
Löschbarer Speicherplatz: merkwürdiges Verhalten von macOS Tahoe


Moderne Desktop-Betriebssysteme legen regelmäßig temporäre Dateien an, welche nach einiger Zeit wieder verschwinden können. Das geschieht zu unterschiedlichsten Zwecken: Caches halten geladene oder generierte Inhalte lokal vor, Log-Dateien protokollieren außergewöhnliche Ereignisse, Time Machine (und andere) legen Schnappschüsse vom aktuellen Zustand des Dateisystems fest. Werden sie nicht mehr zwingend benötigt, kennzeichnet macOS sie als „löschbar“. Doch dies gelingt nicht immer fehlerfrei, wie Howard Oakley in einem
aufwendigen Experiment untersucht hat.
Oakleys Untersuchung widmet sich den Time-Machine-Schnappschüssen, welche Apples integrierte macOS-Datensicherung seit Einführung von APFS stündlich anlegt. Sie dienen als Kopiervorlage für den anschließenden Sicherungsvorgang auf ein externes Laufwerk; standardmäßig löscht macOS sie nach 24 Stunden – und wenn sie nicht mehr benötigt werden. Oakley hat eine Versuchsanordnung entwickelt, um das Verhalten zu überprüfen.
Zwei APFS-VolumesDazu legt er auf einem externen Laufwerk einen APFS-Container an, deren 100 GB Platz sich zwei Test-Volumes gleichberechtigt teilen. Nachdem er das Time-Machine-Backup-Volume ausgeworfen hat, entfernt er beide unter Systemeinstellungen/Allgemein/Time Machine/Optionen aus der Liste ausgeschlossener Orte. Nachdem er eins der beiden Testvolumes mit 95 GB Daten nahezu komplett gefüllt hatte, löste er mit dem Kommandozeilenbefehl
tmutil localsnapshot
die Erzeugung eines Schnappschusses aus. Danach löschte er den Inhalt des Test-Volumes und fügte die beiden Volumes erneut der Time-Machine-Exklusionsliste hinzu.
Platz wieder frei – oder?Ein Schnappschuss selbst benötigt kaum Speicherplatz; dieser merkt sich lediglich, welche Dateien zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhanden waren, und
verhindert deren endgültiges Löschen. Durch die Exklusion vom Time-Machine-Backup hat der Schnappschuss keine Aufgabe mehr und sollte die Schattenkopien vergangener Dateien aufgeben. Im Festplattendienstprogramm sollte deshalb unter „Verfügbar“ so etwas wie „100 GB (95 GB löschbar)“ erscheinen.
Das Festplattendienstprogramm zeigt als Einziges den löschbaren Speicherplatz an.
Festgehalten durch (obsoleten) SchnappschussIn mehrfach durchgeführten Versuchen bemerkte Oakley, dass unter macOS 26 Tahoe dieser Hinweis gelegentlich nicht erscheint, das Test-Volume zeigt weiterhin lediglich 5 GB freien Speicherplatz an. Versuchte er zudem, eine 12 GB große Datei auf das Volume zu kopieren, meldete macOS in einigen Fällen nicht genügend Speicherplatz. Das System selbst erkannte also nicht, dass eine große Menge löschbare Dateien problemlos entfernt werden könnten. Das zweite Test-Volume, welches sich den Speicherplatz des Containers gleichberechtigt teilt, war noch härter eingeschränkt: Der Versuch, eine große Datei darauf zu schreiben, schlug immer fehl – offenbar versucht macOS nicht, löschbare Dateien auf anderen Volumes desselben APFS-Containers zu löschen.
Widersprüchliche DialogeObendrein erscheint die wichtige Information zu löschbaren Dateien nur im Festplattendienstprogramm – weder der Informationsdialog des Finders noch der Dialog „Speicher“ in Systemeinstellungen/Allgemein weisen auf löschbare Dateien hin. Das Problem sei laut Oakley nicht neu: Er wies erstmals vor acht Jahren darauf hin. Vor drei Jahren unter macOS 13 Ventura konnte er dasselbe Phänomen beobachten. Unter macOS 26 Tahoe habe sich die Lage sogar noch verschlimmert.