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Hinter den Kulissen: Wie Apple auf Groks Nacktbilderstellung reagierte

Anfang Januar 2026 geriet Grok massiv unter Druck, weil sich auf X und über die Bildfunktionen des Chatbots sexualisierte Fälschungen echter Personen verbreiteten, darunter auch Darstellungen von Minderjährigen. Google und Apple wurden daraufhin von vielen Seiten aufgefordert, die Apps aus dem Store zu entfernen, da es sich um illegale Inhalte handelte, die zudem eindeutig gegen die AGB verstießen. Bewiesen sei durch das Vorgehen gegen ICEBlock ja, wie schnell man reagieren könne, hieß es mehrfach. Reaktionen darauf gab es jedoch nicht und alles sah so aus, als müsste X keine Konsequenzen fürchten.


Apple reagierte – aber ohne öffentliche Kommunikation
Im Hintergrund hatte Apple einem neuen Bericht zufolge aber durchaus reagiert. Laut einem Schreiben, das NBC News vorliegt, nahm das Unternehmen nach Beschwerden und Medienberichten Kontakt zu den Teams hinter X und Grok auf. Apple kam demnach zu dem Schluss, dass beide Anwendungen gegen die eigenen Vorgaben verstießen. In den Richtlinien ist klar festgehalten, dass Anwendungen, die sich vor allem für pornografische Inhalte oder die Objektifizierung realer Personen nutzen lassen, nicht in den App Store gehören und auch ohne Vorwarnung entfernt werden können. Außerdem ist hinreichende Moderation zu gewährleisten, wenn es um nutzergenerierten Content geht.

Nachbesserungen gefordert
Danach trennte Apple die beiden Fälle offenbar voneinander. X habe seine Verstöße nach Apples Einschätzung im weiteren Verlauf weitgehend behoben. Grok blieb aus Sicht des Konzerns dagegen zunächst nicht regelkonform, weswegen es zur Abweisung eines App-Updates kam. Weitere Änderungen seien erforderlich, lautete die Antwort des Review-Teams – wenngleich unbekannt bleibt, welche das letztendlich waren, um wieder Updates einreichen zu können.

Vorwurf der Tatenlosigkeit somit nicht haltbar
Die Sache wirkt deshalb heute etwas differenzierter als noch im Januar. Der Vorwurf, Apple habe einfach tatenlos zugesehen, lässt sich nach dem nun bekannt gewordenen Schriftwechsel so nicht mehr halten. Den Kritikpunkt der Ungleichbehandlung räumt das hingegen nicht aus. Zeitgleich hatte Apple dem Bericht nach nämlich 28 andere Apps direkt und ohne jeden Dialog entfernt, die ähnliche Funktionalität boten. Dieser Unterschied nährt zumindest den Eindruck, dass für einen prominenten und politisch aufgeladenen Fall wie Grok ein anderer Maßstab galt als für kleinere Anbieter.

Kommentare

Don Gomez
Don Gomez15.04.26 12:19
Den Kritikpunkt der Ungleichbehandlung räumt das hingegen nicht aus. Zeitgleich hatte Apple dem Bericht nach nämlich 28 andere Apps direkt und ohne jeden Dialog entfernt, die ähnliche Funktionalität boten. Dieser Unterschied nährt zumindest den Eindruck, dass für einen prominenten und politisch aufgeladenen Fall wie Grok ein anderer Maßstab galt als für kleinere Anbieter.

Womöglich ist die beobachtete Ungleichbehandlung auch auf die unterschiedliche Größe der Nutzerbasis zurückzuführen. Die Konsequenzen wären andere, für die Nutzer, für Apple, für den öffentlichen Diskurs. Muss Apple halt mitbedenken, wenn es sich in so eine Gatekeeper-Rolle hineinmanövriert.
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Fontelster
Fontelster15.04.26 12:55
Don Gomez
Womöglich ist die beobachtete Ungleichbehandlung auch auf die unterschiedliche Größe der Nutzerbasis zurückzuführen.
Umgekehrt wird ein Schuh draus: wenn etwas falsch/verboten ist, dann muss es um so schneller beseitigt werden, je mehr Leute es benutzen, und nicht je weniger.
Weil der Schaden entsprechend größer ist.
+12
derguteste
derguteste15.04.26 13:18
Ich weiss von einigen aus meinem Bekanntenkreis, das gewisse Bilderstellungsprompts die über die Grok App auf iOS gestellt wurden nicht umgesetzt wurden. Aber der selbe Prompt über Safari mit dem selben Konto problemlos ausgeführt wurde. Wahrscheinlich gibts inzwischen eine leichte prompt "Blockade" innerhalb der iOS App
+1
Don Gomez
Don Gomez15.04.26 13:20
Fontelster
Don Gomez
Womöglich ist die beobachtete Ungleichbehandlung auch auf die unterschiedliche Größe der Nutzerbasis zurückzuführen.
Umgekehrt wird ein Schuh draus: wenn etwas falsch/verboten ist, dann muss es um so schneller beseitigt werden, je mehr Leute es benutzen, und nicht je weniger.
Weil der Schaden entsprechend größer ist.

Deine Beobachtung ist nicht falsch, aber möglicherweise einseitig. Auch aus dem Verbot kann ja ein Schaden entstehen, etwa ein ökonomischer für Apple, ein politischer für das Binnenverhältnis von Apple und X oder ein gesellschaftlicher Schaden durch das Wegfallen einer Diskurs-Plattform. Das alles mit in die Entscheidungsfindung einzubeziehen, kann dazu führen, dass 28 andere Apps ohne Dialog entfernt werden und bei X und Grok ein Schriftwechsel als die mildere Form der Auseinandersetzung geführt wurde. Und so ließe sich dann das Rational für die beobachtete Ungleichbehandlung erklären.
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+3
Fontelster
Fontelster15.04.26 13:48
Don Gomez
Auch aus dem Verbot kann ja ein Schaden entstehen, etwa ein ökonomischer für Apple,
Welcher sollte das sein? Weniger Einnahmen aus dem AppStore (ich weiß gar nicht, ob diese App was kostet) wenn die App rausfliegt? Das würde bedeuten: »verstößt zwar gegen unsere AGBs, aber wenn es Geld bringt ist das nicht so schlimm«.
Oder über die Gefahr einer Klage von X? Mit so einer Klage hätte Musk – vermutllich – keine Chance.
Don Gomez
oder ein gesellschaftlicher Schaden durch das Wegfallen einer Diskurs-Plattform.
Was ist mit dem Schaden für die Menschen, von denen weiter Fake-Pornobilder erstellt wurden?

