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Meinung zum "Suprise and Shine"-Event: Das Format funktioniert bei großen Neuerungen nicht

Das September-Event ist absolviert, erstmals unter der Leitung von John Ternus – wohingegen Apple die humorvolle Note einbaute, am Anfang doch noch einmal Tim Cook zu zeigen. Blickt man auf die Diskussionen rund um die Veranstaltung, so gibt es viel Lob. Barron's hebt beispielsweise hervor, dass der neue Apple-CEO präsenter als Cook in den letzten Jahren war und bewusst an Jobs erinnerte. Erst die These vom iPhone als "intelligent personal hub", dann Kritik an bisherigen Foldables und schließlich das "one more thing" für das iPhone Duo – eine deutlich produktzentriertere Art der Erzählung. Unnötige Längen gab es im Hochglanz-Video kaum und es dürfte sich um eine Veranstaltung handeln, an die man sich länger erinnert.


Mal wieder die Frage: Ist ein Werbevideo der beste Überbringer von Botschaften?
Allerdings bleibt ein Kritikpunkt, den wir so gestern auch redaktionsintern diskutierten: Die filmische Perfektion nimmt Apple inzwischen die Möglichkeit, Wichtigkeit durch die Form der Präsentation auszudrücken. Zu früheren Bühnenzeiten war eben nicht jede Funktion gleich. Ein CPU-Upgrade bekam ein Diagramm, eine wirklich wichtige Bedienidee oder massive Performance-Sprünge wurden auf der Bühne ausprobiert. Beim ersten iPhone war allein die Tatsache, dass Jobs vor Publikum scrollte, telefonierte, Maps bediente und Safari aufrief, Teil der Botschaft: "Das ist kein Konzeptvideo, das Ding tut das jetzt gerade". Jetzt hingegen lag der neue Herzsensor der Apple Watch dramaturgisch auf derselben Ebene wie das iPhone Duo.

Warum nicht zeigen, was man wirklich kann?
Apple konnte im Film zeigen, wie elegant zwei Apps nebeneinander laufen, wie die UI beim Falten reagiert oder wie das Gerät halb aufgeklappt auf dem Tisch steht. Erst die Hands-ons nach der Veranstaltung beantworteten dann die eigentlich spannenden Fragen: Ist die Falte wirklich kaum fühlbar? Hält das Scharnier verschiedene Winkel? Reagiert iOS tatsächlich zuverlässig auf die Lage? Genau diese Dinge hätten sich für eine Live-Demo geradezu angeboten. Die ersten Erfahrungsberichte zeigen deutlich, dass Apple offenbar durchaus das Vertrauen hätte haben können. Mehrere Tester loben gerade Scharnier, Softwareübergänge und geringe Faltenwahrnehmung – Ternus hätte das Duo gleichermaßen aus der Tasche ziehen, öffnen, eine App starten, eine zweite danebenwerfen, es halb zuklappen und auf den Tisch stellen können.


Perfekte Werbevideos können viel – aber eines nicht: Authentizität
Tendenziell sehen wir die Vorstellung daher als verpasste Chance an. Personen zur Vorstellung von Produkten stehen zwar im Vordergrund, die Geräte dürfen aber nur im Film erscheinen. So wie vor sechs Jahren das M1-Event schon die Tragweite des Chip-Umstiegs nur bedingt vermittelte – man erinnere sich an frühere "Mac vs. PC"-Duelle auf der Bühne – fehlte auch diesmal die authentische Note. Vor allem dann, wenn man wirklich etwas zu zeigen hat, das mehr als nur ein verbessertes Kamerasystem beinhaltet, gibt es wohl bessere Event-Formen. Wie die Zuschauer nach "echten Momenten" lechzten, spürte man vor Beginn der Ausstrahlung deutlich: Ternus wurde mit Standing Ovations und Jubel im Steve Jobs Theater empfangen – wie gerne hätte man ihn auch Produkte zeigen sehen.

Kommentare

Macbook_User10.09.26 17:24
Das neue Format ist nur langweilig. Zu glatt gebügelt und zu perfekt.
+18
RobRoy10.09.26 17:27
Seit Apple immer mehr neue Funktionen und Technologien entwickelt, die dann aber ausgerechnet in Deutschland oder auf bestimmten iPhones nicht verfügbar sind, und die iPhones meiner Meinung nach mittlerweile auch ziemlich teuer geworden sind, sind mir viele dieser Werbevideos eigentlich relativ egal. Ich ignoriere sie meistens, weil ich zwar vieles davon gerne hätte, es am Ende aber in Deutschland gar nicht verfügbar ist.

MTN fasst die Neuerungen allerdings immer gut und verständlich zusammen, sodass ich trotzdem gut auf dem Laufenden bleibe.

