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Test KEF LS Luxe: Musikstreaming ohne Ecken und Kanten

KEF LS Luxe: Aufstellung, Klang und Fazit

Beim Thema Aufstellung möchte ich zunächst die optionalen Standfüße erwähnen. Die schweren, gut verarbeiteten Stands bestehen aus je drei Teilen (Säule, Fußplatte, Kopfplatte) und passen optisch gut zu allen Farbvarianten der LS Luxe. Für die zugehörigen Spikes/Cones liegen Untersetzer als Bodenschoner bei. Damit die auf je vier Spikes ruhenden Ständer wackelfrei und senkrecht stehen, muss gegebenenfalls mindestens ein Spike etwas heraus gedreht werden, um eine Bodenunebenheit auszugleichen. Da dieser Spike dann nur lose im Gewinde steckt, liegen zusätzlich kleine Madenschrauben bei. Damit lassen sich gelöste Spikes durch ein kleines seitliches Gewinde fixieren.


Die Lautsprecher selbst werden mit je zwei kurzen Senkkopf-Inbusschrauben auf der Kopfplatte befestigt.

Meine Hauptkritik an den Stands ist ihr Preis. 900 Euro sind eine steile Ansage. Es gibt ähnlich gut verarbeitete Stands anderer Hersteller für mehrere hundert Euro weniger. Wer optisch und mechanisch exakt passende Standfüße haben will, kommt an den KEF-Originalen aber kaum vorbei. Damit rücken die LS Luxe dann preislich schon deutlich näher an die Standlautsprecher LS60W.

Auch die Aufstellung auf Side- oder Lowboards ist eine Option. Viele der Werbebilder zeigen die Speaker so. Das sieht schick aus und es gibt mit dem Desk-Mode auch einen Klang-Preset für diese Aufstellungsart. Für die Zukunft würde ich mir von KEF aber noch optisch passende Desk-Stands wünschen, die die Speaker mindestens 10 cm anliften und vielleicht auch etwas Anwinkelung zulassen.

Der Klang ist entscheidend…
… hört und liest man immer wieder. Aber ist das wirklich so? Ich behaupte mal ganz frech, dass ein nicht unerheblicher Teil aller Käufer am Ende der Optik der Lautsprecher einen höheren Stellenwert als dem Klang einräumt. Aber auch die freuen sich natürlich, wenn die Lautsprecher trotzdem richtig gut klingen. Die LS Luxe sind optisch auf jeden Fall schon mal eine Wucht, wenn auch extrem polarisierend. – Love or Hate.

Beim Klangtest hatte ich nichts anderes als eine deutliche Steigerung gegenüber den letzten von mir im selben Raum getesteten KEF LS-Serie-Boxen erwartet. Das waren die LS50WII. Und die hatten mich klanglich schon sehr abgeholt. Die ersten Hörversuche mit den LS Luxe verliefen allerdings eher enttäuschend.

Das lag an zwei Umständen: Erstens erwies sich die Aufstellung der LS Luxe auf ihren Standfüßen direkt neben meinen Referenzlautsprechern als nicht ideal. Die KEF brauchen insbesondere nach außen hin möglichst viel Luft zum Atmen. Also sollten sie möglichst nicht zu nah an Seitenwände oder andere Begrenzungen gestellt werden. Zweitens: Der Vergleich mit meinen Wilson Audio Sabrina V an hochwertiger Elektronik von Moon erwies sich als ein zu riesiger Klassenunterschied. Das war mir durchaus vorher klar, doch zur ungefähren Einordnung ist auch ein solcher Vergleich meine bevorzugte Methode für eine erste Einordnung. Darüber hinaus brauchen die LS Luxe eine angemessene Einspielzeit (möglichst mehrere Tage), bevor sie im Hochton eine gewisse Rauigkeit und Härte ablegen.


Es war klar, die LS Luxe mussten anderenorts mit angemessener Aufstellung zeigen, was tatsächlich in ihnen steckt. Und das gelang in zwei Konfigurationen. Einerseits freistehend in einem anderen Raum (der größer und nicht mal akustisch optimiert ist, wie mein Haupthörraum) und andererseits auf dem Desktop, also im Nahfeld.

Ohne störende seitliche Wände, größere Objekte oder andere Lautsprecher daneben erstrahlten die LS Luxe in der erhofften Frische und punkteten mit einer Ehrlichkeit, für die ich KEFs Uni-Q-Treiber schon seit langem liebe.

