Rechteckszwang in macOS Tahoe: App-Entwickler nutzen Workaround für Formenvielfalt


Apples plattformübergreifendes Redesign unter dem Titel „Liquid Glass“ brachte ein neues Format für App-Icons: Anstatt vorgefertigter pixelbasierter Dateien kommen vektorbasierte Symbole mit mehreren Ebenen und dynamischen Lichteffekten zum Einsatz. Entwickler gestalten mittels „Icon Composer“ aus vier Ebenengruppen ihre Symbole und entscheiden, wie sie sich in den verschiedenen Modi (Standard, Dunkel, Monochrom) verhalten. Damit einher ging allerdings eine Formvorschrift, die für macOS bisher nicht galt: Icons mussten ein abgerundetes Rechteck ausfüllen. Dies fanden nicht alle gut. Einige Entwickler haben einen Weg gefunden, dies zu umgehen.
Der Entwickler Tyler Hall berichtet in einem
Blog-Beitrag, wie ihn der Wunsch eines Anwenders dazu brachte, Apples Formatvorgabe für die Dockdarstellung zu umgehen. Seine alternative Medienverwaltung „Iris“ umfasst eine Dock-Kachel-Erweiterung; darauf weist macOS beim ersten Start der App hin. Wechselt man in den App-Einstellungen im Reiter „Special“ das App-Icon, erscheint fortan ein freigestelltes Icon im Dock – die Umrandung verschwindet.
Programme können ihr Icon im Dock verändern – und sogar freistellen.
Nicht im App StoreDies gelingt über das AppKit-Protokoll
NSDockTilePlugIn; dieses erlaubt die Veränderung eines Dock-Icons selbst in dem Fall, dass eine App aktuell nicht läuft. Dies ist eigentlich für Statusänderungen im Hintergrund vorgesehen, etwa um das aktuelle Datum im Icon einer Kalender-App anzuzeigen. Tyler Hall nutzt es, um sein App-Icon von den Beschränkungen des neuen Iconformats zu befreien (sofern Anwender dies wünschen). Dieses Protokoll ist zwar öffentlich, doch nicht für den Mac App Store freigegeben. Wer seine App über den vorinstallierten Software-Laden in macOS vertreiben will, muss auf diese Funktion verzichten. Der Videoplayer VLC benutzt
stattdessen "setApplicationIconImage", um im Dock ohne Umrandung zu erscheinen.
Kleine, aber feine App-AuswahlBereits im September 2026 hat der SSH- und Cloud-Browser Cyberduck begonnen, die strengen Icon-Regeln zu
umgehen. Obwohl das aktuelle Icon weitestgehend der Squircle-Vorgabe entspricht, ragt auf der Oberseite ein dezentes Dreieck heraus. Zudem bleibt das Enten-Icon leuchtendgelb mit orangem Schnabel, auch wenn der Anwender sich für eingefärbte oder transparente Icons entschieden hat. Auch der Texteditor
BBedit offeriert (abseits des App Stores) klassische freigestellte Icons für das Dock. Unter Settings/Appearance kann man zwischen Default, Classic, Legacy sowie TextWrangler wählen. Ganz konsistent scheint die Icon-Darstellung allerdings nicht von macOS beachtet zu werden: Im Dock erscheint die neu zugeschriebene Form zuverlässig; im per
aufgerufenen Programmwechsler ebenso. In App-Launcher sowie Finder schafft es derzeit nur BBedit, dem
Squircle Jail zu entkommen.
Per Dock-Kachel-Erweiterung modifizierte App-Icons bleiben auch im Monochrom-Modus bunt.