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"iPod-Vater" Tony Fadell über Apples "Marketing-Bullshit im KI-Bereich" und der verpassten Auto-Chance

Tony Fadell war einst eine der federführenden Personen bei der Entwicklung des iPods, weswegen er gerne als "iPod-Vater" bezeichnet wird. 2008 zog er sich jedoch aus dem Unternehmen zurück – offiziell, weil er mehr Zeit mit der Familie verbringen wollte, wenngleich wohl eher interne Spannungen den Ausschlag gaben (siehe Artikel). Inzwischen zählt er zu den Personen, die Apples Entwicklung nicht unkritisch sehen. In einem ausführlichen Interview geht er darauf ein, wie der Konzern seiner Meinung nach die falschen Prioritäten verfolgte.


Apple sprang auf Marketing-Bullshit im KI-Bereich auf
Die derzeitige KI-Vermarktung hält Fadell für stark übertrieben. Begriffe wie "AI-first laptop" oder "AI-first phone" bezeichnet er als "kompletten Schwachsinn" und fügt hinzu, Apple habe früher nie derlei "Marketing-Bullshit" gemacht. Stattdessen sei das Unternehmen stark darin gewesen, mehr zu liefern, als man versprochen hatte. Er hofft, dass Apple "zur alten Religion zurückfindet". Allerdings sei Apple wahrlich nicht der einzige Anbieter mit dieser Fehlentwicklung. Aktuelle Projekte, das Smartphone durch KI-Zubehör zu ersetzen, sieht er als chancenlos an. Anders sehe es bei Zubehör für bestehende Produkte aus, beispielsweise einem von Apple entwickelten KI-Pin, Smart Ring oder AirPods mit zusätzlichen Sensoren/Kameras als Ergänzung der Plattform.


Apple Car: Man hätte alles neu denken sollen, Einstellung war ein Fehler
Zum Thema Apple Car sagt Fadell, Apple habe hier die falschen Entscheidungen getroffen. Bereits 2008 sprach er mit Steve Jobs auf dem Apple Campus über ein mögliches Auto. Den Vorstellungen von Jobs zufolge hätte dies eine Art "Volkswagen für den Stadtverkehr" werden können – also vergleichbar mit dem, wie der erste Volkswagen einst konzipiert war. Das tatsächliche Projekt sei jedoch in Richtung selbstfahrender SUVs gegangen, ohne das Mobilitätskonzept selbst radikal neu zu denken. "Mach kein weiteres normales Me-too-Auto, das mit jedem anderen und den Chinesen konkurriert – wie kannst du stattdessen den Markt ändern?", diese Fragestellung hätte im Vordergrund stehen müssen, so Fadell. Mit der Einstellung des Projekts, nachdem man Milliarden investiert hatte, verpasste Apple seiner Ansicht nach definitiv eine große Chance.

Smart Home, iPod – und ob er gerne Cooks Nachfolger wäre
Das durchaus sehenswerte Interview dauert rund eine Stunde und behandelt zudem noch weitere Themen. Fadell äußerte sich außerdem darüber, warum "Smart Home" ebenfalls kein lukrativer Bereich ist, wie er während seiner Zeit bei Nest lernen musste. Eine interessante These bringt er zudem auf: Apple sollte den iPod zurückbringen, möglicherweise in AirPods integriert. Allein schon der nostalgische Wert der Marke sei nicht zu unterschätzen. Gegen Ende wird er noch gefragt, ob er wirklich als zukünftiger Apple-CEO infrage käme (siehe Artikel) – er liebe dieses Unternehmen seit seinem ersten Apple II, und wenn jemand vom Board bei ihm anrufe, werde er auf jeden Fall abheben. Glaubt man den Berichten, so gibt es allerdings diesbezüglich keine Überlegungen, stattdessen hatte sich Fadell wohl schlicht selbst ins Gespräch gebracht.