Die rundlichen Speaker brauchen demnach viel Sorgfalt bei der Aufstellung. – Was aber für die meisten Lautsprecher gilt. Ohne vernünftige Rahmenbedingungen verschenkt man stets Potenzial. Das dürfte diejenigen enttäuschen, die hofften, die LS Luxe könnten als Designobjekte und dank DSP einfach da im Raum platziert werden, wo sie optisch am meisten hermachen. Nein, die LS Luxe sind waschechte HiFi-Speaker, deren Aufstellung sorgfältig bedacht werden muss.

Zur Belohnung erhält man dann aber neben der bekannten Frische und „Punktgenauigkeit“ der Abbildung eine Bassperformance, die an kleine bis mittlere Standlautsprecher erinnert. An dieser Stelle werden sicher wieder Einwände von Devialet-Fans kommen, deren Phantom Ultimate (6.600 Euro/Paar) mit einem irren Tiefgang bis zu 14 Hz (-6 dB) aufwartet. Zumindest laut Herstellerangaben. Aber ich habe bisher keine Phantom gehört, die die selben feinstofflichen Qualitäten der LS Luxe bietet, die auch ohne Erdbebenbässe sehr erwachsen klingen. Mehr geht immer durch externe Subwoofer, von denen hier zwei angeschlossen werden können, aber das steigert natürlich auch die Kosten und erhöht den Schwierigkeitsgrad bei der optimalen Einstellung des Systems. Oder man überlegt stattdessen gleich die Anschaffung der Standlautsprecher LS60W, deren Design auch schick ist, aber eben nicht so avantgardistisch, wie die LS Luxe.

Auch der Hörtest am Desktop überzeugte. Hier habe ich zusätzlich einen flachen Nubert XW800slim Subwoofer angeschlossen, was dem System auch bei niedrigerem Pegel zu mehr Substanz verhalf. Besonders überzeugend hier war aber mal wieder dank des Uni-Q-Treibers die herrlich präzise Bühnenabbildung zwischen den Lautsprechern und ihre wunderbar frisch wirkende Auflösung.


Trotz des Monitors und einiger Komponenten zwischen den Boxen (die Komponenten wären natürlich bei alleinigem Betrieb der LS Luxe nicht vorhanden) sorgte ihre gleichmäßigen Abstrahlcharakteristik für einen weiten Hörbereich vor den Speakern. Schließlich bewegt man sich relativ zum Abstand in so einer Aufstellung recht weit vor den Speakern hin und her. Dabei kommt es zu tonalen Veränderungen, die mit den LS Luxe zwar nicht gänzlich ausbleiben, aber sehr erträglich bleiben.

Noch ein hervorzuhebender Aspekt ist die – im Vergleich zu ihrer Größe – hohe unverzerrte Maximallautstärke. Nicht, dass ich Lautsprecher wie diese explizit für Pegelorgien empfehlen würde, aber die KEF spielen auch bei höheren Lautstärken angenehm entspannt, verzerrungsarm und damit weniger belastend.


Fazit: Top Designobjekte mit Klangtalent
Die Summe aller Eigenschaften der KEF LS Luxe macht diese Streaminglautsprecher zu einer besonderen Empfehlung für all diejenigen, die ein optisch außergewöhnliches, modern gestyltes All-In-One-Lautsprechersystem suchen, das zugleich sehr erwachsen klingt und pegelfest ist, gleichzeitig aber auch fein und kultiviert klingen kann. Die LS Luxe schaffen den Spagat. – Sofern man sich bei der Aufstellung nicht gänzlich optischen Präferenzen unterwirft und die Raumakustik angemessen berücksichtigt.

Wer mag, kann sie um zusätzliche Subwoofer erweitern. In dem Fall sollten alternativ aber auch die Standlautsprecher LS60W in Betracht gezogen werden. Die optionalen Standfüße sind absolut zu empfehlen, wenn es nicht zwingend eine Aufstellung im Regal oder auf dem Side-/Lowboard sein soll. Wenn die nur nicht so teuer wären. Aber betrachten sie die Standfüße doch als Verhandlungsmasse beim Kauf im Fachhandel.

Damit, und mit ihrem Kaufpreis von 4.000 Euro, gehören die KEF LS Luxe sicherlich zu den luxuriösesten Angeboten auf dem Gebiet der kompakten Alleskönner-Lautsprecher. Und auch zu den Besten.