Ansonsten scheint mir ein gesellschaftlicher Schaden eher durch das Vorhandensein von X zu bestehen. Aber das ist ein anderes Thema …
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Don Gomez
Don Gomez15.04.26 14:09
Fontelster
Don Gomez
Auch aus dem Verbot kann ja ein Schaden entstehen, etwa ein ökonomischer für Apple,
Welcher sollte das sein? Weniger Einnahmen aus dem AppStore (ich weiß gar nicht, ob diese App was kostet) wenn die App rausfliegt? Das würde bedeuten: »verstößt zwar gegen unsere AGBs, aber wenn es Geld bringt ist das nicht so schlimm«.
Oder über die Gefahr einer Klage von X? Mit so einer Klage hätte Musk – vermutllich – keine Chance.
Don Gomez
oder ein gesellschaftlicher Schaden durch das Wegfallen einer Diskurs-Plattform.
Was ist mit dem Schaden für die Menschen, von denen weiter Fake-Pornobilder erstellt wurden?

Ansonsten scheint mir ein gesellschaftlicher Schaden eher durch das Vorhandensein von X zu bestehen. Aber das ist ein anderes Thema …

Ja, die ganze moralische Emphase geschenkt. Ob ich X toll finde oder nicht, spielt gar keine Rolle. Es ging und geht mir um die Plausibilisierung eines Vorgangs, der als Ungleichbehandlung daherkommt. An anderen Facetten der Diskussion habe ich keinen Anteil.
... darauf einen Dujardin!
+4
System 6.0.1
System 6.0.115.04.26 15:06
Don Gomez
Fontelster
Umgekehrt wird ein Schuh draus: wenn etwas falsch/verboten ist, dann muss es um so schneller beseitigt werden, je mehr Leute es benutzen, und nicht je weniger.
Weil der Schaden entsprechend größer ist.

Deine Beobachtung ist nicht falsch, aber möglicherweise einseitig. Auch aus dem Verbot kann ja ein Schaden entstehen, etwa ein ökonomischer für Apple, ein politischer für das Binnenverhältnis von Apple und X oder ein gesellschaftlicher Schaden durch das Wegfallen einer Diskurs-Plattform. Das alles mit in die Entscheidungsfindung einzubeziehen, kann dazu führen, dass 28 andere Apps ohne Dialog entfernt werden und bei X und Grok ein Schriftwechsel als die mildere Form der Auseinandersetzung geführt wurde. Und so ließe sich dann das Rational für die beobachtete Ungleichbehandlung erklären.

Das kann ich nur bestätigen.

Je größer ein Player im Markt ist, umso wichtiger wird es, eine Kommunikationsebene aufrecht zu halten. Selbst, wenn dieser Player unethisch oder sogar kriminell handelt.

Das war bei Trump so, das ist bei Musk kaum anders.

Eine Kommunikationsebene aufrecht zu halten bedeutet nicht, den Handlungen des anderen positiv gegenüberzustehen, oder ihre Ansichten zu übernehmen. Es bedeutet, dass man miteinander spricht.

Und nur wenn miteinander gesprochen wird, kann sich etwas ändern.

Ich weiß, der aktuelle Konsens bei konträren Ansichten ist:

„Mit solchen Leuten spricht man nicht!“

Besser hat das die Welt die letzten 50 Jahre auch nicht gemacht. Im Gegentum: Die Fronten auf der Welt und durch die Gesellschaften sind härter als niemals zuvor.

Kann ja sein, dass ich mich irre. Aber da kommt nix Gutes von. Das kann man mir glauben, oder schmerzhaft in den nächsten Jahren selbst erleben. Lange wird es nicht mehr dauern …

🕊️
„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
+1
Weia
Weia15.04.26 15:19
Fontelster
Don Gomez
oder ein gesellschaftlicher Schaden durch das Wegfallen einer Diskurs-Plattform.
Was ist mit dem Schaden für die Menschen, von denen weiter Fake-Pornobilder erstellt wurden?
Wie Don Gomez schon sagte, das ist eben eine Abwägungsfrage.

Täglich sterben Menschen im Straßenverkehr. Das ist in jedem Einzelfall schrecklich, dennoch hat sich die Gesellschaft in Abwägung von Vor- und Nachteilen entscheiden, den Autoverkehr insgesamt nicht zu sperren.

Und die Folgen der Blockierung bzw. Zensur einer weltweit massiv genutzten Kommunikationsplattform in Teilen oder in Gänze abzuwägen gegenüber den Schäden durch Fake-Pornobilder (die ja überhaupt nur durch die irrationale Schambesetzung von Sexualität und Nacktheit ein Problem sind) ist eben auch nicht so trivial. In jedem Fall gehört eine solche Abwägung in den öffentlichen Diskurs und nicht in die Hände eines privatwirtschaftlich geführten Unternehmens.
„Meinung“ ist das Foren-Unwort des Jahrzehnts.
+6
FoneBone
FoneBone15.04.26 16:06
Weia
Täglich sterben Menschen im Straßenverkehr. Das ist in jedem Einzelfall schrecklich, dennoch hat sich die Gesellschaft in Abwägung von Vor- und Nachteilen entscheiden, den Autoverkehr insgesamt nicht zu sperren.

Die Gesellschaft, die das entscheidet, legt aber auch Regeln fest, um die Nachteile gering zu halten. Und sie sorgt dafür, dass jene, welche Schaden verursachen, zur Rechenschaft gezogen werden.

Nur funktioniert das im digitalen Raum aktuell kaum. Daher finde ich den Vergleich nicht treffend.
+2
Fontelster
Fontelster15.04.26 17:38
Weia
Täglich sterben Menschen im Straßenverkehr. Das ist in jedem Einzelfall schrecklich, dennoch hat sich die Gesellschaft in Abwägung von Vor- und Nachteilen entscheiden, den Autoverkehr insgesamt nicht zu sperren.
Nö, aber die Gesellschaft hat sich entschieden, den Straßenverkehr zu regeln und bei Verstößen zu ahnden. Um das Sterben zu reduzieren wurden Gesetze erlassen: Gurtpflicht, Überholverbote, Geschwindigkeitsbegrenzung, und und und.

