KI-Coding macht bessere Software? Viele Entwickler sehen das anders und benennen die Probleme

Es steht außer Frage, dass KI-Lösungen in vielen Bereichen hilfreiche Werkzeuge darstellen können und die Produktivität erhöhen – vor allem, wenn es um die schnelle Erfassung großer Datenmengen geht. Immer dann, wenn jedoch faktengetreue Darstellung erforderlich ist, bedarf es aber Vorsicht, denn LLMs als begnadete Erzähler sind nicht notwendigerweise auch die wahrheitsliebendsten Zeitgenossen – zumal ein LLM gar nicht wirklich versteht, was es schreibt. Ein Branchentrend sind inzwischen agentische Lösungen, die vielschrittige Aufgaben übernehmen, sowie spezialisierte Tools zur Erstellung von Programm-Code. Das versetzt theoretisch sogar Nutzer ohne Programmierkenntnisse in die Lage, Apps zu erstellen. Von erfahrenen Entwicklern gibt es hingegen sehr durchwachsenes Feedback, wie 404 Media in einem Artikel zusammenfasst.


KI-Umstellungen oft wenig hinterfragt
Mehrere Entwickler erläutern in einem Stimmungsbericht, dass sie zur Nutzung von KI-Tools gedrängt werden, deren Ergebnisse aber häufig mehr Nacharbeit, Unsicherheit und technischen Ballast erzeugen. Der Vorwurf richtet sich allerdings keinesfalls gegen KI als gelegentliches Hilfsmittel. Mehrere der befragten Personen räumen ein, dass solche Werkzeuge beim Prototyping, beim Erkunden unbekannter Codebereiche, beim Zusammenfassen von Logs oder beim Auffinden von Dokumentation sehr nützlich sein können.

Für Komponenten oft gut, für Projekte nicht
Problematisch werde es, wenn KI-Agenten großflächig Änderungen an komplexen Codebasen erzeugen und Unternehmen anschließend vor allem auf Menge, Geschwindigkeit und sichtbare KI-Nutzung schauen. Besonders kritisch sehen die Befragten den Aufwand zur Überprüfung der Ergebnisse. Bei kleinen Hilfsfunktionen lassen sich Vorschläge noch vergleichsweise leicht prüfen. Anders sieht es hingegen aus, wenn man vor einem riesigen Berg an fremdem Code steht: Bei größeren Änderungen in verzweigten Projekten, sicherheitsrelevanten Komponenten oder historisch gewachsenen Codebasen wird die Sache nämlich maßgeblich schwieriger.

"Es macht mich dümmer"
Hinzu kommt ein psychologischer Effekt, denn mehrere Entwickler berichten, dass sie durch den ständigen Einsatz von KI bei alltäglichen Aufgaben unsicherer werden. Routinen, die früher selbstverständlich waren, müsse man plötzlich wieder nachschlagen – oder gar das Modell erneut befragen. "Es macht mich definitiv dümmer", fasst es eine zitierte Stimme in Worte. Vor allem Neulinge erzielen zwar schnelle Erfolge, ohne jedoch problematische Nebenwirkungen zu erkennen. Das wiederum verschiebt die Verantwortung noch stärker auf erfahrene, teurere Entwickler – was Kostenvorteile zunichte machen kann.

Differenziertere Betrachtung erforderlich
Die Frage ist daher nicht, ob KI in der Software-Entwicklung hilfreich sein kann, denn das ist sie je nach Einsatzbereich zweifellos. Mehr generierter Code ist nicht automatisch Fortschritt oder mehr Produktivität – vor allem, wenn am Ende weniger Verständnis für die eigene Codebasis und die Architektur vorliegt. Entscheidend dabei ist die Entscheidung, an welchen Stellen Automatisierungen sinnvoll sind, ohne aber "viel Code entstanden" mit "viel besser entwickelt" zu verwechseln.

