32-Bit-Apps: Apple schaltet Warnung in macOS 10.13.4 scharf

Auf der Worldwide Developers Conference 2017 kündigte Apple zum allerersten Mal an, dass die Tage von 32-Bit-Programmen auf dem Mac gezählt sind. Bisher konnte macOS 32-Bit-Apps und 64-Bit-Apps parallel ohne Einschränkungen ausführen. Auf iOS ging Apple bereits mit iOS 11 diesen Schritt - dort sind nur noch Apps benutzbar, die als 64-Bit-Version vorliegen.

Vor 11 Jahren stellte Apple mit OS X 10.5 Leopard vollständige Unterstützung für 64-Bit-Programme mit Benutzeroberfläche vor - in 10.4 Tiger war es nur möglich, Programme ohne Benutzeroberfläche im 64-Bit-Modus auszuführen, da die entsprechenden Programmierbibliotheken für die Darstellung der Programmoberflächen noch nicht portiert wurden. Seit dieser Zeit ist es möglich, sowohl 32-Bit-Apps wie auch 64-Bit-Apps parallel zu nutzen. Apple portierte allerdings nicht alle Programmierbibliotheken auf 64 Bit: Das Framework "Carbon", welches in großen Teilen die alte System-Toolbox aus Mac OS 8 und Mac OS 9 unter OS X nachbildet, wurde nie als 64-Bit-Version veröffentlicht. Programme, die noch auf Carbon basieren, müssen auf Cocoa umgestellt werden - ein nicht unerheblicher Aufwand für die Entwickler.

Die aktuelle macOS-High-Sierra-Version 10.13.4 warnt seit dieser Nacht alle Nutzer, wenn eine 32-Bit-Programm gestartet wird, dass dieses in zukünftigen macOS-Versionen nicht mehr lauffähig ist. Apple verweist in dieser Meldung auf ein Support-Dokument (derzeit nur in Englisch verfügbar), in dem Apple die Gründe erläutert. Apple kündigte auf der WWDC 2017 an, dass High Sierra die letzte macOS-Version ist, die 32-Bit-Apps ohne Kompromisse ausführt - macOS 10.14 führt demnach wohl nicht mehr alle 32-Bit-Programme aus oder startet diese in einer Art Kompatibilitätsmodus, womöglich mit Geschwindigkeitseinbußen. Mit macOS 10.15, welches Apple seit Kurzem intern testet, könnte wohl endgültig Schluss mit 32-Bit-Apps sein.

Installierte 32-Bit-Programme finden

Apple bietet über das Systemprofil eine einfache Möglichkeit an, alle installierten 32-Bit-Programme zu finden. Hierzu klickt man im Apfel-Menu auf den Punkt "Über diesen Mac…". Im dann erscheinenden Fenster führt der Knopf "Systembericht…" zu vielfältigen Informationen zur Hardware und Software des Macs. Der Punkt "Programme" unter "Software" listet alle Apps auf, die auf dem Mac installiert wurden - die Spalte "64-Bit" gibt an, ob ein Programm als 64-Bit-Variante vorliegt:


Schon jetzt 32-Bit-Programme deaktivieren

Mit einem einfachen Terminal-Befehl lässt sich schon jetzt das Starten von 32-Bit-Programmen unterbinden. Dazu gibt man folgende Zeile in das Programm "Terminal.app" ein:

sudo nvram boot-args="-no32exec"

Nach dem Drücken der Return-Taste wird man zur Eingabe des Nutzerpasswortes aufgefordert. Um diese Einstellung wieder rückgängig zu machen, gibt man folgende Zeile ins Terminal ein:

sudo nvram boot-args=""

Gründe für die Umstellung

Es ist etwas verwunderlich, dass Apple bereits seit 11 Jahren 32-Bit- wie auch 64-Bit-Apps auf macOS unterstützt und gerade jetzt Entwickler dazu zwingt, Apps anzupassen. Möglich ist, dass Apple einfach den Unterbau mit den kommenden größeren macOS-Updates entschlacken will und deshalb die Unterstützung für 32-Bit-Programme entfernt.

Eine andere Theorie ist, dass Apple hierdurch indirekt die Umstellung auf ARM-Prozessoren vorbereitet (vor etwas über einer Woche kam ein entsprechender, glaubwürdiger Bericht auf: ). Einige Frameworks, wie zum Beispiel das Carbon-Framework, wurden nie auf Intels 64-Bit-Architektur portiert. Programme, die derzeitig noch auf Carbon zurückgreifen, müssen aufwändig umgeschrieben oder gar neu entwickelt werden - Apple gibt so betroffenen Entwicklern schon jetzt frühzeitig das Kommando, ihre Programme auf Cocoa und 64-Bit umzustellen. Cocoa-Apps, die bereits auf Intels 64-Bit-Befehlssatz laufen, sollten mit keinen oder nur sehr leichten Modifikationen auch auf ARM-basierten Macs laufen.