Dann sollte man diese Gesetze nur bedingt durchsetzen?

Weia
Und die Folgen der Blockierung bzw. Zensur einer weltweit massiv genutzten Kommunikationsplattform in Teilen oder in Gänze abzuwägen
Das sind doch zwei ganz verschiedene Sachen, einerseits X als Plattform und Grok als App.

Weia
Schäden durch Fake-Pornobilder (die ja überhaupt nur durch die irrationale Schambesetzung von Sexualität und Nacktheit ein Problem sind)
Wenn ich dich richtig verstehe, dann hat z.B. Collien Fernandes gar kein echtes Problem, sondern einfach nur die falsche Einstellung zu Sexualität und Nacktheit?
+6
Weia
Weia15.04.26 18:58
Fontelster
Dann sollte man diese Gesetze nur bedingt durchsetzen?
Nein, das nicht. Aber die Güterabwägung und Umsetzung sind Sache der öffentlichen Hand, nicht privatwirtschaftlicher Unternehmen.

Es ist ja nicht so, dass es eine klare rechtliche Regelung gab, die Apple aber nicht oder nur teilweise befolgt hätte.
Das sind doch zwei ganz verschiedene Sachen, einerseits X als Plattform und Grok als App.
Im Artikel ging es aber um beides; darauf bezog ich mich.
Weia
Schäden durch Fake-Pornobilder (die ja überhaupt nur durch die irrationale Schambesetzung von Sexualität und Nacktheit ein Problem sind)
Wenn ich dich richtig verstehe, dann hat z.B. Collien Fernandes gar kein echtes Problem, sondern einfach nur die falsche Einstellung zu Sexualität und Nacktheit?
Nicht speziell Collien Fernandes, sondern wir alle. Das Gewaltförmige entsteht doch nur in unseren Köpfen durch unsere verkorkste, schambehaftete Sexualmoral; wäre sie als einzige frei davon, würde ihr das kaum helfen, weil sie die anderen immer noch auszählen würden deswegen (es wäre höchstens leichter für sie, über dem Ganzen zu stehen).

Ohne diese irrationale Scham wären Fake-Pornobilder nicht anders als Fake-Spaziergangbilder. Immer noch Fake und Vorspiegelung falscher Tatsachen, immer noch womöglich mit jemand zusammen, mit dem man gar nicht in Verbindung gebracht werden will, aber auch nicht mehr. Das würde dann eher als Wahrheitsproblem denn als Gewaltproblem debattiert.
„Meinung“ ist das Foren-Unwort des Jahrzehnts.
+2
L-E15.04.26 22:17
Da geht es um Persönlichkeitsrechte. Niemand muss sich gefallen lassen, was da gemacht wird.
+3
System 6.0.1
System 6.0.115.04.26 23:18
Das Gewaltförmige entsteht doch nur in unseren Köpfen durch unsere verkorkste, schambehaftete Sexualmoral; wäre sie als einzige frei davon, würde ihr das kaum helfen, weil sie die anderen immer noch auszählen würden deswegen (es wäre höchstens leichter für sie, über dem Ganzen zu stehen).

Ohne diese irrationale Scham wären Fake-Pornobilder nicht anders als Fake-Spaziergangbilder. Immer noch Fake und Vorspiegelung falscher Tatsachen, immer noch womöglich mit jemand zusammen, mit dem man gar nicht in Verbindung gebracht werden will, aber auch nicht mehr. Das würde dann eher als Wahrheitsproblem denn als Gewaltproblem debattiert.

Das ist rational richtig, sozial aber übergriffig-beleidigend.

In einer Welt voller sozialer Wesen mit teils haarsträubenden Vorstellungen darüber, was man einander „antun“ darf, bzw. nicht mehr, gibt es einen deutlichen Konsens darüber, ob das, was mit Collien Fernandes passiert ist, in Ordnung geht, oder nicht.

Es geht nicht.

Man muss schon ordentlich tief auf der rational-sachlichen Ebene argumentieren, um das anders zu sehen. Sozial-gesellschaftlich ist die Frage jedoch bereits eindeutig beantwortet.

Das kann man bedauern, muss es aber mit Blick auf die gegebenen gesellschaftlichen Realitäten akzeptieren. Die rational-sachliche Ebene ist, nach beispielsweise David Keiersy, etwa 90 % der Bevölkerung mindestens fremd bis unheimlich verstörend, bzw. unangenehm kalt.

Ein Problem das viel zu oft missachtet wird. Sogar von Dir. Und das macht mich stutzig, denn ich schätze Dich als rational-sachlichen Menschen. Und als solcher könnte man diese Realitäten durchaus im Blick haben.

Viele Konfrontationen mit Deinen Beiträgen könnten durch Rücksicht auf diese Phänomene unnötig werden. Rücksicht von Dir und Rücksicht von anderen.

(Übrigens bezieht sich meine frühere Aussage, ich weiß nun, was Du für einer bist, auf genau diesen Charakterzug. Ich will den nicht kritisieren, es handelt sich ja um eine schlecht änderbare Eigenschaft. Aber zu wissen, wenn jemand intensiv auf der rational-sachlichen Ebene denkt und argumentiert, ist schon hilfreich. Übrigens auch für Dich)

„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
-1
Weia
Weia16.04.26 00:37
L-E
Da geht es um Persönlichkeitsrechte.
Ja.
Niemand muss sich gefallen lassen, was da gemacht wird.
Das stimmt so allgemein nicht. Personen öffentlichen Lebens müssen sich das in gewissem Rahmen gefallen lassen. Karikierende Deepfakes (früher: „Fotomontagen“) sind im allgemeinen dann ebenso zulässig wie das Stehlen einer Identität zu satirisch-enthüllenden Zwecken (Anrufe bei Politikern, in denen man sich selbst als ein anderer Politiker ausgibt, zum Beispiel). Das alles hat es vielfach gegeben, ohne dass es rechtlich beanstandet wurde. Und wenn es kontrovers diskutiert wurde, dann unter Stichworten wie Wahrheit/Fälschung oder eben Persönlichkeitsrechte, aber nicht unter dem Stichwort Gewalt.