Kommentare

d2o15.05.26 13:35
Ich kann nur aus dem behördlichen Umfeld berichten, so man in KI-Codierung (Vibe Coding) das Allheilmittel sieht.
Man sieht darin plötzlich alle Beschäftigten als "Programmierer", die sich alles in jeder Sprache als Programm erstellen lassen können - auch diejenigen, die weder Berührung zur Programmierlogik noch zu irgendeiner Programmiersprache hatten.
Aber wer wartet den Code? Wer behebt Fehler, wenn etwas nicht klappt? Was ist mit Know-How Transfer bei Personalwechsel? Was ist mit IT-Sicherheit und Datenschutz, wenn in dem Code plötzlich Klassen enthalten sind, die Daten irgendwohin schicken oder andere Systeme beeinflussen?
Aus meiner Sicht ist dieses KI und Coding zu kurz gedacht, zumindest wenn man damit keine Profis oder sonstige, kundige Beschäftige beauftragt.

VG
+17
UWS15.05.26 14:15
Kann man alles 100% so unterschreiben. KI ist halt ein Werkzeug. Gib jemandem eine Kelle, Steine und Mörtel: der eine baut daraus ein Haus, der andere bekommt damit nichts zusammen. Code blind zu vertrauen, ist Wahnsinn und Leute daran zu lassen, die gar nicht verstehen, was da eigentlich passiert, im Grunde ebenso.

Aber: wenn man die KI als Sparringspartner sieht, den man auch fragen kann, warum er etwas macht und wie das exakt funktioniert, kommen dabei mittlerweile schon ganz ansehnliche Resultate raus. Vor allem, wenn man z.B. wie in Claude vorab schon ein eng umrissenes Regelwerk hinterlegt.
There is no cloud…it’s just someone else’s computer.
+6
LoCal
LoCal15.05.26 14:17
d2o
Ich kann nur aus dem behördlichen Umfeld berichten, so man in KI-Codierung (Vibe Coding) das Allheilmittel sieht.
Man sieht darin plötzlich alle Beschäftigten als "Programmierer", die sich alles in jeder Sprache als Programm erstellen lassen können - auch diejenigen, die weder Berührung zur Programmierlogik noch zu irgendeiner Programmiersprache hatten.
Aber wer wartet den Code? Wer behebt Fehler, wenn etwas nicht klappt? Was ist mit Know-How Transfer bei Personalwechsel? Was ist mit IT-Sicherheit und Datenschutz, wenn in dem Code plötzlich Klassen enthalten sind, die Daten irgendwohin schicken oder andere Systeme beeinflussen?
Aus meiner Sicht ist dieses KI und Coding zu kurz gedacht, zumindest wenn man damit keine Profis oder sonstige, kundige Beschäftige beauftragt.

VG

Ich war vor ein paar Monaten auf einer AI-Konferenz und dort hat dann jemand seine Codegenerierungserfahrungen mit AI vorgestellt und dann zur Diskussion aufgefordert.

Die Person, die das zeigte, erzählte, dass sie bzw. ihr Unternehmen von einem Kunden* beauftragt wurde ein Analyse-Tool für einen Webshop zu entwickeln.
Deren erster Schritt war dann, dass sie sich mehrere Frameworks mit den eigenen Entwicklern angeschaut hatten, diese aber nicht verstanden haben (wurde exakt so gesagt!).
Darauf hin hat die Person, komplett ohne Programmiererfahrung, sich hingesetzt und das mit OpenAI gesetzt. Dauer: 1 Woche. Nach Fertigstellung wurde das dann dem Kunden präsentiert und letztendlich auch verkauft. Es wurde nicht bekannt gegeben, ob dem Kunde klar kommuniziert wurde, dass es sich um ein KI generiertes Tool handelt.

In der anschliessenden Diskussion habe ich dann gefragt, ob deren interne Entwickler ein CodeReview gemacht haben? Antwort: Nein, das hab ich auch die KI machen lassen.
Meine anschliessende Frage wie das ganze getestet wurde, erhielt die gleiche Antwort: Das hat die KI gemacht.

Ich habe mich dann als Software-Entwickler geoutet und gesagt, dass es ja eigentlich die Prämisse gibt, dass der Entwickler weder seinen eigenen Code-Reviewen noch final testen darf.

