Trumps Grönland-Ansprüche bringen Anti-US-Shopping-Apps in dänische App-Charts


Wer mit der Politik eines Staats unzufrieden ist, dessen Bürger man nicht ist, hat kaum individuelle Einflussmöglichkeiten. Eine beliebte Methode der öffentlichen Unmutsäußerung stellt der demonstrative Boykott von Produkten aus dem jeweiligen Land dar. Die dänische Bevölkerung ist zu großen Teilen brüskiert von US-Präsident Trumps Wunsch, Grönland den Vereinigten Staaten hinzuzufügen. Ein offensichtlich wahrnehmbarer Anteil der Dänen will nun US-Produkte boykottieren und greift dafür auf App-Unterstützung zurück.
Mindestens zwei Apps zur Herkunftsanalyse haben es in die
dänischen iPhone-Charts geschafft. Derzeit auf Platz 1 findet sich
UdenUSA. Sie setzt darauf, dass Kunden ein Produkt fotografieren; mittels des Einsatzes von Large Language Models werden Produkte erkannt und Produktionsort sowie Herstellungsort bestimmt. Wer mehr als drei Produkte pro Tag scannen will, muss ein Abonnement abschließen. Auf Platz 19 der dänischen App-Charts findet sich zudem
Made O'Meter – diese kostenlose App erlaubt zusätzlich zur Fotografie auch Texteingaben. Sie gibt Ursprung und Hersteller an, zusammen mit einer Beschreibung der Firmengeschichte. Dabei kommt ebenfalls Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Lobend zu erwähnen ist, dass Made O'Meter laut eigenen Angaben keine Nutzerdaten erfasst und analysiert.
Made O'Meter analysiert die Herkunft von Supermarktprodukten.
EU-weit zunehmende SouveränitätsbestrebungenAufgrund verschiedenster außenpolitischer Aktionen seitens der US-Regierung in den vergangenen zwölf Monaten wächst europaweit der Wunsch, sich in verschiedensten Sektoren unabhängiger von den Vereinigten Staaten zu machen. So hilft beispielsweise das Portal
Go European bei der Suche nach europäischen Alternativen zu US-Produkten. Zum Jahreswechsel sorgte die von Buchautor Marc-Uwe Kling (Känguru-Chroniken, Qualityland) vorgeschlagene
Di.Day: Jeder erste Sonntag im Monat solle im Zeichen digitaler Unabhängigkeit stehen. Dazu sollen Veranstaltungen in möglichst vielen Orten stattfinden. Das Ziel: praktische Handlungsanweisungen zu sammeln und zu verbreiten, um von großen Plattformen wie Amazon, Google und Facebook auf dezentrale oder lokale Alternativen zu wechseln. Auf dem 39. Chaos Communication Congress präsentierte Kling die Initiative in einem Vortrag.