Bericht: Apples und Googles Gemini-Kooperation geht wesentlich tiefer als gedacht


Vor wenigen Wochen gaben Apple und Google eine technologische Partnerschaft bekannt – wenngleich Google diese deutlich stärker an die große Glocke hängte, als man es bei Apple beobachten konnte. Siri und zukünftige Modelle rund um Apple Intelligence sollen demnach auf Gemini basieren. Nun beleuchtet ein weiterer Bericht, dass die Zusammenarbeit offensichtlich noch deutlich tiefer als gedacht ansetzt. Bisher wirkte der Deal vor allem wie eine klassische Zulieferbeziehung: Google liefert das große Modell, Apple nutzt es für Siri und andere KI-Funktionen. Laut The Information steckt jedoch noch mehr dahinter.
Vollständiger Zugriff auf GeminiApple soll vollständigen Zugriff auf Gemini in den eigenen Rechenzentren haben und daraus sogar eigene, kleinere Ableger für bestimmte Aufgaben oder den Einsatz direkt auf Apple-Geräten entwickeln dürfen. Im Zentrum steht dabei das Verfahren der sogenannten "Distillation". Gemeint ist, dass ein großes Sprachmodell als eine Art Lehrer dient und ein kleineres Modell daraus lernt. Es geht nicht nur darum, die Antworten von Gemini nachzuahmen, Apple kann demnach auch lernen lassen, wie Gemini intern zu seinen Ergebnissen kommt.
Entwicklung eigener ModelleAuf diese Weise entstehen kompaktere Modelle, die einen Teil der Leistungsfähigkeit des großen Systems übernehmen, aber deutlich weniger Rechenleistung benötigen. Gerade für Apple ist das interessant, weil der Konzern seit Jahren versucht, möglichst viele KI-Funktionen direkt auf dem Gerät laufen zu lassen, anstatt ständig auf Cloud-Abfragen angewiesen zu sein. Damit würde Google faktisch nicht nur die große Cloud-Intelligenz für Siri liefern, sondern indirekt auch helfen, Apples eigene On-Device-KI zu stärken.
Mehr als nur eine Übergangslösung...Die Kooperation wäre also mehr als eine pragmatische Übergangslösung, sondern könnte Apples gesamte KI-Strategie technisch vorantreiben. Ganz reibungslos ist dieser Ansatz aber natürlich nicht. The Information erwähnt, dass Apples Ziele für Siri nicht immer zu Geminis Stärken passen – denn Systemsteuerung, persönliche Kontexte, App-Aktionen und schnelle lokale Antworten sind nichts, worauf sich Google bei den Modellen besonders konzentriert hat.
...dennoch mit dem Ziel der EigenständigkeitWenn die Angaben im Bericht zutreffen, hat Apple keinesfalls einfach den ganzen KI-Bereich an Google ausgelagert, um dort Lösungen von der Stange zu beziehen. Vielmehr scheint Apple parallel zu fahren: Gemini dient als starke externe Grundlage, dazu kommen eigene abgeleitete kleine Modelle – und weiterhin interne Forschung, um nicht vollständig von Google abhängig zu sein. Aufgegeben hat man die eigene KI-Ambition offenbar nicht, wenngleich es ohnehin von Anfang an in sämtlichen Berichten hieß, Apple wolle langfristig gesehen eigenständig agieren können.