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Aus Apples Geschichte: Als man sämtliche iPhone-Apps der Welt selbst entwickeln wollte

Für sein Buch "Apple, The First 50 Years" hat der Journalist David Pogue unzählige Interviews mit wichtigen Personen aus der Apple-Geschichte geführt. Das Werk erzählt wichtige Geschehnisse aus der Früh- und Gründungsphase des Unternehmens bis in die Neuzeit. Einige der enthaltenen Geschichten waren dabei in dieser Detailtiefe nicht allgemein bekannt. Interessant sind zum Beispiel die Erinnerungen von Scott Forstall, wie man intern über den Softwaremarkt für das noch ganz neue iPhone diskutierte. Bekanntlich war Jobs zunächst vehement dagegen, Drittanbieter-Apps zu erlauben. Laut der 2011 erschienenen Isaacson-Biografie soll er bei einer Besprechung dieser Art gar weinend und die Umstehenden wüst beleidigend aus dem Raum gestürmt sein.


Jobs wollte ein Megateam aus Entwicklern
Wie sich Forstall erinnert, hatte Jobs zunächst eine andere Idee, wie die Attraktivität des iPhones durch mehr Apps zu steigern sei. Forstall sollte demnächst eine Liste sämtlicher App-Ideen anfertigen, die für das Gerät infrage kommen – und zusammen mit ihm wollte Jobs dann auswählen, welche davon umzusetzen seien. Das "größte Entwicklerteam der Welt" mit unbegrenzten Mitteln sollte entstehen, um so viele Apps wie machbar schnellstmöglich auf den Weg zu bringen. Alles, was der Nutzer jemals brauchen könnte, direkt von Apple – ohne sich auf externe Entwickler verlassen zu müssen.

Forstall schätzte die Lage anders ein...
Allerdings sah Forstall hier wohl etwas weiter als Jobs, denn im Hintergrund ließ er bereits die Grundlagen für den zukünftigen App Store erarbeiten – gegen die ausdrücklichen Vorgaben des damaligen Apple-CEOs. In dieser Darstellung spielen auch die frühen Jailbreaks eine wichtige Rolle. Forstall habe Jobs demnach davon überzeugt, die Szene nicht sofort mit voller Härte abzuwürgen, solange dort vor allem nützliche Experimente und keine ernsthaften Angriffe entstanden.

... und lag richtig: Drittanbieter waren der Schlüssel
Man erkennt an der Episode den teils widersprüchlichen Umgang mit Entwicklern deutlich. Wie es Michael Tsai in einem Blogpost zugespitzt auf den Punkt bringt: Mal sind sie unverzichtbar, mal lästig. Dennoch sollte der App Store und die daraus resultierende Softwarevielfalt ein entscheidender Faktor werden, warum das iPhone sich als Massenprodukt durchsetzen konnte. Mit dem ersten Ansatz der reinen Web-Apps oder gar alles aus Apple-Entwicklung hätte es sicherlich kaum eine derart große Fülle an Lösungen für jede erdenkliche Situation gegeben.

Kommentare

Kehrblech08.04.26 13:21
Drei spontane Gedanken:
1. Oh Gott, ein weinender Milliardär …
2. Wann die Eisenbahn von Burundi dann wohl ihre App bekommen hätte?
3. Gut, dass Forstall sich durchsetzte. Bei der heutigen Qualität der Apple-Software …
+7
System 6.0.1
System 6.0.108.04.26 15:53
Manchmal muss sogar ein Steve Jobs zu seinem Glück getragen werden. War es nicht so, dass Windows um die Jahrtausendwende seine Dominanz gegenüber dem Mac aufrechterhalten konnte, weil es eben viel mehr Software für Windows gab, als für den Mac? Und hat Adobe ab den 1990ern nicht eine Menge Geld von Apple einkassiert, damit nicht auch noch PhotoShop & Co. vom Mac verschwand? Das war IMHO reine Erpressung.

Auf der anderen Seite, suche mal nach einer App, die auf seriöse Weise den Zustand der Batterie auf dem iPad oder iPhone berichten kann. Was sich da tummelt, ist unfassbar! Überhaupt, ich empfinde gefühlte 90 % aller Apps im Store als Fake, Spam oder schlicht unbrauchbar.

<cy>

Der App-Store fühlt sich manchmal wie eine südsudanesische Hafenkneipe an. Oder diese Dinger in Russlands Osten, wo sich im Umkreis von 50 Km kein ehrbarer Polizist hintraut.

Insofern teile ich Jobs damalige Befürchtungen …

</cy>
„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
+6
konnektor08.04.26 16:27
Ich frage mich nur warum entweder oder? Was hindert Apple heute und trotz der Öffnung daran vernünftige Apps zu präsentieren? Manchmal denke ich Apple tut das nur nicht um 30% an der schlechteren Drittanbieter-App zu verdienen.
+1
xcomma08.04.26 16:39
System 6.0.1
[..] südsudanesische
[..] Russlands Osten
..warum in die Ferne schweifen, wenn's auch Berliner Kotti und andere Orte in Deutschland gibt
+1
System 6.0.1
System 6.0.108.04.26 18:11
Wegen des exotischen Flairs. Letztlich gibt es überall böse, sehr böse und teuflisch-böse Menschen.
„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
+2
System 6.0.1
System 6.0.108.04.26 18:18
konnektor
Ich frage mich nur warum entweder oder? Was hindert Apple heute und trotz der Öffnung daran vernünftige Apps zu präsentieren? Manchmal denke ich Apple tut das nur nicht um 30% an der schlechteren Drittanbieter-App zu verdienen.

Apple liefert doch gute Apps. Ich finde beispielsweise Notizen, Freeform, Pages, Numbers, Keynote und so weiter wirklich hilfreiche und gute Apps. Bemerkenswert darin ist auch, dass sie die Grundfunktionen liefern, und so anderen Herstellern Raum geben erweiterte Funktionen zu bieten. Gleichzeitig legen sie die Messlatte für schlampige App-Entwickler recht hoch. Auf diese Weise macht es auch keinen Sinn, schlechtere Apps kostenpflichtig anzubieten.

Genial, oder?
„A lot of times, people don't know what they want until you show it to them.“ Steve Jobs, 1998
+6

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