Apple Card: Was Chase anders machen will, damit es nicht erneut zum Milliardengrab wird


Warum die Apple Card in den USA trotz hoher Kundenzufriedenheit ein finanzielles Debakel für die ausstellende Bank Goldman Sachs war, hatten wir schon mehrfach diskutiert. Inzwischen gibt es genauere Zahlen, welche die Problematik gut erklären. Den Daten zufolge lag der Anteil sogenannter "Subprime-Kreditnehmer" der Apple Card bei 34 Prozent – deutlich höher als etwa bei JPMorgan Chase (15 Prozent) und auch über dem Wert von Capital One (31 Prozent). Der Begriff beschreibt Kunden mit unterdurchschnittlicher Bonität und höherem Risiko von Zahlungsausfällen. Knapp 3 Prozent der Umsätze wurden demnach überhaupt nicht beglichen ("Charge-off rate"), was doppelt so viel wie der Marktdurchschnitt ist.
Auch von Apple gewünschte RisikenBerichten zufolge soll Goldman zudem weniger aggressiv und weniger erfolgreich bei der Eintreibung abgeschriebener Forderungen gewesen sein als andere Institute. Allerdings hing dies angeblich auch mit Apples Vorgaben zusammen, denn laxe Kreditvergabe sowie weiches Vorgehen gegen Schuldner ohne übliche Mahnverfahren waren Apple ein Anliegen. Wie das Wall Street Journal vor einigen Monaten
angab, mussten selbst solche Kunden durchgewunken werden, die nicht einmal von "Schrottkredit-Vermittlern" grünes Licht erhalten hätten.
...aber warum soll es dann mit Chase funktionieren?Das warf natürlich Fragen auf, wie es Chase bitte schaffen könne, mit der Apple Card nicht ebenfalls Milliarden in den Sand zu setzen. Der Finanzchef Jeremy Barnum
äußerte sich jetzt genau dazu. Subprime-Kunden machten derzeit rund 15 Prozent des bestehenden Chase-Portfolios aus. Angesichts der relativen Größe der Apple Card sei nicht zu erwarten, dass sich dieser Anteil signifikant erhöhe. Chase verfüge zudem über die nötigen Daten, Erfahrung und Infrastruktur, um das Portfolio erfolgreich zu integrieren. Außerdem: Mit Subprime kenne man sich aus und wisse, wie mit dem Geschäftsfeld umzugehen sei.
Details noch unbekanntEs ist zum aktuellen Zeitpunkt unbekannt, welche konkreten Anpassungen Chase vornehmen wird. Naheliegend wären strengere Kreditvergaben und veränderte Zinssätze – denn wenn letztere das Kreditrisiko adäquat widerspiegeln, sind auch überdurchschnittliche Ausfallraten nicht derart gravierend wie zuvor. Den momentan geltenden Bedingungen zufolge ziehen Finanzierungen je nach Bonität 19 bis 30 Prozent Zinsen nach sich. Was hierzulande unvorstellbar hoch klingt, zählt in den USA jedoch noch zu den vergleichsweise günstigen Angeboten. Apple verspricht derzeit nur, dass sich an den allgemeinen Konditionen wie Cashback, Verzicht auf Grundgebühr und verzinste Sparkonten nichts ändern soll. Zu einer internationalen Einführung äußerte man sich nicht – diese ist angesichts der Expansionspläne von Chase aber wesentlich wahrscheinlicher geworden.