Wir sind eigentlich ein kompletter Apple-Haushalt, und gerade deshalb ist es immer wieder nervig, wenn selbst einfache Dinge nicht richtig funktionieren – zum Beispiel die Stimmerkennung bei meiner Frau.
+8
maikdrop10.09.26 17:40
Hmmm… Ich bin da anderer Meinung bzw. kann es vielleicht auch eine Generationenfrage sein. Ich kenn die “Mac vs. PC"-Duelle auf der Bühne gar nicht. Das muss ja dann vor über 20 Jahren gewesen sein!? Beim ersten iPhone haben sie Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, dass das irgendwie live funktioniert. Wenn ich mich recht erinnere, mussten die Apps in einer bestimmten Reihenfolge aufgerufen werden zusätzliche Sendemasten für den Mobilfunk hinter der Bühne. Ich z.B. vermisse so ne Live-Vorstellungen nicht. Es ist ja eh alles komplett vorbereitet und nicht “authentisch”. Da läuft im Zweifel ein angepasstes OS drauf.

Aber wenn ich an das runtergeratter von Phil Schiller denke oder die CEOs von Drittanbietern wie bei Spielen etc. dann brauch ich das nicht zurück. Live funktioniert, wenn du die Leute dazu hast. Federighi funktioniert live gut, andere weniger. Und den Live Demos in der Tiefe zu folgen, fand ich immer schwierig, weil es zu schnell war, wenn du nicht siehst wo und wann getippt wird. Ich persönlich find da keinen Mehrwert.
+6
Niederbayern
Niederbayern10.09.26 17:41
Ich finde aber auch das nur ein Steve Jobs die Fähigkeit hatte es live zu ner echten Show zu machen. Cook ist und war kein Entertainer und Ternus keine Ahnung. Wahrscheinlich würde man immer den Vergleich zu Jobs suchen wie er es (selbstbeweihräuchernd) präsentiert hätte
+1
DP_7010.09.26 17:42
Mein erster Eindruck von Ternus (als Chef) ist leider nicht besonders positiv. Im Grunde wirkt er fast wie ein zweiter Tim Cook, bieder und wenig talentiert Leute für ein Produkt zu begeistern.

Aber die Frage ist auch, ob das ein CEO unbedingt muss? Authentisch sein ja, aber eine Show abziehen, wenn man kein Showman ist (wie Steve Jobs) eher nein. Ist es nicht vielmehr ein Wunsch vieler Menschen, die die Hochzeit mit Steve mitgemacht haben, dass wieder so eine Art Messias auf der Bühne stehen möge, der uns begeistert. Es gibt charismatischere Menschen bei Apple aber JT scheint trotzdem ein geeigneter CEO zu sein, wie es eben auch TC war, auch wenn viele seine Art nicht mochten und der Feenzauber deutlich weniger über Apple liegt als früher. Einen zweiten Jobs gibt es nicht - trotzdem stimme ich zu, dass eine Live-Präsentation besser wäre. Gerne mit vielen Videos aber mit Live-Demos, mit kleinen Scherzen wie sie auch heute noch ein Craig Federighi kann oder früher ein Phil Schiller. Und vor allem ein bisschen mehr Ruhe und nicht so ein hohes Tempo, damit man sich auch mal in Ruhe begeistern kann für etwas.
+8
DP_7010.09.26 17:46
@maikdrop: Gute Punkte! Dennoch wirken die Video teilweise schon sehr glatt und langweilig und routiniert. So ne Mischung aus Teleshopping und Daily Soap.
+5
zcarsten10.09.26 17:52
Die Gestik von Ternus, vor allem auch die Hände zusammenfalten, hat mich ganz stark an Cook erinnert. Wenn man den Kopf ausgetauscht hätte, dann würde man kaum merken, dass nicht Cook auf der Bühne steht. Das kam mir als erstes in den Kopf.

Ternus hat wohl die letzte Zeit zu lange mit Cook zusammen gearbeitet 😄
+4
Johnny6510.09.26 18:08
zcarsten
Ternus hat wohl die letzte Zeit zu lange mit Cook zusammen gearbeitet 😄

Ich denke mal, das liegt eher daran, dass von Ternus bis hinunter zu den diversen Abteilungsleitern und Produktspezialisten alle dasselbe Medientraining erhalten haben und vermutlich auch derselbe Regisseur alle Videosegmente betreut hat.

Falls sich da bei Apple überhaupt wieder etwas ändern sollte, braucht das vermutlich noch Zeit. Gehe mal davon aus, dass Ternus in seinen ersten Wochen andere Prioritäten hatte als die vermeintlich bewährten Konzepte der Marketingabteilung infrage zu stellen.
+2
euha0110.09.26 18:15
Dies war die erste Show mit Ternus als CEO. Klar, dass hier kein bahnbrechendes neues Format zu erwarten war. Ich denke, wir lassen ihn in seine Rolle reinkommen und beurteilen Apple Shows in 12 Monaten. Just my 2 cents.
+3
Somasi10.09.26 18:16
Johnny65

Bin sehr sicher, dass dies so läuft. Ich hatte auch solche Schulungen und da wird man extrem auf die Armhaltung und Hände hingewiesen.
Das hat mit der Körpersprache zu tun und wie es beim Gegenüber ankommt.
Jedoch war ich immer der Meinung: Ja schön aber wirkt etwas künstlich und nicht so authentisch.
+4
Uschaurischuum!
Uschaurischuum!10.09.26 18:38
Mal kurz vorstellen: Ternus sagt "...one more thing" und dann gibt es für 30 Sekunden Applaus. Er lächelt und zeigt seine persönliche Freunde darüber.

