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REWIND Themenausflug: Die deutschen Autobauer kommen langsam wieder in die Spur – Beispiel VW und BMW

Beispiel 2: BMW i3 Limousine

Die Rede ist vom Nachfolger des BMW i3 aus dem Jahr 2013, der eigentlich nie in die klassische 3er-Reihe der Bayern passte, mit dem sie aber als erster deutscher Autohersteller konsequent eine echte Elektro-Platform schufen und sich damit einen Vorsprung erarbeiteten. Was übrigens auch einer der Gründe ist, warum BMW bislang besser durch die Krise zu kommen zu scheint, als VW, Mercedes & Co. Deswegen, und weil BMW eine vernünftige mehrgleisige Produktionsstrategie verfolgte, statt überhastete Elektro-Umstiegs-Versprechen zu machen. So erzielte BMW laut einem Bericht auf tagesschau.de im ersten Quartal einen Gewinn von rund 1,7 Milliarden Euro - mehr als Mercedes-Benz und Volkswagen: Mercedes machte von Januar bis März unterm Strich 1,4 Milliarden, die Wolfsburger 1,6 Milliarden Euro Gewinn. Alle viel weniger als noch im letzten Jahr, doch BMW steht deutlich besser da. Auch wenn die Zahlen für solche „Wirtschaftsgiganten“ im Vergleich mit Apple (29,5 Mrd. Dollar, siehe hier) eher putzig klingen.

Zurück zur neuen BMW i3 Limousine. Dieses Auto ist der Hammer! Er ist das zweite Fahrzeug der sogenannten "Neuen Klasse" bei BMW, die ihren Ursprung in den frühen Sechzigern hat (Siehe Wikipedia). In der modernen Version kam zuerst der iX3, der aber die typische und von mir wenig geschätzte SUV-Form hat.


Anders als der ID. Polo weckt der ab Herbst konfigurierbare vollelektrische i3 aus München bei mir echte Begierden. Ich brauche ihn nicht. Soviel weiß ich schon. Da kommt viel eher der Polo in Frage. Aber schon seit Jahren habe ich nicht mehr so ein intensives Haben-Wollen-Gefühl für ein Auto erlebt. Sein komplett neues Design, das an die 2000er-Serie aus den Sechzigern angelehnt ist und in vielen künftigen BMW-Modellen wiederzufinden sein wird, ist aus meiner Sicht das mit Abstand schönste BMW-Design seit vielen Jahren. (Natürlich werden an dieser Stelle manche Aufschreien und behaupten, dass es häßlicher gar nicht gehe, aber das ist natürlich nur der typische Internet-Beißreflex und perlt an mir ab.) Der neue i3 ist in seiner Formensprache ein Geniestreich. Eine elegante, nicht zu hoch bauende, Coupé-ähnliche Linie, aber als Viertürer, mit sehr sportlichem Charakter. Typisch BMW. Zumindest so, wie ich mir BMW vorstelle. Vor allem die in den letzten Jahren immer mehr übertriebenen Monster-Nieren, sind mit der neuen Klasse hoffentlich bald kein Thema mehr.


Trotz der unglaublichen modernen Erscheinung mit geschickt implementierten Retro-Anleihen sieht auch der i3, wie der ID. Polo, wieder wie ein richtiges Auto aus und hat echten BMW-Charakter. Eigenständig ist hier das Schlüsselwort. Mehr als alle anderen mir bekannten E-Autos ist der neue i3 sofort als BMW erkennbar. (Und der Polo als Polo.) Dazu ist es technisch ein gewaltiger Fortschritt für BMW – auch wenn dieser schon mit der SUV-Variante iX3 begann.

Bis zu 900 km Reichweite nach WLTP stehen hier im (vorläufigen) Datenblatt. NEUNHUNDERT!?!? Ziehen wir mal die übliche Schummelspanne der WLTP-Messung ab, landen wir wohl bei realistischen 600 Kilometern, was immer noch eine Sensation für ein E-Auto dieser Klasse wäre. Dazu ist der i3 mit 800-V-Technik ausgestattet, die mit einer DC-Leistungen von bis zu 400 kW geladen werden kann (entsprechende Ladesäulen mal vorausgesetzt). 10 Minuten Laden würde damit für rund 400 km reichen. Damit verlieren selbst Langstrecken mit dem E-Auto deutlich an Schrecken.