Daraufhin wurde ich nur müde belächelt ich bohrte dann besonders in Sachen Code-Qualität und Verständnis noch etwas nach bis ich von einer anderen Person im Raum etwas harsch angegangen wurde, dass ich doch mal von meinem hohen Entwickler-Ross runter kommen solle und merken, dass die KI gerade die Software-Entwicklung demokratisiert. Eine weitere Person meinte dann, dass mein Job ja eh bald von der KI übernommen wird.

Ich nutze bei meiner Arbeit ja selbst KI, allerdings würde ich nicht im Traum auf die Idee kommen, auf diese Art Projekte umzusetzen. Hauptsächlich lasse ich mir die Dokumentation von der KI schreiben, aber wenn ich mal Code erstellen lasse, dann prüfe ich den mehrfach und bis jetzt kam eigentlich nie guter Code heraus.
Mit gutem Code meine ich, keine unnötigen Variablen, keine obskuren Konstrukte oder, im Fall von SwiftUI, Bindings wo überhaupt keine nötig sind.

*mittelgrosses deutsches Modeversandhaus, man konnte sehr deutlich sehen wer der Kunde war!
Ich hab zwar keine Lösung, doch ich bewundere dein Problem
+8
d2o15.05.26 14:21
UWS
Aber: wenn man die KI als Sparringspartner sieht, den man auch fragen kann, warum er etwas macht und wie das exakt funktioniert
Wie kann aber jemand, der nicht vom Fach ist, etwas (hinter)fragen? Kommt man auf die Fragen, deren Antworten sich durch den Sparringspartner ergeben? Kann man damit was anfangen, obwohl die very Basics fehlen?

Evtl. gehe ich zu fatalistisch an das Thema ran, aber man kann der KI nun mal keine Verantwortung für etwas übergeben. Die verbleibt beim zuständigen menschlichen Beschäftigten. Und wenn der die Ergebnisse weder versteht noch Probleme beheben kann, ergibt sich für mich kein Vorteil.
Selbst ein Profi verlässt sich nicht auf "läuft doch", sondern er muss wissen, ob es korrekt läuft und ob es im Rahmen der Spezifikationen läuft.

VG
+2
d2o15.05.26 14:28
LoCal
Daraufhin wurde ich nur müde belächelt ich bohrte dann besonders in Sachen Code-Qualität und Verständnis noch etwas nach bis ich von einer anderen Person im Raum etwas harsch angegangen wurde, dass ich doch mal von meinem hohen Entwickler-Ross runter kommen solle und merken, dass die KI gerade die Software-Entwicklung demokratisiert. Eine weitere Person meinte dann, dass mein Job ja eh bald von der KI übernommen wird.
Genau das meine ich.
Für einen Entwickler mag KI hilfreich sein, weil er die KI sehr spezifisch beauftragen kann und sie ihm dann einfach Tipparbeit abnimmt. Aber Entwicklung besteht nicht nur aus der reinen Codierung (das schreiben in der Programmiersprache), sondern auch in der Logik und dem Gesamtkonzept.
Die 200 Befehle einer Programmiersprache kann jeder auswendig lernen, dass ist nicht das Problem in der Programmierung. Es ist die Logik und das Entwickeln von Problemlösungen bzw. Aufgabenstellungen mit Hilfe dieser Sprache - und da steckt die eigentliche Arbeit.
Für gewöhnlich hält der Entwickler den Kopf für seine Programme hin. Das kann eine Ki nach wie vor nicht.

Der Gärtner stellt auch keinen Bock ein und, lässt den Garten auch nicht von einem zweiten Bock kontrollieren.

VG
+4
UWS15.05.26 14:36
d2o
Wie kann aber jemand, der nicht vom Fach ist, etwas (hinter)fragen?
…das kann er eben gar nicht. Zumindest ein solides Grundverständnis ist m.E. unumgänglich.
There is no cloud…it’s just someone else’s computer.
+2
LoCal
LoCal15.05.26 14:36
UWS
Aber: wenn man die KI als Sparringspartner sieht, den man auch fragen kann, warum er etwas macht und wie das exakt funktioniert, kommen dabei mittlerweile schon ganz ansehnliche Resultate raus. Vor allem, wenn man z.B. wie in Claude vorab schon ein eng umrissenes Regelwerk hinterlegt.

