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Epic vs. Apple: Apple nun an Vergleich mit Epic interessiert – doch Epic lehnt Gespräche ab

Jeder Entwickler, der im App Store eine App oder Spiel anbietet, muss 30 Prozent seines Umsatzes an Apple abgeben. Seit 2020 existiert das Small Business Program: Wer weniger als eine Million Dollar pro Jahr im App Store umsetzt, muss nur noch 15 Prozent "Apple-Steuer" bezahlen. Zum Vergleich: Bietet man ein Programm auf dem freien Markt unter Zuhilfenahme eines Bezahldienstleisters an, werden meist zwischen 5 und 8 Prozent für die Zahlungsabwicklung angesetzt – der Entwickler behält also 95 bis 92 Prozent seines Umsatzes statt 70 Prozent im App Store.


Ein kleiner Rückblick
Dies war Epic ein Dorn im Auge – und daher führte das Spiele-Unternehmen im Jahr 2020 eine gezielte Provokation durch: Im bekannten Spiel Fortnite schaltete Epic eine externe Bezahlmöglichkeit frei – vorbei an Apples Bezahlsystemen und der "Apple Steuer". Natürlich reagierte Apple prompt und sperrte Fortnite im App Store. Doch hiermit hatte Epic bereits gerechnet und reichte sehr kurz darauf Klage gegen Apple ein.

Epic verlor den initialen Streit weitgehend. Das Gericht stellte fest, dass Apple kein Monopolist sei. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers entschied jedoch, dass Apple es zu dulden habe, dass Entwickler auf externe Angebote außerhalb des App Stores hinweisen dürfen. Hierfür verlangt Apple dann statt 30 Prozent "nur" 27 Prozent Umsatzbeteiligung. Dies widerstrebte Epic natürlich – und hier hatte Epic Erfolg: Die Richterin entschied, dass Apple willentlich ihr Urteil untergraben hat und verbot Apple, auf externe Links eine Umsatzbeteiligung zu erheben – und seit April 2025 kann Apple nun keine "Steuer" auf externe Verweise mehr einsammeln.

Vorschlag: Nur noch 15 Prozent
Nun landet der Streit beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten – und ein Termin ist für den Oktober 2026 angesetzt. Apple konnte aber vor dem Termin Richterin Yvonne Gonzalez Rogers einen Vorschlag für eine neue Umsatzbeteiligungsstruktur unterbreiten und begehrt jetzt 15 Prozent für normale Apps und Spiele, 10 Prozent für Apps im News-, Video- oder Mini-App-Partnerprogramm und 5 Prozent im Small Business Program. Epic lehnte direkt diese neue Umsatzbeteiligungsstruktur für externe Verweise ab.

Apple wohl plötzlich an Vergleich interessiert
Trotz des initialen Sieges vor Gericht entwickelt sich das Verfahren für Apple zum Albtraum. Apple fürchtet wohl nun, durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs einen Großteil des Geschäftsmodells des App Stores zu verlieren – und dies wäre ein harter Schlag für den Konzern.

Nun wurde bekannt, dass Apple wohl die Richterin darum bat, Schlichtungsverhandlungen anzusetzen. Zuvor hatte Apple bereits Epic gebeten, in derartige Verhandlungen einzuwilligen – doch Epic lehnte ab. Apple argumentiert, dass die Richterin die rechtliche Möglichkeit habe, Epic zu Schlichtungsverhandlungen unter der Führung eines Richters zu zwingen – und so möglicherweise eine schnelle, pragmatische Einigung zu erreichen.

Apple an Ende des Streits interessiert
Wie Tim Cook auf der vergangenen Quartalskonferenz anmerkte, wirkt sich das Urteil auf die Umsätze im App Store aus – und daher ist Apple wohl an einer schnellen Lösung interessiert, die es wieder erlaubt, zumindest einen Teil der vorherigen Umsatzbeteiligung von Entwicklern zu kassieren.

Es bleibt zu hoffen, dass Apple in den kommenden Jahren das Geschäftsmodell des App Stores weltweit überarbeitet, denn der Konzern steht nicht nur in den USA, sondern in vielen anderen Rechtsräumen wegen den Praktiken im App Store unter Beschuss.

Kommentare

milk
milk14.08.26 10:08
Tja Apple. Wegen eurer Gier verzockt.
+5
Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck14.08.26 10:15
milk
Tja Apple. Wegen eurer Gier verzockt.

