

Unser Synium-Entwickler Pascal hat einen Umzug hinter sich, was ihm die Chance bot, sein Smart Home komplett neu aufzusetzen und Altlasten loszuwerden. In der vorherigen Wohnung lief das meiste über HomeBridge auf einem Raspberry Pi – dieser übernahm die Steuerung von Shellys, Ewelink und Sonoff-Geräten sowie von selbstgebauten Controllern. In einem Erfahrungsbericht schreibt er über seinen Home-Neustart, wie sich die Situation im Jahr 2026 gestaltet und ob der konsequente Einsatz von Matter-kompatiblem Zubehör Fluch oder Segen war.
Shelly für RolllädenHierfür habe ich mich für die
Shelly 2PM Gen4 entschieden, da diese ab Werk Matter-fähig sind. Die Einrichtung über den beiliegenden Matter-QR-Code ist auch schnell erledigt. Doch dann beginnen die Probleme: In der Home-App wird nur „Keine Antwort“ angezeigt. Im Web-Interface des Shelly lassen sich die Geräte hingegen problemlos steuern (natürlich funktioniert das mit Safari nicht 100 % zuverlässig und man braucht einen anderen Browser dafür ...). Auch ein Reset hilft nicht weiter. Also probiere ich die Shelly-App aus. Diese bietet mehr Einstellungsmöglichkeiten als das Web-Interface (das war bei früheren Generationen noch anders). Vor allem lassen sich Rollläden nur über die App kalibrieren, und erst nach erfolgreicher Kalibrierung sind sie auch in HomeKit erreichbar. Es ist durchaus interessant, dass der Hersteller es so schafft, Kunden indirekt doch zur eigenen App (und Registrierung) zu zwingen, denn ohne diese funktioniert es schlicht nicht.
TP-Link für HeizungssteuerungAls bei Amazon steuerbare Heizungsthermostate mit Matter-Unterstützung im Angebot waren, habe ich direkt zugeschlagen (
TP-Link Kasa). Die einzelnen Thermostate sind leider nicht direkt Matter-fähig, sondern benötigen dafür das Hub des Herstellers – doch das ist für mich in diesem Fall akzeptabel. Die Einrichtung des Hubs funktioniert natürlich wieder nur über die Hersteller-App und auch nur dort kann man sich danach den QR-Code für Matter anzeigen lassen. Wieder fühlt man sich künstlich zur App gezwungen. Die einzelnen Thermostate müssen dann auch jedes Mal über die Kasa-App hinzugefügt werden, damit sie in der Home-App auftauchen.
SwitchBot für smarte LED-Streifen und SteckdosenBei der indirekten Deckenbeleuchtung fiel die Wahl auf die
Switchbot RGBICWW Led Stripes. Diese sind laut Hersteller Matter-fähig. Jedoch sieht es in der Praxis ähnlich aus wie bei den meisten anderen Herstellern: Es werden die eigene App und ein Account vorausgesetzt. Die App bietet auch weitere Funktionen, hier kann man z. B. auch jedes Segment (bestehend aus je 3 LEDs) einzeln einfärben. Matter unterstützt dies derzeit noch nicht, daher muss man für solche Effekte auf die Switchbot-App zurückgreifen. Mit dem
Switchbot Plug Mini habe ich dem Hersteller noch eine weitere Chance gegeben. Auf dem Steckdosen-Adapter ist der Matter-Code direkt aufgedruckt, trotzdem scheiterte die Einrichtung jedes Mal, dass das Gerät nicht gefunden wurde. Erst nach dem Hinzufügen und Einrichten in der Switchbot-App, konnte der Adapter auch über Matter genutzt werden. Jedoch natürlich nur zum Ein- und Ausschalten, Infos über den Stromverbrauch bekomme ich nur in der eigenen App angezeigt
Aqara für TürklingelAls Türklingel habe ich mich für die
Aqara G410 entschieden, da diese auch HomeKit Secure Video unterstützt. Die Einrichtung lief problemlos und bisher sind auch noch keine Probleme aufgetaucht. Besonders praktisch ist auch, dass alle HomePods im Haus als weitere Klingel dienen.
