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Der Apple-Aktien-Post-Corona-Katastrophen-Thread (Mai 2020)

macbeutling
macbeutling01.05.2010:31
Hallo Freunde und willkommen im Mai.

Die heutige Threaderöffnung beinhaltet eine erste kurze Bewertung der gestern veröffentlichten Quartalszahlen des 2.Quartals im Geschäftsjahr 2019/2020, in dem die Corona-Pandemie ihren Ursprung hatte (sofern man China Glauben schenken darf).

Apple erwirtschaftete in diesem Quartal einen Umsatz von 58,3 Milliarden und schaffte es damit, ein Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahresquartal zu erreichen, wenn auch nur ein kleines.

Laut TC war Apple auf dem Weg zu einem neuen Rekordquartal, in welchen sie oben Probleme die obere Range der Voraussage (67 Milliarden Dollar) erreicht hätten können....aber dann schlug Corona zu.

Trotz der aktuell unsicheren weltwirtschaftlichen Lage, aufgrund derer Apple keine Guidance für das aktuelle Quartal veröffentlicht, erhöht Apple die Dividende um 6% und investiert weitere 50 Milliarden für Aktienrückkäufe.

Aus dem aktuellen Programm sind noch 40 Milliarden übrig, so das Apple 90 Milliarden in den nächsten 12 Monaten für Rückkäufe investieren kann.

Beim aktuellen Kurs von 290$ könnten sie damit weitere 7% des Aktienbestandes vom Tisch nehmen.
Nachbörslich stieg AAPL gestern Abend auf 300$ und hatte damit die Verluste auf 10% minimiert.
Im weiteren nachbörslichen Verlauf fiel AAPL auf 289,50$.

Aktuell steht AAPL vorbörslich bei 284,50$.
Die Frage ist, wie es um 15:30 weiter geht, ob eher das nachbarliche Hoch oder das Tief die Richtung für heute vorgeben werden.

Ich will nicht näher auf plus oder minus bei den einzelnen Segmenten eingehen, dass könnt ihr überall nachlesen.

Nun zu meiner bescheidenen und persönlichen Meinung:

Ich hatte im Februar bei knapp 300€ verkauft, da ich mit einem extremen Einruch des Geschäftes im letzten Quartal gerechnet hatte.
Mein Verkaufsentschluss war richtig, denn AAPL bot im Laufe der folgenden Woche die Möglichkeit, bei minimal 198€ wieder einzusteigen....den hab ich leider verpasst.

Mein Ziel war es, gestern NICHT investiert gewesen zu sein, da ich mit einem weiteren Marsch nach unten gerechnet hatte.
Nun, da lag ich falsch.

Sollte Apple heute die Richtung nach unten einlegen, so böte sich meiner Meinung nach am Montag (heute können wir leider nicht trauen, da Maifeiertag) ein guter Zeitpunkt, um wieder long zu gehen.
Apple hat gezeigt, dass die Diversifizierung des Geschäftsfeldes recht gut funktioniert hat und die geographische Verteilung der Umsätze wie auch die Segmente selber, mittlerweile einen sehr guten Puffer gegen selbst extremste Unwägbarkeiten, wie eine Pandemie, bieten.

Auch die Erhöhung von Buybacks und Dividenden zeigt, dass Apple nach Ende der Pandemie wieder stark zurückkommen wird.
Nun, ich hab des öfteren betont, dass die Langzeit-Geschäftsaussichten nach wie vor glänzend sind und die gestrigen zahlen bestätigen das.

Wer also die Möglichkeit hat, am Montag zu niedrigeren Kursen wieder einzusteigen, wird sicherlich über einen längeren Zeithorizont hinaus, sicherlich ein weiteres Gutes Plus aus der Sache herausholen.
Wie gesagt, ein heutiger Rücksetzer würde uns das alles schmackhafter machen.

I den letzten 2-3 tagen ist der Euro im Vergleich zum Dollar wieder ein wenig stärker geworden, was die Käufer-Seite stärkt und die Verkäufer-Seite etwas schwächt....genau das Gegenteil zum Zeitpunkt meines Verkaufes.

So.

Das war es von mir.

Allen einen schönen Maifeiertag und ich bin gespannt, wie Eure Meinungen/Empfehlungen/Aktionen in den nächsten Tagen aussehen werden.
„Glück auf🍀“
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Kommentare

Der echte Zerwi01.05.2010:45
Das erreichte Ergebnis ist zwar respektabel, aber ich sehe das so:

Der Umsatz ist immerhin um 15 - 20 % unter dem Plan. Das ist mal eine Ansage. Es wird aber in der Berichterstattung nur mit dem Vorjahr verglichen.

Die Corona Krise hat erst ab Mitte März richtig auf die Wirtschaft und Konsum eingeschlagen. Das Quartal April-Juni wird meiner Ansicht nach übel werden. Apple macht dafür aus gutem Grund keine Vorhersagen.

Alles Jubeln ist meiner Ansicht nach verfrüht und fehl am Platz.

Würde zwar auch nochmal gerne investieren, aber die Kurse sind derzeit schon wieder recht hoch. Habe zwar bei 203 € zugeschlagen, im Rückblick hätte ich wohl mehr investieren sollen, da ging ich davon aus, dass es nochmal weiter runtergeht.
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macbeutling
macbeutling01.05.2010:49
Es kommt auf deinen Anlagehorizont an

Steigst du jetzt ein, wird es sicherlich nochmal runter gehen, klar, aber in 6-12 Monaten ist das Ding aktientechnisch durch und wir werden wieder höhere Kurse sehen.
Die gekappte Prognose interessiert keinen mehr. Wallstreet rechnete mit 54 Milliarden und die sind locker erreicht worden.
„Glück auf🍀“
0
rosss01.05.2010:56
Ich finde es erstaunlich, dass Apple keinen Ausblick geben will (kann!), dass der Umsatz erst in den letzten Wochen eingebrochen ist — und dennoch kein Einbruch bei der Aktie. Mit deutlichem Umsatzrückgang im abgelaufenen Quartal hatte ich gar nicht gerechnet, dafür geht es den Menschen im Moment einfach noch zu gut. Aber ob das in einem halben Jahr immer noch so ist?

Egal, scheint die Investoren nicht zu kümmern. Die FED hat wohl ausreichend frisches Geld in den Markt gepumpt. Non olet.

Ich weiß, Pessimismus wird nie goutiert. Aber meiner Einschätzung nach wird das tragende Eis immer dünner. Ich sehe einfach nicht, wie wir in den nächsten Monaten eine Verbesserung erreichen könnten. Vielleicht gerade so den Status Quo halten, mit allen wirtschaftlichen Folgen.

Darum meine Frage an die Profis hier: Ich habe mir mit Stoploss vor einigen Jahren erfolgreich eine blutige Nase geholt. In der aktuellen Volatilität wüsste ich gar nicht, welchen ich setzen könnte. Welche Strategie nutzt ihr um euch gegen einen neuen Absturz abzusichern, ohne im Aufwind bei kurzem Drop ausgestoppt zu werden?
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misc01.05.2011:21
Ich habe irgendwo gelesen, TC hätte in der Konferenz als Quasi-Ausblick gegeben, dass sie die Werte von letztem Jahr erreichen können, also 0% Wachstum oder ein knappes Minus.
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thomas b.
thomas b.01.05.2012:47
rosss
...
Darum meine Frage an die Profis hier: Ich habe mir mit Stoploss vor einigen Jahren erfolgreich eine blutige Nase geholt. In der aktuellen Volatilität wüsste ich gar nicht, welchen ich setzen könnte. Welche Strategie nutzt ihr um euch gegen einen neuen Absturz abzusichern, ohne im Aufwind bei kurzem Drop ausgestoppt zu werden?

