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Kurioser Fehler in Tahoe: Netzwerkversagen nach 50 Tagen

Um einen Mac dauerhaft online zu halten, laufen Unmengen an Subroutinen im Hintergrund: Sie stellen Verbindungen zu Servern her, sichern diese ab und schließen sie wieder. Das dafür zuständige Transmission Control Protocol (TCP) ist etabliert und stellt die Basis unter anderem für Web und E-Mail dar. Doch auch bei bewährten Frameworks können sich Fehler einschleichen – vor allem, wenn sie erst nach lang andauernder Betriebszeit zeigen. Einen solchen will Photon, ein Dienst zur Integration von KI-Agenten in Messenger-Plattformen, entdeckt haben: 49,71 Tage nach Neustart beginnt die Zahl der TCP-Verbindungen knapp zu werden. Das führt dazu, dass innerhalb weniger Stunden das Netzwerk versagt.


Das Phänomen fiel auf, weil die Entwickler mittels dedizierter Test-Macs die Qualität des iMessage-Diensts überprüften. Am 30. März stellten sie fest, dass einige dieser Geräte keine neuen TCP-Verbindungen herstellen konnten, während etablierte weiterbestanden. Auch eine Reaktionskontrolle via Ping funktionierte. Erst ein Neustart behob den Fehler. Die Macs, welche dieses Problem zeigten, wurden alle gleichzeitig gestartet – vor gut 49 Tagen.

Timer mit Überrollschutz
Die Ursache soll laut den Entwicklern ein systeminterner Zeitstempel sein, welcher beim ordnungsgemäßen Beenden ausgedienter TCP-Verbindungen zum Einsatz kommt. Dieser besteht offenbar aus einem 32-Bit-Millisekundenzähler – das entspricht 49 Tagen, 17 Stunden und gut 47 Sekunden. Am Ende dieser Zeitspanne sollte dieser eigentlich auf null springen. Dies verhindert jedoch eine neu hinzugefügte Funktion ("monotonicity Guard"). Der Zähler bleibt auf dem Maximalwert, und aufgegebene TCP-Sockets bleiben dauerhaft reserviert.

Problem nach weiteren Stunden
Da die Entdecker zwei weitere Macs vor knapp 49,71 Tagen gestartet hatten, konnten sie ihre Theorie überprüfen. Ein Testscript offenbarte den Anstieg der TIME_WAIT-Werte von TCP-Verbindungen nach der Zeitmarke, während sie vorher die Obergrenze von 30 Sekunden niemals überschritten. Neuneinhalb Stunden später versagten dann die Netzwerkverbindungen der beiden Macs. Die Entdecker arbeiten laut Eigenaussage an einer Übergangslösung, welche ohne Neustart auskommt. Ob sie den Fehler nach dem Responsible-Disclosure-Verfahren gemeldet oder die Erkenntnis beim XNU-Kernel eingereicht haben, erwähnt der Blog-Artikel nicht.

Kommentare

OleHH08.04.26 16:27
Erinnert an den Windows 95 Bug, das auch nach 49,7 Tagen abgestürzt ist. 😊
+10
KarstenM
KarstenM08.04.26 17:07
Wecker Bug hier, Kalender Bug dort, nun wieder ein Bug in einem Timer, in der Vergangenheit gab es auch immer mal wieder mit Schaltjahren Probleme. Zeit ist komplexer als man vermutet.
+6
Marcel_75@work
Marcel_75@work08.04.26 17:44
Diese eigenartigen Netzwerk-Verhalten kann ich so aber auch unter Sequoia feststellen, nach einem Neustart ist dann wieder alles i.O. – also ist das eventuell nicht erst seit Tahoe ein Problem sondern auch mit Sequoia?
+6
Gummibando08.04.26 18:04
Marcel_75@work
… also ist das eventuell nicht erst seit Tahoe ein Problem sondern auch mit Sequoia?

Auf Michael Tsaj's Blog stand gestern, dass es möglicherweise bis Catalina zurück reicht.
+6
h.ml08.04.26 18:59
Mein MacBook ist eigentlich immer aktiv und wird nur in den Ruhezustand geschickt, irgenwie ist mir dieser Fehler bislang nicht aufgefallen, - aktuell Sequoia 15.7.5
+1
Sputnik123
Sputnik12308.04.26 19:10
das erklärt es das letztens erst nach einem Neustart das internet wieder ging...
cum hoc ergo propter hoc
+4
Waldi
Waldi08.04.26 21:25
Quatsch!
Der 1,April ist schon vorbei!
vanna laus amoris, pax drux bisgoris
-5
L-E09.04.26 10:36
Ich glaube, ich habe das nicht verstanden. Daher die Frage, ob der Bug auch etwas mit dem regelmäßigen und kurzzeitigen Ausfall des Ethernets zu tun haben könnte. Immer wieder legt der MacStudio da nämlich Pausen von mehreren zig Sekunden ein, wo das Ethernet dann einfach deaktiviert ist. Getestet: Die WLAN-Verbindung funktioniert aber.
Nur nutze ich die eher nicht, da Router und Rechner keine zwei meter voneinander entfernt sind. Die Ethernetausfälle sind unregelmäßig und der Rechner wird über Nacht immer ausgeschaltet. Da auch andere Nutzer von Ethernetausfällen speziell am MacStudio berichten, frage ich mich, ob es da ein grundsätzliches Problem gibt, das mit dem im Artikel genannten vielleicht zusammenhängen könnte, obwohl die Problembeschreibung ja sehr unterschiedlich ist.
+1
don.redhorse12.04.26 13:24
Ich habe meine externe Intelligenz ein wenig arbeiten lassen:

Zeiten zwischen Minor Updates bei Tahoe:
Version    Datum    Abstand
26.0         15.09.2025          –
26.0.1       29.09.2025         14 Tage
26.1         03.11.2025         35 Tage
26.2         12.12.2025         39 Tage
26.3         11.02.2026         61 Tage ⚠️
26.3.1       ~Anfang März 2026 ~19 Tage
26.3.2       17.03.2026        ~12 Tage
26.4         ~26.03.2026        ~9 Tage
26.4.1       09.04.2026         14 Tage

Ende Januar, Anfang Februar musste ich meinen Mini außerhalb der Zeit neu starten, da alles an Netzwerk platt war. Ich war auch gerade dran, erst funktionierte dieses nicht mehr, dann jenes, danach gar nichts mehr. Neustart alles gut. Hatte mich gefragt was das war, ist ja keine Windows JoJo Kiste, also Neustarts waren mir da eher unbekannt (das war auch mal anders, klar).

Das sind noch die von Sequoia:
Version        Datum        Abstand
15.0        16.09.2024        –
15.0.1      03.10.2024        17 Tage
15.1        28.10.2024        25 Tage
15.1.1      19.11.2024        22 Tage
15.2        11.12.2024        22 Tage
15.3        27.01.2025        47 Tage
15.3.1      05.02.2025        9 Tage
15.3.2      12.03.2025        35 Tage
15.4        31.03.2025        19 Tage
15.4.1      16.04.2025        16 Tage
+1

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