Microsoft demonstriert: Browser-Performance unter iOS, wenn es nicht Apples WebKit sein muss


Lange Jahre war es verboten, in alternativen Browsern für iOS andere Engines als WebKit einzusetzen. Was inzwischen erlaubt ist, kommt jedoch in der Praxis nicht zur Anwendung, denn die Öffnung bezieht sich ausschließlich auf die EU. Microsoft hat jetzt konkrete Ergebnisse eines iOS-Browsers
veröffentlicht, der nicht auf Apples eigene WebKit-Engine setzt. Ein experimenteller Edge-Prototyp mit Blink erzielte demnach in mehreren Browserbenchmarks wesentlich höhere Werte als Safari. Im Speedometer-Benchmark erreichte der Blink-Browser einen Wert von 49,27 Punkten, während Safari auf 38,3 Punkte kam. Das entspricht einem Vorsprung von mehr als 28 Prozent.
Hohe Performance, aber noch frühe WerteAuch in anderen Disziplinen lag der Prototyp klar vorn. Beim JavaScript- und WebAssembly-Benchmark "JetStream 3" erreichte er 306,35 statt 270,9 Punkte, was einem Plus von rund 13 Prozent entspricht. Im Grafiktest "MotionMark 1.3.1" fiel der Abstand mit 4.773,52 zu 4.673,68 Punkten deutlich geringer aus und betrug rund 2,1 Prozent. Die Ergebnisse sollten dennoch nicht überbewertet werden. Microsoft spricht ausdrücklich von einem Forschungsprototypen und vorläufigen Messungen auf einem einzelnen Gerät – Speicherbedarf, Energieverbrauch oder tatsächlicher Einsatz im Alltag waren nicht Bestandteil der Testreihe.
Edge verwendet keine proprietäre Browserengine von Microsoft. Der Browser basiert seit 2019 auf dem Open-Source-Projekt Chromium und nutzt deshalb – genau wie Google Chrome – die Rendering-Engine Blink. Microsoft beteiligt sich zwar an deren Weiterentwicklung und ergänzt Edge um eigene Funktionen, Blink gehört aber nicht Microsoft allein.
Open Web Advocacy: Beleg, wie Nutzer unter den Vorgaben leidenDie Organisation Open Web Advocacy wertet die Resultate als Beleg dafür, dass iPhone-Nutzer über Jahre unter Apples WebKit-Pflicht gelitten haben. Microsoft zeigt, wie Blink mit Apples eigener Schnittstelle offenbar nicht nur funktioniert, sondern bereits in einem frühen Prototypen konkurrenzfähige bis überlegene Ergebnisse erzielt. Damit wird es schwieriger für Apple, das Ausbleiben alternativer Engines allein mit technischen Problemen zu erklären. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Vorgaben für Browserhersteller tatsächlich vor allem Sicherheit gewährleisten sollen – oder ob sie schlicht den Markteintritt konkurrierender Engines/Browser unnötig erschweren.
Apples Sicherheitsargumente – zumindest teilweise nachvollziehbarGanz von der Hand zu weisen sind Apples Argumente jedoch nicht. Wird aktuell eine kritische WebKit-Lücke entdeckt, kann Apple sie mit einem iOS- oder Sicherheitsupdate für Safari, Chrome, Edge, Firefox und alle eingebetteten Webansichten zugleich schließen. Browserengines gehören zu den gefährlichsten und komplexesten Komponenten eines Betriebssystems, immerhin verarbeiten sie ständig nicht vertrauenswürdigen Code aus dem Internet, darunter JavaScript, WebAssembly, Bilder, Schriftarten und zahlreiche Dateiformate.
Andererseits betreffen Schwachstellen derzeit auch immer viele Lösungen gleichzeitig – wohingegen das bei einem diversifizierten Markt nicht der Fall ist. Auf macOS, Windows und Android existieren mehrere Browser-Engines ebenfalls mit ihren eigenen Sicherheitsvorkehrungen wie Mehrprozessarchitektur, Site Isolation, Sandboxing und schnellen automatischen Updates – ohne dass diese Systeme deswegen grundsätzlich als unsicher zu bezeichnen wären. Apples eigener Umgang zeigt zudem, wie die Risiken technisch zu handhaben sind. Mit
BrowserEngineKit hat Apple eine Architektur geschaffen, die alternative Engines in getrennte, eingeschränkte Prozesse verlagert.