Vor langer Zeit habe ich auch zwei mal Stop-Lass bei Apple gesetzt und schon da gab es mal ganz kurze Einbrüche, in denen dann verkauft wurde. Beide Male habe ich dann zum Glück nur etwas teurer zurück kauften müssen. Heute ist die Volatilität deutlich größer, daher mache ich um Stop-Loss einen großen Bogen und verfolge lieber regelmäßig die Kurse.
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macbeutling
macbeutling01.05.2013:05
...ist mir letzten Monat auch passiert.
Das war das erste (und letzte) Mal, dass ich mit einem SL gearbeitet habe. Seitdem und in Zukunft nicht wieder.

Ist bei AAPL auch eigentlich nicht nötig.
„Glück auf🍀“
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Weia
Weia01.05.2015:14
Sell in May and go away scheint dieses Jahr ja sehr wörtlich (sprich pünktlich) genommen zu werden. Was bleibt dem Markt auch anderes übrig, wenn Trump, um von seinem Versagen abzulenken und mutmaßlich bei seinen potentiellen Wählern zu punkten, in einer riesigen Weltwirtschaftskrise erneut anfängt, China mit Zöllen zu drohen – da fällt einem nix mehr zu ein.

Nach drei höchstwahrscheinlich komplettieren Aufwärtsschüben setzt nun also die erwartete Korrektur ein. Die gilt es wie geschildert genau zu beobachten – ob sie eine Korrektur bleibt oder sich doch in ein neues Abwärtsbein wandelt.

Auch wenn der Artikel vermutlich nur für Abonnenten lesbar ist, wollte ich Euch folgende Barron’s-Schlagzeile doch nicht vorenthalten: Who Can Beat Warren Buffetttttttt And Carl Icahn? The Average Fund Manager.

Resümee: Niemandem gelingt es, den Gewinn zu erreichen, den man erzielen würde, wenn man ganz schlicht einen Index-Fonds kauft (letzte 10 Jahre: 11,5%), aber der statistisch durchschnittliche Fonds-Manager erreicht wenigstens 9,9%, Buffetttttttt hingegen nur 9,4%.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
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QuickSilverEX
QuickSilverEX01.05.2017:16
Von Bezos kann man ja halten was man will, aber seine Art gefällt mir.
"Amazon Chief Executive Jeff Bezos basically told shareholders to sit down and shut up"
Ich weiß, dieses "... früher unter Steve Jobs..." Blabla wird nicht gerne gehört (geht mir ja selber auf die Nerven) aber er hätte ähnlich gehandelt.

Buybacks waren/sind auf der einen Seite toll für uns Shareholder, auf der anderen Seite sollte man als Innovator mit dem Geld besseres anfangen können.
Gerade in Kombination mit Buffett und der Erinnerung an IBM wird mir mulmig.
+1
Weia
Weia01.05.2017:27
QuickSilverEX
Von Bezos kann man ja halten was man will, aber seine Art gefällt mir.
"Amazon Chief Executive Jeff Bezos basically told shareholders to sit down and shut up"
Ich weiß, dieses "... früher unter Steve Jobs..." Blabla wird nicht gerne gehört (geht mir ja selber auf die Nerven) aber er hätte ähnlich gehandelt.
Da kann ich Dir nur nachdrücklich zustimmen.
Buybacks waren/sind auf der einen Seite toll für uns Shareholder, auf der anderen Seite sollte man als Innovator mit dem Geld besseres anfangen können.
Wohl wahr. Apple unter Tim Cook zeigt gerade seine hässlichste Seite.
Gerade in Kombination mit Buffett und der Erinnerung an IBM wird mir mulmig.
Worauf beziehst Du dich da?
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
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Florian Lehmann01.05.2021:33
Bin ganz froh, dass ich nichts verkauft hab. Ich wüsste überhaupt nicht, wann ich wieder hätte einsteigen sollen. Im Nachhinein kann man immer sagen, ja kurz unter 200 aber mal ehrlich, bei 220 ist man dann wieder zu geizig und bei 250 denkt man sich wenn’s runter geht kauft man wieder und dann stehen wir bei 270, 290, 500.

Auch wenn man es sich aktuell überhaupt nicht vorstellen kann, wissen wir einfach nicht was übermorgen passiert.

😅
+2
QuickSilverEX
QuickSilverEX02.05.2008:30
Weia
Worauf beziehst Du dich da?
Auf die Parallelen. Bei IBM war Warren ebenfalls begeistert von großangelegten Buybacks.
Er gilt vordergründig nicht als aktiver Investor (im Vergleich zu Ichan & Co) trotzdem würde ich unterstellen,
dass er (bei der Größe seiner Anteile) Einfluss nimmt. Fairerweise muss man sagen, dass die Buybacks bei Apple vor ihm begonnen haben. Wo IBM heute steht, nachdem sie seit 10 Jahren zurückkauften wie blöd, kann jeder sehen. Wer bitte hätte bessere Startbedingungen für Cloudcomputing, Digital 2.0 und Co gehabt als IBM?!
+1
Weia
Weia02.05.2018:10
QuickSilverEX
Weia
Worauf beziehst Du dich da?
Auf die Parallelen.
Ah, OK, alles klar. Ich dachte, es hätte vielleicht ein spezifisches Ereignis in jüngerer Zeit gegeben, das ich übersehen hätte. Danke!

Ansonsten Zustimmung.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
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Weia
Weia05.05.2018:24
Ist Euch übrigens aufgefallen: bei aller Unterschiedlichkeit der letzen 12 Börsenmonate und all dem, was in ihnen geschehen ist, das zyklische Verhalten, dass der Markt jeden Monatswechsel ein Tief macht, ist jetzt seit letztem Juni, also ein volles Jahr lang, gleich geblieben …
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
+1
thomas b.
thomas b.05.05.2020:31
Vor ein paar Minuten ist Apple wieder über $300 gestiegen.
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rosss05.05.2021:56
thomas b.
Vor ein paar Minuten ist Apple wieder über $300 gestiegen.

Ja, man fragt sich dezent was der ganze Wirbel in den letzten Wochen sollte. Augenscheinlich ging es nur darum, Geld der FED einzusammeln. Womit der Spruch: „Die Börse schaut auf die Zukunft“ widerlegt ist. Die Börse sucht nur nach neuen Geldquellen. Und ist im übrigen ab jetzt unverwundbar und entkoppelt von der siechenden Wirtschaft. Die Zentralbanken werden weiter drucken, aber viele werden im Herbst wegen der Verteilung des Geldes andere Sorgen haben, als ein neues iPhone.

Ich bin gespannt, ob das KGV von Apple in drei Monaten bei über 40 liegt (bei jetzigem Kurs), oder ob der Kurs bis dahin sogar noch zulegt. 50? 60? Wenn ja, hat also ein kleiner Virus das kaum noch denkbare ausgelöst – das legendäre Blow-Off-Top.

[/sarcasm]
+2
thomas b.
thomas b.05.05.2022:05
thomas b.
Vor ein paar Minuten ist Apple wieder über $300 gestiegen.

