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Das Stativ unter der Kamera ist wie der Turbolader im Sportwagen

Hans Hoos
Hans Hoos13.07.2020:35
Hallo zusammen,

wollte euch mal das scheinbar immer mehr unterschätzte Foto-Stativ nahelegen.

Vorab I: wenn man/frau aus der Hand fotografiert, ist eine mindest-kurze Belichtungszeit nötig, damit das Bild nicht verwackelt und unscharf wird. Als Faustformel gilt 1/Brennweite. Bei einer 50-mm-Normal-Brennweite wäre das 1/60 sek. Bei einem 200-mm-Tele-Objektiv sind das schon 1/250 sek.

Vorab II: als Fotograf – egal ob professionell oder ambitioniert – hat man/frau drei Größen im Blick, die im direkten Verhältnis zueinander stehen: Belichtungszeit, Blende und (Film-)Empfindlichkeit. Das ist heute noch genauso wie früher zu analogen Zeiten. Brauche ich z.B. eine große Tiefenschärfe (also Blende zu), muss ich länger belichten (Unschärfegefahr) oder die Empfindlichkeit (Bildrauschen) hoch drehen. Brauche ich eine kurze Belichtungszeit (z.B. in der Sportfotografie), muss ich die Blende auf machen (wenig Tiefenschäfe). Brauche ich eine gute Bildqualität ... u.s.w.

Bei unbewegten Objekten schafft da ein Stativ Abhilfe. Die gibt es von „super-leicht & kompakt“ (dann aber auch klein und wackelig) bis „robust und standfest“ (mehr für's Studio).

Ein guter Kompromiss ist da das Manfrotto 055XPROB – ups, korrigiere aus der 055er-Kollektion, wie ich gerade sehe (). Habe wohl noch den Vorgänger am Start. Hoffe, die Qualität blieb gleich. Hier gilt: je weniger Glieder, umso stabiler.

Ein gutes Stativ ist aber nichts ohne Stativ-Kopf. Auch hier gibt es einfache Modelle mit Kugelkopf und einer (1) Arretierschraube, aber auch – gerade aus der Video-Technik – in alle drei Richtungen schwenk- und arretierbare Ausführungen. Ich persönlich schwöre aber auf Getriebeneiger und habe den „Junior“ von Manfrotto am Start
Bemerkenswert an diesem Stativkopf finde ich die Grundplatte, die an die Kamera geschraubt wird und sich ganz einfach vom Stativ-Kopf auf- und abnehmen lässt, ohne abgeschraubt werden zu müssen.

Ich hoffe, ich konnte eure Neugierde wecken und auch einmal etwas beitragen, statt immer nur über Domtoms schlechte Bilder herzuziehen.

PS: Ja, es gibt auch noch den Hersteller Gitzo – wer sich's leisten mag.
PPS: Das ist keine wissenschaftlich Abhandlung, sondern nur ein paar Zeilen, die ich spontan zusammengeschrieben habe.
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Kommentare

Bozol
Bozol13.07.2021:01
Ich hatte auch jahrelang Manfrotto (055Pro), bin aber vor einiger Zeit auf einen anderen Hersteller umgeschwenkt. Was mich an Manfrotto letztendlich genervt hat war das Chaos mit den verschiedenen Schnellwechselplatten.
Ich habe nun, soweit möglich, alles auf Arca Swiss umgestellt. Sogar der alte Panosaurus liess sich problemlos auf Arca Swiss umrüsten. Nur den 300N nutze ich noch, konnte den problemlos in das Arca Swiss System integrieren.
+1
Josch
Josch14.07.2009:19
Moin,

bezüglich des Getriebeneigers - leider sind die Manfrotto Schnellwechselplatten ein wenig unflexibel. Ich arbeite daher wie Bozol mit dem Arca Swiss System und dementsprechend mit einem Getriebeneiger von Benro und dazu einem L-Winkel an der Kamera. Das ist besonders komfortabel, wenn man auch gerne mal im Hochformat Aufnahmen macht.

