KEF LS Luxe: Koaxiale Evolution und RegeltechnikÜber viele Jahre hat KEF seine Kompetenz im Bau koaxial aufgebauter Schallwandler ausgebaut. Inwischen sind wir bei der 12. Generation der Uni-Q-Treiber, wie KEF sie nennt, angekommen, bei denen sich eine Tief-/Mitteltommenbran mit einem im Zentrum platzierten Kalottenhochtöner um die Darstellung des (fast) gesamten hörbaren Spektrums kümmert. Die Anordnung sorgt im Gegensatz zu Mehrwegesystemen mit versetzt angeordneten Treibern für eine quasi punktförmige Abstrahlung aller Frequenzen, was das Timing erleichtert und ein gleichmäßiges Abstrahlverhalten fördert.
Koaxialwandler gibt es natürlich nicht nur von KEF, aber kaum ein anderer Hersteller hat dieses Prinzip mit einer derartigen Akribie und Feinarbeit immer weiter optimiert. Ihr ursprüngliches Manko, nämlich stets verfärbt und nasal zu klingen (bedingt durch die Trichterform des Mitteltöners um den Tweeter), haben sie längst abgelegt. In den heutigen Generationen geht es viel mehr darum, den Wandlern noch mehr Feinheiten und zugleich mehr Tieftonenergie zu entlocken.
Dazu hat KEF den Uni-Q in den LS Luxe zunächst auf 16,5 cm Durchmesser vergrößert. (Gemessen über den gesamten Korb. Der effektive Membrandurchmesser beträgt nur 12,5 cm.) Mehr Fläche plus vergrößerter Hub helfen dabei die untere Grenzfrequenz der Lautsprecher zu senken. Im Hochton kommt hinter einer Titankalotte weiterhin die in der letzten Generation entwickelte und einzigartige MAT (Metamaterial Absorption Technology) zum Einsatz. (Mehr dazu im
Test der LS50 Wireless II.) Hinzugekommen ist außerdem eine mechanische Entkopplung des Chassis vom Gehäuse, um Vibrationen der Schallwand zu minimieren, die sonst zu hörbaren Verzerrungen führen könnten.
Eine der wesentlichsten Neuerungen sitzt aber in der Elektronik der Aktivlautsprecher. KEF setzt bei den LS Luxe eine spezielle Gegenkopplungsschaltung für die Treiber namens „Velocity Control“ (VECO) ein. Die wurde ursprünglich für die XIO-Soundbar entwickelt, ist hier aber noch mal deutlich weiterentwickelt bzw. für das andere Lautsprecherkonzept optimiert worden. Das Ziel ist, aus den relativ kompakten Gehäusen einen möglichst erwachsenen und dennoch kultivierten Bass zu zaubern.
Im Forum bzw. auch in den Kommentaren bei der Vorstellung der LS Luxe gab es diesbezüglich sofort Verweise auf ein anderes Konzept, das mit maximalem Bass aus minimaler Gehäusegröße wirbt. Nämlich die
Devialet Phantom-Serie. Diesen Vergleich möchte ich an dieser Stelle quasi im Keim abwürgen, denn er ist nicht ganz zielführend. KEF hatte mit den LS Luxe nicht vor, dieselben Bassenergien und unteren Grenzfrequenzen wie etwa die Phantom Ultra zu bieten. Das geht schon allein aus dem Treiberkonzept hervor. Wo Devialet mit zwei extrem langhubigen, im einem geschlossenen Gehäuse pumpenden „Basskolben“ arbeitet, bleibt KEF in den LS Luxe dem eher puristischen Konzept mit nur einem Koax-Treiber mit Bassreflex-Unterstützung treu. Das Zeil war zwar mehr Tiefgang und Bassenergie zu erreichen, aber nicht auf Gedeih und Verderb, um etwa der Devialet Konkurrenz zu machen, sondern um einen möglichst kompakten Lautsprecher zu entwickeln, der gleichzeitig fein und präzise, zugleich jedoch ordentlich ausgewachsen im Bass klingt.
Wer noch mehr Tieftonenergie will, kann in zusätzliche Subwoofer wie den KC62 investieren, oder sollte sich bei KEF eher die sehr schlanken Standlautsprecher LS60 Wireless anschauen.
Auch sonst sind direkte Vergleiche mit den Devialet schwierig, wie die folgende Tabelle zeigt:
| | KEF LS Luxe | KEF LS60 | Devialet Phantom Ultimate 108 dB | Devialet Phantom Ultimate 98 dB |
| Preis pro Paar | 4.000€ | 5.499€ | 6.600€ Remote: 189€ | 3.200€ Remote: 189€ |
| Frequenzbereich (+/- 6 dB) | 35 Hz - 47 kHz | 26 Hz - 36 kHz | 14 Hz - 35 kHz | 18 Hz - 25 kHz |
| Maximalpegel | 110 dB | 108 dB | 108 dB | 98 dB |
| Abmessungen (HBT) | 336 x 223 x 298 mm (≈22,32 L*) | 1042 x 130 x 321 mm ohne Sockel (≈43,48 L*) | 255 x 246 x 342 mm (≈21,42 L*) | 168 x 157 x 219 mm (≈5,78 L*) |
| Gewicht pro Box: | ca. 10 kg | ca. 31 kg | 11,1 kg | 4,3 kg |
| Farbvarianten | 3 | 4 | 4 + Sonderversion Roland Garos | 4 + Sonderversion Roland Garos |
*kalkulatorischer Wert, abzgl. innere Komponenten, Wandstärken etc.Eine weitere ausgefallene Technik in den LS Luxe nennt sich VECO. („Velocity Control“). Dabei handelt es sich um eine ausgefallene Treibergegenkopplung mit einem geschlossenen Feedback-Verstärkungssystem und Geschwindigkeitssensor, sowie einer speziell angepassten Stromverstärkerstufe.
