Push-Nachrichten von MacTechNews.de
Würden Sie gerne aktuelle Nachrichten aus der Apple-Welt direkt über Push-Nachrichten erhalten?

Apples Führungsetage: Die Gehälter der Top-Manager – und die "CEO Pay Ratio"

Tim Cooks Vergütung für das abgelaufene Jahr ist bereits seit vergangenem Monat bekannt. 74,5 Millionen Dollar strich der CEO ein, was sich aus seinem Grundgehalt von 3,0 Millionen, Aktienoptionen und Bonuszahlen von 58 Millionen sowie weiteren Vergütungen zusammensetzt. Inzwischen hat Apple die gesamte Gehaltsliste des Führungspersonals vorgelegt, so wie es nach börsenrechtlichen Vorgaben regelmäßig zu tun ist.


Gehälter der Top-Manager
Die Spitzenverdiener hinter Cook sind demnach der neue Chief Operating Officer Sabih Khan, der es genauso wie Personal- und Retail-Chefin Deirdre O'Brien und Chefjuristin Kate Adams auf 27 Millionen Dollar inklusive aller Boni brachte. Der neue Finanzchef Kevan Parekh, welcher den Bereich Anfang 2025 von Luca Maestri übernommen hatte, erhielt 22,5 Millionen Dollar, sein Vorgänger noch 15,5 Millionen.

...aber dann gibt es noch die Aktienpakete
Das ist aber noch nicht alles, denn zusätzlich werden noch Aktienpakete fällig, die "Restricted Stock Unit". Anders als bei Aktienoptionen (die man zu einem festgelegten Kurs kaufen kann, jedoch nicht muss, und je nach Abschneiden des Unternehmens nicht notwendigerweise Gewinn macht) gehen diese direkt in den Besitz der jeweiligen Manager über. Die zu einem früheren Zeitpunkt gewährten und jetzt ausgegebenen Aktien hatten 2025 folgende Werte:

  • Tim Cook: 158,8 Millionen Dollar
  • Kevan Parekh: 9 Millionen Dollar
  • Kate Adams: 46 Millionen Dollar
  • Sabih Khan: 46 Millionen Dollar
  • Luca Maestri: 46,9 Millionen Dollar
  • Deirdre O’Brien: 46 Millionen Dollar

Verhältnis CEO- zu Mitarbeitergehalt
Der Finanzbericht weist zusätzlich die "CEO Pay Ratio" aus – damit wird die Vergütung Cooks mit der eines durchschnittlichen Angestellten verglichen. Letztere lag 2025 bei 139.483 Dollar, womit Cook um Faktor 533 besser bezahlt ist. Der durchschnittliche Wert der 100 größten US-Unternehmen liegt nur bei 300:1, reicht in der Spitze aber bis hin zu 6600:1 (Starbucks). Jene "Pay Ratio" ist allerdings nur schwer vergleichbar, denn ein Starbucks mit sehr vielen Teilzeitkräften kommt auf ein sehr viel höheres Verhältnis als Tech-Unternehmen mit überwiegend teuren Spezialkräften. Das trifft beispielsweise auf Microsoft zu (250 bis 350:1), die eben nicht 170.000 Mitarbeiter in Stores beschäftigen, was die Kennzahl im Falle Apples nach oben trieb. In absoluten Zahlen ist Tim Cook übrigens der US-CEO mit dem siebthöchsten Gehalt.

Kommentare

Perry Goldsmith
Perry Goldsmith09.01.26 13:27
Steve Jobs hatte in der Zeit, als der iPod neu war, ein Gehalt von $1. Man sieht also, dass der Gegenwert, den man für die Kosten eines Managers bekommt in keinem Verhältnis zum Nutzen steht, sondern höchstens zum aktuellen Firmengewinn. Da wird nicht nach Leistung bezahlt. Gerechtigkeit wird gerne eingefordert, aber in der Realität wären Großzügigkeit und Rücksicht auf die Schwachen ein besseres Credo für eine Gesellschaft.
-1
Fenvarien
Fenvarien09.01.26 13:39
Dafür bekam Jobs aber das bis dato größte jemals an einen CEO vergebene Aktienpaket (Optionen, nicht Aktien direkt)
Up the Villa!
+7
Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck09.01.26 13:39
Perry Goldsmith
…in keinem Verhältnis zum Nutzen steht, sondern höchstens zum aktuellen Firmengewinn. Da wird nicht nach Leistung bezahlt.

