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"Die produktivsten Ladengeschäfte der Welt": Ron Johnson über den Aufbau der Apple Stores

Am 19. Mai 2001 eröffneten nach mehreren Jahren heimlicher Vorbereitung die ersten beiden Apple Stores in den Vereinigten Staaten. Ein Hauptverantwortlicher für die ersten zehn Jahre der konzerneigenen Ladengeschäfte war Ron Johnson, den Apple von der Elektronikkette Target abwerben konnte. In einem Interview mit „Women's Wear Daily“ blickt der ehemalige „Vice President of Apple Retail“ auf die damalige Zeit zurück und liefert einige Anekdoten aus der Zusammenarbeit mit Steve Jobs.


Die Herangehensweise, welche er in Zusammenarbeit mit Steve Jobs entwickelte, sei einzigartig gewesen, berichtet Johnson. Zur Jahrtausendwende gab es weitestgehend zwei Möglichkeiten, Apple-Produkte zu erwerben: große Läden mit schlecht gewarteten Demo-Macs oder kleine Spezialgeschäfte, meist ohne Ausstellungsfläche. Apple Stores wurden um die Fragen herum gestaltet, die potenzielle Kunden haben könnten, etwa wie ein Mac mit Druckern und Digitalkameras zusammenarbeitet, welche sie bereits besitzen.

Genius Bar für Kundenfragen
Kunden sollten direkt im Geschäft erfahren, wie sie mit einem Mac CDs brennen und Fotos von einer Speicherkarte übertragen sowie bearbeiten können. Die Mitarbeiter sollten versuchen zu verstehen, zu welchem Zweck die Kunden den Apple Store aufgesucht haben, und dann eine Lösung für sie zu finden – entweder durch Unterstützung oder durch ein neues Produkt. Die Genius Bar als integraler Bestandteil jedes Apple Store war für genau diesen Zweck und sollte nicht bloß ein Support-Tresen für Garantiefälle sein.

Jobs' sehr konkrete Vorstellungen
Er berichtete auch von Fällen, in denen er bei seinen Ideen auf Widerstand bei Steve Jobs stieß. So war dieser nicht begeistert davon, Apple Stores in Einkaufszentren (Malls) zu eröffnen. Diese seien „voller beschissener Läden“. Zudem hasste er Einkaufsflächen mit Säulen. Die Einflussnahme des Apple-Mitgründers fand im Eingangswürfel des Apple Stores auf New Yorks Fifth Avenue ihren Höhepunkt – Steve Jobs entwarf die Glaskonstruktion des 2006 eröffneten Flagship-Stores und begrüßte die ersten Besucher persönlich.

Großer Erfolg
Die New Yorker Filiale war besonders erfolgreich, erinnert sich Johnson: Ein Apple Store benötigte damals einen Umsatz von 15 Millionen US-Dollar, um profitabel zu sein. Apple Store in der Fifth Avenue nahm am ersten Tag 1 Million ein – und innerhalb des ersten Jahres insgesamt 350 Millionen. Die Umsätze der Ladenkette stiegen bis ins Jahr 2013 kontinuierlich – danach wies Apple deren Umsätze in den Quartalsberichten nicht mehr gesondert aus.

Die Umsätze der Apple Stores stiegen über Jahre kontinuierlich an.

Über 500 Appe Stores
Spätestens mit der Veröffentlichung des iPhones im Jahr 2007 beendete Apple das Nischendasein, und die Ladengeschäfte sind stets gut besucht. Mittlerweile unterhält Apple 537 Apple Stores, davon 16 in Deutschland, 4 in der Schweiz und einen in Österreich. Ron Johnson verließ kurz nach Steve Jobs' Ableben das Unternehmen, um als CEO bei der Warenhauskette JCPenney anzufangen. Sein Versuch, das Traditionshaus mit Elementen der Apple-Store-Philosophie zu modernisieren, scheiterte – nach zwei Jahren verließ er das Unternehmen. Auch das von ihm im Anschluss gegründete Unternehmen „Enjoy“ musste 2022 den Bankrott erklären. Am 24. September erscheint sein Buch „Shop Different – How Retail Revealed Apple's Genius“.