Als Geschwindigkeitssensor hat KEF eine spezielle Induktionsspule am Schwingspulenträger untergebracht, die mit Hilfe vier kleiner zusätzlicher Magnete die Bewegung der Membran misst. Das ermöglicht es der Schaltung, quasi in Echtzeit alle Abweichungen zwischen dem Eingangssignal und der Bewegung der Membran zu erfassen und zu korrigieren, bzw. gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Idee solcher Membrangegekopplungen ist alles andere als neu. In dieser ausgeklügelten Form aber schon. Das Ergebnis sei eine jederzeit makellose Klarheit und eine linearere, präzisere Basswiedergabe, so der Hersteller. Durch die Kombination aus größerer Membranfläche, mehr Gehäusevolumen und VECO erreichen die LS Luxe im Vergleich zur LS50WII eine merklich tiefer reichende Basswiedergabe, einen höheren Wirkungsgrad im Tieftonbereich und geringere Verzerrungen bei allen Wiedergabepegeln.
Ein wichtiger Baustein hierbei ist der Einsatz einer Stromverstärkung. Die meisten Lautsprechersysteme werden über spannungsgesteuerte Verstärker angetrieben. Dabei sind die Verstärker so ausgelegt, dass sie eine sehr niedrige Ausgangsimpedanz aufweisen. Das bedeutet, dass das Audiosignal als Spannung an den Lautsprecheranschlüssen anliegt und der vom Lautsprechertreiber aufgenommene Strom ausschließlich durch dessen elektrische Impedanz bestimmt wird.
Traditionelle Verstärker dieser Art regeln die Spannung, die an die Anschlüsse des Lautsprechertreibers angelegt wird, spielen jedoch keine Rolle bei der direkten Steuerung des Schwingspulenstroms. Dies ist insofern bemerkenswert, weil die vom Antriebssystem des Lautsprechers erzeugte Kraft direkt vom Schwingspulenstrom abhängt und nicht von der angelegten Spannung. In der Praxis ändert sich der Widerstand der Schwingspule mit der Temperatur, was die Impedanz des Treibers erhöht und den elektrischen Wirkungsgrad verringert. Zudem variiert die Induktivität der Schwingspule mit ihrer Position im Spalt und wird zusätzlich durch Nichtlinearitäten des Magnetfeldes beeinflusst. Bei Ansteuerung durch einen spannungsgesteuerten Verstärker verändern durch diese und weitere Faktoren den momentanen Strom in der Schwingspule, was zu wahrnehmbaren Verzerrungen führt.
Hier setzt die Stromverstärkung der KEF an: Die basiert auf dem Prinzip der direkten Steuerung des elektrischen Stroms, der an den Lautsprechertreiber abgegeben wird. Dies wird durch negative Stromrückkopplung erreicht, wodurch dem Treiber eine hohe Ausgangsimpedanz des Verstärkers vorgelegt wird und der Stromausgang in erster Linie vom Verstärker selbst und nicht vom Treiber bestimmt wird. Infolgedessen beeinflussen das elektrische und mechanische Verhalten des Treibers den Momentanstrom durch die Schwingspule nicht mehr, wodurch ein Großteil der strombedingten Verzerrungen deutlich reduziert wird. Das mindert Verzerrungen und thermische Kompression gleichermaßen, hat aber einen lästigen Peak im unteren Frequenzbereich zufolge, der zu extremen Verfärbungen führt. Mit der Kombination aus der oben genannten VECO Gegenkopplung und digitaler Frequenzgangkorrektur per DSP wird dieses Manko in der LS Luxe ausgebügelt.
Die Ausgangsleistung der Verstärker ist bei Aktivlautsprechern selten ein Thema, weil diese schon bei der Konstruktion auf das System und die gesetzten Ziele ausgelegt ist. Und sie lässt sich vom Verbraucher ohnehin nicht frei wählen. Man kriegt was man kauft. Dass in den LS Luxe pro Box 100 W Class-AB für die Höhen und 280W Class-D für den Tief-/Mittelton bereitstehen, ist daher nur eine Randbemerkung wert.
Die Speaker sollen einen
maximalen Schalldruckpegel von 110dB schaffen. Den Frequenzbereich gibt KEF mit 42 Hz – 28 kHz (±3dB) an. Am Minus-6-db-Punkt stehen 35 Hz untere Grenzfrequenz zu Buche, was für die Größe ein sehr guter Wert ist. – Zum Vergleich: Bei der LS50 W II ist spätestens bei 40 Hz (-6dB) das untere Ende der Fahnenstange erreicht.
Nutzer haben in den Settings der zugehörigen App die Möglichkeit, die Lautsprecher an die Aufstellung anzupassen. Jedoch nicht per Raumeinmessung mittels Mikrofon, wie es diverse andere Hersteller praktizieren, sondern lediglich über vorgefertigte Frequenzkorrekturkuven. Derer gibt es drei: einen Normalmodus (für freie Aufstellung), einen für Tischbenutzung (Sideboard, Schreibtisch etc.) und einen Modus für wandnahe Aufstellung. Darüber hinaus können die Höhen angepasst und der Bass in drei Stufen eingestellt werden. Damit kommen auch Nichtexperten schnell zu einem ordentlichen Klangergebnis.