Kommentare

Niederbayern
Niederbayern30.01.26 08:57
naja Tesla rudert inzwischen auch zurück was deren Auto-Strategie betrifft bzw.überdeckt sie Neu.
Die Modelle X und S werden eingestellt, Tesla wolle sein Stammwerk im kalifornischen Fremont künftig für die Herstellung des humanoiden Roboters
"Optimus" nutzen.
Soviel dazu
0
tranquillity
tranquillity30.01.26 09:35
Bei Tesla ist vieles schief gelaufen, angefangen bei den verwirrten Einlassungen des Kopfes der Firma. Ich denke das kann man nicht mit Apple vergleichen. Da Trump sich einen feuchten Kehricht um den Planeten schert und sämtliche CO2-Begrenzungen bei Verbrennerfahrzeugen aufgehoben hat, sind E-Autos in den USA leider gerade am absteigenden Ast. Damit muss Tesla wohl oder übel auf etwas anderes setzen. Model X und S waren sowieso nur marginal, die Masse sind 3 und Y.
Die humanoide Roboter überzeugt mich dabei überhaupt nicht. Wer will sich so einen unheimlichen Plastiktypen ins Haus holen? Mit Mikrofonen und Kameras??
+7
Niederbayern
Niederbayern30.01.26 10:03
Vermutlich gehts bei den Robotern eher um den Einsatz im Industriebereich.
+4
MrWombat
MrWombat30.01.26 10:39
Niederbayern
Vermutlich gehts bei den Robotern eher um den Einsatz im Industriebereich.
Oder einfach nur einer der Ersten sein die das anbietet > weniger Konkurrenz, ,mehr Hype auf der Börse, höhere Finanzelle Bewertung.
+2
Metty
Metty30.01.26 11:40
tranquillity
Wer will sich so einen unheimlichen Plastiktypen ins Haus holen?
Denk mal ein paar Jahre weiter. Wir haben demnächst einen riesigen Bedarf im Pflegebereich. Ein grosser Teil unserer Bevölkerung geht in den nächsten Jahren in Rente und wenn man nicht auf massive Einwanderung setzen will, dann bleiben nur noch Roboter für die Altenpflege übrig. Die können 24/24 verfügbar sein, werden seltener krank (sprich "defekt") und kosten vergleichsweise weniger. Es wird also einen gewaltigen Markt für "Plastiktypen im Haus" geben.
+7
DanAm
DanAm30.01.26 12:00
Heute im Handelsblatt:
Das erste Unternehmen darf in China kommerziell umbemannte Flugtaxis betreiben.

https://story.handelsblatt.com/An-Bord-von-Chinas-erstem-autonomen-Flugtaxi?payloadcache=b8dd7c1f-c67c-4473-881c-688bbfb5656c

Vielleicht hätte das Apple das Auto und diesen hart umkämpften Markt überspringen und direkt dort einsteigen sollen.
+1
rwerthmueller30.01.26 12:07
Tony Fadell wäre mal ein vernünftiger Nachfolger….
+5
Retrax30.01.26 12:15
rwerthmueller
Tony Fadell wäre mal ein vernünftiger Nachfolger….
Scott Forstall evtl. auch.
Denke dass Forstalls Zeit bei Apple noch nicht zu Ende erzählt ist.
Vielleicht nicht direkt nach Cook, aber irgendein Nachfolger wird Ihn vielleicht wieder zu Apple holen.
-1
Performant8430.01.26 12:28
Retrax
Scott Forstall evtl. auch.
Denke dass Forstalls Zeit bei Apple noch nicht zu Ende erzählt ist.
Vielleicht nicht direkt nach Cook, aber irgendein Nachfolger wird Ihn vielleicht wieder zu Apple holen.
Forstall ist mittlerweile 56 und ist für Cook als Person verbrannt.
Jetzt denkt niemand daran, ihn zurückzuholen. Mit Technik hatte er in den letzten Jahren / nach Apple ja auch nix prominentes mehr gemacht, Und “irgendwann” später wird er alt sein.
+3
Unwindprotect30.01.26 12:28
rwerthmueller
Tony Fadell wäre mal ein vernünftiger Nachfolger….

Oh bitte nicht - mit dem "Vater des iPods" hätte es nie das iPhone wie wir es kennen gegeben... sondern eher einen iPod mit Telefon-Funktion.
+1
Dunnikin
Dunnikin30.01.26 13:13
Unwindprotect
rwerthmueller
Tony Fadell wäre mal ein vernünftiger Nachfolger….

Oh bitte nicht - mit dem "Vater des iPods" hätte es nie das iPhone wie wir es kennen gegeben... sondern eher einen iPod mit Telefon-Funktion.

Was es bei mir tatsächlich sehr oft ist
+2
Black Coffee30.01.26 13:28
Unwindprotect
rwerthmueller
Tony Fadell wäre mal ein vernünftiger Nachfolger….

Oh bitte nicht - mit dem "Vater des iPods" hätte es nie das iPhone wie wir es kennen gegeben... sondern eher einen iPod mit Telefon-Funktion.