Das sehe ich nicht ganz so, denn das Problem bei den aktuellen KI-Ansätzen ist auch, dass man für die gleiche Aufgabe selten deckungsgleiche Ergebnisse erhält und je komplexer die Aufgabe ist, desto mehr unterscheiden sich die Lösungen, die einem die KI anbietet.
Ich hab zwar keine Lösung, doch ich bewundere dein Problem
0
tjost
tjost15.05.26 14:37
Ich habe schon so einige Tools für meine Umgebung mithilfe von KI zusammen gebastelt. Was mir aufgefallen ist, ist das die Ki nicht nur unfassbar Hohl ist und mich nicht bis kaum versteht, es sucht auch nach den falschen Ansätzen in seiner Datenbank die oftmals extrem veraltet ist und so nur Fehler einbaut.
Zum Debuggen ist es auch nicht geeignet das es die eigenen Fehler nicht erkennt und ständig neu anfängt und damit alles was mal gut war wieder zerstört.

Ich bin nur minimal, semi von Fach und darum ist KI für mich zwar als Tool zum Schreiben von Code sehr hilfreich, doch ich muss alles haargenau vorgeben bis ins kleinste Detail. Da frage ich mich ob es, bei kleinen Projekten wirklich eine Erleichterung ist?

Ich habe auch mal mit KI versucht mir scripte und tools zusammen zu stellen um meinen Raspberry nach meinen Wünschen zu konfigurieren. Ich habe der KI sogar Zugriff auf den Pi gegeben so das ich nichts mehr machen musste. Task war relativ simpel. Automatischen Einbinden von externen Datenträgern via USB, SMB Share mir Gastzugang und der möglichkeit über das Netzwerk Dateien in die Ordner zu kopieren egal welches Dateisystem. Nach bestimmten Ordnern suchen und den Inhalt im Share als einen Ordner anzeigen.
Eine Stunde später waren dann unendlich viele Tools installiert, 2 Webserver aufgesetzt für die Konfiguration und die liefen beide auf :80 so das keiner der beiden Aufging. Auto-Mount war nicht, Ordner nicht gesucht und in den Share gepackt und nur SMB3 installiert. War sich aber sicher alles richtig gemacht zu haben und gab mir und der SD-Karte die Schuld das es nicht ging.

Ich habe es dann selber gemacht. Kein Webserver und kein Automount (bekomme ich nicht hin) Aber nun habe ich einen schönen Share mit meinen Dateien in verschiedenen Ordnern. Hat mich 45 Minuten gekostet, das meiste durch das Suchen im Netz wie man es am besten macht.

Solange KI sich immer noch für einen unfehlbaren Gott hällt nicht sich selber nicht hinterfragt ist KI nur Ballast. Speicherverschwendung.
-1
UWS15.05.26 14:40
LoCal
Das sehe ich nicht ganz so, denn das Problem bei den aktuellen KI-Ansätzen ist auch, dass man für die gleiche Aufgabe selten deckungsgleiche Ergebnisse erhält
…das wird bei menschlichen Programmierern vermutlich nicht anders sein, gibt ja oft mehrere Wege zum Ziel.
There is no cloud…it’s just someone else’s computer.
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LoCal
LoCal15.05.26 15:23
UWS
LoCal
Das sehe ich nicht ganz so, denn das Problem bei den aktuellen KI-Ansätzen ist auch, dass man für die gleiche Aufgabe selten deckungsgleiche Ergebnisse erhält
…das wird bei menschlichen Programmierern vermutlich nicht anders sein, gibt ja oft mehrere Wege zum Ziel.

Wenn Du zwei Entwicklerinnen nach ihrer Lösung für Problem X fragst, ja, dann bekommst Du zwei mehr oder weniger unterschiedliche Lösungen. Und das ist völlig ok.

Aber, wenn Du Claude.ai zwei mal fragst, dann wirst Du da ziemlich sicher auch zwei verschiedene Lösungen bekommen und das ist nicht so ganz ok, denn Du fragst ja ein und dieselbe Quelle…
Ich hab zwar keine Lösung, doch ich bewundere dein Problem
+1

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