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Neuer Apple-CEO John Ternus – was sich wohl ändert und was gleich bleibt

Den CEO eines so gewaltigen Unternehmens wie Apple auszutauschen, ist wahrlich kein einfaches Unterfangen. Angeblich laufen bereits seit Jahren Vorbereitungen auf den Tag X, welcher gemäß der jetzt erfolgten Bekanntgabe auf den 1. September festgesetzt wurde. Nach 14 Jahren Steve Jobs und 15 Jahren Tim Cook folgt nun also John Ternus als neuer Mann an der Spitze. Wir ordnen in diesem Artikel ein, was sich trotz des Führungswechsels wohl eher nicht ändert – und in welchen Bereichen sehr wohl Prioritäten verschoben werden könnten. Interessant ist dabei auch die neue Rolle von Tim Cook, der weiterhin eine der wichtigsten Figuren im Konzern bleibt.


Kein plötzlicher Kulturbruch, sondern geregelter Übergang
Apple hat den Wechsel selbst als Ergebnis eines langfristigen Nachfolgeplans beschrieben – so wie es auch schon in zahlreichen Berichten der vergangenen Monate hieß. Ternus ist kein Quereinsteiger, kein Sanierer von außen oder Überraschungskandidat, sondern seit 2001 im Unternehmen verwurzelt und bereits lange Chef der Hardwareentwicklung. Das spricht sehr klar für "Weiter so im Grundsatz" bei gleicher Kultur, gleichen Machtzentren, gleichen Vorlieben für interne Lösungen.

Keine Änderungen bei Grundlinien
Ternus hat die wichtigsten Apple-Produkte der letzten Jahre in leitender Funktion mitverantwortet, darunter iPhone, iPad, Mac, Apple Watch und AirPods. Deshalb wäre es überraschend, wenn Apple unter ihm plötzlich die Grundidentität ändern würde. Das Unternehmen wird weiterhin auf eng miteinander vernetzte Hardware, Software und Dienste, auf hohe Margen und auf kontrollierte Evolution statt hektischer Kurswechsel setzen. Dass Apple ausgerechnet den langjährigen Hardwarechef auswählt, spricht für Stabilität in der Produktphilosophie. Die gleichzeitige Beförderung von Johny Srouji ist ein weiteres starkes Signal. Apple baut die Rolle des Chipentwicklungs-Chefs aus und legt ihm zusätzlich die Hardwareentwicklung in die Hand – bisherige Strukturen werden somit eher noch verdichtet.

Cook verschwindet nicht – er bleibt Machtfaktor und "Außenminister"
Cook bleibt nicht einfach Ehrenfigur mit symbolischem Titel, sondern wird Executive Chairman. Apple sagt ausdrücklich, er solle sich weiter um bestimmte Unternehmensaufgaben kümmern, darunter den Umgang mit politischen Entscheidungsträgern weltweit. Gerade in einer Zeit von Zöllen, Standortpolitik, China-Abhängigkeit und US-Industriepolitik spricht also viel für eine wichtige Rolle im Hintergrund. Der Wortlaut lässt vermuten, dass Cook als eine Art "Apple-Außenminister" im Einsatz sein dürfte – und damit weiterhin das tut, was ohnehin viel Zeit seiner Amtsführung in Anspruch genommen hatte.


An der Spitze steht wieder ein "Product Guy"
Cook war der große Betriebswirt, das Lieferketten-Genie und ein politischer Brückenbauer. Ternus ist vom Profil her deutlich stärker ein Produkt- und Ingenieurtyp, also der viel zitierte "Product Guy". Letzteres ließ sich über Cook bei allen Qualitäten indes nicht behaupten. Apple selbst preist Ternus als Mann mit "dem Kopf eines Ingenieurs und der Seele eines Innovators". Einiges spricht also dafür, dass sich Apple nach außen wieder stärker über Geräte, Technik und Produktvision definieren könnte, als über perfekte Ausführung und effizientes Wirtschaften.

Die Arbeitsteilung an der Spitze wird klarer aufgeteilt
Unter Cook lag sehr viel in einer Hand, denn er war gewissermaßen der Mann für alles: Tagesgeschäft, Außenwirkung und Politik, Lieferketten, Investoren und Produktvorstellungen. Künftig könnte sich das stärker aufteilen. Ternus dürfte zum Gesicht für Produkte, Technik und Technologiezukunft werden. Cook führt als Executive Chairman vermutlich die schwereren außenpolitischen und regulatorischen Gespräche. Srouji wiederum bekommt operativ noch mehr Gewicht bei Hardware und Schlüsseltechnologien. Das wirkt wie eine bewusste Dreiteilung: Produktvision und Darstellung, Technikfundament und Entwicklung, sowie Cooks politische Außenarbeit.

Neue Gerätekategorien im Vordergrund?
Reuters zitiert Marktexperten, die aus der Ternus-Beförderung einen stärkeren Fokus auf Foldables, Brillen, VR-Geräte und andere neue Hardwareformen ableiten. Die Richtung liege nahe, wie es heißt: Wenn Apple in den nächsten Jahren wieder stärker überraschen will, dann eher über neue Geräteformen als über bloße Variantenpflege. Ein Hardwarechef als CEO passt genau zu dieser Logik. Laut Bloomberg trägt Ternus durchaus Züge von Steve Jobs und treffe konkrete Hardware-Entscheidungen – wohingegen Cook sich bei derlei Fragen nicht festlegen wollte.