Doch sobald Nacktheit und Sexualität ins Spiel kommen, wird plötzlich von Gewalt gesprochen, die als solche dann selbstverständlich auch bei Personen öffentlichen Lebens nicht erlaubt ist. Das ist eindeutig eine Folge der entsprechenden Tabus.
„Meinung“ ist das Foren-Unwort des Jahrzehnts.
-1
Weia
Weia16.04.26 01:57
System 6.0.1
Das ist rational richtig, sozial aber übergriffig-beleidigend.
Ich verstehe nicht, was Du mit dieser seltsamen Gegenüberstellung sagen willst. Ein Wissenschaftler, der gesellschaftliche Mechanismen rational untersucht, beleidigt damit die Gesellschaft? Das wäre ja ein finster-mittelalterliches, voraufgeklärtes Konzept von Wissenschaft, die sich demgemäß nur im Rahmen der vorgegebenen göttlichen Ordnung bewegen darf. Oder was meinst Du?
In einer Welt voller sozialer Wesen mit teils haarsträubenden Vorstellungen darüber, was man einander „antun“ darf, bzw. nicht mehr, gibt es einen deutlichen Konsens darüber, ob das, was mit Collien Fernandes passiert ist, in Ordnung geht, oder nicht.

Es geht nicht.
Das ist zur Zeit der mehrheitliche gesellschaftliche Konsens, ja. Der ist aber eben Ausdruck einer irrationalen Tabuisierung von Sexualität, die die Gesellschaften immer noch nicht überwunden haben.
Man muss schon ordentlich tief auf der rational-sachlichen Ebene argumentieren, um das anders zu sehen.
Ääähh – wie willst Du denn bitte anders argumentieren als rational-sachlich? Argumentation und Rationalität sind doch geradezu synonym.
Sozial-gesellschaftlich ist die Frage jedoch bereits eindeutig beantwortet.
Hier gehen zwei Ebenen durcheinander. Die in praktisch allen Gesellschaften noch vorhandene mal mehr, mal weniger starke Tabuisierung von Sexualität ist atavistisch und irrational. Aber gegeben die sozialpsychologische Tatsache, dass das zur Zeit noch immer so ist, ist es rational, Individuen gegen solche Beschämungen zu schützen.

Das zugrundeliegende Problem ist aber die Tabuisierung; wären wir die endlich los, hätten wir viele Folgeprobleme (wie das hier beispielhaft besprochene) nicht mehr. Und das war ja die Frage von Fontelster.
Das kann man bedauern, muss es aber mit Blick auf die gegebenen gesellschaftlichen Realitäten akzeptieren.
Nein, das muss man nicht nur nicht, das darf man nicht akzeptieren. Wie sonst sollte sich eine Gesellschaft jemals ändern, weiterentwickeln, aufgeklärter werden, wenn man die existierenden Missstände akzeptiert?
Die rational-sachliche Ebene ist, nach beispielsweise David Keiersy, etwa 90 % der Bevölkerung mindestens fremd bis unheimlich verstörend, bzw. unangenehm kalt.
Umso wichtiger, das Projekt der Aufklärung weiter voranzutreiben. Oder sollen wir stattdessen die Wissenschaft einstampfen, damit die Menschen nicht an der Rationalität erfrieren (sondern stattdessen an den Temperaturen, die in vorwissenschaftlichen Höhlen im Winter herrschen)?
Ein Problem das viel zu oft missachtet wird. Sogar von Dir. Und das macht mich stutzig, denn ich schätze Dich als rational-sachlichen Menschen. Und als solcher könnte man diese Realitäten durchaus im Blick haben.

Viele Konfrontationen mit Deinen Beiträgen könnten durch Rücksicht auf diese Phänomene unnötig werden. Rücksicht von Dir und Rücksicht von anderen.
Ich gehe immer noch hartnäckig davon aus, dass ich es in diesem Forum mit aufgeklärten Menschen zu tun habe, denen gegenüber ich mich nicht paternalistisch verhalten muss, sondern auf Augenhöhe gegenübertreten kann.
zu wissen, wenn jemand intensiv auf der rational-sachlichen Ebene denkt und argumentiert, ist schon hilfreich.
Man kann nur auf einer rational-sachlichen Ebene denken und argumentieren. Sonst ist es weder Denken noch Argumentieren, sondern Wahrnehmen und Artikulieren von Gefühlszuständen.
„Meinung“ ist das Foren-Unwort des Jahrzehnts.
+4
System 6.0.1
System 6.0.116.04.26 21:15
Dann woll’n wir mal:
weia
Ich verstehe nicht, was Du mit dieser seltsamen Gegenüberstellung sagen willst.

Das überrascht mich nicht.

Vor etwa 30 Jahren ist mir ein Buch von Prof. Dr. Gunter Dueck in die Finger gekommen. Dueck ist Mathematiker, hat in der IBM maßgeblich am Data-Warehouse-Service der IBM gearbeitet, zuletzt als CTO. Außerdem war er IBM Distinguished Engineer, Mitglied der IBM Academy of Technology und IBM Master Inventor. →

Was ich damit sagen will: Gunter Dueck ist kein Spinner. Er steht in der Tradition derer, die Fortschritt dadurch erlangen, indem sie die Realität erforschen und respektieren.

Gunter Dueck publiziert satirisch-philosophische Sachbücher über das Leben, die Menschen und Manager. Das oben erwähnte Buch aus dem Springer-Wissenschaftsverlag hat den Namen „Wild Duck“. Es gibt sehr viel mehr von ihm.

Gunter Dueck beschreibt darin, warum Projekte scheitern. Um es kurz zu machen: Projekte scheitern vor allem dadurch, das Menschen unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale haben, die sie für den einen Job qualifizieren, für andere aber nicht.

Wir kennen das Problem aus dem Peter-Prinzip . Ein Mensch wird so lange befördert, bis er die Stufe seiner Unfähigkeit erreicht. Aber wer hat ihn in diese letzte Stufe befördert? Schau'n wir doch mal nach …

Ein sehr guter Mechanikerlehrling, wird — wenn er das will — ein sehr guter Mechaniker, dann ein sehr guter Meister, aber dann nur noch ein bestenfalls akzeptabler Werkstattleiter. Er hat die Stufe seiner Unfähigkeit erreicht.

Aber warum?