Das kann man glaube ich nicht besser formulieren. Hätte Apple einen SINNVOLLEN Vorschlag gemacht, wie hoch externe Links zu bepreisen sind, wäre es gar nicht soweit gekommen.
+7
sudoRinger
sudoRinger14.08.26 10:16
Apple hat die Richterin Yvonne Gonzalez Rogers regelrecht vor den Kopf gestoßen. Die provokante Minimal-Reduktion von 27 % statt 30 %, Falschdarstellungen seitens Apple und bewusstes Ignorieren des ersten Urteils.

Was ich mit Falschdarstellung meine: Rogers hätte durchaus eine Gebühr zugelassen, aber Apple reichte keine plausible Begründung ein. Und nur deshalb musste die Apple-Steuer auf 0 % gesetzt werden (MTN Juni 25)
+6
Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck14.08.26 11:28
sudoRinger
Wenn man drüber nachdenkt, ist das wirklich BEEINDRUCKEND SCHEISSE wie Arrogant Apple hier gehandelt hat – die wussten doch, dass die Richterin wohl nicht auf den Kopf gefallen ist und die damit nie und nimmer durchkommen würden?
+7
CommodoreVC2014.08.26 12:55
Man sollte es auch mal anders herum sehen, Apple hat diesen Markt überhaupt erst geschaffen. Kein anderer Hersteller war scheinbar dazu in der Lage oder eben nicht willens. Am Anfang waren auch alle froh über diesen neu erschaffenen Markt und keiner hat sich über die 30% beschwert, nicht einmal Epic, zumal Apple dafür einiges bot. Bereitstellung der Infrastruktur, Abrechnung, Umsatzaufstellung (sodass man quasi den Abrechnungsbeleg dem Finanzamt vorlegen musste). Irgendwann war dann Epic aber der Meinung, dass sie zwar gerne alle Vorteile die Apple bot für sich nutzen möchten, aber dafür eine Gebühr zu entrichten wollten sie dann doch nicht. Epic war gierig geworden, die zig Millionen, die sie nach Abzug der Apple Tax verdienten reichte denen nicht mehr, sie wollten noch mehr Millionen für sich. Hatten aber nicht die Eier mit Apple ins Gespräch zu gehen, sondern haben bewusst sowohl den Vertrag als auch Recht gebrochen nur um sich danach dann als Opfer hinzustellen dass vermeintlich für die Kunden kämpfen tut.
0
sudoRinger
sudoRinger14.08.26 13:09
CommodoreVC20
Man sollte es auch mal anders herum sehen, Apple hat diesen Markt überhaupt erst geschaffen. Kein anderer Hersteller war scheinbar dazu in der Lage oder eben nicht willens. Am Anfang waren auch alle froh über diesen neu erschaffenen Markt und keiner hat sich über die 30% beschwert, ...
Nehmen wir mal an das stimmt und Apple hätte den App Store erfunden (eigentlich ist es eher ein iTunes für Apps gewesen). Und nun sei man der Überzeugung, dass dem Erfinder auch ein Erfinderschutz zusteht.

a) auch Patente sind reguliert und Medikamente bekommen Preisobergrenzen.
b) der App Store erblickte am 10. Juli 2008 das Licht der Welt. Das sind 18 Jahre. Viel länger gelten Patente auch nicht. Seit 18 Jahren genehmigt sich Apple nun seine Gatekeeper-Margen.

Was war denn die Erfindung von Apple? Vor einen Paketmanager (wie bei Linux) ein Bezahlsystem zu setzen und alle anderen Möglichkeiten Software zu installieren zu verhindern?

Apple wurde von der oben genannten Richterin ausdrücklich zugestanden, dass eine Marge einbehalten werden darf. Nur die musste begründet werden. Ich schätze, wenn Apple 10 % gefordert hätte, wären sie damit ohne Probleme bei der Richterin durchgekommen. Apple forderte aber 27 %, ohne Begründung.
+9
Marcel Bresink14.08.26 13:54
CommodoreVC20
Am Anfang waren auch alle froh über diesen neu erschaffenen Markt

Das stimmt so nicht. Die Art und Weise, wie Apple hier einen komplett abgeschotteten und kontrollierten Privatmarkt geschaffen hat, war von Anfang an umstritten.
CommodoreVC20
und keiner hat sich über die 30% beschwert,