...und was bedeutet das für die Zukunft?
Bei Apple ändert sich an der Spitze viel – und im Alltag vermutlich zunächst wenig, denn Kontinuität im System ist definitiv zu erwarten. Der Schwerpunkt dürfte sich aber ein Stück weit verschieben, wenn nun eben ein Produkt- und Technikmensch die Geschicke leitet. Möglicherweise sieht man Änderungen erst in einigen Jahren, wenngleich sich Apple durch die geschilderte Aufteilung durchaus geschickt aufstellte. Auf Ternus warten einige große Herausforderungen, dies vor allem in einer Sparte, die er bis dato nicht verantwortete: Software (und nachlassende Qualität) sowie das KI-/Siri-Thema.

Kommentare

Deppomat21.04.26 10:07
Ich finde die Beförderung von Srouji interessant. Gab es das schon mal, daß ein federführender Chipentwickler (und scheinbar ja kein schlechter) eine Hardwareabteilung leitet? Dürfte ja einen Einfluß auf den Fokus haben.

(Nicht daß ich nachgelesen hätte, was seine Vorgänger für Fachleute waren, aber es kommt mir ungewöhnlich vor).
0
marc.hb21.04.26 10:34
Deppomat
Dürfte ja einen Einfluß auf den Fokus haben..

Vermutlich wird man das bei Apple auch deswegen gemacht haben, um ihn langfristig in der Firma zu halten. Solche Leute stellst du nicht nur mit Geld zufrieden, sondern eher mit Einfluss, den sie in der täglichen Arbeit ausführen können.
+2
Deichkind21.04.26 11:13
Wenn John Ternus sich stärker auf die Eigenschaften der Produkte fokussiert als Tim Cook es getan hat, wer wird dann sein neuer Tim Cook, der die Abläufe im Unternehmen organisiert?
Oder soll er etwas bewerkstelligen, was weder Steve Jobs noch Tim Cook für sich allein geschafft haben, nämlich beiden Aufgaben gleichermaßen gerecht zu werden?
+4
macfreakz21.04.26 11:14
Ich hoffe, er nimmt das Thema Software zu Herzen und macht dort schön Druck und schafft neue Innovationen, die wirklich besseres UX Erlebnis bietet.
+3
Spacely21.04.26 11:44
Und als neues Hardwareprodukt eine Spielkonsole.
So schaffen auch würdige Spiele den Sprung in das Apple Ökosystem und pushen gleichzeitig den Rechner Marktanteil.
Habe gehört Zocken soll unter den jungen Leuten ganz beliebt sein.
-2
Deppomat21.04.26 11:45
marc.hb
Vermutlich wird man das bei Apple auch deswegen gemacht haben, um ihn langfristig in der Firma zu halten. Solche Leute stellst du nicht nur mit Geld zufrieden, sondern eher mit Einfluss, den sie in der täglichen Arbeit ausführen können.
Ja bestimmt. Ich frage mich bei solchen Beförderungen von Fachleuten oft, ob man sie nicht gewissermaßen vom Kern ihrer Kompetenz wegbefördert. Ne Abteilung zu leiten und zig Projekte zu beaufsichtigen läßt doch sicher weniger Zeit für eigenes Getüftel übrig.

So ähnlich wie bei Videospielen, wo der Director eines erfolgreichen Spiels für den nächsten Titel gern zum Producer befördert wird. Sicher der höhere Posten, aber genauso hands-on?
+1
joop
joop21.04.26 11:53
Super, wenigstens einer der Apple schon kennt, alles wird gut.
0
pogo3
pogo321.04.26 12:23
Super, wenigstens einer der Apple schon kennt, alles wird gut.
Na, dann: Alles ist und bleibt gut. Ich hoffe trotzdem: ein macOS ist schon ab x.x.2 ein gutes OS.
Ich schmeiss alles hin und werd Prinzessin.
+1
Michael Lang21.04.26 17:43
Deppomat
marc.hb
Vermutlich wird man das bei Apple auch deswegen gemacht haben, um ihn langfristig in der Firma zu halten. Solche Leute stellst du nicht nur mit Geld zufrieden, sondern eher mit Einfluss, den sie in der täglichen Arbeit ausführen können.
Ja bestimmt. Ich frage mich bei solchen Beförderungen von Fachleuten oft, ob man sie nicht gewissermaßen vom Kern ihrer Kompetenz wegbefördert. Ne Abteilung zu leiten und zig Projekte zu beaufsichtigen läßt doch sicher weniger Zeit für eigenes Getüftel übrig.
….

Ein CEO ist nicht fürs Getüftelt da. Er soll seine Angestellten leiten, so dass DIESE effizient an den richtigen Sachen tüfteln.
Ternus hat halt von seiner bisherigen Arbeit mehr Einblick in die Technik und wird daher die kommenden Entwicklungen anders bewerten (mit anderen Augen sehen) als es Tim Cook getan hat. Den kaufmännischen Aspekt wird er trotzdem beachten müssen.

Ternus wird dann wohl eher wie ein technischer Geschäftsführer handeln, als ein kaufmännischer. Kann für zukünftige Produktentwicklungen aus meiner Sicht nur gut sein.
- Das größte Maul und das kleinste Hirn,wohnen meist unter derselben Stirn. - Hermann Oscar Arno Alfred Holz, (1863 - 1929), deutscher Schriftsteller
+2
Deppomat22.04.26 01:41
Michael Lang
Ein CEO ist nicht fürs Getüftelt da.
Ich sprach von Srouji.
0
Zacks
Zacks22.04.26 10:01
Endlich.
Ware wa messiah nari!
+1

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