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"Meine E-Mail verbergen" erlaubt Rückschluss auf Original-Adresse – seit über einem Jahr

E-Mail-Adressen sind ein begehrtes Gut im Netz – beinahe jeder Dienst fordert beim Anmelden eine valide und bestätigte Kontaktmöglichkeit. Ob man dem Anbieter vertrauen kann, dass er die Adresse nicht an Werbetreibende weitergibt, stellt sich allerdings erst viel später heraus. Für jeden Anbieter von Hand ein eigenes E-Mail-Alias einzurichten, offenbart sich schnell als zeitaufwendig – weshalb es um so besser scheint, dass Apple dafür einen eigenen Automatismus integriert: „Meine E-Mail verbergen“ erfindet für jedes Portal eine Adresse im Hintergrund und kümmert sich um die Verwaltung. Doch offenbar hat dieses System eine Lücke: Ein Privatisierungsanbieter kann belegen, dass sich zu jeder so anonymisierten Adresse das Original herausfinden lässt.


Der Entdecker wandte sich an 404 Media, um die Lücke in Apples Anonymisierungsdienst zu belegen. Die Journalisten erzeugten eine neue Adresse, welche sie Tyler Murphy mitteilten, dem Mitgründer des Privatsphärendienstleisters EasyOptOuts und Entdecker der Lücke. Nach fünf Minuten antwortete er mit der offiziellen Haupt-Adresse des verknüpften Haupt-Accounts.

Neue Adressen entstehen automatisch im Browser oder werden in den iCloud-Einstellungen verwaltet.

Seit einem Jahr nicht behoben
Murphy wandte sich mit seiner Entdeckung an Apple. Der Konzern antwortete, dass man den Fehler untersuchen wolle. Das war im Juni 2025. Lange Zeit blieb es still. Doch im März meldeten sich Apples Entwickler mit der guten Nachricht, die entsprechenden Systeme seien angepasst worden, das Problem sei behoben. Murphy konnte dies nicht nachvollziehen – weiterhin war es ihm möglich, echte iCloud-Adressen zu ermitteln. Wieder nahm er Kontakt auf, wieder wurde eine Untersuchung angekündigt.

Weiterhin angepriesener Teil des Bezahlabonnements
Apple bittet den Entdecker wiederholt, nicht mit seiner Entdeckung an die Öffentlichkeit zu gehen, um die Sicherheit der Nutzer nicht zu gefährden. Im Mai versprechen Apples Entwickler eine Änderung „in den kommenden Wochen“. Nachdem über ein Jahr vergangen ist, hielt Murphy eine weitere Geheimhaltung für nicht mehr vertretbar. Gleichzeitig verriet er nicht im Detail, wie er die Adressen auskundschaftet. In der Zwischenzeit wirbt Apple durchgehend mit erweiterten Privatsphäre-Features für das Bezahlabonnement „iCloud+“.

Apple wirbt weiterhin mit dem Feature – obwohl dem Konzern die Sicherheitslücke bekannt ist. (Quelle: iCloud)

Apple kündigt Wechsel der Domain an
Bereits vor einigen Wochen kündigte Apple in der Entwicklerdokumentation an, eine Änderung an den Anonymisierungsfunktionen vorzunehmen: Die E-Mail-Adressen werden fortan unter der Domain „@private.icloud.com“ geführt; Bestandsadressen bleiben allerdings aktiv. Der Wechsel rief Kritik auf TechCrunch hervor: Die geänderte Subdomain erleichtert es Anbietern, anonymisierte Adressen zu erkennen und zu sperren.

