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iCloud für Apple-Mitarbeiter: Untergräbt der Konzern die Geheimhaltung durch Dateifreigaben?

Eine Anstellung bei Apple hat einige Vorteile, welche die Herzen von Fanboys wahrscheinlich schneller schlagen lassen: Wer von dem Konzern angeheuert wird, erhält üblicherweise ein aktuelles iPhone sowie ein MacBook (Pro oder Air). Dazu gesellen sich digitale Annehmlichkeiten in Form von iCloud+ mit umfangreichem Speicherkontingent – denn iCloud ist zugleich die Plattform, auf der Angestellte kommunizieren und zusammenarbeiten. Viele Mitarbeiter entscheiden sich dazu, ihren Privat-Account zu verwenden. Beim Ende des Arbeitsverhältnisses kann sich dies rächen, berichtet The Information: Einige dienstliche Informationen bleiben im privaten iCloud-Bereich erhalten.


Laut dem Investigativ-Portal beschränken sich die Konsequenzen beim Dateizugriff via iCloud Drive zum Ende des Arbeitsverhältnisses auf einen einzigen Ordner: Der dort angelegte Ordner namens „Apple Work“ verschwindet, sobald man das Unternehmen verlässt. Ein nicht unwesentlicher Teil der Unternehmenskommunikation findet allerdings außerhalb dieses Ordners statt. Möglicherweise bleiben Unterhaltungen mit Kollegen in iMessage oder separaten Dateifreigaben erhalten; zudem werden neue oder heruntergeladene Dokumente nicht automatisch im Ordner „Apple Work“ abgelegt.

Technische und Komfort-Gründe
Neue Mitarbeiter entscheiden sich hauptsächlich aus Bequemlichkeit dazu, die dienstliche Kommunikation über den privaten Account zu nutzen. Auf diese Weise steht das zusätzliche Speichervolumen auch in der Freizeit zur Verfügung. Zudem gibt es technisch bedingte Anreize: Apples Mobilsysteme erlauben nur einen lokalen Nutzer, und dieser hat stets nur vollen Zugriff auf einen iCloud-Account. Dementsprechend müssten Mitarbeiter zwei separate iPhones mit sich führen – eines für dienstliche, eines für private Angelegenheiten. Oftmals, berichteten in der Vergangenheit viele Angestellte, rieten die Vorgesetzten beim Arbeitsbeginn dazu, den privaten Apple-Account für die Arbeit zu nutzen.

Kompromittierte Geheimhaltung
Für Apple kann dies in doppelter Hinsicht zu einem Problem werden. Wenn das Unternehmen ehemaligen Angestellten in einem Gerichtsverfahren Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen vorwirft, muss es beweisen, hinreichende technische Maßnahmen ergriffen zu haben, um die Interna zu schützen. Der legere Umgang mit iCloud-Freigaben und der Durchmischung von Privatem und Dienstlichem ist eher ein Indiz für zu geringe Sicherheitsbarrieren. In manchen Gerichtsverfahren wurde der Spieß bereits umgedreht und Apple vorgehalten, durch eine unsaubere Trennung von privater und dienstlicher Kommunikation Angestellte mutwillig zu kompromittieren.

Bezug zu OpenAI-Klage? Apple dementiert
Die jüngst erhobene Klage gegen ehemalige Apple-Angestellte, welche zu OpenAI-gewechselt sind, nimmt teilweise auch Bezug auf Dokumente und Screenshots, welche Bewerber (laut Apples Vorwurf) bereits bei Vorstellungsgesprächen weitergegeben hatten. Damit von The Information konfrontiert, widersprach Apple der Darstellung: Dieser Fall drehe sich um „OpenAI-Mitarbeiter, die unrechtmäßig geheime und vertrauliche Informationen von Apple über unsere noch nicht veröffentlichten Technologien, Prozesse und Produkte entwendet haben. Die Klage enthält keinerlei Hinweise auf Dokumente, die über iCloud geteilt oder dort gespeichert wurden.“

