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Pegasus-Trojaner: Spyware auf iPhone von Regierungschef entdeckt

Die spanische Regierung ist offenbar bereits vor rund einem Jahr zum Ziel eines Angriffs mithilfe der berüchtigten Schnüffelsoftware Pegasus geworden. Der Schädling wurde auf dem iPhone von Ministerpräsident Pedro Sánchez entdeckt, zudem hatte er sich auf dem nicht näher bezeichneten Smartphone von Verteidigungsministerin Margarita Robles eingenistet. Das gab Félix Bolaños, Chef des zuständigen Ministerio de la Presidencia, Relaciones con las Cortes y Memoria Democrática, jetzt bekannt. Der Ausspähversuch führte seinen Angaben zufolge mindestens in einem Fall zum Erfolg.


Pegasus auf dem iPhone von Pedro Sánchez
Die vom israelischen Unternehmen NSO Group entwickelte Spyware gelangte Bolaños zufolge im Mai 2021 auf das iPhone des spanischen Regierungschefs und des Mobiltelefons der Verteidigungsministerin. Auf welche Art und Weise die Infektion erfolgte, ist laut einem Bericht von Reuters nicht bekannt. Denkbar und wahrscheinlich ist allerdings, dass die nicht genannten Angreifer im Falle von Pedro Sánchez eine Lücke in iMessage ausnutzten, welche Apple erst im September 2021 mit iOS 14.8 und macOS 11.6 schloss. Diese ermöglichte es, Pegasus mithilfe entsprechend präparierter Nachrichten ohne Zutun des iPhone-Nutzers auf einem Gerät aus Cupertino zu installieren. Angaben zu den möglichen Angreifern machte Bolaños nicht. Der Minister teilte lediglich mit, dass es sich bei diesen nicht um offizielle Stellen gehandelt habe, zudem sei die Attacke nicht staatlich autorisiert gewesen. Der Vorfall wurde dem Justizministerium gemeldet, das entsprechende Ermittlungen einleitete.

Spanische Regierung setzte Spyware angeblich selbst ein
Der aktuelle Vorgang ist gleich in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen hat Pegasus-Hersteller NSO Group stets beteuert, die Spyware ausschließlich staatlichen Stellen zur Verfügung zu stellen. Sollte das der Wahrheit entsprechen, stellt sich zwangsläufig die Frage, welches Land hinter dem Angriff auf die Smartphones von Sánchez und Robles steckt. Andererseits sieht sich die spanische Regierung selbst Vorwürfen ausgesetzt, die Schnüffelsoftware zu nutzen. Nach Angaben von Citizen Lab, einem kanadischen Forscherteam der Universität von Toronto, wurden mehr als 60 der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung zuzurechnende Personen damit ausgespäht. Die dieser nahestehende Partei Esquerra Republicana de Catalunya (ERC) beendete daraufhin ihre parlamentarische Unterstützung für die von Pedro Sánchez geführte Minderheitsregierung.

Apple geht gerichtlich gegen Pegasus-Hersteller vor
Die NSO Group kam nach Bekanntwerden diverser Spähangriffe gegen Journalisten und Menschenrechtsaktivisten auf die schwarze Liste des US-Handelsministeriums. Apple geht zudem gerichtlich gegen den Pegasus-Hersteller vor (siehe ). Europäische Datenschützer verlangen zudem, die Spyware, welche unter anderem vom Bundeskriminalamt eingesetzt wurde, in der EU nicht mehr zu nutzen. Das israelische Unternehmen will angesichts des zunehmenden Drucks die Sparte angeblich abstoßen und sich künftig auf rein defensive Sicherheitssoftware konzentrieren (siehe ).

Kommentare

erikhuemer
erikhuemer03.05.22 09:19
Dieses ganze Pegasus Chaos ist wirklich das beste Argument dass bewusste backdoors mehr schaden als nutzen.
Der Fortgang der wissenschaftlichen Entwicklung ist im Endeffekt eine ständige Flucht vor dem Staunen. Albert Einstein
+3
iBert04.05.22 13:43
Hoffentlich merken jetzt die politisch Verantwortlichen, welche immer nach Vorratsdatenspeicherung, Überwachung und Backdoors schreien, dass dieses scharfe Schwert der Justiz ZWEI Schneiden hat. Schön wenn sie mal ihre eigene Medizin schmecken...
Objektiv ist relativ, subjektiv gesehen.
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