...und nach einem Ausflug bis $301,00 wieder bei $297,56 gelandet.
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Weia
Weia05.05.2022:39
thomas b.
thomas b.
Vor ein paar Minuten ist Apple wieder über $300 gestiegen.
...und nach einem Ausflug bis $301,00 wieder bei $297,56 gelandet.
100er-Marken sind immer kurzfristige Widerstände, die nicht am ersten Tag genommen werden, das ist klar. Da gibt es jetzt wieder einen Kampf drum.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
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Weia
Weia06.05.2000:26
rosss
Ja, man fragt sich dezent was der ganze Wirbel in den letzten Wochen sollte. Augenscheinlich ging es nur darum, Geld der FED einzusammeln. Womit der Spruch: „Die Börse schaut auf die Zukunft“ widerlegt ist. Die Börse sucht nur nach neuen Geldquellen. Und ist im übrigen ab jetzt unverwundbar und entkoppelt von der siechenden Wirtschaft. Die Zentralbanken werden weiter drucken, aber viele werden im Herbst wegen der Verteilung des Geldes andere Sorgen haben, als ein neues iPhone.

Ich bin gespannt, ob das KGV von Apple in drei Monaten bei über 40 liegt (bei jetzigem Kurs), oder ob der Kurs bis dahin sogar noch zulegt. 50? 60? Wenn ja, hat also ein kleiner Virus das kaum noch denkbare ausgelöst – das legendäre Blow-Off-Top.

[/sarcasm]
Wieso [/sarcasm]? Ich denke, Du hast recht gut den Mechanismus beschrieben, der zur Megaphon-Variante führen würde. Wenn die Börse hier tatsächlich schnell und heil rauskommt, dann wird sie sich in der Tat unverwundbar fühlen und deshalb vielleicht alle Hemmungen ablegen: Was soll jetzt noch Schlimmeres kommen? Bis es dann kommt, nachdem das obere Ende des Jahrhunderttrendkanals erreicht wurde …

Weil das gerade eine so außergewöhnliche Zeit ist, erlaube ich mir, ein paar Auszüge aus meiner Analyse Mitte März zu zitieren, die aus jetziger Sicht interessant scheinen. Einige wichtige Passagen habe ich unterstrichen; da ich Unterstreichungen normalerweise nie verwende, ist sofort klar, dass das Hervorhebungen aus heutiger Sicht sind.

Die Zitate stammen vom 16. März (vor Börseneröffnung), also genau 1 Woche vor dem Tief am 23. März, das man schon jetzt getrost als historisch bezeichnen darf.
Weia am 16.03.20 um 03:05 Uhr
Nochmals zur bullishen Perspektive: Es scheint im Augenblick völlig absurd, darüber auch nur nachzudenken. Aber genau das könnte eben ein Grund sein, der für sie spricht. Insgesamt gibt es 3 Argumente für diese Perspektive:

  • Sie ist unvorstellbar. In einer Expertenrunde in CNBC am Freitag wurde die Variante einer raschen Erholung für völlig ausgeschlossen erklärt; es werde mindestens 1–2 Jahre bis zum Erreichen der alten Hochs dauern.
  • Es gab keine Divergenz zwischen S&P 500 und Advance-Decline-Linie am Top.
  • Wenn Ihr einen Chart der letzten 2 Jahre betrachtet, so seht Ihr auf einen Blick, dass die letzte Aufwärtsbewegung vom Tief 2018 bis zum Hoch 2020 in 2 Schübe geteilt war, nicht in 3, obwohl es eine Bewegung in Richtung des Haupttrends zu sein schien. Da „passt“ etwas nicht. Dazu gleich Näheres.

Falls es tatsächlich – so unvorstellbar das jetzt scheint – zu einem erneuten Allzeithoch noch dieses Jahr kommen sollte, so wäre die mehr als naheliegende Vermutung, dass dies dann aber das endgültig letzte Hurra wäre, ein nur knappes neues Allzeithoch diesmal ohne neues Hoch der Advance-Decline-Linie, sodass schließlich die erwartete Divergenz eintreten würde.

Und das ist sicherlich etwas, worauf ich achten und was ich für den Fall neuer Hochs auch erwarten würde. Wenn der Markt dann nach einem solchen knappen, divergenten Hoch erneut nach unten dreht, dann dürfte allerdings alles noch heftiger werden als jetzt.

Aber was, wenn die Advance-Decline-Linie wieder neue Allzeithochs macht, sodass der Markt über ein nur knappes Hoch hinaus weiter zu steigen schiene?

Dann gäbe es eine Möglichkeit, die völlig abwegig erscheint, aber technisch gleichwohl denkbar wäre.

Nach dem Hoch im Januar 2018 war strukturell klar eine große Korrektur erforderlich, bevor der letzte Schub nach oben beginnen würde. Allgemein wird die Zeit vom Januar 2018 bis zum Dezember 2018 als diese Korrektur angesehen.

Aber da gibt es eben das Haar in der Suppe, dass der folgende, vermeintlich letzte Aufwärtsschub 2019 nur 2 Sub-Schübe enthielt, nicht 3. Was also, wenn in Wahrheit die Aufwärtsbewegung 2019 noch Teil der 2018 begonnenen Korrektur war?

Ein klassische und auch intuitiv plausible Korrekturformation, auf die ich schon mehrfach zu sprechen kam, ist das Dreieck, eine Formation, in der die Kurse insgesamt 5 mal hin- und herschwenken, die Kursausschläge aber immer kleiner werden, sodass die Begrenzungslinien eben wie in einem Dreieck aufeinander zulaufen. Bevor die Linien sich schneiden, brechen die Kurse dann mit einer in der Regel sehr heftigen Bewegung aus dem Dreieck aus.

In seltenen Fällen kommt aber auch ein „umgekehrtes“ Dreieck vor, bei dem die Spitze links liegt und die Kursausschläge also ständig größer werden. Und es wäre denkbar, dass die im Januar 2018 begonnene Korrektur ein solches umgekehrtes Dreieck ist, das bis heute andauert und erst jetzt kurz vor dem Abschluss steht:



Das umgekehrte Dreieck wird auch als Megaphon bezeichnet; warum, macht ein Blick auf den Chart augenfällig.

So unwahrscheinlich diese Variante auch sein mag: Sie wäre die einzige Variante, die schlüssig erklärt, warum die Aufwärtsbewegung 2019 nur 2 Schübe hatte – denn innerhalb eines Dreiecks, das ja stets eine Korrekturformation ist, haben alle 5 Schübe gleichermaßen 2 Sub-Schübe.

Ich halte diese Variante selbst für sehr, sehr unwahrscheinlich. Sollte sie eintreffen, so wäre das ein Triumph für die Strukturanalyse, die mit dem fehlenden 3. Schub das eine Argument für dieses Szenario liefert, das sich nicht wegwischen lässt.

Träfe dieses unwahrscheinliche Szenario ein, dann würden die Kurse zunächst weiter fallen, strukturell zwingend unter das Tief Ende 2018 (andernfalls wäre es kein Megaphon), der Suggestion des Charts nach bis grob 2100. Das Kursziel 2134,72 (Hoch der Korrektur 2015/16) aus meiner Kursziel-Tabelle wäre hier also ein idealer Kandidat.