Kommentare

bergdoktor05.08.26 09:21
Ich frage mich, warum Apple den Mitarbeitern keine verwalteten Apple Accounts zur Verfügung stellt. Für Inhaltskäufe kann man dann immer noch eine andere, private AppleID benutzen. Aber die iCoud Daten liegen dann in einem von Apple verwalteten Account. Ich hätte auch erwartet, dass die zur Verfügung gestellten Geräte über ein MDM verwaltet werden. Bei einer User basierten Registrierung des Gerätes im MDM gibt es einen privaten und dienstlichen Bereich auf den Geräten und man kann den Datenaustausch zwischen den Apps kontrollieren. Der Artikel liest sich ein bisschen so, als wäre Apple da etwas blauäugig. Wo sie doch ansonsten so viel Wert auf Geheimhaltung legen.
+5
globalls
globalls05.08.26 11:10
bergdoktor
Ich frage mich, warum Apple den Mitarbeitern keine verwalteten Apple Accounts zur Verfügung stellt. Für Inhaltskäufe kann man dann immer noch eine andere, private AppleID benutzen. Aber die iCoud Daten liegen dann in einem von Apple verwalteten Account. Ich hätte auch erwartet, dass die zur Verfügung gestellten Geräte über ein MDM verwaltet werden. Bei einer User basierten Registrierung des Gerätes im MDM gibt es einen privaten und dienstlichen Bereich auf den Geräten und man kann den Datenaustausch zwischen den Apps kontrollieren. Der Artikel liest sich ein bisschen so, als wäre Apple da etwas blauäugig. Wo sie doch ansonsten so viel Wert auf Geheimhaltung legen.
d'accord!
Bei der int. Firma meiner Frau ist das eindeutig geregelt. in meiner Minifirma haben meine Mitarbeiter natürlich auch einen Firmenaccount und sie wissen, dort nichts Privates zu vermischen. Bei mir selber bin ich da bei weitem nicht so streng. OK, wir sind ja auch nur 3 Leute!
Muss ich denn alles selber machen?
+2
xcomma05.08.26 11:54
Eigentlich kaum zu glauben und völlig unverständlich, dass so etwas bei Apple möglich ist bzw. gar erlaubt sei bei all der Professionalität, Betonung von Privacy & Co., Geheimhaltungsaufwand, usw.

Welcher zuständigen Abteilung ist denn diese Compliance durchgerutscht? Und warum hat keiner der (in der Regel) hochintelligenten Angestellten interveniert und auf offensichtliche Probleme hingewiesen? Das braucht kein Jurastudium, sondern lediglich gesunden Menschenverstand um die Problematiken zu erkennen.

Selbst wenn ich in meinem Unternehmen wäre, welches das erlauben würde, würde ich strikt zwischen Privat- und Arbeits-Konten/Geräten trennen. Der - durch einen Kündigung/Weggang aus welchen Gründen auch immer - wegfallende Zugriff auf private Daten, die man z.B. auf dem Firmenlaptop hat, die Möglichkeit von Firmen SSL Verbindungen aufzubrechen, sowie Screenrecordings von Mitarbeiter-PCs vornehmen zu können - sind alles Situationen, wo man besser seine Privatangelegenheiten nicht über Firmengeräte erledigt.
Privates hat einfach auf Firmengeräten nichts verloren und private Konten für Tätigkeiten im Firmenkontext zuzulassen ist ein Unding.
+2
h4bbo05.08.26 13:45
Ihr habt alle recht, aber: bei "diesen Firmen" ist es doch bekanntermaßen durchaus beabsichtigt, die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeitsleben so unscharf wie möglich zu gestalten. Ich denke da sind wir genau in der Schnittstelle zweier nicht ganz kompatibler Unternehmensphilosophien, was auf der einen Seite diese "gefühlte" (oder vorgegaukelte?) Work-Live-Balance und auf der anderen Seite die IT Sicherheit angeht. 🤷🏼‍♂️
+3
wi36806.08.26 17:56
Microsoft hat dieses Apple-Problem übrigens gelöst: Berufliche Daten werden in Microsoft-365-App gespeichert zu der dann ein beruflicher Account zu benutzen ist. Das iPhone/iPad kann kann dann problemlos eine privat beschaffte Hardware sein (also auch mit privater Apple-ID und privaten iCloud), da die Firmendaten in den getrennten Microsoft-Apps eingesperrt ist (sogar Zwischenablage ist gesperrt, wenn es kein einfügen in eine andere Microsoft-App mit gleichen beruflichen Account ist).

Apple hätte also für alle beruflich zu nutzenden Apple-Apps wie Microsoft ausstatten müssen, dass darin zwischen privaten und beruflichen Account gewechselt werden kann. Am besten ist natürlich, wenn es dazu jeweils eine doppelte App gäbe für die Datei-App, für Pages-App usw. damit man nicht bei jeden Start der App ständig den Account wechseln muss.
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