Sollte Apple tatsächlich Macs mit Apple-eigenem ARM-Chip vorstellen, werden diese über eine Art von Software-Emulation verfügen, um bestehende Intel-Apps weiterhin ausführen zu können. Möglicherweise wird diese Emulationssoftware nur 64-Bit-Programme unterstützten, da diese einfacher auf Apples 64-Bit-ARM-Chips zu emulierten wären.

Kommentare

oschi12.04.18 09:36
Dann sollen sie mal gleich mit Compressor anfangen! Ist noch 32-Bit
+2
gritsch12.04.18 09:38
Welches Programm verwendet denn noch Carbon?
0
sunni12.04.18 09:38
oschi
Dann sollen sie mal gleich mit Compressor anfangen! Ist noch 32-Bit

Im App Store steht, dss es ab 10.13.2 läuft und einen 64-bit processor benötigt.
Hast du Version 4.4.1 installiert? Oder noch eine ältere?
*Dieser Tag kann Spuren von Müssen enthalten.
0
gritsch12.04.18 09:41
Ob sich Steam jetzt mal bewegt... Unter Linux ist es ja auch noch 32-bit-only
+1
Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck12.04.18 09:42
gritsch
Mehr als man so denken mag. Eine ältere Konkurrenzsoftware unseres Programms MacStammbaum zum Beispiel: Reunion. Wird zwar weiterhin gepflegt und es erscheinen auch bezahlte Updates - die App ist aber weiterhin 32-Bit und setzt noch in großen Teilen auf Carbon.
0
macparc
macparc12.04.18 09:45
sunni
Im App Store steht, dss es ab 10.13.2 läuft und einen 64-bit processor benötigt.
Hast du Version 4.4.1 installiert? Oder noch eine ältere?

(Auch) Compressor 4.4.1 ist noch 32-bit.

0
Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck12.04.18 09:47
oschi
macparc
Der Grund bei Compressor könnte sein, dass die App noch auf QuickTime zurückgreift, um älteres Filmmaterial zu verarbeiten - QuickTime gab es nie als 64-Bit-Version.
+2
oschi12.04.18 09:55
Eigentlich habe ich die aktuelle Version aber in den Einstellungen wird mir noch 32-Bit angezeigt. Muss nachher mal schauen...
sunni
oschi
Dann sollen sie mal gleich mit Compressor anfangen! Ist noch 32-Bit

Im App Store steht, dss es ab 10.13.2 läuft und einen 64-bit processor benötigt.
Hast du Version 4.4.1 installiert? Oder noch eine ältere?
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sonorman
sonorman12.04.18 09:55
Also InDesign CS6 steht in der Liste ganz klar als Nich-64-Bit. Trotzdem startet es noch ohne Warnmeldung.
+1
sunni12.04.18 10:03
Wer 32-Bit Apps nutzen, aber die Meldung nicht mehr haben möchte, kann das hier im Terminal eingeben:
defaults write -g CSUIDisable32BitWarning -boolean TRUE

Um die Einstellung wieder rückgängig zu machen:
defaults delete -g CSUIDisable32BitWarning
*Dieser Tag kann Spuren von Müssen enthalten.
+10
Tomboman12.04.18 10:07
Huiuiui, da ist aber noch viel 32 Bit. Besonders license Manager für Logic und Plugins
0
gritsch12.04.18 10:16
Wer die Liste gerne als textfile hätte, einfach folgenden befehl im Terminal.app ausführen (dauert einige Sekunden...):

system_profiler SPApplicationsDataType | grep -A 2 "64-Bit .* No" | grep "Location"
+6
Sindbad12.04.18 10:37
32 Bit:
Apple: DVD-Player, iWeb
Ragtime, XLD, CanoScan LIDE 500F, (+ einige Entbehrliche)

Ich glaube, High Sierra bleibt bei mir länger.
+3
Mendel Kucharzeck
Mendel Kucharzeck12.04.18 10:41
Sindbad
Erstmal abwarten, was die "Kompromisse" in macOS 10.14 sein werden, die man mit 32-Bit-Apps eingeht. Apple hat noch nichts genaues verlauten lassen, was genau das bedeutet.
0
cfkane12.04.18 11:02
Nun wird's also langsam ernst.
Muß heute Abend daheim erstmal gucken, welche meiner Programme noch 32bit sind.
Wenn's CS5 oder Office 2011 sind, dann wird wohl 10.12/13 auf ziemlich lange Sicht mein höchstes macOS bleiben. (Falls Apple die 32bitter so radikal aussperren wird wie bei iOS, wo ich auch bei 10.2 hängenbleibe.)
+1
NikNik12.04.18 11:08
cfkane
Office 2011 sind, dann wird wohl 10.12/13 auf ziemlich lange Sicht mein höchstes macOS bleiben.

Office 2011 wird auf 10.13 auch schon offiziell nicht mehr unterstützt. Startet wohl aber noch.

