Vor 25 Jahren: Apple holt einen Sanierer ins sinkende Schiff – Gil Amelio kommt

Die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren die schwerste Zeit in Apples Geschichte. Insbesondere wegen des Siegeszugs von Microsoft Windows geriet das Unternehmen zunehmend in Schieflage. Der damalige Apple-Chef Michael Spindler holte deshalb am 9. November 1994 einen Manager ins Board, der als "Turnaround-Artist" galt: Gil Amelio.


Talentierter Sanierer
Der 1943 geborene Physiker war seit 1991 CEO des damaligen Chipgiganten National Semiconductor und hatte diesen nach äußerst verlustreichen Jahren wieder zu einem profitablen Unternehmen gemacht. Amelio galt deshalb als talentierter Sanierer, war also genau der Mann, den Apple Mitte der 1990er Jahre benötigte. Knapp 20 Jahre nach der Gründung durchlebte der Mac-Hersteller nämlich alles andere als rosige Zeiten. Durch das Erstarken von Microsoft, das mit Windows den Markt der Betriebssysteme beherrschte, war Apple unter starken Druck geraten. Zudem trug der Misserfolg des Newton zur Krise des Unternehmens bei.


Gil Amelio

Nicht an vorherige Erfolge angeknüpft
Allerdings konnte Amelio bei Apple nicht an die Erfolge anknüpfen, die er bei National Semiconductor aufzuweisen hatte. Neben seiner Tätigkeit in Apples Board of Directors blieb er CEO des Chipherstellers. 1996 schließlich löste er Michael Spindler als Apple-Chef ab. Während seiner rund 500 Tage als CEO des kalifornischen Konzerns versuchte er, das Unternehmen vor allem durch Kostensenkungen wieder profitabel zu machen. Unter anderem stoppte er die Entwicklung eines neuartigen Betriebssystems namens Copland und setzte statt dessen auf Mac OS 8. In Amelios Zeit im Board fällt auch die kurze Episode der Lizenzierung des hauseigenen Betriebssystems an andere Computerhersteller, dieses Experiment zahlte sich für Apple allerdings nicht aus.

Rückkehr von Steve Jobs eingeleitet
Als Amelios weiseste Entscheidung stellte sich im Nachhinein der Kauf von NeXT heraus. Mit dieser leitete der Manager allerdings gleichzeitig sein eigenes Ende bei Apple ein. Durch den Kauf des von Steve Jobs nach seinem Abschied von Apple gegründeten Computerherstellers kehrte der "Vater" des Mac-Herstellers ins Unternehmen zurück und löste Amelio nur wenige Monate später als CEO ab. Damit war der Grundstein für Apples bis heute anhaltenden Aufstieg gelegt.

Kommentare

PorterWagoner
PorterWagoner13.11.19 14:17
Das waren wirklich bewegte Zeiten damals, denn als Mac-Anwender musste man sich immer wieder mit dem Gedanken befassen, dass es vielleicht bald einfach keine Macs mehr gibt und man dann auf das verhasste Windows zu wechseln hat. Das schwebte auch bei geplanten Neukäufen immer im Hinterkopf. Ich erinnere mich noch daran, als der offene Brief von Apple kam mit Eingeständnis, dass die Dinge gerade nicht toll laufen. Da sah ich mich schon im Windows-Lager.
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