Das neue MacBook Air 13" im Test

1,86 GHz, 256 GB SSD, 2 GB RAM

Apple hat MacTechNews.de ein neues MacBook Air 13" zur Verfügung gestellt, dass wir im Folgenden näher unter die Lupe nehmen.

Erster Eindruck

Unser Testgerät wurde von mehreren Personen in der Hand gehalten; und der spontane Kommentar eines jeden lautete sofort: "Ui, ist das leicht". In der Tat, das MacBook Air ist wirklich leicht, beinahe unwirklich leicht. Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Technologie sich in einem Gerät befindet, das gefühlt auch nicht schwerer als ein iPad ist. Das äußert geringe Gewicht bringt allerdings auch einen Nachteil mit sich: Legt man das MacBook Air bei überschlagenen Beinen auf den Schoß und tippt dann, so schwankt das Gerät bedrohlich hin und her. Das Design? Wie üblich edel und hochwertig anmutend. Mögen muss man hingegen die keilartige, nach vorne spitz zulaufende Form; in diesem Punkt herrschte Uneinigkeit im Büro. Von vorne betrachtet macht das MacBook Air tatsächlich den Eindruck, millimeterdünn zu sein. Fast hat man Angst, das MacBook Air so anzuheben, wie es in der Werbung zu sehen ist. Allzu zerbrechlich wirkt der vordere Teil; jede Sorge womöglich zwei zerbrochene Hälften in der Hand zu halten ist allerdings unbegründet.

Fotos

Da es auf Apples Produktseiten bereits zahlreiche Fotos und Produktbilder zum MacBook Air gibt, beschränken wir uns auf einige Detailaufnahmen. Das "klobige" Notebook neben dem MacBook Air ist übrigens ein vor wenigen Jahren noch als "schlank" geltendes iBook G4...

Leistungseindruck

Das Testgerät verfügt über eine SSD mit 256 GB Speicherkapazität. Die oft zitierten Vorteile der Flash-basierten Speichersysteme sind schnelle Startzeit des Systems bzw. von Programmen. In der Tat - ein Mac Pro mit herkömmlicher Festplatte muss sich schlagen lassen. Nach ca. 15 Sekunden ist das MacBook Air arbeitsbereit, der Mac Pro zeigt hingegen immer noch den grauen Hintergrund mit Apple-Logo an. Auch das Aufwecken aus dem Ruhezustand geht rasant schnell. Aufklappen, fertig. Die Denksekunden eines Notebooks mit herkömmlicher Festplatte entfallen, sehr schnell gewöhnt man sich an diesen Umstand. Die Prozessorleistung tritt in den Hintergrund, wenn beim Bootvorgang, dem Ruhezustand oder auch Programmstart jedes Mal mehrere Sekunden gespart werden. Sicherlich ist das MacBook Air nicht dazu geeignet, mit Final Cut Pro Filmschnitt zu betreiben. Vielleicht ist das Gerät von allen mit OS X betriebenen Geräten sogar das ungeeignetste für diese Aufgabe; wer sich ein MacBook Air zulegt, will aber auch keine schiere Rechenpower. Viel wichtiger ist der Ablauf "Aufklappen, Browser an, Seite aufrufen"; genau in dieser Disziplin ist es auch mit 12 Prozessorkernen eines Mac Pro nicht möglich, die Aufgabe schneller zu erledigen. Benchmark-Ergebnisse und gefühlte Leistung des Geräts klaffen insgesamt weit auseinander; das MacBook Air fühlt sich schneller an, als es gemessen eigentlich ist. Doch wie erwähnt: Man kauft kein MacBook Air, um damit eine Renderfarm zu begründen. Und man kauft auch keines, um anspruchsvolle 3D-Grafik auszuführen, denn das ist definitiv keine besondere Stärke des MacBook Air.

