Nach Regierungsdekret: Apple-Dienste in Russland lassen sich nun gar nicht mehr buchen


Wer sich ein Apple-Gerät zulegt, erhält damit ein umfangreiches Angebot an elektronischen Einkaufs- und Abonnementmöglichkeiten: Filme & Serien, Musik, Bücher, Podcasts – und den App Store, in den meisten Ländern die einzige erlaubte Quelle für Software auf den Mobilplattformen. Dazu kommt iCloud, mit dem sich mehrere Geräte reibungslos synchronisieren lassen. Für Nutzer in Russland fallen zukünftig alle Wege weg, über Apples Dienste einzukaufen. Der Grund: Die letzte Möglichkeit, Geldbeträge an Apple zu übermitteln, fällt weg.
In einem
Support-Dokument beschreibt Apple den neuen Umstand und die Konsequenzen, welche daraus entstehen: Sobald das vorhandene Guthaben im Apple-Account aufgebraucht ist, laufen Abos für Apple Music, Apple TV, Apple Fitness+ sowie Apple Arcade aus. Auch (bezahlte) Podcast-Abonnements enden, ebenso wie In-App-Abos. Der Kauf von Musiktiteln und Klingeltönen im iTunes Store sowie neuer Apps in den diversen App Stores ist ebenfalls nicht mehr möglich.
Kein iCloud+ in RusslandHarte Auswirkungen zeigt das Ende bestehender Abonnements des Synchronisierungsdienstes iCloud+. iCloud ist tief in Apples Betriebssysteme integriert und synchronisiert Einstellungen, Passwörter, Dokumente, Kontakte, sowie auf Wunsch die Bildersammlung. Wer mehr Platz benötigt als die kostenlos gewährten fünf GByte, muss monatlich oder jährlich zahlen. Kann man das Abonnement nicht fortsetzen, behält man allerdings weiterhin Zugriff auf die hochgeladenen Daten und kann Fotos und Videos herunterladen. Der automatische Abgleich von Fotos und Dokumenten funktioniert erst wieder, wenn die Datenmenge unter die 5-GByte-Marke fällt.
Dekret der Russischen FöderationDie Ursache: Das Ministerium für digitale Entwicklung, Kommunikation und Massenmedien der Russischen Föderation schnitt den letzten Weg ab, über den russische Nutzer Geld auf Apple-Accounts übertragen konnten. Dies war nur noch über Mobilfunkkonten möglich; zum Monatsbeginn untersagte das Ministerium vier Mobilfunkunternehmen, diese Option anzubieten. Gerüchteweise soll dies verhindern, dass russische Nutzer auf diese Weise VPN-Verbindungen ins unzensierte Ausland buchen könnten.
Strafe wegen SanktionsbruchDoch auch von anderer Seite droht Apple Ungemach aufgrund von Aktionen im Umgang mit Russland: Offenbar zahlte Apple bis Oktober 2022 App-Store-Erlöse von insgesamt 844.145 US-Dollar an den russischen Streaming-Anbieter Okko, obwohl dieser auf der Sanktionsliste Großbritanniens stand. Da die Zahlungsabwicklung von Apple Irland über eine britische Bank lief, machte sich Apple damit strafbar. Eine Strafe hätte bis zu 1,3 Mio. Dollar umfassen können; da Apple jedoch selbstständig die Zahlung
anzeigte und auf das Einspruchsrecht verzichtete, wurde die Strafe auf 517.946,25 Dollar reduziert.