Plus/Minus KEF LS Luxe
+ hochklassige Verarbeitung
+ prickelnd transparent und räumlich
+ erstaunliches Tieftonfundament für die Größe
+ sehr Pegelfest
+ avantgardistisches, sehr modernes Design
+ komfortable Bedienung, zuverlässiger Betrieb
+ Signalübertragung wahlweise kabellos oder kabelgebunden
+ optional 2 Subwoofer einfach einzubinden
+ Status-LED konfigurierbar/abschaltbar im Standby
+ eleganter Sockel-Übergang zum Stand


– Fernbedienung dürfe Bluetooth sein (IR-Sensor könnte entfallen)
– Farbcodes der Status-LED schwer zu merken
– Fernbedienung: runde, ungleichmäßige Unterseite erschwert Tischbedienung
– optionale Standfüße teuer
– kein USB-Audio
– flackernde Traffic-LEDs am LAN-Port nicht abschaltbar (aber nicht sehr hell)

Kommentare

Monosde05.09.26 09:10
Die KEF Standfüße sind an Hässlichkeit kaum zu überbieten. Damit macht man sich das elegante Design der Lautsprecher kaputt.
+2
pit1958ffm
pit1958ffm05.09.26 09:50
Monosde
Die KEF Standfüße sind an Hässlichkeit kaum zu überbieten. Damit macht man sich das elegante Design der Lautsprecher kaputt.

Die "Boxen" selbst sind für mich auch nicht gerade eine Augenweide...
+6
Quickmix
Quickmix05.09.26 12:15
Starke Lautsprecher, danke
0
TorstenW05.09.26 12:26
Artikel
Am Minus-6-db-Punkt stehen 35 Hz untere Grenzfrequenz zu Buche, was für die Größe ein sehr guter Wert ist. – Zum Vergleich: Bei der LS50 W II ist spätestens bei 40 Hz (-6dB) das untere Ende der Fahnenstange erreicht.

Um etwas Kontext zu geben:
Der Unterschied bedeutet in der Praxis, dass die LS Luxe noch das D spielen können, während die LS50 "nur" bis zum E runterkommen. Es ist also ein Unterschied von gerade mal einem einzigen Ton und dürfte in der Praxis einfach vollkommen irrelevant sein.
Der Unterschied zu den Devialet, die bis knapp 20Hz runterspielen ist signifikant, weil das fast einer Oktave entspricht, aber 40 oder 35Hz wird niemand ernsthaft wahrnehmen.
+4
AlexderK05.09.26 12:29
Feinstofflichkeit im Klang ist ja ein wunderbarer Ausdruck!
Kein usb Audio ist absolut unter aller Sau, bei dem Preis. Optik liegt wohl im Auge des Betrachters, und schon meine ls50 waren nicht gerade hübsch aber toll anzuhören.

Naja. Da findet man wohl Preis leistung wo anders besser, aber sie werden sich auch verkaufen.
+1
Huba05.09.26 14:11
Ist dein Lieblings-und Referenzlautsprecher nicht von Børresen? Zumal er doch auch noch viel schöner ist als dieses Dingens von Wilson Audio…
Aber danke für den interessanten Test — auch wenn diese KEF für mich „out of budget“ sind.
0
Pallllo05.09.26 14:32
Dieses Prinzip der kontrollierten Lautsprecherbewegung gab es schon in den 70er Jahren bei Philips: diese aktiven Lautsprecher hatten „MFB Motional Feedback“ was aus meiner Sicht im Prinzip dasselbe ist bei diesen brandneuen KEF.
Hier gibt es Infos zu dieser Technik von damals:
+2
sonorman
sonorman05.09.26 15:08
Huba

So etwas wie einen ewig besten Lautsprecher gibt es für mich nicht. Es geht immer noch ein bisschen mehr. Die Sabrina V gefallen mir in der Summe aller Eigenschaften noch etwas besser als die Børresen und sie harmonieren auch noch ein bisschen besser mit meinem Raum. Daher sind sie meine aktuelle Arbeitsreferenz. Die Børresen habe ich aber auch noch in einem anderen Raum. Ich konnte mich von ihnen bisher nicht trennen.

Übrigens gefallen mir die Wilson auch optisch auf ihre Art genauso gut. Es ist halt nur eine gänzlich andere Ansprache, aber ich beschränke meinen Geschmack nicht auf nur eine bestimmte optische Linie. Vielfalt ist Trumpf!

PS: Was natürlich nicht heißt, dass ich jedes Design mag. Ein Beispiel für Lautsprecher die ich richtig hässlich finde, ist morgen im TechTicker zu finden.

Pallllo
Sagte ich doch:
Artikel
Die Idee solcher Membrangegekopplungen ist alles andere als neu.
Aber die technischen Möglichkeiten sind heute doch andere.
0

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