auch.
-4
AE-35
AE-3522.04.26 16:39
AE-35
AE-35

Isch abe gar keine Vivlaldi. Vivaldi hatte ich vor Jahren gelöscht.

Vorgestern hatte ich nach längerem Zögern Claude Desktop installiert. Gestern las ich diesen Blogpost und habe die App gleich per CleanApp gelöscht und die entsprechende Datei von Claude auch. Aber siehe da.
-4
DasFaultier22.04.26 17:23
Wer sich Tools wie Claude, ChatGPT und Co verweigert wird es in Zukunft sehr schwer haben. Die Tools werden sich durchsetzen, schneller als das Smartphone es getan hat. Persönlich kann ich die generelle negative Grundstimmung im DACH-Raum kaum nachvollziehen. Die Tools, machen uns so viel effizienter, demokratisieren Ideen und Umsetzungen dermaßen.

Ich sehe das Problem und finde es auch schön, aber wegen sowas die Nutzung abzulehnen. Ich weiß ja nicht..
+1
kofel22.04.26 17:35
DasFaultier
Wer sich Tools wie Claude, ChatGPT und Co verweigert wird es in Zukunft sehr schwer haben. ...
Ich hoffe -abgesehen von den datenschutzrechtlichen Bedenken, die ernst zu nehmen sind!-, dass Ärzte bei der Diagnose (und Forschung) verstärte AI zur Unterstützung verwenden.

Gerade bei seltenen Krankheiten kann das für die betroffenen Patienten Jahre an Lebensqualität bringen.
Grund: erst nach einer gesicherten Diagnose kann man mit einer effektiven Behandlungsmethode beginnen.

Mich selbst hat das mind. 3 Jahre(!) Lebensqualität gekostet, bis ich endlich bei den richtigen Ärzten gelandet bin, die die korrekten Schlüsse gezogen haben.
Mit einer AI wie Claude wäre das mittels Frage und Antwort "Spiel" gleich erkannt worden.
+7
Dunnikin
Dunnikin22.04.26 18:14
DasFaultier
Wer sich Tools wie Claude, ChatGPT und Co verweigert wird es in Zukunft sehr schwer haben. Die Tools werden sich durchsetzen, schneller als das Smartphone es getan hat. Persönlich kann ich die generelle negative Grundstimmung im DACH-Raum kaum nachvollziehen. Die Tools, machen uns so viel effizienter, demokratisieren Ideen und Umsetzungen dermaßen.

Ich sehe das Problem und finde es auch schön, aber wegen sowas die Nutzung abzulehnen. Ich weiß ja nicht..

Ablehnung heiß nicht, daß man sich komplett abwendet. Ich beobachte das Thema KI durchaus, aber ich nutze es aus diversen Gründen aktuell nicht. Das kann sich ändern.
+3
ttwm22.04.26 18:33
kofel
DasFaultier
Wer sich Tools wie Claude, ChatGPT und Co verweigert wird es in Zukunft sehr schwer haben. ...
Ich hoffe -abgesehen von den datenschutzrechtlichen Bedenken, die ernst zu nehmen sind!-, dass Ärzte bei der Diagnose (und Forschung) verstärte AI zur Unterstützung verwenden.

Gerade bei seltenen Krankheiten kann das für die betroffenen Patienten Jahre an Lebensqualität bringen.
Grund: erst nach einer gesicherten Diagnose kann man mit einer effektiven Behandlungsmethode beginnen.

Mich selbst hat das mind. 3 Jahre(!) Lebensqualität gekostet, bis ich endlich bei den richtigen Ärzten gelandet bin, die die korrekten Schlüsse gezogen haben.
Mit einer AI wie Claude wäre das mittels Frage und Antwort "Spiel" gleich erkannt worden.
Es freut mich, dass es Dir wohl wieder besser geht. Aber Claude & Co. fabulieren immer noch so viel in der Gegend rum, dass man sich darauf nicht verlassen darf. Wenn Du 10 mal das gleiche Frage und Antwort "Spiel" spielst, wirst Du 10 End-Antworten bekommen… Eine davon mag richtig sein.

Mein Arzt für innere Medizin (Spiegelungen…) setzt parallel auch medizinische KI ein, aber sagt selber, dass das derzeit keinen Vorteil für den Patienten bringt. Hängt aber wohl auch von der Erfahrung/Kompetenz des Arztes ab, was er auf Bildern erkennt oder nicht…
+2
AE-35
AE-3522.04.26 18:51
Ich hatte Claude installiert, um von ChatGPT los zu kommen, weil ich Altman gruselig finde.

Ich nutze ChatGPT öfter mal, habe auch schon vibe gecodet, lustige Bildchen machen lassen, frage immer mal nach der richtigen Syntax, die ich vergessen habe, stelle "medizinische" Fragen, rechtliche etc. Alles um wenigstens eine erste Antwort zu bekommen, eine Richtung etc. Im Grunde googelt das Ding für mich nur Lichtjahre schneller.

Aber eine KI, die mir Sachen installiert, kommt mir nicht wieder auf den Rechner.