Die Antwort ist einleuchtend: Weil ein Werkstattleiter nicht am Fahrzeug, sondern im Büro arbeitet. Er arbeitet nicht mit der Hand, sondern mit dem Kopf. Der sehr gute Mechanikermeister ist ein „Schrauber“, kein „Schreiber“. White Collar Job vs. Blue Collar Job. Sowas funktioniert auch umgekehrt. Ein exzellenter Buchhalter wird typischerweise allenfalls ein mittelmäßiger Automechaniker.

Ich kenne persönlich nicht einen selbstständigen Handwerksmeister, der mit demselben Elan an der Werkbank wie am Computer arbeitet. Spielen vielleicht, aber arbeiten?

Gunter Dueck bezieht sich in seinem Buch Wild Duck auf die Forschung von David Keirsey. Der hat, so wissenschaftlich das eben möglich ist, vier Typen von grundsätzlichen Merkmalen herausgearbeitet, die in allen Menschen in unterschiedlicher Intensität vorhanden sind. Auf einem großen Quadrat mit den vier Merkmalen in den Ecken, könnte sich jeder Mensch wiederfinden.

Hier kannst Du lesen, wie diese Merkmale beschrieben werden → . Es handelt sich dabei um grundsätzliche Gegensätze in den persönlichen Präferenzen einer Person, denen jeder von uns unterliegt, wie auch beim pH-Wert wässriger Lösungen. Sauer, basisch oder (auch das gibt es bei Keirsey) neutral. Die Werte sind nicht in Stein gemeißelt. Sie ändern sich oft (was besonders Forschende bemängeln, und auch Du bemängeln wirst), aber sie ändern sich nicht grundlegend, und dauerhaft auch nur gering.

Es gibt einen Test , den jeder relativ einfach durchführen kann. Darin werden Verhaltensprioritäten bestimmt: „Wenn das Telefon klingelt, gehst Du dann eher A - sofort oder schnell ran, oder B - nicht direkt, manchmal gar nicht ran.“

Das klingt nach dem typischen Frau-im-Spiegel-Idiotentests. Aber weder Dueck noch Keirsey sind Idioten. Sie sind beide der Rationalität verpflichtet. (Was nicht bedeutet, das Rationalisten nicht auch eine ordentliche Idiotie entwickeln können.)

Lese hier, welche Persönlichkeit ich in Dir sehe →
In einer Welt voller sozialer Wesen mit teils haarsträubenden Vorstellungen darüber, was man einander „antun“ darf, bzw. nicht mehr, gibt es einen deutlichen Konsens darüber, ob das, was mit Collien Fernandes passiert ist, in Ordnung geht, oder nicht.

Es geht nicht.
weia
Das ist zur Zeit der mehrheitliche gesellschaftliche Konsens, ja. Der ist aber eben Ausdruck einer irrationalen Tabuisierung von Sexualität, die die Gesellschaften immer noch nicht überwunden haben.

Hier bestätigst Du zweierlei. Zum einen, das David Keirsy recht gut erkannt hat, was die zentralen Charakter-Unterschiede beim Menschen sind, und zum anderen, dass Du sehr deutlich zu einem Temperament neigst, das ich recht früh bemerken konnte: Dem Rationalisten.

Wichtig: Das ist weder falsch noch richtig. Es ist schlicht anders.

Es geht auch nicht um Wertung. Ich habe für einen Software-Hersteller gearbeitet. Aller Entwickler waren beinharte Rationalisten. Exakt das hat sie für den Job qualifiziert. Jeder von Ihnen hat gerne mit anderen über Probleme im Code auf einer Ebene diskutiert, die mir vollkommen verschlossen blieb. Da waren sie Feuer und Flamme. Als Präsentatoren auf einer großen CeBIT-Bühne waren jedoch nur die geeignet, die das erkannten, denn sie haben verstanden, dass ihre Kunden eben keine Programmierer sind, und für die Pfiffigkeit eines Code-Problems keine Antennen hatten. Ich habe von diesen großartigen Menschen die rationalistische Entwicklerseite gelernt, sie haben von mir die emotionale Marketingseite erlernt. Wir haben beide gewonnen.

Zurück zum Thema. Dein hier zitierter Kommentar zeigt eine ausschließlich rationale Einschätzung der Situation. Du gehst nicht mal Ansatzweise auf die anderen Sichtweisen ein, denn Du hast aus rationaler Sicht ja vollkommen recht. Aber eben nicht aus sozialer/emotionaler Sicht. Deine durchweg vollkommene Ablehnung aller nicht rationalen Argumente, lassen Dich bei weniger streng rationalen Teilnehmern überall anecken, wie ein Flipperkugel. Das zeigt sich sehr prominent hier:
Ääähh – wie willst Du denn bitte anders argumentieren als rational-sachlich? Argumentation und Rationalität sind doch geradezu synonym.

Mal davon abgesehen, dass „Argumentation und Rationalität“ eben nicht synonym sind, denn Argumente sind oft berechtigterweise emotional. Natürlich nicht in der Physik, aber die spielt in sozialen Beziehungen typischerweise nur am Rande eine Rolle, oder?

Du kannst natürlich für das beschriebene Beispiel eine reine, rationale Argumentation einfordern. Aber es handelt sich bei dem Beispiel um Collien Fernandez vor allem mal um einen extrem stark emotionalen Vorfall. Rational ist Dein Verhalten an dieser Stelle nicht. Rationalität berücksichtigt auch Emotionalität. Daran musst Du noch arbeiten, wenn Du willst.

Rationalität ist eine wichtige Sache in der Beurteilung eines Ereignisses. Einen möglicherweise vorhandene emotionalen Teil außer Acht zu lassen wäre übergriffig und fahrlässig. Darum gibt es im Strafrecht den Ehrbegriff:
Er umfasst den „inneren Wert“ (sittliche Integrität/Personenwürde) sowie den "äußeren Wert" (guter Ruf/soziale Geltung). Geschützt wird der berechtigte Anspruch auf Achtung, unabhängig vom subjektiven Ehrgefühl. → (§§ 185 ff. StGB)

Diesen Punkt hast Du in Deiner Überlegung ignoriert, oder vielleicht auch übersehen, weil Du ein scharf-rationaler Mensch zu sein scheinst. Und diese „Ignoranz“ gegen alles, was nicht bis ins Mark rational begründbar ist, bildet die Grundlage für das Konfliktpotential in allen Deinen Kommentaren.