Auch das stimmt nicht.
CommodoreVC20
zumal Apple dafür einiges bot. Bereitstellung der Infrastruktur, Abrechnung, Umsatzaufstellung

Nein. Schon viele Jahre vor Apple gab es für alle offenen Plattformen einen Markt für kleine Programme, der von entsprechenden Anbietern bedient wurde, damals meistens Shareware Provider genannt. Die Älteren werden sich an ehemalige Software-Händler wie "Kagi" oder "element 5" erinnern.
Und Apple bietet da nicht "Einiges", sondern erfüllt in weiten Teilen nur die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen. Im direkten Vergleich mit anderen Anbietern ist es teilweise unterirdisch, was Apple da liefert.
CommodoreVC20
Irgendwann war dann Epic aber der Meinung, dass sie zwar gerne alle Vorteile die Apple bot für sich nutzen möchten,

Den einzigen Vorteil, den Apple bietet, ist nur die Sichtbarkeit des App Store direkt auf den Endgeräten. Wie auch schon immer wieder diskutiert wird, ist das wettbewerbsrechtlich sehr problematisch. Ansonsten bietet die Abwicklung über Apple nur Nachteile.
+1
J.J.14.08.26 18:20
Sehr dumm, wie sich Apple anstellt. Erst dann zu reagieren, wenn ein Geschäftsmodell komplett kippen könnte. Das ist in meinen Augen nicht professionell.
Dass man eine Gebühr zu zahlen hat wenn man eine Plattform nützt ist ja schon okay. Dass man 30 % dafür abgeben muss ist im Grunde genommen auch in Ordnung. Aber nur dann, wenn man als Programmierer es sich aussuchen kann, wo man die 30 % abgeben möchte bei Apple oder bei irgendein anderen Anbieter. Aber die Monopolstellung Apples macht das ja nicht möglich. Damit hat Apple in allen Dingen unrecht. Monopol schafft nicht Recht, sondern Unrecht.
+1
Glückssucher14.08.26 21:07
Am Ende wird Apple wohl dar rauf spekulieren das Onkel Donald helfen wird.Zur Not boxt man sich bis zum Obersten Gerichtshof durch.Und wie der Entscheidet weiss man ja.Für irgend was muss der schleimige Auftritt von Tim Apple im Oval Office letztes Jahr doch gut sein.
-1
xcomma15.08.26 09:40
sudoRinger
CommodoreVC20
[..] Apple hat diesen Markt überhaupt erst geschaffen.
Nehmen wir mal an das stimmt und Apple hätte den App Store erfunden [..]
Vorm Apple App Store auf iOS, gab's ja schon Cydia - die sicherlich Apple auch das Potential aufgezeigt haben - gute alte Jailbreak Zeit Also rein schon aus iOS-Perspektive hat Apple es nicht mal erfunden.

Darüberhinaus könnte man ggf. noch weitergraben in der Vergangenheit bzgl. anderer Plattformen (Symbian & Co.) wie das damals mit "Apps" gehandhabt wurde.
0
Unwindprotect15.08.26 09:48
Marcel Bresink
Die Älteren werden sich an ehemalige Software-Händler wie "Kagi" oder "element 5" erinnern.

Oh ja ich erinnere mich mit schaudern daran!!!

Schon krass das es das es damals so viele kostenlose Software-Händler gab! Ups waren sie ja gar nicht. Auch toll dass man allen seine Kreditkartendaten geben musste. Das Bestellen überall anders ablief. Das böse Apple hat das alles kaputt gemacht
+1
Blaubierhund
Blaubierhund15.08.26 10:14
Vielleicht wäre es für Apple günstiger, wenn sie Epic einfach kaufen.
Die Berliner sind unfreundlich und rücksichtslos, ruppig und rechthaberisch, Berlin ist abstoßend, laut, dreckig und grau, Baustellen und verstopfte Straßen, wo man geht und steht - aber mir tun alle Menschen leid, die nicht hier leben können! (Anneliese Bödecker)
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Glückssucher15.08.26 12:13
Blaubierhund
Vielleicht wäre es für Apple günstiger, wenn sie Epic einfach kaufen.
Aber auch nur um ihn anschliessend dicht zu machen!
Schon damit alle anderen lernen was passiert wenn man sich nicht fügt!
+2

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