Kommentare

System 6.0.101.07.26 17:16
😵‍💫
+3
gritsch01.07.26 18:02
Man fragt sich schon was die bei Apple teilweise so treiben.
+24
seekFFM01.07.26 18:49
Da fragt man sich, was man manche bei Apple so beruflich machen.
Den hätte ich maximal sechs Wochen gegeben und wäre an die Öffentlichkeit gegangen. Das ist eine gravierende Sicherheitslücke.
+22
macfori01.07.26 19:22
Ich würde gerne verstehen, wie das überhaupt funktioniert.
Mir ist nicht klar, ob ich's übersehen habe, aber im Artikel hier gibt's doch keinen Beleg und Fakten sondern nur Behauptungen.
Ich hätte gerne nur einen Hauch von Idee, wo die Lücke ansetzt.
+2
iBleedIn6Colors01.07.26 19:33
Der gutgläubige Depp. Ich würde sagen: Vor ihm haben das schon 400 andere rausgefunden und 390 von denen nutzen es seither täglich aus. Verheimlichen hilft niemand, das leistet der Kriminalität nur Vorschub. Niemanden informieren, auch nicht Apple. SOFORT PUBLIZIERREN!!!
Auch Apple wird das mitkriegen. Nochmal für alle hier zum Mitschreiben: Security by Obscurity funktioniert nicht, hat nie funktioniert, wird nie funktionieren, reduziert das Problem nicht, schützt nicht die Schützenswerten, ist böse, schlecht und hundsgemein für jedermann. Kein wenn, kein aber, keine Diskussion. Schwarz oder weiß, ganz simpel.
0
wi36801.07.26 19:35
Neue Mail-Verbergen zukünftig nur unter der Domain „@private.icloud.com“: Da kann Apple diesen Dienst mittelfristig einstellen, weil so eine Domain lässt sich als Einzeiler aussortieren beim Anbieter, der es auf echte antwortfähige Mailadressen abgesehen hat. Da müsste Apple schon parallel juristisches Lobbing betreiben, dass Anbieter kein Recht mehr haben auf eine antwortfähige Mailadresse oder eine Kampagne starten, dass Anbieter auch nicht antwortfähige Mailadressen akzeptieren (etwa über eigene Store-Regeln).
+8
Pallllo01.07.26 19:43
Als Nutzer hätte man ja was davon wenn diese Mails antwortfähig wären. Ich hab damit aber bisher keine einzige Antwort erhalten. Denn verbergen heißt ja nicht automatisch dass keiner darauf antworten kann.
Für mich ist das der größte Negativpunkt dieser an sich guten Funktion.
-5
oxid
oxid01.07.26 19:56
Cool Apple, dann brauch ich das ja nicht mehr verwenden
0
Dunnikin
Dunnikin01.07.26 20:07
macfori
Ich würde gerne verstehen, wie das überhaupt funktioniert.
Mir ist nicht klar, ob ich's übersehen habe, aber im Artikel hier gibt's doch keinen Beleg und Fakten sondern nur Behauptungen.
Ich hätte gerne nur einen Hauch von Idee, wo die Lücke ansetzt.

Es kann fast nur irgendwie aus einer Mail selbst (Header) in irgendeiner Art herausgefunden werden. Die Mails werden ja an die richtige Mailadresse weitergeleitet.

Und ich gehe davon aus, daß man das erst dann herausfinden kann, wenn Mails hin- und hergingen, wenn also eine Privacy-Mail weitergeleitet und mit dieser wieder geantwortet wurde.

Nur Vermutungen.
+2
xcomma01.07.26 21:56
macfori
doch keinen Beleg und Fakten sondern nur Behauptungen.
Apple hat (erfolglos) versucht das zu beheben. Wenn da nichts wäre, hätte sich Apple erst gar nicht bewegt. Die Berichterstattungen - über eine Bandbreite praktisch aller bekannten News Outlets - erwähnen dieses Detail aber ja bereits.
Dunnikin
[..] erst dann herausfinden kann, wenn Mails hin- und hergingen
Dem scheint eher nicht so. Der Reporter hat seine Hide-my-Emailadresse dem Entdecker gegeben und der hat ihm nach paar Minuten die richtige Apple ID genannt. Wie es geht, wird weiterhin (noch) nicht mitgeteilt, da er mit dem Herantreten an die Öffentlichkeit wohl Apple quasi noch eine letzte Chance einräumt es zeitnah zu beheben.
+3
Dunnikin
Dunnikin01.07.26 22:07
xcomma
Dem scheint eher nicht so. Der Reporter hat seine Hide-my-Emailadresse dem Entdecker gegeben und der hat ihm nach paar Minuten die richtige Apple ID genannt. Wie es geht, wird weiterhin (noch) nicht mitgeteilt, da er mit dem Herantreten an die Öffentlichkeit wohl Apple quasi noch eine letzte Chance einräumt es zeitnah zu beheben.