Ich könnte das alles ignorieren und mich weiter von Deiner Argumentationsweise angepisst fühlen. Das will ich aber nicht.

Viele Rationalisten haben die notwendige Sensorik, um mit diesen Hinweisen eine Neuordnung ihrer Sicht auf ihre soziale Umgebung zu erstellen. Manche nicht. Das macht aber nichts. Ich wollte jedoch den Versuch nicht verstreichen lassen, hier für eine weitere Erkenntnis zu werben die allen Beteiligten das Zusammenleben erleichtern kann. Hier, und da draußen, in dieser analogen Welt …

Gern geschehen. 🕊️
„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
+1
Fontelster
Fontelster16.04.26 23:32
Weia
System 6.0.1
Das ist rational richtig, sozial aber übergriffig-beleidigend.
Ich verstehe nicht, was Du mit dieser seltsamen Gegenüberstellung sagen willst.
In Kurzform vermutlich das: rational (und theoretisch) magst du recht haben, tatsächlich (und praktisch) geht das aber komplett an der Lebensrealität vorbei, weil Menschen vor allem emotionale Wesen sind.
-1
Weia
Weia17.04.26 01:59
Fontelster
In Kurzform vermutlich das: rational (und theoretisch) magst du recht haben, tatsächlich (und praktisch) geht das aber komplett an der Lebensrealität vorbei, weil Menschen vor allem emotionale Wesen sind.
Du vermischt die Ebenen wieder genauso wie System 6.0.1. Ja, natürlich sind Menschen emotionale und oft auch emotional bestimmte Wesen; niemand bestreitet das.

Die (rationale, theoretische) Frage ist doch aber, welche Emotionen warum jeweils bestimmend sind. Dass das bei Nacktheit und Sexualität ausgerechnet Scham ist, ist schließlich keine Naturkonstante, sondern (in einer langen, unseligen, religiös geprägten) Tradition kulturell vermittelt. Und kulturelle Werte ändern sich und lassen sich ändern.

Es ist doch eine Karikatur meines Arguments, Collien Fernandes zu sagen, sie solle sich nicht so haben und einfach nicht schämen, das sei schließlich irrational. Mein Argument ist vielmehr, dass wir aufgrund theoretischer (sozialpsychologischer, moralphilosophischer) Erkenntnisse darauf hinarbeiten sollten, dass unsere Kultur Nacktheit und Sexualität in Zukunft eben nicht mehr mit der Emotion Scham verbindet. So, wie wir es in der Vergangenheit zum Beispiel zumindest ein Stückchen weit geschafft haben, dass sich Homosexuelle nicht mehr auch noch zusätzlich ihrer sexuellen Disposition wegen schämen.

Dann würden die Menschen in Zukunft andere Emotionen mit Nacktheit und Sexualität verbinden, viel Leid bliebe ihnen erspart und aggressive Akte wie sexuelle Deepfakes liefen ins Leere.

„Lebensrealität“ ist kein übergestülptes unabänderliches Schicksal, dessen fremdbestimmte Opfer wir sind, sondern das, was wir (kraft unserer theoretischen Einsichten) aus ihr machen.


PS: Laut dem Schöpfungsmythos zu Beginn des Alten Testaments, das allen drei monotheistischen Weltreligionen zugrunde liegt, sind Rationalität/Erkenntnis und Sexualität/Nacktheit gleichermaßen Anlass zu Scham. Bezüglich der Rationalität haben wir die Scham überwunden, wird Zeit, dass wir das bei der Sexualität auch schaffen.
„Meinung“ ist das Foren-Unwort des Jahrzehnts.
+2
Weia
Weia17.04.26 03:57
System 6.0.1
Lese hier, welche Persönlichkeit ich in Dir sehe →
Uiuiui, Du scheinst die ad personam-Argumentation im Forum in eine ganz neue Dimension hieven zu wollen. Aber warum? Ein Argument ist richtig oder falsch, völlig unabhängig von der Persönlichkeit, die es äußert.

Was also tut meine Persönlichkeit zur Sache? Wir sind hier doch nicht auf einer Dating-Plattform.
Ääähh – wie willst Du denn bitte anders argumentieren als rational-sachlich? Argumentation und Rationalität sind doch geradezu synonym.
Mal davon abgesehen, dass „Argumentation und Rationalität“ eben nicht synonym sind
Deshalb schrieb ich ja geradezu.

Ein Argument ist definiert als eine Konklusion, die sich aus Prämissen aufgrund logischer/rationaler Schlussregeln ergibt; insofern ist beides engstens miteinander verzahnt. Eine Argumentation läuft dann so ab, dass man versucht, aufgrund geteilter, unstrittiger Prämissen zu zeigen, dass daraus logisch die behauptete Konklusion folgt.
Argumente sind oft berechtigterweise emotional.
Es gibt keine „emotionalen Argumente“. 🙄 Was soll das denn sein? Bei Emotionen spielt Logik keine Rolle, und die ist es, die ein Argument erst zu einem solchen macht. Es gibt nur emotionale Äußerungen.

Vielleicht schwebt Dir ja sowas vor wie, dass jemand in einer Diskussion sagt:
„Deine Aussage verletzt mich.“
Das ist explizit eine Mitteilung/Äußerung eines Gefühlszustandes und kein Argument.
Man kann es aber als Argument rekonstruieren, indem man davon ausgeht, es sei implizit mitgemeint:
„ … und deshalb unterlasse das bitte.“
Das wäre dann, aufbauend auf der Prämisse der mitgeteilten Verletzung, ein implizites Argument aufgrund vorausgesetzter Verhaltensnormen, dessen Konklusion zugleich eine Aufforderung darstellt.

Solche emotionalen Äußerungen werden aber sehr oft nicht direkt, sondern verschlüsselt geäußert, zum Beispiel mit einem unsinnigen scheinbaren Gegenargument nur um des Widersprechens willen. Das ist in einem digitalen Forum dann kaum noch zu entschlüsseln, da Zusatzinformationen wie Mimik und Tonfall gänzlich fehlen.

