
Mac-Praxis: Was sagt „% CPU“ in der Aktivitätsanzeige aus?


Was beschäftigt den Mac eigentlich gerade? Um dies herauszufinden, bringt macOS ein Werkzeug namens Aktivitätsanzeige mit. Es zeigt in dynamischen Tabellen an, was die Apple-Hardware derzeit wie stark beschäftigt. In (mindestens) fünf Reitern erscheinen Prozesse in einer sekündlich aktualisierten Rangliste. Standardmäßig startet das Dienstprogramm im CPU-Reiter, und darin ist die erste Spalte namens „% CPU“ ausgewählt. Doch die dort angezeigte Zahl kann mehr Verwirrung stiften als weiterhelfen, erklärt Howard Oakley in einem Blog-Beitrag zur
Prozessorauslastung in modernen Macs.
Bereits mit der Einführung von Mehrkernprozessoren, was vor über einem Vierteljahrhundert stattfand, büßte die Angabe „% CPU“ etwas an ihrer Universalität ein: Ein Wert von 100 Prozent signalisiert lediglich, dass ein einzelner Prozessorkern vollständig ausgelastet ist. Werte von 400, 800, 2400 Prozent sind daher auf aktuellen Macs keineswegs unmöglich, sondern je nach Ausstattung unproblematisch. Bei Intel-Macs gibt es einen weiteren Faktor, welcher die Aussagekraft des Prozentwerts schmälert: Beherrscht der Prozessor Hyperthreading, zählt jeder Kern doppelt. Dies schlägt sich ebenfalls in der Zusatzansicht „Verlauf der CPU-Auslastung“ nieder: Hier erscheinen mehr Kerne als offiziell vorhanden.
Bei Hyperthreading-fähigen Intel-Prozessoren geht die Aktivitätsanzeige von einer doppelten Anzahl an Rechenkernen aus.
Keine Unterscheidung nach FrequenzBei Apple-Silicon-Prozessoren schmälert die Ausdifferenzierung der Rechenkerne die Aussagekraft der Prozentwerte noch weiter: Effizienz- und Leistungskerne arbeiten bei unterschiedlichen Frequenzen. Bei Pro-, Max- und Ultra-Ausführungen können Gruppen von Leistungskernen ebenfalls unterschiedliche Frequenzen fahren. Obendrein regelt das System dynamisch nach – Kerngruppen wechseln nach Bedarf dynamisch die Taktrate. Diese Unterschiede zieht die Aktivitätsanzeige nicht in Betracht, wenn sie die prozentuale CPU-Anzeige darstellt.
Weitere Spalten beachtenWer auf der Suche nach einer reellen Leistungsbremse ist, sollte sich nicht auf die prozentuale CPU-Auslastung stützen, sondern weitere Faktoren mit einbeziehen, etwa die Anzahl der Threads, so Oakley. Wenn eine App nicht mehr reagiert und der sich drehende Ball erscheint, läge dies meist auch nicht an einer vollständig ausgelasteten CPU, sondern lediglich an einem Prozess der App, welcher nicht mehr reagiere.
Mehr Informationen via TerminalWer detailliertere Werte zur Auslastung einzelner Mac-Recheneinheiten wünscht, kommt derzeit um das Terminal nicht herum. Das Werkzeug „Powermetrics“ ist Teil von macOS und lässt sich aus dem Terminal heraus aufrufen; es protokolliert für einen gegebenen Moment
umfangreiche Zustandswerte von CPU über GPU und NPU, inklusive aktueller Taktrate. Die resultierenden Zahlenwerte, über längere Zeit aufgezeichnet, können allerdings kaum ohne Computerhilfe erfasst und analysiert werden. Wer den Paketmanager
Homebrew nutzt, kann mit dem Befehl „brew install asitop“ auf Apple-Silicon-Macs einen Visualisierer für die Kommandozeile installieren. Dieser lässt sich dann mit dem Befehl
sudo asitop
und der anschließenden Eingabe des Admin-Kennworts aufrufen. Diese Darstellung schlüsselt zusätzlich zur aktuellen Auslastung sowie Frequenz von E-, P- sowie GPU-Kernen auch die Aktivität der Neuralkerne auf – diese bleiben in der Aktivitätsanzeige vollständig außen vor. In Kombination mit der Aktivitätsanzeige ergibt sich so ein vollständigeres Bild. Allerdings wurde das Kommandozeilenwerkzeug seit drei Jahren nicht aktualisiert und zeigt bei neueren Macs keine korrekten Werte mehr an.
Das Kommandozeilenwerkzeug „asitop“ liefert eine grafische Übersicht über die aktuelle Auslastung der verschiedensten Rechenkerne eines M1-Prozessors.