Ich lasse bewusst offen, ob das gerecht oder nicht gerecht ist, aber: Apple (bzw. der Vorstand und Aktionäre) zahlen diese Summen aus freien marktwirtschaftlichen Erwägungen – und daher scheint ihnen die Leistung von Cook (bzw. auch der anderen hochrangigen Managern) genau das Wert zu sein.
+1
macfreakz09.01.26 13:49
Steve Jobs hat die Firma gegründet, ihm sind schon Aktienoptionen zu gönnen. Er hatte damals viel Risiko eingegangen.

Cook ist ein Angestellte, ein CEO und so ein CEO sollte nicht so viel Geld verdienen. Es sollte angemessen sein in der Relation zu den Angestellten.
+3
tjost
tjost09.01.26 13:52
Ich bin trotz aller Arbeit und allem Respekt der Meinung, dass solche Gehälter weder angebracht noch berechtigt denn die haben alle nichts zu verlieren. Keiner haftet mit seinem privat Vermögen.
+14
dan@mac
dan@mac09.01.26 14:04
Wie würde Apple wohl aussehen, wenn das Management aus Personen bestünde, die von der Arbeit inspiriert sind und sich mit deutlich geringeren Gehältern zufriedengeben würden? Wenn man wirklich nicht mehr für die nächste Millionen arbeiten würde.
+4
Fontelster
Fontelster09.01.26 14:22
Mendel Kucharzeck
Perry Goldsmith
…in keinem Verhältnis zum Nutzen steht, sondern höchstens zum aktuellen Firmengewinn. Da wird nicht nach Leistung bezahlt.

Ich lasse bewusst offen, ob das gerecht oder nicht gerecht ist

Aber genau das ist die entscheidende Frage: ist es gerecht oder nicht? Sie zahlen ja nicht ihr eigenes Geld. Fremdes Geld lässt sich immer leichter verteilen als eigenes.

Und nur die gesellschaftlich Erkenntnis, dass es (meiner Meinung nach) nicht gerecht ist, könnte langfristig daran etwas ändern und für mehr Gerechtigkeit sorgen.

So gesehen ist die Aussage »ist mir egal, ob gut oder schlecht, es ist nun mal einfach so« (ich überspitze deine Aussage absichtlich) keine, welche die Welt in irgendeinem Bereich weiterbringen wird.
0
mschue
mschue09.01.26 14:26
Ich glaube, die arbeiten alle nicht mehr für Geld. Auch bei mir war es so, daß daß nach dem Überschreiten eines individuellen Grenzwertes Geld nicht mehr die primäre Arbeitsmotivation war. Der eine Dollar von Steve Jobs zeigt das sehr schön. Der hatte nach der NeXT-Aktion ohnehin schon mehr Geld, als er in einem Leben für sich persönlich ausgeben konnte. Ab dem Punkt geht es nur noch um den Vergleich mit andern CEOs - IMHO
+5
Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck09.01.26 14:48
Fontelster
Aber genau das ist die entscheidende Frage: ist es gerecht oder nicht? Sie zahlen ja nicht ihr eigenes Geld. Fremdes Geld lässt sich immer leichter verteilen als eigenes.

Und nur die gesellschaftlich Erkenntnis, dass es (meiner Meinung nach) nicht gerecht ist, könnte langfristig daran etwas ändern und für mehr Gerechtigkeit sorgen.

"Gerecht" ist eine sehr subjektive Geschichte.