[…]

Kann ich mir vorstellen, dass diese Variante eintrifft? Nein. Ich habe aber gelernt, nicht viel darauf zu geben, ob ich mir etwas vorstellen kann oder nicht. Technisch wäre diese Variante augenblicklich eine mögliche Option.
Weia am 16.03.20 um 03:51 Uhr
Bullishe Variante 2 (Megaphon) – Schritte:
  • Zunächst wie bearishe Variante, aber Markt hält in Region 2134,72
  • Abwärtsbewegung seit Top im Februar 2020 insgesamt zweigeteilt (2 klar getrennte Abwärtsschübe)
  • Markt dreht nach oben
  • Markt und Advance-Decline-Linie machen neue Allzeithochs

→ Blow-Off-Top
  • Markt läuft bis zum oberen Ende des Jahrhunderttrendkanals
  • danach vermutlich katastrophaler Wirtschaftseinbruch


Das war jetzt mehr Glaskugel, als sich eigentlich verantworten lässt. In der Realität wird der Markt vermutlich einen Weg finden, der auch alle meine Varianten austrickst.

Hier ein aktualisierter Megaphon-Chart:



Die rot und grün gepunkteten Linien sollten ja nur den weiteren strukturellen Verlauf charakterisieren; ich hatte sie daher eingezeichnet, ohne auf den Zeitverlauf zu achten. Dennoch ist bemerkenswert, wie sehr ich bezüglich des Zeitverlaufs bei meinem spontanen Zeichnen „zu langsam“ war bzw. wie rasant die Kehrtwende jetzt tatsächlich erfolgte. Strukturell ist bislang natürlich aber exakt das passiert, was die gepunkteten Linien skizziert hatten.

Bemerkenswert ist ebenfalls, das auch ich, der diese Analyse ja gemacht hatte, mir absolut nicht vorstellen konnte, dass sie eintreffen könnte, konterkariert nur durch den Schlusssatz, Ich habe aber gelernt, nicht viel darauf zu geben, ob ich mir etwas vorstellen kann oder nicht.

Die für die Megaphon-Variante genannte kritische Kursmarke, die halten müsste, war 2134,72. Das tatsächliche Tief war 2191,86, also 57 Punkte höher. Angesichts der immensen Volatilität war das eine gute Annäherung.

Und hier noch ein aktualisierter Jahrhunderttrendkanal (Wochenchart):



Ein warnender Schlusssatz: Noch ist in keiner Weise ausgemacht, dass es zur Megaphon-Variante kommt! Aber vorstellbar ist sie mittlerweile.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
+4
thomas b.
thomas b.06.05.2000:48
Ganz kurz zusammen gefasst:

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.
+2
Weia
Weia06.05.2000:53
thomas b.
Ganz kurz zusammen gefasst:

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.
Die Zusammenfassung verstehe ich jetzt nicht. Es war doch eben eine der vor dem Tief aufgelisteten möglichen Varianten, nach der es bislang zu laufen scheint?

(Zwei wichtige Verifikationsschritte stehen natürlich noch bevor: 1. Erreichen und 2. Überwinden der alten Hochs.)
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
-2
rosss06.05.2010:25
Weia
Die Zitate stammen vom 16. März (vor Börseneröffnung), also genau 1 Woche vor dem Tief am 23. März, das man schon jetzt getrost als historisch bezeichnen darf.

„Historisch“ als das Tief 2020, so wie das Tief 2009? Aber nur, wenn diesem Tief kein tieferes Tief in diesem Jahr folgt. Oder schließt du das inzwischen als komplett unwahrscheinlich aus – kein „retesting“ des Tiefs vom 23. März, kein Rückgang auf 1560 Punkte oder schlimmer?

Was mir mehr eingeleuchtet hat als deine Aussagen zum viel zu hohen KGV von Apple, war deine Aussage, der Markt wäre „priced for perfection“ – weshalb der Corona-Ausbruch zum Crash führen musste, weil er die Perfektion zerstört hat.

Jetzt habe ich arge Probleme mit deinem Schwenk dahin, dass es ausgerechnet in einer Krise (deren Auswirkungen wir noch gar nicht abschätzen können) wahrscheinlich wird neue Höchststände zu erreichen. Reicht die Geldinfusion der FED et all alleine dafür aus, nachdem es zuerst so aussah, als verpuffte die Wirkung einfach? Oder ist es die vage Hoffnung auf einen wirksamen, massenverfügbaren, nebenwirkungsarmen Impfstoff in den nächsten 12 Monaten? Die irrige Vorstellung mancher Menschen, die den Wissenschaftlern nicht zuhören, dass wir den Gipfel der ersten Welle der Infektion bereits hinter uns haben könnten? Wären wir hier in Deutschland für die nächsten Jahre komplett isoliert, bestände aktuell eine geringe Möglichkeit des Ausschleichens der Virusinfektionen – aber sobald man sich den aktuellen Verlauf in den USA anschaut ist diese Hoffnung Makulatur.

Alles für mich zu vage, irrational und vor allem zu weit weg von perfekten Bedingungen – die hatten wir bis Ende 2019. Da der Mensch ein Gewohnheitstier ist, bin ich optimistisch, dass wir in einem Jahr wieder so etwas wie Normalität erreichen können. Diese neue Normalität wird auf den Scherben der alten Normalität errichtet werden. Das könnte tatsächlich zu einem neuen Boom führen, bei vielen neuen und den überlebenden Marktteilnehmern.

Was ich mir für die Megaphon-Variante vorstellen könnte ist ein rasanter Anstieg (in wenigen Wochen!) Richtung oberes Ende des Jahrhundertkanals, und danach der von dir seit Jahren postulierte apokalyptische Absturz wegen kompletter und wahnwitziger Übertreibung. Das werden dann ein paar „lustige“ Monate.
+2
rosss06.05.2010:46
Weia
Wieso [/sarcasm]? Ich denke, Du hast recht gut den Mechanismus beschrieben, der zur Megaphon-Variante führen würde.

Und genau diesen Mechanismus kann ich nur sarkastisch beschreiben, wenn ich an die blinde Gier der Investoren einerseits denke und die Realität der Menschen andererseits, die u.a. dafür sorgen, dass den Investoren weiterhin genügend Papier für den Abschluss ihres großen Geschäfts zur Verfügung steht.
+2
SuperGrobi06.05.2012:30
Danke @Weia, das ist als Variante sehr aufschlussreich und interessant, vor allem das so eine außergewöhnliche Situation einem bekannten (wenn auch nicht mir) Szenario folgt...bisher.
Noch interessanter wäre die Frage, was sagt denn die Megaphon-Variante wie es danach weiter geht?
Müsste da nicht im Anschluss ruhigeres Fahrwasser kommen (sofern keine 2. große Corona-Welle einschlägt )?
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misc06.05.2013:41
Das obere Ende des Jahrhunderttrendkanals ist die dicke grüne Linie in Weia's letztem Chart? Oder die rote?
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thomas b.
thomas b.06.05.2015:34
misc
Das obere Ende des Jahrhunderttrendkanals ist die dicke grüne Linie in Weia's letztem Chart? Oder die rote?

Und welche war noch mal die untere?
0
rosss06.05.2015:44
thomas b.
misc
Das obere Ende des Jahrhunderttrendkanals ist die dicke grüne Linie in Weia's letztem Chart? Oder die rote?

Und welche war noch mal die untere?

