Federighi beantwortet, warum man Chatbots ablehnte – dennoch eine eigene Siri-App entwickelte


Bei der Suche nach den Gründen, warum Apple im KI-Bereich abgehängt wurde, schiebt man gern die Schuld auf den früheren KI-Chef Giannandrea – der seinen Posten bekanntlich inzwischen verloren hat. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn Federighi hatte generative KI gleichermaßen abgelehnt, bis es dann zum "ChatGPT-Schock" kam. Für Apples Umdenken, plötzlich doch massiv in KI zu investieren, sorgte damals angeblich die Präsentation von Microsofts Copilot, basierend auf OpenAI-Technologien. Dennoch blieb Apples Linie, dass man aus Siri keinen Chatbot vom Schlage der bekannten LLMs machen wolle, in der öffentlichen Darstellung bestehen. Daher überrascht es etwas, in Siri nun genau derlei Funktionen zu sehen und sogar eine eigenständige App zu erhalten.
Eigene App ja – aber kein Chatbot!Nach der WWDC 2025 hatten Federighi und Marketingchef Greg Joswiak Apples Ansatz noch ausdrücklich von klassischen Chatbots abgegrenzt. Jene Argumentation steht im Kontrast zur neuen Siri-App, die auf den ersten Blick wie Apples eigener Chatbot wirkt. Genau zu diesem scheinbaren Widerspruch hat sich Apples Softwarechef jetzt aber geäußert und widerspricht der Deutung. Apple sehe Siri weiterhin nicht als getrennten Ort für beliebige Plauderei, sondern als integrales, dialogfähiges Werkzeug innerhalb des Systems. Die App sei daher nicht der Kern des neuen Assistenten, sondern nur ein weiterer Zugangspunkt.
Der praktische Grund für die App liege laut Federighi in der Gesprächshistorie. Apple habe intern darüber diskutiert, wie Nutzer zu einer früheren Siri-Unterhaltung zurückkehren können, wenn sie diese fortsetzen oder erneut nachlesen möchten. Damit positioniert Apple die Siri-App eher als Archiv und Oberfläche für laufende Gespräche denn als eigenständiges Konkurrenzprodukt zu ChatGPT, Gemini oder Claude.
Widerspruch bleibt, aber es gibt deutliche UnterschiedeGanz verschwindet der Widerspruch allerdings nicht, denn Siri AI lässt sich durchaus als reiner Chatbot verwenden – und sieht auch so aus. Apples Unterscheidung liegt eher in der Systemintegration. Während klassische Chatbots meist als eigene App mit eigener Welt funktionieren, soll Siri AI Inhalte, Apps, Bildschirmkontext und persönliche Daten aus dem Betriebssystem heraus einbeziehen. Die Erklärung zeigt, wie vorsichtig Apple bei der Begrifflichkeit bleibt. Das Unternehmen will definitiv nicht so wirken, als habe es nach Jahren der Kritik einfach ChatGPT kopiert und eine eigene Chat-App gebaut.