Beispiel: Ist es "Gerecht", wenn ich dir z.B. einen Picasso für einen Euro abkaufe? Oder für 20 Millionen Euro? Immer unter der Prämisse, dass weder du noch ich einem Zwang ausgesetzt sind und wir beide unsere Transaktion verstehen.

Das Unternehmen Apple und Cook wurden sich bezüglich des Gehaltes einig – und ich gehe mal davon aus, dass das Unternehmen wie auch Cook sich über die Transaktion im Klaren sind. Zwei Parteien sind sich hier also einig geworden – und so ist auch zu diesem Zeitpunkt der Marktwert von Cook eben diese Summe.

Ich verstehe die gesamte Argumentation, warum man es als persönlich ungerecht empfindet, wenn jemand das hundertfache oder sogar noch viel mehr verdient als man selbst. Auf der anderen Seite SCHEINT Cook (und andere Manager oder hochbezahlte Angestellte) dem Unternehmen einen solchen Betrag wert zu sein.

Ich persönlich würde mir nie (selbst wenn ich es könnte) einen Picasso für Millionen kaufen, weil ich darin nicht den Wert erkenne – aber wenn es jemand kann und macht, steht der Wert am Markt damit fest.
+3
MikeMuc09.01.26 15:20
Bei diesen Zahlen sollte es Apple doch eigentlich möglich sein, jedem Mitarbeiter der zb weniger als 5000$ monatlich bekommt, einfach am Jahresende eine Bonus zu „spendieren“, der diese „Diskrepanz“ zumindest ein wenig ausgleicht. Die dafür nötige Summe sollte sich doch locker bei den im Artikel genannten Personen einsparen lassen ohne das denen dann ein Zacken aus der Krone bricht. Zusätzlich wäre es ein Zeichen der Wertschätzung den Angestellten gegenüber, das auch sie etwas vom (großen) Gewinn abbekommen.
+1
Fontelster
Fontelster09.01.26 16:01
Mendel Kucharzeck
Das Unternehmen Apple und Cook wurden sich bezüglich des Gehaltes einig […]
Zwei Parteien sind sich hier also einig geworden.
Früher waren sich zwei Parteien auf dem Markt über den Preis eines Sklaven einig.
Heute sind sich Vermieter und Firmen über den prekären Lohn eines Leiharbeiters einig.
Das kann also kein Maßstab dafür sein, ob etwas gerecht ist.

Mendel Kucharzeck
Beispiel: Ist es "Gerecht", wenn ich dir z.B. einen Picasso für einen Euro abkaufe? Oder für 20 Millionen Euro?
Das Beispiel hinkt ganz gewaltig, weil der Picasso selber keinerlei Interessen an irgendwas hat. Es ist dem Bild schlicht egal, ob es verkauft wird und für welchen Preis. Es ist einfach nur ein Gegenstand. Wem gegenüber sollte es also ungerecht sein?

Die Millionen, die für Cook & Co ausgegeben werden, könnten aber auch unter den »normalen Angestellten« verteilt werden.
-3
Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck09.01.26 16:28
Fontelster
Ich habe nicht von prekären Arbeitsverhältnissen gesprochen – sondern bewusst, wenn keine Zwangslage vorhanden ist. Gehen wir, damit die Diskussion nicht abdriftet, erstmal davon aus, dass es um ein Unternehmen geht, bei welchem prekäre oder ausbeuterische Arbeitsverhältnisse keine Rolle spielen.

Ob du mir jetzt z.B. ein Bild anbietest oder deine Arbeitsleistung – die Preisfindung ist ganz ähnlicher Natur. Bist du z.B. ein Star-Ingenieur und ich benötige dich unbedingt für mein Formel-1-Team, wird das mit Sicherheit für mich GANZ ERHEBLICH teurer als wenn ich unter 10 ähnlichen Bewerbern wählen kann.