Der zunächst erscheinende BMW i3 50 xDrive (Allrad) ist einer höher ausgestattete Variante und leistet bis zu 345 kW/469 PS. Später kommen kleinere Ausstattungsvarianten hinzu, und wie es scheint, wird BMW erstmals auch einen rein elektrischen M3 bringen. Das maximale Drehmoment des i3 50 xDrive liegt bei 645 Nm. Und natürlich ist der Wagen vollgestopft mit allem technischen Chi-Chi modernster Machart. Damit brauchen sich die Bayern auch nicht hinter den angeblich so führenden Chinesen zu verstecken. Zumal viele der Gimmicks in chinesischen Autos oft nicht wirklich im Detail zu Ende gedacht und ausgereift sind, oder nicht mal eine vernünftige deutsche Übersetzung bieten.

Der Preis für den neuen i3 steht noch nicht fest, wird sich aber sicher auf einem ähnlichen Niveau wie der iX3 bewegen, der ab 74.700 Euro in der Kaufpreisliste steht. Auch hier definitiv kein Schnäppchen und eher Oberklasse-Segment statt Mittelklasse. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass BMW mit dem i3 einen Hit landen wird und vielleicht ein Umdenken stattfinden lässt. Weg von dem üblen „Die deutsche Autoindustrie ist tot“-Gerede, hin zu einer etwas optimistischeren Zukunft für eine unserer Schlüsselindustrien, an der so unglaublich viel hängt. Ich glaube, wir stehen gar nicht so schlecht da, wenn ich mir diese beiden beispielhaft genannten Autos ansehe. Nur am Preisgefüge wird sich leider hierzulande nicht so viel ändern lassen. Wir haben nun mal keine chinesischen Arbeitsbedingungen. Mein Rat wäre trotzdem, wenn irgendwie möglich lieber mehr Geld in die Hand zu nehmen und ein deutsches Modell kaufen/mieten/leasen, als leichtfertig zu chinesischen Angeboten zu greifen und diese nur noch weiter zu bestärken.


Über die technischen Details der genannten Fahrzeuge habe ich hier bewusst wenig erzählt. Es gibt im Netz schließlich gefühlte tausend Video-Blogger, die scheinbar alle am selben Musterauto, im selben Raum die selben (vom Hersteller aufgelisteten) technischen Spezifikationen mit ihren eigenen Worten runterbeten.


Fazit: Der Wendepunkt?
Ich drücke fest die Daumen, dass Autos wie der VW ID. Polo und der BMW i3 nur der Anfang einer neuen deutschen Autorevolution sind, die bei uns wie anderswo in der Welt überzeugte Abnehmer finden wird und der Elektromobilität die nötigen Impulse verleihen, um schneller aus den fossilen Brennstoffen aussteigen zu können. Die Sache mit politischen Ideologien und Vorschriften übers Knie brechen zu wollen bringt nichts. Es müssen attraktive Angebote her. Dann läuft das alles ganz wie von selbst.

Kommentare

froyo5209.05.26 08:27
Der ID.Polo ist ein interessantes Auto, der BMW i3 viel zu teuer. Ich selbst fahre seit Jahren einen VW ID.3 (derzeit die aktuelle Version) und bereue das nicht. Der kommende VW ID.3 Neo geht dann die Richtung des ID.Polo. Werde demnächst dennoch auf den VW ID.Cross (kommt ab dem Juli) umsteigen, in welchem man etwas höher sitzt und somit auch das Einsteigen leichter fällt. Ich habe den Umstieg vom Verbrenner auf Elektro nie bereut, im Gegenteil, es gibt nichts Schöneres.
+4
Quickmix
Quickmix09.05.26 08:43
Ganz genau auch bei mir. Ich fahre seit Anfang 2023 nur noch elektrische Antriebe. Der Fun Faktor ist einfach unschlagbar für mich.
froyo52
Der ID.Polo ist ein interessantes Auto, der BMW i3 viel zu teuer. Ich selbst fahre seit Jahren einen VW ID.3 (derzeit die aktuelle Version) und bereue das nicht. Der kommende VW ID.3 Neo geht dann die Richtung des ID.Polo. Werde demnächst dennoch auf den VW ID.Cross (kommt ab dem Juli) umsteigen, in welchem man etwas höher sitzt und somit auch das Einsteigen leichter fällt. Ich habe den Umstieg vom Verbrenner auf Elektro nie bereut, im Gegenteil, es gibt nichts Schöneres.
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Bluebox3409.05.26 08:55
Als ich diesen Artikel anfing zu lesen, dachte ich mir so: also wenn er Beispiele bringt dann vermutlich den ID.Polo und den i3 Neue Klasse. Und siehe da…..:) P.s.: Ich fahre einen Cupra Born und das Einzige was nervt, ist der Spurhalteassistent der Pong spielt und vor jeder Fahrt ausgeschaltet wird. Ansonsten ist dieses Fahrzeug klasse und ich bereue keinen einzigen Tag. Stromern gehört die Zukunft, allein schon wegen dem Wirkungsgrad.
+1
molly7809.05.26 09:04
Sind seit 2021 umgestiegen den i3s hat meine Frau immer noch und pendelt damit täglich. Ein ein geiles Fahrgefühl.
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PeKaEm
PeKaEm09.05.26 09:11
Sehr gutes Plädoyer für den elektrischen Abtrieb! Es gibt dazu in fast allen Belangen keine bessere Alternative.
Nur leider sind gerade die E-Modelle von BMW so unfassbar hässlich! Mein 530xd (F10) war dagegen wunderschön.😏
-1
System 6.0.1
System 6.0.109.05.26 09:30
Stromern gehört die Zukunft, alleine schon wegen des Wirkungsgrades.