Dazu bräuchte der Entdecker in irgendeiner Art eine Methode, über die Hidden-Adresse des Journalisten eine Mail loszulassen, um die Weiterleitung anzustoßen. Erst dann wird die zu schützende Mailadresse ins Spiel gebracht (um diese es geht, nicht im die Apple ID). Oder er braucht einen Zugriff auf die Serverstruktur. Beides wäre ja irgendwie nicht sauber. Aber natürlich nicht ausgeschlossen.
+1
Spacely01.07.26 22:15
Zeigt schon wie schlecht Apple organisiert ist. Sowas geht leider in dem Abteilungswirrwar unter. Niemand fühlt sich richtig verantwortlich. Leider ein Problem welches alles großen Unternehmen haben.

Das ist für mich Handlungsfeld Nr. 1 so ein Bug.

Das ist leider eine Schande von Apple. Da gibt es jemanden in einer Abteilung der das fixen soll und sein Vorgesetzer bekommt nicht mal mit das sein Mitarbeiter schlecht gearbeitet hat und die Lücke immer noch offen ist.

Das liegt daran das Abteilungsleiter meist selber keine Ahnung von ihrem Bereich haben für den sie zuständig sind.

Wirklich Schade für Apple.
-4
Performant8401.07.26 22:35
Dunnikin
Es kann fast nur irgendwie aus einer Mail selbst (Header) in irgendeiner Art herausgefunden werden. Die Mails werden ja an die richtige Mailadresse weitergeleitet.

Und ich gehe davon aus, daß man das erst dann herausfinden kann, wenn Mails hin- und hergingen, wenn also eine Privacy-Mail weitergeleitet und mit dieser wieder geantwortet wurde.
Dunnikin
Dazu bräuchte der Entdecker in irgendeiner Art eine Methode, über die Hidden-Adresse des Journalisten eine Mail loszulassen, um die Weiterleitung anzustoßen. Erst dann wird die zu schützende Mailadresse ins Spiel gebracht (um diese es geht, nicht im die Apple ID). Oder er braucht einen Zugriff auf die Serverstruktur. Beides wäre ja irgendwie nicht sauber. Aber natürlich nicht ausgeschlossen.
Womöglich "berechnet" Apple den local-part der Emailadresse einfach aufgrund der tatsächlich darunterliegenden primären Mailadresse - in dem Sinne, dass ein algorithmischer Umkehrschluss möglich ist?

Oder man sendet einfach eine "spezielle" Mail, um auch ohne Zutun des Empfängers von Apples Servern eine entsprechende Reaktion zu provozieren?
+2
OMA
OMA02.07.26 06:11
gritsch
Man fragt sich schon, was die bei Apple teilweise so treiben.
Sich über den DMA echauffieren.
+4
Peanuts
Peanuts02.07.26 07:27
Würde auch gerne verstehe wie das genau geht. Ist jede Adresse betroffen oder muss man die Adresse in irgendeiner Form vorher nutzen? Und geht das auch noch wenn man die Adresse gelöscht hat?

Das Apple so eine Sicherheitslücke in einem kostenpflichtigen Dienst nicht zeitnah behebt erschüttert meine Vertrauen deutlich.
+3
gbkom02.07.26 07:29
Dafür benutze ich seit Jahren Spamgourmet:
https://www.spamgourmet.com/index.pl?languageCode=DE
Die Adressen wurden nur von wenigen Diensten abgelehnt und man hat ganz gute Einstellmöglichkeiten, selbst in der kostenlosen Version.
+2
gritsch02.07.26 08:03
Performant84
Womöglich "berechnet" Apple den local-part der Emailadresse einfach aufgrund der tatsächlich darunterliegenden primären Mailadresse - in dem Sinne, dass ein algorithmischer Umkehrschluss möglich ist?
Nein, das ist quasi ausgeschlossen.
Denn eine solche Adresse ist nicht besonders lang, löst aber auch auf sehr, sehr lange e-mailadressen auf.
Entweder irgend ein Apple-Dienst antwortet mit der korrekten Adresse wenn man versucht sich mit der Weiterleitungsadresse zu identifizieren oder es geht über einen (manipulierten) smtp-service dem Apple fälschlicherweise die korrekte Adresse mitteilt.
+3

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