Natürlich kann Apple alles tun, zu was der Vorstand und die Aktionäre bereit sind – auch den ganzen Jahresgewinn unter den Angestellten verteilen. Aber hier greift wieder die Preisfindung: So etwas machst du nur bei Leuten, die halt schwerlich ersetzbar sind. Niemand hat was zu verschenken.

Ich möchte nochmal betonen, dass ich nicht damit sagen will, dass das nach meinem Empfinden alles "gerecht" zugeht. Ich beschreibe nur, wie es zu derartigen Preisfindungen kommt – und zwei Parteien erst einmal verabreden können was auch immer sie wollen, wenn keine Zwangslage vorhanden ist.
0
Lavalampa09.01.26 17:02
Allen die noch keinen Kontakt zum Thema Vermögensverteilung/ Lohngerechtigkeit hatten, kann ich nur den YouTube Kanal Second Thought and Herz legen. Er behandelt dieses und noch viele weitere Themen in einem spannenden Format.
0
Lang2109.01.26 17:47
Mendel Kucharzeck
Fontelster
Aber genau das ist die entscheidende Frage: ist es gerecht oder nicht? Sie zahlen ja nicht ihr eigenes Geld. Fremdes Geld lässt sich immer leichter verteilen als eigenes.

Und nur die gesellschaftlich Erkenntnis, dass es (meiner Meinung nach) nicht gerecht ist, könnte langfristig daran etwas ändern und für mehr Gerechtigkeit sorgen.

"Gerecht" ist eine sehr subjektive Geschichte.

Beispiel: Ist es "Gerecht", wenn ich dir z.B. einen Picasso für einen Euro abkaufe? Oder für 20 Millionen Euro? Immer unter der Prämisse, dass weder du noch ich einem Zwang ausgesetzt sind und wir beide unsere Transaktion verstehen.

Das Unternehmen Apple und Cook wurden sich bezüglich des Gehaltes einig – und ich gehe mal davon aus, dass das Unternehmen wie auch Cook sich über die Transaktion im Klaren sind. Zwei Parteien sind sich hier also einig geworden – und so ist auch zu diesem Zeitpunkt der Marktwert von Cook eben diese Summe.

Ich verstehe die gesamte Argumentation, warum man es als persönlich ungerecht empfindet, wenn jemand das hundertfache oder sogar noch viel mehr verdient als man selbst. Auf der anderen Seite SCHEINT Cook (und andere Manager oder hochbezahlte Angestellte) dem Unternehmen einen solchen Betrag wert zu sein.

Ich persönlich würde mir nie (selbst wenn ich es könnte) einen Picasso für Millionen kaufen, weil ich darin nicht den Wert erkenne – aber wenn es jemand kann und macht, steht der Wert am Markt damit fest.

Wer genau ist sich einig geworden? Das Vergütungskomitee besteht ja nicht aus normalen Angestellten, sondern aus ex-CEOs, Finanzprofis und anderen Berufsboardlern, sprich Personen mit ähnlichen Einkommensrealitäten. Die Gehälter werden ja nicht gegen normale interne Gehaltsbänder gespiegelt. Es wird rechtfertigbar gegenüber Investoren gemacht.
-3
Fontelster
Fontelster09.01.26 17:47
Mendel Kucharzeck
Fontelster
Ich habe nicht von prekären Arbeitsverhältnissen gesprochen – […]. Gehen wir, […], erstmal davon aus, dass es um ein Unternehmen geht, bei welchem prekäre oder ausbeuterische Arbeitsverhältnisse keine Rolle spielen.
Ich habe auch nicht unterstellt, dass es bei Apple solche Arbeitsverhältnisse gibt. Zumindest nicht unter den »wichtigen« Leuten; bei Putzkräften, Security und ähnlichen wäre ich da schon nicht sicher.
Ich sage nur: wenn sich zwei – über den Kopf von anderen hinweg – auf etwas einigen, dann muss das schon deswegen (»über den Kopf von anderen hinweg«) alles andere als automatisch gerecht sein.