Ich habe Mistral AI und LeChat noch nicht aufgegeben. Habe die Website als Icon ins Dock platziert und versuche es immer mal wieder. LeChat ist deutlich langsamer als ChatGPT aber es ist nicht schlecht.
0
Klaus9922.04.26 21:05
Ich kann dieses ängstliche Gehabe wegen der KI einfach nicht mehr hören. Keiner wird gezwungen das Zeug zu installieren, also muss auch keiner darüber jammern.
Aber für die Menschen, welche noch Neugierig sind, ist es jetzt eine sehr spannende Zeit.
Ich für meinen Teil bin über und auf die aktuellen und kommenden Möglichkeiten, welche die KI bietet und bieten wird, sehr erfreut und gespannt. Zum Glück kann mir die KI nicht mehr den Job weg nehmen, bin seit kurzem Rentner. "Leider" hat mir die KI jetzt wieder einen 10 Stundentag beschert, da ich von früh bis spät ihre Möglichkeiten auslote und 5 Softwareprojekte gleichzeitig entwickle. Mit der Softwareentwicklung hatte ich leider schon größtenteils für mich abgeschlossen, aber mit Hilfe der KI geht das wieder richtig gut.
Und zur Info: Natürlich lasse ich die Sachen nicht auf meinen "normalen" Systemen laufen. Dafür habe ich mir ein extra System konfiguriert.
So, zittert weiter oder stellt euch den neuen Herausforderungen und Möglichkeiten!
-3
kofel22.04.26 21:40
Klaus99
Ich kann dieses ängstliche Gehabe wegen der KI einfach nicht mehr hören. Keiner wird gezwungen das Zeug zu installieren, also muss auch keiner darüber jammern.
Aber für die Menschen, welche noch Neugierig sind, ist es jetzt eine sehr spannende Zeit.
Ich für meinen Teil bin über und auf die aktuellen und kommenden Möglichkeiten, welche die KI bietet und bieten wird, sehr erfreut und gespannt. Zum Glück kann mir die KI nicht mehr den Job weg nehmen, bin seit kurzem Rentner. ...
Ich teile die Begeisterung aus dem Ursprungsposting – und möchte noch etwas ergänzen.

Für mich ist KI schlicht ein weiteres Werkzeug. Nicht mehr, nicht weniger. Wie seinerzeit Excel oder Access.

Ja, einfachere Bürotätigkeiten werden dadurch wegfallen – Stellen, bei denen Routine und Seniorität bisher mehr zählten als fachliche Tiefe. Das ist eine reale Verschiebung, die man nicht kleinreden sollte.

Was bleibt? Lebenslanges Lernen – und ausgerechnet dabei kann KI, richtig eingesetzt, eine echte Hilfe sein.

Wer lieber mit den Händen arbeitet als mit dem Bildschirm: Gute Handwerker sind gefragter denn je, oft besser bezahlt als mancher Büroangestellte, und durch keine KI zu ersetzen.
+1
udrabo
udrabo22.04.26 21:52
Für Recherchen mit Webzugriff verwende ich Mistral Le Chat und Claude. Für Claude werde ich künftig aber wohl eine UTM-VM einrichten und Claude darin laufen lassen. Dann ist es wenigstens von meinen ganzen persönlichen und geschäftlichen Daten abgekoppelt.

Für FileMaker-Entwicklung habe ich via Ollama LLMs lokal installiert und bin dabei, mir einen guten Workflow einzurichten, um damit effizient arbeiten zu können. Erste Tests sind da schon sehr vielversprechend. Im Moment habe ich noch ein MBP M3 Max mit 36 GB Arbeitsspeicher. Da kann ich Mistral-Small3.2 (ist ein 24b-Modell) ziemlich flüssig nutzen – jedenfalls mit einem Kontextfenster von 4096 oder 8192 Token.

Ich freu mich schon auf den bestellten M5 Max mit 128 GB Arbeitsspeicher. Dann kann ich auch mit großen Modellen und großem Kontextfenster flüssig arbeiten. Und das safe, weil lokal auf meinem Rechner!
+1
AE-35
AE-3522.04.26 22:22
Klaus99
Zum Glück kann mir die KI nicht mehr den Job weg nehmen, bin seit kurzem Rentner. "Leider" hat mir die KI jetzt wieder einen 10 Stundentag beschert, da ich von früh bis spät ihre Möglichkeiten auslote und 5 Softwareprojekte gleichzeitig entwickle.
Ja, nee, is klar. Nach mir die Slopflut! Sage ich ja auch immer.
+5
lautsprecher23.04.26 10:04
Wenn ich die Kommentare lese, dann erkenne ich den Pavlowschen Reflex. Im Text steht was von "KI" und *BUMM* gehts los: KI ist der Teufel, werde ich nie benutzen, killt unsere Jobs.

Das mag ja alles sein, hat dummerweise mit dem Artikelinhalt nichts zu tun. Lassen wir KI mal nur ganz kurz außen vor. Dann liest sich der Inhalt für viele bestimmt ganz anders:

Eine Software umgeht Apple Sicherheitsmechanismen und erzeugt möglicherweise ein Siherheitsrisiko. Und das ist in meinen Augen eine Schweinerei.
+6
Smallersen24.04.26 11:51
Gerade alle Claude Browser extensions gelöscht, waren wirklich für alle meine 6 Browser installiert. Und die Claude App selber in den Müll. Sowas geht gar nicht.
+2

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