Ich gehe daher in einem Forum wie diesem grundsätzlich davon aus, dass vorgetragene Argumente auch als Argumente gedacht sind und nicht als versteckte emotionale Äußerungen. Das ist für mich einfach eine Frage des Respekts gegenüber den anderen Forumsteilnehmern, denn die Alternative wäre ja, dass ich sie quasi wie Kinder in einem Kindergarten behandle, über deren versteckte Intentionen ich didaktisch-paternalistische Mutmaßungen anstelle, die in einem digitalen Forum, in dem nur der schriftliche Austausch existiert, zwangsläufig Gefahr laufen, völlig haltlos zu sein.
Du kannst natürlich für das beschriebene Beispiel eine reine, rationale Argumentation einfordern. Aber es handelt sich bei dem Beispiel um Collien Fernandez vor allem mal um einen extrem stark emotionalen Vorfall.
Natürlich, diese Emotionalität ist aber als empirisches Datum eine Prämisse in der Argumentation darüber, wie dieser Vorfall juristisch zu bewerten und soziologisch einzuordnen ist und darf nicht auf die Argumentation selbst übergreifen und ihre Logik beeinträchtigen.
Rationalität berücksichtigt auch Emotionalität.
Ja, als empirisches Datum, aber doch nicht in der Argumentationslogik.

Und genau das habe ich getan:
Weia, Anmerkungen jetzt hinzugefügt
Hier gehen zwei Ebenen durcheinander. Die in praktisch allen Gesellschaften noch vorhandene mal mehr, mal weniger starke Tabuisierung von Sexualität ist atavistisch und irrational. [← Rationale Analyse des herrschenden gesellschaftlichen Wertesystems] Aber gegeben die sozialpsychologische Tatsache, dass das zur Zeit noch immer so ist, ist es rational, Individuen gegen solche Beschämungen zu schützen. [← Rationale Analyse der gegenwärtig gebotenen Maßnahmen unter Berücksichtigung der durch das analysierte Wertesystem induzierten Emotionen der Betroffenen als Prämisse]
„Meinung“ ist das Foren-Unwort des Jahrzehnts.
+2
Weia
Weia17.04.26 07:37
PS:
System 6.0.1
Lese hier, welche Persönlichkeit ich in Dir sehe →
Knapp daneben ist auch vorbei. Laut dem verlinkten Test bin ich NF und nicht NT. Dazu hätte es allerdings gar nicht des Tests, sondern nur eines Blickes auf die 4 Quadranten in dem Wikipedia-Artikel gebraucht; vermutlich wirklich jeder, der mich kennt, hätte von den vier zur Auswahl stehenden Begriffen sofort den (hoffnungslosen ) Idealisten gewählt.

Der Test ist ganz interessant; ich habe ihn aber bewusst unreflektiert und spontan als „Laie“ absolviert, denn sonst funktionieren solche Tests ja eher schlecht. Wenn man den Test ernst nimmt, dann zeigt er zumindest einmal mehr, wie gefährlich und fruchtlos psychologische Ferndiagnosen im Internet sind.
„Meinung“ ist das Foren-Unwort des Jahrzehnts.
+3
System 6.0.1
System 6.0.117.04.26 10:18
Und was ist damit?
Darum gibt es im Strafrecht den Ehrbegriff:
Er umfasst den „inneren Wert“ (sittliche Integrität/Personenwürde) sowie den "äußeren Wert" (guter Ruf/soziale Geltung). Geschützt wird der berechtigte Anspruch auf Achtung, unabhängig vom subjektiven Ehrgefühl. → (§§ 185 ff. StGB)

Kann man das auch wegdiskutieren?
„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
-1
System 6.0.1
System 6.0.117.04.26 10:35
Weia
PS:
System 6.0.1
Lese hier, welche Persönlichkeit ich in Dir sehe →
Knapp daneben ist auch vorbei. Laut dem verlinkten Test bin ich NF und nicht NT. Dazu hätte es allerdings gar nicht des Tests, sondern nur eines Blickes auf die 4 Quadranten in dem Wikipedia-Artikel gebraucht; vermutlich wirklich jeder, der mich kennt, hätte von den vier zur Auswahl stehenden Begriffen sofort den (hoffnungslosen ) Idealisten gewählt.

Der Test ist ganz interessant; ich habe ihn aber bewusst unreflektiert und spontan als „Laie“ absolviert, denn sonst funktionieren solche Tests ja eher schlecht. Wenn man den Test ernst nimmt, dann zeigt er zumindest einmal mehr, wie gefährlich und fruchtlos psychologische Ferndiagnosen im Internet sind.

Idealist? Nicht unbedingt. Aber ich bin auch nicht geeignet, für Andere diese Einstufung zu machen. Darum drücke ich mich ja soweit es geht vorsichtig aus. Ich habe das „gesehen“ nicht „festgestellt“. Macht aber nix.

An welcher Stelle erkennst Du eine „fruchtlose psychologische Ferndiagnose“? Ich habe meine subjektiven Eindrücke geschildert. Das ist übrigens ein Punkt, der mich an Dir irritiert. Du bist in der Lage deutlich tiefer als die Meisten etwas zu analysieren, schaffst es zuweilen deutlich exakte Formulierungen zu finden, ignorierst sie aber (selektiv?) bei Anderen.

Ich schreibe „Lese hier, welche Persönlichkeit ich in Dir sehe“ und Du erkennst darin eine „fruchtlose psychologische Ferndiagnose“. Man müsste David Keirsy mal fragen, was das nun wieder zu bedeuten hat.

Wie auch immer. Es ist immer klug (und vor allem rational) offen für neue Informationen zu sein. Wer weiß, zu was die führen? Vielleicht zu nichts, vielleicht in eine neue Welt. Das herauszufinden ist eine menschliche Eigenschaft, die man kaum überschätzen kann.

Wie auch immer, anzuerkennen, dass Menschen inhärent unterschiedliche Sichtweisen und Prioritäten haben, ist eine der wichtigsten Vorraussetzungen für Frieden in einer Gesellschaft.
„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
+1
System 6.0.1
System 6.0.117.04.26 10:50
Ääähh – wie willst Du denn bitte anders argumentieren als rational-sachlich? Argumentation und Rationalität sind doch geradezu synonym.



Mal davon abgesehen, dass „Argumentation und Rationalität“ eben nicht synonym sind
Deshalb schrieb ich ja geradezu
Duden
geradezu ist ein Adverb, das direkt oder fast bedeutet. Es wird oft verstärkend verwendet und kann auch geradeheraus bedeuten.