Ansonsten scheinen wir einfach von verschiedenen Voraussetzungen beim Gerechtigkeitsbegriff auszugehen. Wenn ich dich richtig verstehe, dann gehst du davon aus: einigen sich zwei, und keiner von beiden fühlt sich über den Tisch gezogen, dann ist das gerecht.
Logisch, keiner von beiden ist unzufrieden (oder beide gleichermaßen), das muss gerecht zugegangen sein.
Das kann man natürlich so sehen und für Cook und Apple/die Entscheider wird das jeweils auch zutreffen.

Ich gehe aber von einem größeren Maßstab aus: ist es gerecht für Apple insgesamt, oder die Gesellschaft? Und da dürfte die Antwort schon nicht ganz so automatisch »ja« lauten.

Mendel Kucharzeck
Aber hier greift wieder die Preisfindung
Wie gesagt, dass es eine Preisfindung gibt ist eine andere Frage als die, wie die Preisfindung stattfindet und wieder eine komplett andere, ob die gerecht stattfindet.

Mendel Kucharzeck
Ich möchte nochmal betonen, dass ich nicht damit sagen will, dass das nach meinem Empfinden alles "gerecht" zugeht. Ich beschreibe nur, wie es zu derartigen Preisfindungen kommt – und zwei Parteien erst einmal verabreden können was auch immer sie wollen, wenn keine Zwangslage vorhanden ist.
Und ich möchte betonen, dass es mir nicht um zwei willkürliche Menschen geht, sondern um das Große und Ganze, das … »System«.
Bei der Schere zwischen Arm und Reich, die Verteilung von Vermögen usw. – schlicht die Ungerechtigkeit auf der Welt – sind wir uns sicher (hoffentlich) einig.
0
Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck09.01.26 19:20
Fontelster
Ansonsten scheinen wir einfach von verschiedenen Voraussetzungen beim Gerechtigkeitsbegriff auszugehen. Wenn ich dich richtig verstehe, dann gehst du davon aus: einigen sich zwei, und keiner von beiden fühlt sich über den Tisch gezogen, dann ist das gerecht.
Logisch, keiner von beiden ist unzufrieden (oder beide gleichermaßen), das muss gerecht zugegangen sein.
Das kann man natürlich so sehen und für Cook und Apple/die Entscheider wird das jeweils auch zutreffen.
Ich gehe aber von einem größeren Maßstab aus: ist es gerecht für Apple insgesamt, oder die Gesellschaft? Und da dürfte die Antwort schon nicht ganz so automatisch »ja« lauten.

Ja, ganz grundsätzlich sehe ich das so.

Ich drehe es mal um: Wenn sich zwei Parteien einig sind und sich innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen bewegen, obliegt es eigentlich nicht mir, darüber zu urteilen. Wenn ich doch, aus welchen Gründen auch immer, darüber urteilen will, muss ich auch danach handeln: Passen mir die Managergehälter von Unternehmen XYZ nicht, dann kauf ich halt bei XYZ nicht.
Fontelster
Und ich möchte betonen, dass es mir nicht um zwei willkürliche Menschen geht, sondern um das Große und Ganze, das … »System«.
Bei der Schere zwischen Arm und Reich, die Verteilung von Vermögen usw. – schlicht die Ungerechtigkeit auf der Welt – sind wir uns sicher (hoffentlich) einig.

Ich verstehe natürlich genau was du meinst, aber das "Große und Ganze" setzt sich aus diesen Teilaspekten zusammen.