Kommentare

Huba29.06.26 15:27
Danke für diese interessanten Einblicke!
+6
Niederbayern
Niederbayern29.06.26 16:05
Shop Different, wirklich sehr einfallsreich.
+2
gorgont
gorgont29.06.26 16:41
Es ist wirklich so, die Apple Store sind nicht zu ein Shop. Ich war in New York in vier verschiedenen Stores (5th Ave, WTC, Soho und Grand Central) und jeder Store war auf seine Art und Weise den Besuch wert. Einfach toll 😃
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+4
hal5329.06.26 19:05
Wie konnte es dann passieren, dass Apple die meisten seiner Distributoren aufgrund zu geringer Margen in die Pleite getrieben hat? Bei uns - einer Stadt mit ca. 250.000 Einwohnern - gibt es weder einen Apple store noch eine Store-Alternative.
+2
Stefanie Ramroth29.06.26 19:18
hal53
Wie konnte es dann passieren, dass Apple die meisten seiner Distributoren aufgrund zu geringer Margen in die Pleite getrieben hat?
Die Vorgaben für Premium Reseller sind sehr restriktiv. Und die Gewinne, die Apple erwirtschaftet sind einfach nicht zu erreichen. Selbst wenn man 15% Marge hat, hat Apple wahrscheinlich 40%. Es rechnet sich einfach nicht, wenn man Miete und Personal raus rechnet.
Vor allem, weil beim Kunden halt auch diese Success Stories von Apple im Hinterkopf mitspielen. Man geht in den Store, hält sich da vier Stunden auf und blockiert einen der 25 Vorführer - und wird trotzdem noch nett behandelt.
Das geht bei einem Reseller, der seine vier Vorführer selbst finanzieren muss, einfach nicht.
+2
istefan30.06.26 08:18
hal53
Wie konnte es dann passieren, dass Apple die meisten seiner Distributoren aufgrund zu geringer Margen in die Pleite getrieben hat? Bei uns - einer Stadt mit ca. 250.000 Einwohnern - gibt es weder einen Apple store noch eine Store-Alternative.

Weil die Anforderungen an einen Apple Reseller gigantisch hoch sind und die Marge niedrig. Apple hat bewusst diese Händlerstruktur gekillt, obwohl sie zwar in den 90er Jahren Apple finanziert hat. Apple hat seit der Krise ein gestörtes Verhältnis zu seinen Händlern
+1
System 6.0.130.06.26 09:32
hal53
Wie konnte es dann passieren, dass Apple die meisten seiner Distributoren aufgrund zu geringer Margen in die Pleite getrieben hat? Bei uns - einer Stadt mit ca. 250.000 Einwohnern - gibt es weder einen Apple store noch eine Store-Alternative.

Oh, das ist einfach zu erklären. Das Konzept des Apple-Stores beschreibt es doch:

Nehme deinen Kunden ernst
Nehme die Bedürfnisse deiner Kunden ernst

Wer das nicht will oder kann muss über den Preis verkaufen. Im Apple-Store wird Listenpreis bezahlt. Und daran sind Gravis und Systematics und all die Anderen gescheitert.

Sie nahmen weder den Kunden noch seine Bedürfnisse ernst. Nur ihre Umsatzziele.

Ich habe mehr als 10 Jahre in einem kleinen, unabhängigen Apple-Laden gearbeitet. Den gibt es kontinuierlich seit 1986 bis heute. Von Laufkundschaft bis zu Unternehmensberatungen, PrePress, Kreative, Prominente, Einzelkämpfer und sogar Mode-Unternehmen gaben sie sich die Klinke in die Hand.

Dasselbe Prinzip wie im Apple Store: Nehme Deine Kunden ernst und seine Bedürfnisse. Das Ladenlokal ist kein Design-Tempel. Aber die Leute nehmen Dich ernst, und sie haben immer eine Lösung.

Ach ja, in der Stadt gibt es natürlich einen Apple-Store in 1A-Lauflage. Aber, es ist genug für Mitbewerber da.

Hat das Deine Frage beantwortet?

-1
hal5330.06.26 11:08
Hat es. Vielen Dank für die Infos aus der Sicht eines Insiders. Meist findet man Apple Produkte nur noch bei den beiden großen Elektronkketten, die aber eigentlich nur noch eine einzige darstellt. Die Qualität der Beratung ist dort aber stark ausbaufähig. Hier sind natürlich die Apple-Produkte starker direkter Konkurrenz ausgesetzt, die oberflächlich mehr Arbeitsspeicher und Ports bei niedrigeren Preisen bieten. Die Vorteile der Apple-Produkte werden hier natürlich schlechter herausgestellt.
+1

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