Wenn ich es richtig sehe, ist die untere Linie des Kanals knapp außerhalb (aktuell bei rund 550 Punkten im S&P). Die gestrichelte grüne Linie, die Richtung 1700 Punkte steigt, müsste die Mittellinie sein.
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rosss06.05.2015:49
Über 20 Millionen US-Amerikaner haben bislang durch Corona ihren Job verloren. [sarcasm] Das bedeutet weniger Beschäftigungskosten für die Unternehmen, gut für die Börse! Strong buy! [/sarcasm]

marketwatch:

„Pandemic triggers worst unemployment since Great Depression“

marketwatch:

„EU warns coronavirus will trigger ‘recession of historic proportions’ in 2020“
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Weia
Weia06.05.2016:18
misc
Das obere Ende des Jahrhunderttrendkanals ist die dicke grüne Linie in Weia's letztem Chart? Oder die rote?
Die grüne. Die rote ist jene „rote Linie“, die mir seit einem Jahrzehnt als „Demarkationslinie“ für meine Arbeitshypothese gilt: Kann der der S&P 500 diese Linie nachhaltig überschreiten, läuft er nochmals (so wie 2000) an den oberen Rand des Jahrhunderttrendkanals.

In den letzten 2½ Jahren hat es der S&P 500 dreimal versucht, die Linie zu überschreiten und musste das jedes Mal mit einem Kurseinbruch büßen. Das dritte Mal (Anfang diesen Jahres) sah es ja wirklich so aus, als würde er den Durchbruch schaffen und halten können, und dafür war dann die „Buße“ besonders heftig.
rosss
thomas b.
misc
Das obere Ende des Jahrhunderttrendkanals ist die dicke grüne Linie in Weia's letztem Chart? Oder die rote?
Und welche war noch mal die untere?
Wenn ich es richtig sehe, ist die untere Linie des Kanals knapp außerhalb (aktuell bei rund 550 Punkten im S&P). Die gestrichelte grüne Linie, die Richtung 1700 Punkte steigt, müsste die Mittellinie sein.
Stimmt.

Über 550 wollen wir jetzt noch nicht nachdenken.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
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Weia
Weia06.05.2016:37
rosss
Über 20 Millionen US-Amerikaner haben bislang durch Corona ihren Job verloren. [sarcasm] Das bedeutet weniger Beschäftigungskosten für die Unternehmen, gut für die Börse! Strong buy! [/sarcasm]
[optimism] Vor allem gut für den überfälligen Umbau der Wirtschaft in der Informationsgesellschaft. In den Geschichtsbüchern wird dereinst stehen, dass die Corona-Krise der letzte, entscheidende Anstoß für eine Dezentralisierung der Arbeitswelt, die eine nachhaltige ökologische Erholung erlaubte, und für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens in großen Teilen der Industrieländer war, das eine ungeahnte Explosion ökonomischer Kreativität auslöste und das arbeitspolitisch nun nicht mehr problematische Potential von Automatisierung voll ausschöpfte, was nie gekannten Wohlstand für alle ermöglichte. Langfristig noch viel besser für die Börse! [/optimism]



Hintergrundvideo:
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
0
Weia
Weia06.05.2017:11
SuperGrobi
Noch interessanter wäre die Frage, was sagt denn die Megaphon-Variante wie es danach weiter geht?
Ich weiß jetzt nicht genau, welchen Zeitpunkt Du mit „danach“ meinst.

Die Formation sagt einen starken Anstieg voraus, nachdem (und falls) die Kurse den oberen Rand (obere orange Linie) übersteigen. Dass dieser starke Anstieg dann genau bis zum oberen Rand des Jahrhunderttrendkanals führt, dieses Kursziel ist keine Aussage der Megaphon-Formation mehr, sondern eben meine Arbeitshypothese bezüglich der (dann definitiv überschrittenen) roten Linie, also eine Kombination mehrerer Analyseansätze.

Was passieren würde, nachdem die Kurse den oberen Rand des Jahrhunderttrendkanals erreicht haben, das steht jetzt noch in den Sternen und ist eine Frage, die sich dann erst stellt. rosss hat zu Recht darauf hingewiesen, dass ich strukturell früher oder später einen massiven Bärenmarkt für wahrscheinlich halte, der tatsächlich auf S&P 500 Richtung 600 oder zumindest 1500 führt. Und ein „hysterisches“ Hochlaufen des Marktes bis zum oberen Rand des Jahrhunderttrendkanals, nur um dann zu bemerken, dass sich die Staaten mit den in der Corona-Krise aufgehäuften Schulden völlig übernommen haben, wäre natürlich ein plausibler Startpunkt für solch einen Bärenmarkt. Das wäre einmal mehr Kojote Karl freischwebend über der Schlucht.

Aber das sind hier und heute noch völlig ungelegte Eier. Wenn mein mit [optimism] markiertes rosarotes Szenario aus dem vorigen Beitrag auch nur ansatzweise eintreffen sollte, dann könnte es auch völlig anders kommen. Sehen wir dann.

Jetzt will ich nur nochmals betonen, dass das Megaphon-Szenario alles andere als gesichert ist. Es ist nur nicht mehr so völlig unwahrscheinlich, wie es das ursprünglich schien. In den Worten des großen pünktchen:
pünktchen
Auf eine gewisse Erholung hoffe ich ja auch aber das ist doch einfach komplett bescheuert.
Wir müssen uns schrittweise vortasten. Nach wie vor ist es denkbar, dass das bearishe Szenario mit einem Kurseinbruch Richtung 1560 stimmt, und falls das so wäre, wäre genau jetzt der zu erwartende Wende- und Startpunkt Richtung abwärts. Deshalb ist es wichtig, dass die augenblickliche Korrektur eine Korrektur bleibt und nicht unter die von mir genannten Marken sinkt. Das ist mittlerweile aber wahrscheinlich.

Die Hürden nach oben sind dann die 3000, die 3100 und schließlich die All-Time-Highs. Auch die sind aus momentaner Sicht recht wahrscheinlich, wenn auch alles andere als sicher. Und wenn der Markt seine All-Time-Highs erreicht, die Advance-/Decline-Linie nicht divergiert und der S&P 500 anfängt, über seine All-Time-Highs hinauszusteigen, dann träte schließlich die Megaphon-Variante als wahrscheinlich in den Vordergrund.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
+1
Weia
Weia06.05.2018:17
rosss
„Historisch“ als das Tief 2020, so wie das Tief 2009?
Nö, im Sinne von Endpunkt des steilsten Kursverfalls aller Zeiten von einem Allzeithoch und zugleich Startpunkt des am schnellsten auf einen solchen Bärenmarkt folgenden Bullmarktes (in dem der Markt sich nach der simplen 20%-Regel ja befindet).
Aber nur, wenn diesem Tief kein tieferes Tief in diesem Jahr folgt. Oder schließt du das inzwischen als komplett unwahrscheinlich aus
Nö. Es ist deutlich unwahrscheinlicher geworden, aber sicher nicht ausgeschlossen.
Was mir mehr eingeleuchtet hat als deine Aussagen zum viel zu hohen KGV von Apple, war deine Aussage, der Markt wäre „priced for perfection“ – weshalb der Corona-Ausbruch zum Crash führen musste, weil er die Perfektion zerstört hat.

Jetzt habe ich arge Probleme mit deinem Schwenk dahin, dass es ausgerechnet in einer Krise (deren Auswirkungen wir noch gar nicht abschätzen können) wahrscheinlich wird neue Höchststände zu erreichen.
Das kann ich gut verstehen, ich habe ja selbst Gehirnmuskelkater. Aber es hilft ja nichts: Wenn die Bedingungen rasant kehrt machen, dann muss man das eben auch.