Die "Preisfindung" bei Vergütungen für Arbeitsleistung wird nach meiner Ansicht nach immer krassere Ausschläge zeigen, je spezialisierter die gebotene Leistung und je rarer die Personen sind. Jüngstes Beispiel sind hier KI-Forscher/Entwickler – manche davon können sich ihre Vergütung quasi aussuchen, da es halt nur wenige wirklich fähige gibt.
-1
Weia
Weia11.01.26 02:46
Mendel Kucharzeck
Wenn sich zwei Parteien einig sind und sich innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen bewegen, obliegt es eigentlich nicht mir, darüber zu urteilen.
Das ist aber eine Tautologie. Der frei und zwanglos verhandelte Kaufpreis bestimmt ja nur den Tauschwert einer Transaktion; wir haben in einer Gesellschaft aber (hoffentlich) auch noch andere Werte, die vom Tauschwert nicht erfasst werden.

Wenn sich z.B. der Auftragskiller und der gehörnte Ehepartner auf einen Preis für einen Auftragsmord einigen, wird diese Einigung zwischen den beiden nicht dadurch gerecht, dass sie frei und zwanglos stattfand. Das liegt daran, dass unser gesamtgesellschaftliches Wertesystem das Töten von Menschen als ungerecht klassifiziert, was aber orthogonal zum Tauschwert steht.

Und solche Werte, die vom Tauschwert nicht erfasst werden, gibt es natürlich etliche. Sie werden in einer Gesellschaft durch Gesetze codiert. Wenn Du also von einer Einigung innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen sprichst, so hast Du die Frage nach Gerechtigkeit einfach in diesen Satzteil verschoben. Wenn eine Gesellschaft der Auffassung wäre, hohe Vermögen seien ein Problem (wofür es demokratietheoretisch gute Argumente gibt), so ließe sich das natürlich im Prinzip ganz einfach gesetzlich codieren, durch Vermögenssteuer oder was auch immer. Die Frage, ob etwas gerecht ist, heißt also einfach, sollten wir unsere Gesetze ändern oder nicht (und warum?)?

Das im hier diskutierten Fall dahinterliegende Problem ist der Skaleneffekt in der industriellen Produktion und erst recht in der IT. Das ideologische Kostüm der freien Marktwirtschaft ist das der Leistungsgesellschaft: Leistung soll sich lohnen. Das bestreitet in unseren Breitengraden heutzutage aber niemand ernsthaft; die Frage ist, was Leistung ist:

Leistet der Arzt mit hochspezialisiertem Know-How, der unermüdlich Menschen heilt, mehr als die Bürokraft, die nach 8 Stunden eher trivialer Arbeit pünktlich den Griffel fallen lässt? Fraglos in mehrfacher Hinsicht ja. Deswegen scheint es auch nachvollziehbar, dass der Arzt grob um eine Größenordnung (Zehnerpotenz) mehr verdient.

Aber leistet ein CEO, der ein Unternehmen geschickt führt, um drei Größenordnungen so viel wie der hochspezialisierte Arzt? Nein, das würde jegliches menschliche Maß sprengen. Der Unterschied liegt nicht in der Leistung, sondern im Gegenstand, auf den die Leistung appliziert wird: Die Auswirkung einer Entscheidung des CEOs multipliziert sich durch den Skaleneffekt des Gegenstandsbereiches, während der Arzt, so begnadet er sein mag, doch immer nur einen Patienten pro Zeiteinheit behandeln kann.

Nun könnte man argumentieren, Leistung und damit Tauschwert wären bei skalierbaren Gegenstandsbereichen nunmal so definiert. Das stimmt aber nicht; für Wissenschaft und Politik gilt das nicht. Ein akademischer Wissenschaftler, der eine bahnbrechende Erkenntnis erlangt, und ein Politiker, der die Geschicke ganzer Kontinente beeinflusst, skalieren in maximalem Umfang, verdienen aber eher in der Größenordnung des Arztes als der des CEOs. Gesellschaftlich wird die Bindung des Tauschwertes an Skalierung nur Unternehmern zugestanden. Von daher ist es zumindest eine diskutable Frage, ob das so sein sollte.
„Meinung“ ist das Foren-Unwort des Jahrzehnts.
+4

Kommentieren

Sie müssen sich einloggen, um die News kommentieren zu können.