Aber nein. Ternus sagt "...one more thing" und die kurze Pause danach ist gefüllt nicht NICHTS und dann kommt Werbung.

Alles sehr schade.
Brauchen wir alles was wir können?
+9
radneuerfinder
radneuerfinder10.09.26 19:04
Jetzt hingegen lag der neue Herzsensor der Apple Watch dramaturgisch auf derselben Ebene wie das iPhone Duo.

Es gibt auch so etwas wie Filmdramartugie. Wer die nicht anwendet, landet halt hier:
Macbook_User
Das neue Format ist nur langweilig. Zu glatt gebügelt und zu perfekt.

Auch eine Live-Bühnenshow könnte zu glatt gebügelt und zu perfekt sein.
0
macvideofan
macvideofan10.09.26 19:08
Apple wird für mich zunehmend zur Lachnummer. Es ist vollgepackt mit Technikblabla und Innovationen, die es nicht gibt, aber schön und langweilig präsentiert. Natürlich dürfen auch unzählige Buzzwords nicht fehlen. Zwar mögen viele Tim Cook loben, aber aus meiner Sicht hat er Apple von den Kunden entfernt und nur Optimierungen für das Unternehmen vorgenommen. Aus Anlegersicht mag das wunderbar sein, aber leider bin ich Kunde und überhaupt nicht glücklich darüber. Ich hoffe sehr, dass wieder mehr Steve Jobs Spirit Einzug halten wird und wir in Zukunft mit wirklich coolen Produkten rechnen dürfen.
+3
Nordelius10.09.26 19:16
Macbook_User
Das neue Format ist nur langweilig. Zu glatt gebügelt und zu perfekt.

Ich habe mich gestern gefragt, wie viel davon noch echt ist und wie viel AI bzw Green Screen oder eine Mischung aus beidem. Wir kennen alle die hohen Standards was Geheimhaltung angeht und dann sieht man eine Person mit dem neuen, auffälligen roten iPhone 18 Pro in einer Straße an einem Marktstand und drumherum laufen zig Menschen? Sowas fällt doch auf, vor allem, wenn die Person mit dem neuen Modell gefilmt und sicherlich perfekt ausgeleuchtet wird. Gleiches in der Bahnhofshalle...
+3
Uschaurischuum!
Uschaurischuum!10.09.26 19:33
Uschaurischuum!
Mal kurz vorstellen: Ternus sagt "...one more thing" und dann gibt es für 30 Sekunden Applaus. Er lächelt und zeigt seine persönliche Freunde darüber.

Aber nein. Ternus sagt "...one more thing" und die kurze Pause danach ist gefüllt nicht NICHTS und dann kommt Werbung.

Alles sehr schade.

Zur Verdeutlichung:

Brauchen wir alles was wir können?
+1
MLOS10.09.26 19:57
Ich fände es auch schöner, echte Live-Veranstaltungen zu verfolgen. Viel ruhiger, Features werden gezeigt und es wird einem wirklich das Gefühl des Geräts vermittelt.
Die Videos grasen alles immer schnell ab, ohne jegliche Emotion. Vielleicht ist das aber auch optisch dann sehr ansprechend und lässt die Kunden „ein Gefühl spüren“, das kann ich nicht sagen, ich verfolge es rein auditiv. Und da hat mich eine Live-Veranstaltung wesentlich mehr angesprochen.
0
ERNIE10.09.26 21:09
Bei den Bühnenshows von Steve wurde vor allem nicht nur gezeigt WAS geht, sondern auch WIE es geht.
0
LeFeudel10.09.26 21:32
ERNIE
Bei den Bühnenshows von Steve wurde vor allem nicht nur gezeigt WAS geht, sondern auch WIE es geht.
Wenn dann doch einmal was hakte, war Jobs abgebrüht. Da wurde die Panne souverän weg gelächelt und mit einer kurzen Bemerkung wie "That's why we have Backup Systems" gemeistert.

Oder Jobs werkelte an einer kleinen Kamera herum und warf diese schließlich ins Publikum, mit der Bemerkung "See, if You can make it work". Damit auf die teils fisselige Handhabung der Bedienelemente anspielend und dann den Vergleich zum iPhone mit Kamera bringend.
Diese kleinen Episoden machten die Präsentation noch lebendig, also wirklich "Live" und nicht so steril.
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