Wir warten hier auch noch wie der ganze Clusterfuck seitens Apple so ausgeht und dann wird entschieden ob es bei Apple bleibt oder auf Windows gewechselt wird. Neukauf sämtlicher Software wird ja so oder so erzwungen.
0
tranquillity
tranquillity12.04.18 11:15
Wenn in 10.14 wirklich 32bit gestorben ist, werde ich auch bei 10.13 bleiben müssen.
+4
cfkane12.04.18 11:23
NikNik
cfkane
Office 2011 sind, dann wird wohl 10.12/13 auf ziemlich lange Sicht mein höchstes macOS bleiben.

Office 2011 wird auf 10.13 auch schon offiziell nicht mehr unterstützt. Startet wohl aber noch.
Danke für den Hinweis. Bislang läuft mein Airbook noch unter 10.12.
0
Sindbad12.04.18 12:18
Office 2016 Mac ist mehr "Mac-like" und läuft auch besser als 2011.
Seit Office 2016 habe ich meinen Frieden mit Office geschlossen.
+1
Deichkind12.04.18 13:09
Laut dem von MTN zitierten Support-Dokument erscheint die Warnung nur einmal.
Nachtrag: Meint vielleicht: nach jedem Start einmal.

Beim Start des DVD-Players erschien sie hier bisher nicht. Das Framework DVD-Playback liegt schon als 64bit-Version vor, nur die App selber noch nicht.
0
BeatWalker12.04.18 19:03
Mich nervt gerade, dass diese Meldung 'plötzlich' erscheint und nicht schon nachdem das Update installiert wurde.
Ich habe das Update auf einem Testgerät installiert und ein paar 32Bit Programme gestartet. Als keine Meldungen erschienen, habe ich am 2.4. das Update auch auf meiner Produktionsmaschine installiert. Auch dort erschienen keine Meldungen. Super.

Und nun plötzlich aus heiterem Himmel zehn Tag später die Meldungen. Wie soll ich da ein Update testen?

Ein Glück hat sunni geschrieben wie ich die Meldung unterdrücken kann. Danke!
macOS 10.13 wird bei mir jedenfalls lange laufen. 10.14 wird wohl nicht installiert.
+1
HerrDerSpiele12.04.18 19:33
Alle Rasche`s Kartenspiele 1, 2 und 3 (Skat, Doppelkopf und Schafkopf) sind 32bit unter Carbon.
0
Fröschl
Fröschl12.04.18 21:23
GoToMeeting ist auch 32bit!
0
AppleUser2013
AppleUser201312.04.18 22:41
ich selber muss leider bei 10.12 bleiben... Logic Pro 9 (obwohl auch als 64bit vorhanden) funktioniert nicht mehr... Und bis ich alle Projekte auf Logic X portiert habe, vergeht noch einige Zeit...
Das Apple ihre eigenen Apps "rausschmeißt" finde ich schade...
0
SK8T12.04.18 23:44
Was für ein Blödsinn – also ich finde das tatsächlich skandalös. Ich bin vor einiger Zeit schon auf Windows gewechselt. Genau aus diesem Grund. Apple nimmt dem System Möglicheiten und Features, ohne das es dafür eine Notwendigkeit gibt.

Es gibt sicherlich viele ältere Apps, die in dem ein oder anderem Spezielfall einen super Job tun, aber nicht mehr gepflegt werden (oder es müssen).

Schön wäre eine Plattform der Möglichkeiten. Apple schafft derweiln ein System im Vacuum.
+1
pp8113.04.18 05:31
Es war immer Apples Stärke, alte Zöpfe früh abzuschneiden. Ja, das ist vereinzelt sehr nervig und kostet Geld. Aber es hat letztlich auch oft dazu geführt, dass die Plattform sich nicht mit Probleme plagen muss, die man in der Windows-Welt schon seit Ewigkeiten hat und bei denen sich nichts getan hat.
-1
gfhfkgfhfk13.04.18 17:30
pp81
Es war immer Apples Stärke, alte Zöpfe früh abzuschneiden.
Das wurde erst seit der Rückkehr von Jobs so eingeführt. Unter dem klassischen Mac System wurde nie mit Vorsatz Software unbrauchbar gemacht, damit sie nicht mehr lief. Deshalb kann man etwa ein Photoshop 1.0 auch noch unter MacOS X 10.4 in der BlueBox auf einem PowerMac ausführen.

Bei der Einstellung des 32Bit Modus geht es meinens Erachtens mehr darum, dass Apple Carbon eliminieren will. Carbon ist der Überbleibsel des alten MacOS (eigentlich von A/UX) und das muss nun weg.
+1
ratti13.04.18 17:47
Wenn eine Komplettabschaltung käme, würde auf meinem Rechner Software nicht mehr laufen, die einen vierstelligen Wert in Euro hat und problemlos läuft.

Wollen die eigentlich nur noch YouTube-Stars als Kunden haben?
+1

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