An official project within Apple for developing the iPhone began with a request in November 7, 2004 from Jobs to the company's hardware engineer Tony Fadell, software engineer Scott Forstall and design engineer Sir Jonathan Ive[3] to work on the highly confidential "Project Purple". Quelle:

Und wie Steve schon sagte: “An iPod - a Phone - and a breakthrough Internet Communications Device...“
+1
99problems30.01.26 14:30
Retrax
rwerthmueller
Tony Fadell wäre mal ein vernünftiger Nachfolger….
Scott Forstall evtl. auch.
Denke dass Forstalls Zeit bei Apple noch nicht zu Ende erzählt ist.
Vielleicht nicht direkt nach Cook, aber irgendein Nachfolger wird Ihn vielleicht wieder zu Apple holen.


Forstall hat zu Apple gepasst, wie kaum ein anderer. Aber diese Zeit ist vorbei.
Dass ihn jemand zurückholt ist unwahrscheinlich.
Schade. Für mich war er einer der besten Typen in der ganzen Führungsetage.
0
Retrax30.01.26 15:21
99problems
Schade. Für mich war er einer der besten Typen in der ganzen Führungsetage.
Warst Du bei den Sitzungen des Vorstandes anwesend?
Soll nicht sonderlich harmonisch gewesen sein mit Forstall...
Aber wieso soll ausgerechnet er keine "innere Reifung" über die Jahre erfahren haben?!

Jobs war ja auch charakterlich gefestigter (sagen wirs mal so...) bei seiner Wiedervereinigung mit Apple (sagten über die Jahre zumindest viele Mitarbeiter) als in der Zeit vor seinem "Abgang" bei Apple.
+3
99problems30.01.26 16:17
Retrax
99problems
Schade. Für mich war er einer der besten Typen in der ganzen Führungsetage.
Warst Du bei den Sitzungen des Vorstandes anwesend?


Exakt. Hab keine verpasst.
+2
Unwindprotect01.02.26 00:38
Black Coffee
Unwindprotect
rwerthmueller
Tony Fadell wäre mal ein vernünftiger Nachfolger….

Oh bitte nicht - mit dem "Vater des iPods" hätte es nie das iPhone wie wir es kennen gegeben... sondern eher einen iPod mit Telefon-Funktion.

An official project within Apple for developing the iPhone began with a request in November 7, 2004 from Jobs to the company's hardware engineer Tony Fadell, software engineer Scott Forstall and design engineer Sir Jonathan Ive[3] to work on the highly confidential "Project Purple". Quelle:

Und wie Steve schon sagte: “An iPod - a Phone - and a breakthrough Internet Communications Device...“

Klar - nur war Fadell dafür schnell ein Telefon auf iPod-System-Basis zu entwickeln während Jobs und Forstall die Richtung „OS X phone“ bevorzugten. Mit Fadells Idee wäre das iPhone nicht wirklich so unterschiedlich zu anderen damaligen „Smart Phones“ geworden. Und genau das meinte ich mit meiner Aussage. Das iPhone war IMHO gerade deshalb so ein Durchbruch, weil man tatsächlich ein „Computer Betriebsystem“ verschlankt und auf diese neue Hardwareplattform geschrumpft wurde und nicht ein Embedded OS um ein paar iPod, Mail und Browser-Features.
0
Thyl02.02.26 12:32
Als das Gerücht mit dem Auto aufkam, war ich relativ sicher, dass Apple einen Durchbruch bei der Akku-Chemie erzielt hat und nun "in house" große Abnehmer für solche Akkus bereitstellen wollte. Das Interview scheint aber nun zu bestätigen, dass Apple nur auf den Zug der Selbstfahrer aufspringen wollte. Was bislang keiner wirklich gut geschafft. hat. Aber es ist ja nicht nur die Komplexität autonomen Fahrens, die Apple hat scheitern lassen (macht ja keinen großen Sinn, wenn mal als Fahrer die ganze Zeit trotzdem aufpassen muss), sondern es stellt sich für viele Leute die grundsätzliche Frage, ob sie das wollen. Ich zB werde innerhalb von Minuten seekrank, wenn ich nicht nach vorne blicke. Und wenn ich nach vorne blicken muss, naja, dann kann ich auch selbst fahren. Und da, wo das Auto am ehesten gleitet und die Aufgabe damit am einfachsten wäre, auf der autobahn, stößt die Hardware schnell an ihre Echtzeitgrenzen und damit ist autonomes Fahren nur bei recht niedrigen Geschwindigkeiten möglich.
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