Zwei Dinge unterscheiden die jetzige Situation vollkommen von der priced for perfection-Situation zu Jahresbeginn:
  • Die Geldmengen, die die Notenbanken weltweit in die Märkte geschüttet haben. Das ist in der Wirtschaftsgeschichte völlig ohne Beispiel.
  • Die Angst der Marktteilnehmer. Zur perfection gehört auch der Glaube der Anleger daran. Der ist jetzt völlig verloren. Angst ist aber nunmal die beste Basis für Kursanstiege.
Anfang des Jahres hatte der S&P 500 ein KGV von 23,5 (Quelle) vs. einem Mittelwert und Median von um die 15. Das war viel zu hoch für einen Bullmarkt mit Optimismus der Anleger, fast so hoch wie im Januar 2018 (24,97 und noch höherem Optimismus), wo mit dem steilen Kurseinbruch nach dem ersten Überschreiten der roten Linie die ganze Seitwärtsbewegung unter hohen Schwankungen begann, die seitdem stattfindet.

Aber: Nach erfolgtem Kurseinbruch und großer Investorenangst ist die Rechnung eine völlig andere. Im März 2009 betrug das KGV 110,37 – und das war eine der besten Kaufgelegenheiten ever. Das kannst Du also nicht vergleichen. Am jetzigen Tief im März war das KGV übrigens bei 19, jetzt ist es bei 20.

Der alles entscheidende Punkt ist am Ende immer die Marktstimmung. Sind die Menschen zu optimistisch, fällt die Börse, haben sie Angst, steigt sie. Immer und immer und immer wieder.
Oder ist es die vage Hoffnung auf einen wirksamen, massenverfügbaren, nebenwirkungsarmen Impfstoff in den nächsten 12 Monaten?
Ich will einen Zusammenhang zwischen Fundamentaldaten und Börsenkursen ja gar nicht bestreiten, aber die Richtung ist falsch. Kursentwicklungen finden in aller Regel statt, bevor man begreift, wieso. Deswegen ist es so unsinnig, von Fundamentaldaten auf Kursentwicklungen zu schließen. Wenn, dann kann man von Kursentwicklungen auf bevorstehende Entwicklungen in der Realwirtschaft schließen.

(Ja, ich weiß, dass die Börse 7 der letzten 5 Rezessionen vorhergesehen hat … )
Was ich mir für die Megaphon-Variante vorstellen könnte ist ein rasanter Anstieg (in wenigen Wochen!) Richtung oberes Ende des Jahrhundertkanals, und danach der von dir seit Jahren postulierte apokalyptische Absturz wegen kompletter und wahnwitziger Übertreibung.
in wenigen Wochen wäre mir jetzt denn doch etwas zu schnell, aber grundsätzlich ist das eines der denkbaren Szenarien, das man im Auge behalten sollte.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
+2
Weia
Weia08.05.2006:09
Es kommen immer mehr Mosaiksteine zusammen, die darauf hindeuten, dass sich die Börse am Anfang eines ausgeprägten Bullmarkts befindet.

Viele technische Indikatoren, die die interne Marktverfassung analysieren (z.B. Prozentsatz der Aktien, die sich in einem stabilen Aufwärtstrend befinden), werden immer bullisher.

Am wichtigsten ist aber wie ja immer wieder betont die Stimmung am Markt. Heute kamen neue (wöchentlich veröffentlichte) Werte für einen Sentiment-Indikator , der die Stimmung von Kleinanlegern (Einzelpersonen) misst, jener Gruppe, die meist ganz besonders falsch liegt.

Dieser Stimmungsindikator ist jetzt so pessimistisch wie seit 2013 nicht mehr, obwohl der Markt den stärksten April aller Zeiten hinter sich hat. Mit anderen Worten: Die meisten glauben, das war alles nur eine Aufwärtskorrektur und jetzt geht es wieder nach unten, mindestens zu einem Test der alten Tiefs, wahrscheinlich viel schlimmer.

Wie wiederholt gesagt, ist die jetzige Preisregion in der Tat diejenige, in der eine Wende nach unten eintreten sollte, wenn denn eines der bearishen Szenarien stattfände. Dass die Mehrzahl der Kleinanleger das erwartet, macht diese bearishen Szenarien aber sehr unwahrscheinlich.

Zur Erinnerung: 2013 war das Jahr, in dem der S&P 500 das seit 2000 bestehende Allzeithoch bei 1560 endgültig nach oben durchbrach und sich anschließend verdoppelte.

Der Stimmung der Kleinanleger nach zu urteilen ist das erneut ein gut möglicher Verlauf.

(Was natürlich nicht bedeutet, dass die aktuelle Korrekturphase nicht noch andauern kann.)
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+2
SuperGrobi08.05.2006:45
Moin, das klingt ja erstmal hoffnungsvoll , vielleicht wird ja wirklich was draus . Wobei sich mir die Frage stellt, ob das für Anleger ausserhalb der USA (mit ü30Mio. neuen Arbeitslosen) zu übertragen ist. So pessimistisch sollen auch die z.B. deutschen oder schwedischen Anleger sein?
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Weia
Weia08.05.2007:07
SuperGrobi
Wobei sich mir die Frage stellt, ob das für Anleger ausserhalb der USA (mit ü30Mio. neuen Arbeitslosen) zu übertragen ist.
Dazu kann ich nix Fundiertes sagen, da ich mich ausschließlich mit dem US-Markt beschäftige.
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pünktchen
pünktchen08.05.2009:46
Was ich mich bei deinen Stimmungsindikatoren immer frage: sind sie kurzfristig oder langfristig? Ich als grundsätzlich falsch liegender Kleinanleger zB würde kurzfristig (Mai) noch etwas steigende Kurse erwarten, mittelfristig (Sommer) einen Einbruch wegen Kacke am Dampfen und langfristig eine kräftige Erholung wegen Licht am Ende des Tunnels & Unmengen Liquidität. Wo werde ich da jetzt gezählt? Bin ich Optimist oder Pessimist?
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MKL
MKL08.05.2010:00
Weia

Dh Du siehst jetzt aktuell Einstiegskurse, da Deinen Berechnungen nach der (weitere) Anstieg auf ATH die wahrscheinlichste Variante ist?

Irgendwie krass. Aber in der Tat gehöre ich auch zu den pessimistischen Kleinanlegern, die die aktuelle Wirtschaftslage Sorgen macht.
Aber das scheint ja gut für die Kurse zu sein.
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pünktchen
pünktchen08.05.2011:18
Weia
Hintergrundvideo:


Amazon zahlt Steuern!
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paganini08.05.2012:20
Ich bin froh bei 204,224,234 und 244€ eingestiegen zu sein. Gab auch Stimmen die meinten das es wieder stark runtergeht. So aber bin ich bisher auf dem richtigen Weg
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Weia
Weia08.05.2015:04
pünktchen
Was ich mich bei deinen Stimmungsindikatoren immer frage: sind sie kurzfristig oder langfristig?
Unterschiedlich. Es gibt Indikatoren für diverse Zeithorizonte.