Laut Duden bedeutet Dein Satz also „Argumentation und Rationalität sind doch direkt oder fast synonym“. Später sind sie es „eben nicht“?

Jetzt bin ich verwirrt.

Du musst ein wenig rücksichtsvoller mit mir umgehen. Meinen höchsten Schulabschluss habe ich in den 1970ern in einer Hauptschule gemacht.
„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
0
Weia
Weia18.04.26 22:25
System 6.0.1
Und was ist damit?
Darum gibt es im Strafrecht den Ehrbegriff:
Ich weiß nicht, was für einen Text Du da zitierst hast, aber den Ehrbegriff gibt es im Strafrecht nur in einem einzigen Paragraphen (§34) und leider auch in §5 Grundgesetz. Und da sollte er entsorgt werden, denn „im Namen der Ehre“ wurden und werden schreckliche Verbrechen verübt, man denke an den Ehrenmord oder früher Duelle. Dieser Begriff ist historisch völlig kompromittiert und heute eigentlich nicht mehr verwendbar.

Was Du von der Sache her ansprichst, ist die persönliche Würde. Und ob die verletzt wird, hängt natürlich vom Wertekanon der Gesellschaft ab. Wenn Nacktheit und Sexualität nicht mehr schambesetzt sind, kann man mit entsprechenden Deepfakes natürlich auch die Würde eines Menschen nicht mehr verletzen; insbesondere wäre es nicht mehr möglich, Menschen mit der Drohung der Veröffentlichung solcher Bilder zu erpressen, weil es den Betreffenden schlicht egal sein könnte.
System 6.0.1
Idealist? Nicht unbedingt.
Ja, was heißt nicht unbedingt? Das ist das Ergebnis des Tests, den Du mir anempfohlen hast (und das für mich eher überraschend tatsächlich mit dem Urteil derer übereinstimmt, die mich kennen).
Darum drücke ich mich ja soweit es geht vorsichtig aus. Ich habe das „gesehen“ nicht „festgestellt“. Macht aber nix.

An welcher Stelle erkennst Du eine „fruchtlose psychologische Ferndiagnose“? Ich habe meine subjektiven Eindrücke geschildert. Das ist übrigens ein Punkt, der mich an Dir irritiert. Du bist in der Lage deutlich tiefer als die Meisten etwas zu analysieren, schaffst es zuweilen deutlich exakte Formulierungen zu finden, ignorierst sie aber (selektiv?) bei Anderen.
Ein Aussagesatz ist ein Aussagesatz. Wenn Du nicht der darin formulierten Auffassung wärest, würdest Du ihn nicht äußern. All die rhetorischen Floskeln à la Ist nur meine Meinung oder eben Ich sehe das so sind völlig redundant, denn es ist trivial, dass die Aussagen vom Aussagenden stammen und auch falsch sein können. Das ist immer so und muss nicht extra dazugesagt werden. Die rhetorischen Floskeln sind nur Immunisierungsstrategien; wenn man widerlegt wird, kann man sich dann scheinbar auf Ist ja nur meine Meinung zurückziehen.

Deswegen fügen solche Immunisierungen dem Inhalt des Satzes nichts hinzu. Der Aussagegehalt der Sätze Die Erde ist eine Schreibe. und Die Erde ist eine Scheibe. Ist nur meine Meinung. ist identisch. (Mein augenblicklicher Slogan „Meinung“ ist das Foren-Unwort des Jahrzehnts. ist eine Reaktion darauf, dass diese Immunisierungsstrategien immer häufiger in Foren Verwendung finden.)

Etwas anderes wäre es gewesen, wenn Du Deine Aussage explizit als Hypothese gekennzeichnet hättest, etwa durch Ich würde vermuten, dass bei dir folgendes Testergebnis herauskommt. Aber selbst dann würde die Tatsache, dass sich die Hypothese eben als falsch herausstellte, dafür sprechen, dass psychologische Ferndiagnosen von persönlich nicht bekannten Forumsteilnehmern nicht sonderlich sinnvoll sind (abgesehen davon, dass sie zur Sache nichts beitragen).
Ich schreibe „Lese hier, welche Persönlichkeit ich in Dir sehe“ und Du erkennst darin eine „fruchtlose psychologische Ferndiagnose“. Man müsste David Keirsy mal fragen, was das nun wieder zu bedeuten hat.
Dass Du dich geirrt hast.
Wie auch immer. Es ist immer klug (und vor allem rational) offen für neue Informationen zu sein.
Ich wäre der letzte, der das bestreitet.
Wie auch immer, anzuerkennen, dass Menschen inhärent unterschiedliche Sichtweisen und Prioritäten haben, ist eine der wichtigsten Vorraussetzungen für Frieden in einer Gesellschaft.
Prioritäten ja; das sind ja keine Tatsachenbehauptungen, die wahr oder falsch sein können, sondern Wertsetzungen, die bei jedem anders sein können.

Bie Sichtweisen hängt es von deren Gegenstand ab. Ist es eine Wertsetzung (Ich sehe das so, dass Glück wichtiger ist als Macht), dann ja, ist es eine Tatsachenbehauptung (Ich sehe das so, dass die Erde eine Scheibe ist), dann nein.

Der entscheidende Unterschied ist der zwischen Tatsachen (Aussagesätze) und Werten (Werturteile).
System 6.0.1, falsche Zitierung korrigiert
Weia
Ääähh – wie willst Du denn bitte anders argumentieren als rational-sachlich? Argumentation und Rationalität sind doch geradezu synonym.


System 6.0.1
Mal davon abgesehen, dass „Argumentation und Rationalität“ eben nicht synonym sind
Deshalb schrieb ich ja geradezu
Duden
geradezu ist ein Adverb, das direkt oder fast bedeutet. Es wird oft verstärkend verwendet und kann auch geradeheraus bedeuten.
Laut Duden bedeutet Dein Satz also „Argumentation und Rationalität sind doch direkt oder fast synonym“. Später sind sie es „eben nicht“?
Mal davon abgesehen, dass „Argumentation und Rationalität“ eben nicht synonym sind war ein Zitat von Dir.
„Meinung“ ist das Foren-Unwort des Jahrzehnts.
+2
System 6.0.1
System 6.0.119.04.26 07:30
Ja, wenn Du meinst … 💅
„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
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