Ich besitze ein Fahrzeug (Verbrenner) und möchte einen weiteren Punkt einbringen: Der Individualverkehr an sich ist ein riesiges Problem. Besonders in den Städten. Und nicht nur der private Individualverkehr.

Ich kann die Faszination Auto gut verstehen, keine Frage. Aber unser Lebensraum wird vom Automobil regelrecht beherrscht. Und das zunehmend von Fahrzeugen, die mehrere Tonnen schwer eine Person von rund 0,1 Tonnen transportieren soll, und gleichzeitig den Schimpfnamen „Straßenpanzer“ immer mehr gerecht werden.

Der gewerbliche Individualverkehr sorgt, aus Mangel an ernstzunehmenden Alternativen, für übervolle Fernstraßen.

Alles das ist weder effektiv, noch eine elegante Lösung, an der auch die Antriebsart nur wenig ändert. Ich habe als Kind noch auf der Straße gespielt. Das sehe ich seit 25 Jahren kaum noch.

Es mag Gegenden geben, wo das anders ist, die ändern aber nichts an der Gesamtsituation.

Was hier hilft ist IMHO eine Abkehr vom Individualverkehr in den Städten — je größer/voller die Stadt, desto rigoroser. Innerstädtischer Verkehr muss von den zentralen Verkehrsadern bis in die Wohnbereiche hin zunehmend auf ÖPNV, Fahrrad und hin zu Fußwege verlegt werden.

Nochmal: Ich kann die Faszination Auto gut verstehen, keine Frage. Aber unser Lebensraum wird vom Automobil regelrecht beherrscht.

Mir scheint, das ist nicht gut. Weder für die Umwelt, noch für uns Menschen. Und schon garnicht für unser soziales Leben.

PS: Ich fände es angemessen, meinen Kommentar als Ganzes zu bewerten, und nicht gleich wegen eines unglücklich gewählten Wortes zum Tode zu verurteilen. Danke.
„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
+6
macfreakz09.05.26 09:38
BMW gefällt mir generell super, aber 75.000 Euro? So viel Geld investiere ich doch nicht in ein Auto mit rapidem Wertverlust. Ich weiß nicht, warum die Leute es doch kaufen… Leasing? Firmenwagen?
+3
42day09.05.26 10:05
Dieser Artikel stimmt doch sehr froh. Nun kommen die „Stromer“ in praktikableren Bereichen an. Nur die Preise sind angesichts der eigentlich geringeren Material- und Produktionskosten meiner Meinung nach (noch) überzogen. Mein nächstes Auto wird ganz sicher ein E-Auto. Natürlich würde man sich auch freuen, wenn die deutschen Strompreise sich zumindest auf den europäischen Durchschnitt reduzieren würden.
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CJuser09.05.26 10:14
Zum ID. Polo:
Ein großer Negativpunkt ist leider weiterhin die eher niedrige Ladeleistung aufgrund der 400V-Architektur. Das wird wohl auch weiterhin für viele der Grund sein, eher zur größeren Akkukapazität (ggf. sogar zum ID.3 Neo) zu greifen.
Der GTI wird übrigens nächste Woche (15.06.) vorgestellt. Ganz in Tradition zum damaligen GTI-Treffen am Wörthersee.

Zum i3 bzw. der BMW Neuen Klasse:
Es ist sehr erfreulich, dass man weiterhin eine Auswahl an Modellen anbietet. Selbst das es einen i3 Touring (Kombi) geben wird. Als letztes folgt der iX4 als SAC (SUV Coupé). Und alle auch mit einem „kleineren“ knapp 80 kWh Akku.
Die Sportabteilung hat sogar bereits gesagt, dass der kommende elektrische M3 ein besseres Handling haben wird, wie der Benziner M3.
Leider fallen zurzeit noch Modelle wie Coupé und Cabriolet - sollen aber angeblich als i4 kommen - vor allem Roadster hinten rüber. Mal abwarten, was sich da in den nächsten 10 Jahren noch tun wird.
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