Der jetzt erwähnte Indikator bezüglich Kleinanlegern bezieht sich darauf, was für Kurse in 6 Monaten erwartet werden.
Ich als grundsätzlich falsch liegender Kleinanleger zB würde kurzfristig (Mai) noch etwas steigende Kurse erwarten, mittelfristig (Sommer) einen Einbruch wegen Kacke am Dampfen und langfristig eine kräftige Erholung wegen Licht am Ende des Tunnels & Unmengen Liquidität. Wo werde ich da jetzt gezählt? Bin ich Optimist oder Pessimist?
Du würdest bei diesem Indikator wohl als Pessimist gezählt.
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Weia
Weia08.05.2015:20
MKL
Dh Du siehst jetzt aktuell Einstiegskurse, da Deinen Berechnungen nach der (weitere) Anstieg auf ATH die wahrscheinlichste Variante ist?
Naja, nicht unbedingt aktuell im Sinne von heute, da der Markt gerade in einer Korrektur steckt, die bislang allerdings weitgehend nur eine Seitwärtskorrektur war. Besser für einen Einstieg wäre es, wenn der Markt noch etwas zurückkäme (wenigstens auf das Tief vom 1. Mai, besser auf das vom 21. April), sich dann aber Zeichen der Stabilisierung einstellen. Klar, wenn man darauf wartet, läuft man Gefahr, dass es einfach weiter hochgeht und man den Einstieg verpasst. Aber wer heute reingeht, unterliegt halt wirklich der Gefahr, ausgerechnet am Top der Erholung gekauft zu haben, falls doch die Bären gewinnen (was, nochmal, zunehmend weniger wahrscheinlich, aber definitiv nicht völlig auszuschließen ist). Selbst ein (möglicherweise zu) knapper Stoploss zwischen dem Hoch vom 31. März und dem Tief vom 21. April wäre dann schon ein ordentlicher Verlust.

Die wirklichen Einstiegskurse waren vor einem Monat, aber das ist ja nun vorbei.
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pünktchen
pünktchen08.05.2016:41
Weia
Du würdest bei diesem Indikator wohl als Pessimist gezählt.

Mmm dann lieg ich wohl genauso falsch wie die ganze restliche Schafsherde. Wenn ich jetzt davon ausgehe dass ich Unrecht habe müsste ich also statt wie geplant wenn der SP wieder 3000 erreicht auszusteigen halten bis er sich 4500 nähert. Ich weiss nicht ob das meine Nerven mitmachen.
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Weia
Weia08.05.2016:55
pünktchen
wie geplant wenn der SP wieder 3000 erreicht auszusteigen
Ja, das ist offenkundig der Plan, den die Mehrheit der Kleinanleger zur Zeit hat.
halten bis er sich 4500 nähert. Ich weiss nicht ob das meine Nerven mitmachen.
Na, wenn der S&P 500 sich 4500 nähert, das werden Deine Nerven schon aushalten.

Das Problem ist die Zwischenzeit.
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Weia
Weia09.05.2002:47
Für unsere ungläubigen Fundamentalisten hier: Im Barron’s ist heute ein Artikel erschienen mit dem schönen Titel Stock Valuations Are Near Dot-Com-Era Levels. Don’t Expect a Bust This Time..

Ich kann die Argumente jetzt nicht alle im Detail wiedergeben, aber das Resümee des Artikels ist, dass aus fundamentaler Sicht die jetzige Rally völlig gerechtfertigt und keineswegs irrational ist. Das Barron’s – bezüglich solcher Prognosen notorisch konservativ – hält 4000 für den S&P 500 im nächsten Jahr für möglich und bei gutem Verlauf der Dinge für fundamental voll gedeckt, weswegen auch kein anschließender Rückgang so wie 2000 erwartet wird.

Wenn das Barron’s 4000 erwartet, dann sind 4800 für das obere Ende des Jahrhunderttrendkanals auch drin, sind dann halt noch 20% fundamental nicht gerechtfertigter Überschwang.

Der Artikel ist ziemlich sicher hinter einer Paywall, es gibt aber glaube ich zur Zeit eine Aktion 8 Probewochen für 1$ oder so, falls jemand das im Einzelnen lesen will.
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+3
pünktchen
pünktchen09.05.2011:25
Die Betonung lag auch auf halten bis. Im nächsten Jahr finde ich 4000 ja auch nicht völlig unrealistisch. Ich erwarte nur vorher noch einen Einbruch. Ausserdem sagt Weia einen dann folgenden Absturz ins Bodenlose voraus, etwas was derdiedas Barron vermutlich ganz anders sieht. Meine Idee wäre gewesen von Auf und Ab durch Verkauf und Ankauf zu profitieren. Wenn es aber nur steil nach oben und dann steil nach unten geht wäre eine immer angepasste Stop-Loss Order sinnvoller.

Aber vielleicht tue ich auch einfach gar nichts und nehme es hin wie das Wetter. Das verstehe ich auch nicht.
+2
Weia
Weia09.05.2016:07
pünktchen
Ausserdem sagt Weia einen dann folgenden Absturz ins Bodenlose voraus,
Nur, damit hier keine Missverständnisse aufkommen:

Ich hatte seit längerem vor dem zunehmenden Potential eines starken Kurseinbruchs gewarnt, der im Extremfall auf 1500 oder 600 im S&P 500 würde führen können, wobei eine offene Frage war, ob der Markt zuvor noch an den oberen Rand des Jahrhunderttrendkanals läuft (Blow-Off-Top).

Dazu kam es nicht mehr, dafür war das Tief (so wir es denn schon gesehen haben) praktisch die harmloseste aller denkbaren Varianten – zwischen Tief 2018 und Hoch 2015. Dass der Kurseinbruch dennoch so heftig wirkte, lag im Wesentlichen natürlich an seiner Geschwindigkeit.

Wie auch immer, jetzt werden die Karten jedenfalls neu gemischt. Dass der Markt nach einem Erreichen des oberen Rands des Jahrhunderttrendkanals „ins Bodenlose abstürzt“ (besser gesagt Richtung 1500 oder 600), ist nach wie vor eine denkbare Variante, die man im Hinterkopf behalten sollte, aber ich „sage“ das nicht „voraus“. Das kann man sich näher ansehen, wenn/falls der S&P 500 den oberen Rand des Jahrhunderttrendkanals erreicht.

Je nach technischer Verfassung des Marktes könnte der Markt dann auch nur einen vergleichsweise leichten Rückschlag erleiden oder gar sich an dem ja steigenden Rand nach oben „entlanghangeln“.

Das einzige, was ich hier und heute bereits als äußerst unwahrscheinlich praktisch ausschließen würde, ist, dass der S&P 500 den oberen Rand des Jahrhunderttrendkanals übersteigt.
etwas was derdiedas Barron vermutlich ganz anders sieht.
In der Tat; das ist ja sogar der zitierte Titel des Artikels.
Aber vielleicht tue ich auch einfach gar nichts und nehme es hin wie das Wetter. Das verstehe ich auch nicht.
Aber das ist doch ganz einfach zu verstehen? Wenn Steve Jobs gut gelaunt ist, scheint die Sonne, andernfalls regnet es.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
+4
rosss10.05.2009:03
Weia
Die wirklichen Einstiegskurse waren vor einem Monat, aber das ist ja nun vorbei.
Weia
Wenn das Barron’s 4000 erwartet, dann sind 4800 für das obere Ende des Jahrhunderttrendkanals auch drin, sind dann halt noch 20% fundamental nicht gerechtfertigter Überschwang.