Ganz speziell ist das allerdings bei Objekt- und Produktfotografie hilfreich, da man nicht den ganzen Neiger auf der Y-Achse um 90 Grad schwenken muss, sondern einfach die Kamera mit der vertikalen Schiene des L-Winkels einspannt. Der Objektiv-Mittelpunkt verändert sich also in der Vertikalen nicht, was einem die komplette Neupositionierung des gesamten Statives zum Objekt erspart, wenn man doch lieber eine Hoch- statt einer Querformataufnahme möchte. Abgerundet wird das dann mit einem Stativ mit einer Kurbelsäule, wie dem Manfrotto 475B Pro Digital
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photoproject
photoproject14.07.2012:28
Hans Hoos
Ein guter Kompromiss ist da das Manfrotto 055XPROB
Zustimmung. Das 055XPROB ist seit Jahren mein Begleiter.
Für meine Zwecke zusammen mit dem Quenox Kugelkopf mit Joystick-Griff das perfekte Stativ.
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beanchen14.07.2013:22
Hans Hoos
PPS: Das ist keine wissenschaftlich Abhandlung, sondern nur ein paar Zeilen, die ich spontan zusammengeschrieben habe.
Dafür gab es eigentlich mal die schöne Idee der Journals
Nun kann man darüber philosophieren ob so ein Artikel eher im Forum untergeht, wenn niemand mehr darauf antwortet, oder in den Journals, die vielleicht nicht alle eingeblendet haben.

Auf jeden Fall vielen Dank!
+1
massi
massi14.07.2016:41
Ich sach ma so, wer ernsthaft fotografiert wird sich der Vorteile eines Stativs bewusst sein und wer knipst, dem isses eh egal.
+2
Rosember14.07.2017:00
massi
Ich sach ma so, wer ernsthaft fotografiert wird sich der Vorteile eines Stativs bewusst sein ...
... und der Nachteile (die das Fotografieren mit Stativ/Einbein natürlich auch hat, wie z.B.: Gewicht, Sperrigkeit, Behinderung des Reaktionsvermögens, Verbot der Benutzung etc.).
+1
massi
massi14.07.2022:43
... und der Nachteile
...die man aber gerne in Kauf nimmt, wenn man qualitativ hochwertige Fotos machen möchte.
+1
uni.solo15.07.2000:00
Zwei Kritikpunkte:
1. Die o.g. Faustformel kann man heutzutage getrost in die Tonne packen. Die stammt noch aus der analogen Welt, wo es weder einstellbare ISO noch Sensor/Objektiv-Stabilisierung gab. Selbst mit einem 200er Tele (400 mm KB) kann ich 1/60 und länger freihändig schießen.

2. klein und kompakt = klein und wackelig ist vollkommener Unsinn in dieser absoluten Feststellung. Erstens hängt es vom Kameragewicht ab und das sollte halt zum Stativ passen und zweitens, sollte einleuchtend sein, dass ein superkompaktes Stativ auf max. Länge ausgefahren, eben nicht so stabil ist, selbst gute Carbon-Stative kommen da schnell an ihre Grenze. Aber dann wir es eben nur halb ausgefahren und auf einen Sockel oder ähnliches gestellt und gut ist. Diese Erfahrung macht eh jeder für sich.

Und übrigens: Fotos werden nicht hochwertig, wenn man sie mit Stativ macht. Und welches Stativgewicht man in Kauf nimmt hängt entscheidend davon ab, ob man das Equipment selber tragen muss und wie lange.

Schönen Abend noch.
+2
albertyy15.07.2003:38
hier noch ein Stativ Link, den ich zum Besten geben kann.


@uni.sono: mit meinem 400mm Tele an der KB Kamera kann ich das jetzt auch.
aber ich kann vom Stativ auch sehr lange belichten, sogar mit meinem 12mm Weitwinkel
sogar stundenlang.
Dann sag ich meinem Assi, er soll die Kamera weiter tragen (auf dem Stativ)
Und da ich Karbonstative benutze, brauche ich weder Faustformel noch Fausthandschuhe im Winter

PS:
Gruß an die SinarP
+1
Wurzenberger
Wurzenberger15.07.2006:25
Hans Hoos
Ich persönlich schwöre aber auf Getriebeneiger
Völlig zurecht.
+1

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