Benchmarks

CINEBENCH R10 CINEBENCH R11.5 Geekbench Xbench
1 CPU x CPU OpenGL 1 CPU x CPU OpenGL Score Integer Float Memory Stream
MacBook Air [1]
(Netz/Akku)
2166
2168
3980
4003
4324
4329
0,57
0,57
1,09
1,09
12,77
12,84
2705
2699
2107
2084
3769
3773
2393
2409
1701
1681
60
53
13" MacBook [2]
(Netz/Akku)
2718
2729
5035
5023
4808
4306
0,71
0,71
1,38
1,37
11,44
11,41
3378
3379
2726
2707
4836
4876
2691
2671
1939
1916
205
210
15" MacBook Pro [3]
(Netz/Akku)
3933
3875
8583
8605
5447
5060
-
-
2,56
2,56
15,83
15,83
5465
5458
3204
-
8577
-
3315
-
3294
-
320
178
17" MacBook Pro [4]
(Netz/Akku)
3568
3547
7708
7677
5464
4500
-
-
2,31
2,32
15,71
15,71
4934
4938
3770
-
7667
-
3094
-
3124
-
295
169
Mac mini [5] 2727 4916 4555 0,71 1,38 11,39 2772 2224 3944 2119 1895 197

[1] MacBookAir3,2; Intel Core 2 Duo 1,86 GHz; 1066 MHz Bus; 2 GB RAM; NVIDIA GeForce 320M 256 MB
[2] MacBook7,1; Intel Core 2 Duo 2,4 GHz; 1066 MHz Bus; 4 GB RAM; NVIDIA GeForce 320M 256 MB
[3] MacBookPro6,2; Intel Core i7 2,66 GHz; 1066 MHz Bus; 4 GB RAM; NVIDIA GeForce GT 330M 512 MB
[4] MacBookPro6,1; Intel Core i5 2,53 GHz; 1066 MHz Bus; 4 GB RAM; NVIDIA GeForce GT 330M 512 MB
[5] Macmini4,1; Intel Core 2 Duo 2,4 GHz; 1066 MHz Bus; 2 GB RAM; NVIDIA GeForce 320M 256 MB

Lautstärke und Wärmeentwicklung

Nach dem Umstieg auf Intel-Prozessoren wurde oft bemängelt, dass Apples Notebooks nur theoretisch als "Laptops" bezeichnet werden können; nimmt man diese Titulierung wörtlich, so waren häufig gerötete Oberschenkel das Ergebnis. Anders beim MacBook Air: das Gehäuse bleibt kühl, bei normaler Nutzung hat der Lüfter nichts zu tun. Deutlich bemerkbar machte sich die Kühlvorrichtung dann jedoch, als Mac OS X 10.6.5 installiert wurde. In nahezu jedem anderen Anwendungsgebiet war jedoch vom MacBook Air nichts zu hören, das Notebook arbeitet fast geräuschlos. Mit einer Ausnahme: Audiowiedergabe. Auch die Lautsprecher verblüffen. Apple bedient sich wieder des Prinzips, keine sichtbaren Lautsprecher zu verbauen, sondern die Displayfläche zu nutzen. Sicherlich ist nicht die Klangfülle eines teuren Soundsystems zu erreichen, das Wohnzimmer wurde aber laut beschallt und macht aus dem MacBook Air somit eine mobile Soundanlage.

Akkulaufzeit

Die von Herstellern genannten Akkulaufzeiten sind ein zweischneidiges Schwert. Was unter Laborbedingungen zu erreichen ist, hält normalerweise keiner Überprüfung in der Praxis stand. Apple betonte anlässlich des Mac-Events, dass man sich für realistische Messverfahren einsetze, um dem Kunden dann keine unangenehmen Überraschungen bieten zu müssen, sofern sich dieser auf eien Herstellerangabe verlässt. Das MacBook Air soll laut Apples Messverfahren bis zu 7 Stunden durchhalten. Zumindest in unseren Tests zeigte sich, dass auch dieser Wert nur im Labor zu schaffen ist. Sieht man sich Filme im iTunes Store an, hat Mail im Hintergrund laufen, wechselt häufiger einmal Programme oder installiert Software, dann bleibt von den 7 Stunden wenig übrig. Bei voll aufgeladenem Akku sprang die Laufzeitprognose sogar auf 2:48 Stunden, als die Software-Aktualisierung gerade zu Werke schritt. Nach der Installation stieg der Wert auf 5:00 Stunden und arbeitete sich dann weiter nach oben. Unter realistischen Bedingungen kann man insgesamt von ca 5:30 bis 6:00 Stunden ausgehen. Arbeitet man "akkufreundlicher", lastet die CPU nicht häufig aus, regelt die Helligkeit nach unten, dann sind auch auch 6:30 Stunden zu schaffen. Sieben oder mehr Stunden werden hingegen etwas schwierig.

