US-Abgeordnete befragen Apple zum Datenschutz

Ein fünfseitiger Brief des Energie- und Handelsausschusses im US-Repräsentantenhaus stellt Apple Fragen zum Datenschutz . Zuvor hat bereits der Google-Mutterkonzern Alphabet ein ähnliches Schriftstück zugestellt bekommen. Die Abgeordneten möchten darin von Tim Cook unter anderem erfahren, ob und welche Kundendaten auf den iOS-Geräten gespeichert werden sowie den Zugriff Dritter auf solche Informationen über den App Store.

Audio- und Standortdaten im Fokus
Der Ausschuss begründet seine Anfrage mit Berichten, dass Verbraucherdaten – konkret nennt der Brief Standortdaten und Sprachaufzeichnungen – auf eine Weise verwendet würden, "die Verbraucher nicht erwarten". Die Anfrage solle klarstellen, ob das auch für Apple-Produkte gelte. Im Detail geht es darum, dass Android-Handys Informationen über nahegelegene Mobilfunkmasten, WLAN-Hotspots und Bluetooth-Beacons sammeln, selbst wenn die zugehörigen Dienste deaktiviert sind. Die Daten sende das Telefon an Google. Zudem habe es Auswirkungen auf den Verbraucherschutz, wenn der Nutzer Ortungsdienste für eine App auf einem Android-Gerät eingeschalte, die Funktion gleichzeitig auch für alle anderen Apps aktiviert werde. Nun frage sich der Ausschuss, wie andere mobile Betriebssysteme in solchen Fällen funktionieren.

Siri und App Store im Visier
Zwei weiteren Berichten will der Ausschuss ebenfalls auf den Zahn fühlen. Im ersten geht es darum, dass iPhones angeblich Audiodaten aus Nutzergesprächen in Erwartung an den Befehl "Hey Siri" mithören und speichern würden. Drittanwendungen hätten laut dem Bericht Zugriff auf diese Daten und könnten sie ohne Offenlegung an den Benutzer weiterverarbeiten. Der Brief nimmt konkret Bezug zu Cooks Äußerungen infolge von Datenschutzskandalen und zitiert unter anderem den Apple-Chef mit: "Uns hat schon sehr viel an Privatsphäre gelegen als das noch niemanden gekümmert hat". Im Widerspruch dazu stehe, dass seine Kunden über den App Store immer wieder Zugriff auf Anwendungen erhielten, die Cook als widersprüchlich zu Apples Werten hervorgehoben habe. Der Brief nennt Google und Facebook als Beispiele.

An welche Daten gelangen Dritte?
Die Mitglieder des Repräsentantenhaus nennen zudem Apples Ankündigung, durch das Ändern der App-Store-Regeln die Datenmenge zu begrenzen, die Drittanbieter von Applegeräten sammeln dürften. Das alles werfe Fragen darüber auf, wie die Daten der Apple-Nutzer geschützt seien und wann Apple sie anderen zur Verfügung stelle. Der Begründung schließen sich 16 Fragen an, die klären sollen, welche Daten Apple sowie Geräte und Systeme des Herstellers sammeln.

Drei Seiten Fragen
Die ersten sieben Fragen beschäftigen sich damit, welche Daten über nahegelegene Mobilfunkmasten, WLAN-Router und Bluetooth-Beacons das iPhone sammelt, selbst wenn es keine SIM-Karte enthält, beziehungsweise WLAN oder Bluetooth oder die Ortungsdienste deaktiviert sind. Anschließend fragt das Schreiben, ob iPhones ohne einen klaren Auftrag lauschen. Dem schließt sich ein Komplex an, der klären soll, wer Zugriff auf gespeicherte Audiodaten hat, die bei Apple anfallen. Zudem fordert der Ausschuss alle Apple-Richtlinien zur Datenerfassung mit Mikrofon, WLAN, Bluetooth und Mobilfunk an. Das gilt auch für alle Regelwerke, die Apple Dritten auferlegt hat. Der nächste Bereich beschäftigt sich mit dem App Store. Apple soll alle Daten angeben, die Dritte dort sammeln können. Außerdem möchte der Kongress über Verstöße und Verbannungen aus dem virtuellen Laden informiert werden, sowie ob der Konzern in solchen Fällen die Kunden auch über die Verletzung ihrer Privatsphäre in Kenntnis gesetzt hat. Die letzte Frage des Blocks lautet: "Welche Regressansprüche bietet Apple den Nutzern, deren Daten in einem solchen Fall missbraucht wurden?" Zuletzt bezieht sich die Anfrage auf die angekündigte Partnerschaft mit RapidSOS. Apple soll darlegen, welche Daten der Drittanbieter zur Verfügung gestellt bekommt und welche Rolle er bei der Verarbeitung spielt.

