WSJ zur Apple Card: Hintergründe zur "unglücklichen" Ehe zwischen Apple und Goldman Sachs


Apple und Goldman Sachs gehen demnächst getrennte Wege, denn die Zusammenarbeit hinsichtlich der Apple Card endet. Auch wenn diese Umstellung laut Apple bis zu zwei Jahre in Anspruch nimmt, ist das Aus der Partnerschaft besiegelt. Als neuer Betreiber der Apple Card kommt anschließend Chase zum Einsatz. Das Wall Street Journal beleuchtet in einem Artikel, warum es eine so "unglückliche Ehe" war – übrigens ein Ausdruck, der von Apple selbst stammt.
So ziemlich jeder musste den Kredit bekommenSchon vor längerer Zeit war durchgesickert, warum Goldman Sachs mit der Apple Card Milliarden verbrannte. Die Rede war von recht laxer Kreditvergabe, wenngleich dem Wall Street Journal zufolge nicht nur von großzügig zu sprechen war – Apple hatte stattdessen durchgesetzt, dass so ziemlich jeder durchgewunken wurde. Sogar Kunden mit derart schlechtem Scoring, dass nicht einmal Vermittler von "Schrottkrediten" grünes Licht gegeben hätten, waren als Nutzer der Apple Card zu akzeptieren. Mahngebühren oder ein härteres Vorgehen gegen säumige Zahler ließ Apple ebenfalls nicht zu.
Auswege wurden gesucht...Für Goldman Sachs war klar, dass jenes Geschäftsmodell nicht funktionieren konnte, weswegen man aus dem Vertrag aussteigen wollte. Apple fasste das während einer Präsentation in die Worte, es handle sich um eine unglückliche Ehe, in der ein Partner nicht mehr verheiratet sein wolle. Als mögliche Lösung galt zwischenzeitlich, Forderungen an andere Banken oder private Kreditfonds zu verkaufen. Die Größenordnung lag bei rund 20 Milliarden Dollar – für private Kreditkarten ein Wert, den es in dieser Höhe noch nie gegeben hätte. Die Komplexität jenes Unterfangens sorgte jedoch dafür, kaum jemanden überzeugen zu können.
...doch nicht gefundenGoldman hatte gefordert, dass Apple bis Anfang März 2025 entscheidet, wer die Apple Card übernimmt. Apple habe aber hinausgezögert, verschoben und wenig Einsatz gezeigt, so Goldman-interne Stimmen. Besagte Ehe sei am Ende nicht nur finanziell, sondern auch kommunikativ ziemlich zerrüttet gewesen. Allerdings kann man nicht die Schuld für die Konditionen auf Apple schieben, denn Goldman hatte die Bedingungen akzeptiert – das mit der Maßgabe "wir wollen ins Verbrauchergeschäft, koste es, was es wolle".
Chase setzte sich durchDrei Anbieter hatten dennoch Interesse gezeigt, neben Chase waren das American Express und Synchrony. Letztere rechneten sich sehr gute Chancen aus, Apple entschied sich dann aber für eine Zusammenarbeit mit Chase – die ohnehin schon eng mit Apple verbunden sind und große Teile des Vermögens verwalten. Als einer der erfahrensten Kreditkartenanbieter der Welt galt das Bankhaus als stabilster Partner mit eingespielten Strukturen. Was für Goldman Sachs ein Abenteuer war, nämlich der Ausflug in das private Kreditgeschäft, ist für Chase ein wesentliches Standbein.
Mehr Absicherung gegen AusfälleChase sicherte sich laut dem WSJ jedoch Konditionen, die Goldman nicht hatte. So gebe es Schutzklauseln, wenn Zahlungsausfälle nach Vertragsunterschrift ansteigen – Chase weiß damit genau, wie der finanzielle Worst Case aussehen würde. Das Risiko liegt somit nicht mehr vollständig bei der Bank. Die Apple Card gelte zwar weiterhin als Risikoprodukt, doch im Gegensatz zu Goldman handle es sich dabei für Chase um ein bekanntes und überschaubares Umfeld.