Stromverbrauch

Die Leistungsaufnahme des MacBook Air liegt zwischen 7 Watt und 28 Watt. Dies ist umso beeindruckender, da diese Werte noch unter den Werten des Mac mini liegen. In der Regel ist bei Computern mit integriertem Display aufgrund der Hintergrundbeleuchtung eine deutlich höhere Leistungsaufnahme festzustellen. Im Fall des MacBook Air allerdings sind die verbauten Komponenten so sparsam, dass die Leistungsaufnahme des Mac mini trotz Display unterboten werden konnte. Kommt es also auf den Stromverbrauch an, ist nun das neue MacBook Air die erste Wahl, erst recht wenn auch ein Display benötigt wird.

Display

Der Disput "Glossy vs. matt" ist in den letzten Jahren so oft geführt worden, dass wir diesmal darauf verzichten, Vor- und Nachteile davon dazustellen. Auch beim MacBook Air setzt Apple auf "Glossy", ohne eine Alternative dafür zu bieten. Ansonsten verfügt das MacBook Air 13" über ein helles und hoch auflösendes Display. Mit 1440 x 900 liegt die Auflösung auf dem Niveau des MacBook Pro 15" und deutlich über den 1280 x 800 Pixel eines MacBook 13". Das Display lässt es zu, auch aus abenteuerlichen Blickwinkeln noch weitgehend unverfälschte Farben zu sehen.

Ein erstes Fazit

Das MacBook Air steht irgendwo zwischen iPad und MacBook, das jedoch zum Preis eines besser ausgestatteten MacBook Pro. Im Vergleich zum iPad bietet das MacBook Air den Vorteil, mit einem vollwertigen OS X arbeiten zu können, d.h. herkömmliche Software und Erweiterungen wie Flash, Silverlight oder was es sonst noch alles gibt zu installieren. Gibt man sich mit der Basiskonfiguration des 11"-Modells zufrieden (2 GB RAM, 1,4 GHz Prozessor, 64 GB Speicherplatz), so beträgt die Differenz zum größten iPad 200 Euro. Hat man höhere Anforderungen, will auf jeden Fall 13" samt 256 GB SSD, dann liegt der Preis mit 1599 Euro 150 Euro höher als der eines MacBook Pro 13" mit mehr Arbeitsspeicher, leistungsfähiger CPU, Ethernet, FireWire, DVD-Laufwerk, mehr Akkulaufzeit und 320 GB Festplatte. Ganz gerecht ist der Vergleich aber nur, wenn man dem MacBook Pro dann auch eine SSD spendiert, was den Preis auf über 2000 Euro klettern lässt. Wägt man also die Frage ab, ob es das kompakte, zierliche und leichtere MacBook Air 13" oder ein MacBook (Pro) 13" sein soll, ist die Art der Festplatte ein wichtiges Kriterium. Legt man absolut keinen Wert auf die Vorteile einer SSD, so spricht eher weniger für das MacBook Air.

Und mein persönliches Fazit? Ich würde eher zum MacBook Pro greifen. Auch wenn Systemstart und Aufwecken aus dem Ruhezustand verblüffend schnell vonstatten gehen, so ist mir die Vielseitigkeit eines MacBook Pro doch wichtiger. Um es nicht falsch zu verstehen: Das MacBook Air ist ein tolles Gerät, ich bin davon beeindruckt und kann es empfehlen. Für meine Anforderungen sind die 1599 Euro des Testgerätes aber sinnvoller zu investieren. Das ist aber eine rein persönliche Meinung, die man teilen kann - oder eben auch nicht.

Nachtrag: In den Benchmark-Tests zeigte sich, dass 3D-Leistung nicht gerade die Stärke des MacBook Air ist. Moderne Spieletitel, die leistungsfähige Grafikkarten benötigen, sind daher auf dem MacBook Air nicht gut aufgehoben. Anders sieht es allerdings mit dem populären Online-Rollenspiel World of Warcraft aus. Auch bei "hohen" Grafikeinstellungen konnte man noch flüssig spielen. Bei den momentanen Hauptstadt-Events mit Dutzenden sichtbaren Charakteren ist das MacBook Air hingegen überfordert; wobei dies auch auf viele leistungsfähigere Computer zutrifft.
Bekanntlich verzichtet das MacBook Air sowohl auf ein DVD-Laufwerk als auch auf einen Ethernet-Anschluss. Letzteres kann mitunter sehr stören; zum Glück bietet Apple einen Adapter an, um das MacBook Air auch via Ethernet zu verbinden. Der Apple USB Ethernet Adapter kostet 29 Euro.