Wir sind ja noch nicht einmal bei 3000, also noch 25-50% unter diesem Kursziel – wenn es so kommt, sind bis dahin alles nur Einstiegskurse?

Dieses Szenario – das aus Barron's Sicht fundamental begründet sein soll – scheint mir nur zu funktionieren, solange es keine schlechte Nachricht gibt. Ich weiß nicht (habe den Artikel nicht gelesen), warum ausgerechnet eine massive Verschlechterung der Konjunktur nun das Startsignal für das bis dahin unwahrscheinlich Blow-off-Top geben soll. Und das funktioniert auch bei drastischer Verschlechterung der aktuellen Aussichten? Die Investoren haben sich mehrheitlich bislang nicht gerade als Kenner der virologischen Dynamik ausgezeichnet…

Sorry, aber mir sind im Moment einfach zu viele extrem optimistische Meinungen im Umlauf. Alles basierend auf der Hoffnung, den Status Quo bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffes aufrecht erhalten zu können.
0
misc10.05.2011:58
rosss
Alles basierend auf der Hoffnung, den Status Quo bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffes aufrecht erhalten zu können.

...oder in eine nahezu harmlose Variante mutiert ist, die man tatsächlich ignorieren kann.
0
SuperGrobi10.05.2013:02
Ich fand weia's Erklärung erschreckend logisch: die vorsichtigen Anleger sind lange raus und bleiben es bestimmt auch noch etwas. Wer momentan investiert ist, weiß um die Gefahren und lässt sich auch von einzelnen Negativmeldungen nicht abschrecken- siehe Meldung über die Arbeitslosenzahlen in den USA, die für sich genommen letztes Jahr eine eigene Krise hervorgerufen hätten. Somit wäre der Markt trotz schlechter Meldungen stabil. Momentan scheinen die meisten genug Hornhaut zu haben. Die dünnhäutigen kommen dann in ein paar Monaten und verursachen dann die nächste Korrektur
+1
Weia
Weia10.05.2017:31
rosss
Wir sind ja noch nicht einmal bei 3000, also noch 25-50% unter diesem Kursziel – wenn es so kommt, sind bis dahin alles nur Einstiegskurse?
Das ist einfach eine Frage der Terminologie beziehungsweise des Zeithorizonts. Klar sind prinzipiell gesprochen alle Kurse unter dem nächsten Top Einstiegskurse, nur dass das Chance/Risiko-Verhältnis immer schlechter wird, weil es immer mehr Raum für größere Abwärtskorrekturen gibt, die den Aufwärtstrend insgesamt nicht gefährden würden (insofern sie nicht unter das vorangegangene Tief fallen würden).

Es wird also mit bereits gestiegenen Kursen zunehmend wichtiger, kurzfristig den Einstieg zu timen (d.h. kurzfristig sind nicht alle Kurse Einstiegskurse), um nicht ausgerechnet vor Beginn einer größeren Abwärtskorrektur zu kaufen und erst mal erheblich ins Minus zu geraten mit dem Risiko, dass das doch keine Korrektur, sondern der Beginn eines neuen Abwärtstrends ist.

Und da warte ich augenblicklich eben noch auf eine größere Abwärtskorrektur, als es die jüngste Seitwärtsbewegung bislang war.
Dieses Szenario – das aus Barron's Sicht fundamental begründet sein soll – scheint mir nur zu funktionieren, solange es keine schlechte Nachricht gibt.
Aber die schlechten Nachrichten gab es schon. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, das zukünftige Nachrichten besser sind, zumindest subjektiv gefühlt. Und nur darauf kommt es an.
Ich weiß nicht (habe den Artikel nicht gelesen), warum ausgerechnet eine massive Verschlechterung der Konjunktur nun das Startsignal für das bis dahin unwahrscheinlich Blow-off-Top geben soll.
Weil eine massiv verschlechterte Konjunktur es statistisch wahrscheinlich macht, dass zukünftige Veränderungen positiver Natur sind. Und wegen des Geldregens der Fed. Das ist der wichtigste Einzelfaktor, der aber irgendwie nicht auf deinem Radar auftaucht.

Im übrigen ist das Blow-Off-Top technisch gegessen. Das hätte es gegeben, wenn der S&P 500 nach zehnjährigem Bullenmarkt trotz Euphorie ohne Unterbrechung an den oberen Rand des Jahrhunderttrendkanals durchgelaufen wäre. Aber jetzt gab es ja eine Unterbrechung und die Euphorie ist futsch. Wenn der S&P 500 jetzt zum oberen Rand des Jahrhunderttrendkanals durchläuft, ist das eine ganz normale Aufwärtsbewegung ohne inhärente Übertreibungen. Stabile, nicht übertriebene Aufwärtsbewegungen kann es nur geben, solange Angst im Markt ist. Corona hat jetzt erst mal ein genügend großes Reservoir an Angst installiert, das für eine größere Aufwärtsbewegung ausreicht.
Und das funktioniert auch bei drastischer Verschlechterung der aktuellen Aussichten? Die Investoren haben sich mehrheitlich bislang nicht gerade als Kenner der virologischen Dynamik ausgezeichnet…
Das müssen Sie auch nicht. Corona spielt für den Markt keine wichtige Rolle mehr, das ist gegessen. Das ist wie bei uns mit der Lockerung. Da hat es massenpsychologisch eine Wende pro Lockerung gegeben, die sich nicht durch irgendwelche virologischen Daten wird aufhalten lassen, weil die Mehrheit der Menschen auf Optimismus umgeschwenkt ist. Du widmest Corona (was die Börse betrifft) viel zu viel Aufmerksamkeit.
„Not every story must end with a battle (Ophelia, in der umwerfend guten feministischen Adaption des Hamlet-Stoffes in dem Film „Ophelia“)“
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rosss10.05.2018:53
Weia
Und da warte ich augenblicklich eben noch auf eine größere Abwärtskorrektur, als es die jüngste Seitwärtsbewegung bislang war.

Danke für die Klarstellung – das hatte ich vorher anders verstanden.

Was meine zu starke Aufmerksamkeit für Corona betrifft magst du recht haben. Nur muss es nun über einen sehr langen Zeitraum sehr diszipliniert weitergehen, da das Konzept der kontrollierten Herdenimmunität an unserem Gesundheitssystem gescheitert ist. Also müssen wir auf einen Impfstoff warten. Viele Menschen haben jetzt schon die Einschränkungen satt. Ungeduld und Uneinsichtigkeit führen zu Ungehorsam, und somit ist es leider sehr wahrscheinlich, dass wir viele weitere Ausbrüche mit allen negativen Folgen sehen werden.

Ich habe vor allem Schwierigkeiten damit, mir eine Konsumnachholwelle – sagen wir in einem Jahr als frühes Impfstoff-Ziel – vorzustellen, wenn immer mehr Firmen insolvent werden, damit Jobs wegbrechen und nach meinem Verständnis eher eine Abwärtsspirale in Gang setzen. Wer dann auf H4 angewiesen sein wird, fällt als Konsument weg. Nicht umsonst hat Apple keinen Ausblick gegeben. Wenn die nächsten Q-Zahlen dann nicht überraschen und auch der Ausblick schlecht bleibt – wird es dann immer noch ATH-Optimismus geben? Oder ist der auf eine rasche Trendwende zum Jahresende hin ausgelegt? Woher sollen die Gewinne kommen?
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