Kommentare

Kovu
Kovu10.07.18 11:33
Na, da kann Apple ja entspannt auftreten. Datenschutz liegt bei denen quasi in der DNS.
-3
JoMac
JoMac10.07.18 12:11
Hoffentlich wird es die Antworten auch öffentlich geben.
Sehr interessant!
MTN
1) Im Detail geht es darum, dass Android-Handys Informationen über nahegelegene Mobilfunkmasten, WLAN-Hotspots und Bluetooth-Beacons sammeln,
selbst wenn die zugehörigen Dienste deaktiviert sind.
Die Daten sende das Telefon an Google.

2) Zudem habe es Auswirkungen auf den Verbraucherschutz, wenn der Nutzer Ortungsdienste für eine App auf einem Android-Gerät eingeschalte, die Funktion
gleichzeitig auch für alle anderen Apps aktiviert werde.
1) Das ist ja wohl unter aller Kanone, oder?
2) Kann man die nicht für jede App einzeln deaktivieren? Evtl. bin ich das von iOS auch verwöhnt?!
(Mir geht es nicht um aufwändige Hacks, sondern ob das im Standard bei Android auch einfach geht)
0
Rosember10.07.18 13:04
JoMac
Hoffentlich wird es die Antworten auch öffentlich geben.
Sehr interessant!
MTN
1) Im Detail geht es darum, dass Android-Handys Informationen über nahegelegene Mobilfunkmasten, WLAN-Hotspots und Bluetooth-Beacons sammeln,
selbst wenn die zugehörigen Dienste deaktiviert sind.
Die Daten sende das Telefon an Google.

2) Zudem habe es Auswirkungen auf den Verbraucherschutz, wenn der Nutzer Ortungsdienste für eine App auf einem Android-Gerät eingeschalte, die Funktion
gleichzeitig auch für alle anderen Apps aktiviert werde.
1) Das ist ja wohl unter aller Kanone, oder?
2) Kann man die nicht für jede App einzeln deaktivieren? Evtl. bin ich das von iOS auch verwöhnt?!
(Mir geht es nicht um aufwändige Hacks, sondern ob das im Standard bei Android auch einfach geht)
Lies mal hier (auch wenn es um Facebook geht), was die diversen "Dienste" (Google, FB, etc.) so alles bei dir nachschauen: (Mausbewegungen, worauf deine Maus wiel lange verweilt, was du dann anklickst, wie lange du dort bleibst, wohin du dann wechselst etc. pp. Endlos.)
Man kann nur folgern, dass derartige Dienste in den Händen von privaten Organisationen nichts zu suchen haben. Die einzige Betriebsmöglichkeit entsprechender Dienste kann nur ein Betrieb in Staatshänden bei gleichzeitigem gesetzlichen Verbot entsprechenden Sammelns sein. Plus massive Strafandrohung bei Verstößen und unabhängige Kontrolle (die Finanzierung auf opensource-Basis dürfte kaum gewährleistet werden können).
Ansonsten: löschen und abmelden. Überall. Wenn man konsequent ist. Und sich nochh nicht zu sehr an die Bequemlichkeiten der sichtbaren Teile der Dienste gewöhnt hat ...
+4
MetallSnake
MetallSnake10.07.18 13:55
Rosember
Man kann nur folgern, dass derartige Dienste in den Händen von privaten Organisationen nichts zu suchen haben.

Wenn solche Dienste dem Staat gehören und diese Daten gesammelt werden fänd ich es noch viel gruseliger, als es so schon ist.
the Finder icon appears to be about 20% happier than before
+3
jensche10.07.18 14:43
Das ganze wird sicher als Livestream geben. Ist bei fast allen Anhörungen der Fall.
Hier die Anhörung vor 5 Jahren zu den Steuern:

+2
macmuckel
macmuckel10.07.18 19:37
US Regime und Datenschutz 🤣
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