Ikea für Fenstersensoren und FernbedienungDie Ikea-Fenstersensoren MYGGBETT sind die meiste Zeit ausverkauft, daher hat es ziemlich lange gedauert, diese testen zu können. Hier wurde ich jedoch positiv überrascht. Matter-Code scannen und schon wird die Verbindung erfolgreich hergestellt. Die Home-App fragt sogar, ob sie Updates installieren darf. Bisher sind mit diesen Sensoren noch keine Probleme aufgetaucht. Damit ist IKEA der erste Hersteller im Test, der wirklich überzeugt: Kein Account und keine App sind nötig - Einrichtung ist in Sekunden erledigt. Leider gilt das nicht für die Fernbedienung BILRESA mit Scrollrad. Über Matter ist sie nahezu unbrauchbar, da Scrollräder derzeit nicht unterstützt werden.
In der Home-App wird sie jedoch als Fernbedienung mit 9 Knöpfen angezeigt. Jeder dieser Knöpfe unterstützt zusätzlich noch Doppelklicks und teilweise Long-Press-Aktionen. Es dauert ewig herauszufinden, welcher Knopf nun was genau macht – und ich habe mich damit zufrieden gegeben, das Scrollrad nicht zu benutzen und dafür nur den Klick des Scrollrads zu verwenden. Anscheinend ist das Drehen des Scrollrads in jede Richtung ein Button und wenn man schnell dreht, wird es als Doppelklick erkannt. Diese Funktion habe ich jedoch nicht zuverlässig hinbekommen und schnell den Nerv verloren, das noch weiter zu probieren.
FazitSo schön das Matter-Ökosystem gedacht ist, so schlecht ist es leider auch von den Herstellern umgesetzt. Das passt sehr gut zu der Aussage des Shelly-CEO aus dem Jahr 2024: “Obwohl wir nicht erwarten, dass der Matter-Standard unseren Kunden langfristige Vorteile bietet, werden wir Matter-Support in der Firmware 1.6 ermöglichen, die bis Jahresende veröffentlicht wird.” Offenbar hat Matter einige Nutzer dazu bewegt, auf die Shelly-App zu verzichten. Deshalb scheint man Wege gefunden zu haben, dennoch einen indirekten App-Zwang zu erreichen. Das Ganze fühlt sich allerdings wie ein deutlicher Rückschritt an, denn zu Anfangszeiten von Smart Home in der Apple-Welt mit “made for Apple Home” bzw früher “HomeKit-kompatibel” hat noch alles ohne die App der Hersteller funktioniert. Apple hat hier den Hersteller schlicht gezwungen, dass es direkt funktionieren muss.
Irgendwie ist es schade, dass Matter in dieser Disziplin einen Rückschritt darstellt und die Einrichtung daher deutlich verkompliziert. Natürlich waren die Produkte durch Apples Vorgaben (in den Anfangstagen gar der verpflichtende Einsatz eines entsprechenden Chips) auch teurer, weswegen der Matter-Weg an dieser Stelle Vorteile bringt. Mittlerweile gibt es eine enorme Auswahl an „Matter-fähigen“ Geräten zu deutlich günstigeren Preisen, allerdings unterscheidet sich die Qualität ganz erheblich zwischen den Herstellern.
IKEA kann man hier als Hersteller besonders loben, da die Geräte nicht künstlich zu der eigenen App oder einem Account gezwungen werden. Matter-Unterstützung krampfhaft in jedes Gerät zu bringen (vor allem siehe BILRESA mit Scrollrad), auch wenn die Funktionalität damit gar nicht abzubilden ist, fand ich jedoch enttäuschend für den Kunden. Kaum jemand dürfte Lust darauf haben, derart viel Zeit in die Konfiguration einer Fernbedienung zu investieren – zumal man sich gemäß Herstellerangabe darauf verlassen hat, die beworbene Funktionalität auch zu erhalten.