"Verhalten wie Malware-Anbieter": Adobe ändert wichtige Systemdatei


Das Unternehmen Adobe hat seinen Hauptsitz im kalifornischen San José, 14 Kilometer vom Apple Park entfernt – und ist auch sonst eng mit Apple verwoben: Software wie Photoshop, Premiere, Illustrator und InDesign erscheinen stets für macOS ebenso wie für Windows. Die hochpreisigen Gestaltungs-Apps motivierten in der Vergangenheit einige Nutzer dazu, auf Raubkopien auszuweichen, weshalb das Unternehmen zunehmend ausufernde Kopierschutzmaßnahmen ergriffen hat. Jetzt entdeckte ein Reddit-Nutzer eine kontroverse Änderung: ein Eintrag in der
hosts-Datei von macOS, exklusiv für einen bestimmten URL-Aufruf.
Der Eintrag in der Datei /etc/hosts ist für Laien nur schwer aufzuspüren, der Ordner auf der obersten Ebene der Systempartition bleibt im Finder versteckt und lässt sich nur über das Tastenkürzel
+. (Punkt) sichtbar machen. Ändern lässt sich die hosts-Datei nur mit Admin-Rechten. Der Eintrag selbst besteht aus drei Zeilen, von denen zwei Kommentare sind. Effektiv handelt es sich also um einen einzigen Eintrag:
## Adobe Creative Cloud WAM- Start##
166.117.29.xyz detect-ccd.creativecloud.adobe.com
## Adobe Creative Cloud WAM - End ##
Modifikationen der /etc/hosts-Datei sind zwar in Server-Szenarien üblich, doch auf einem Anwendersystem eher selten zu finden – die Auswirkungen können unvorhersehbar sein. Bei Schadsoftware hingegen ist diese Masche weitverbreitet, da sich auf diesem Weg bestimmte URL-Aufrufe gezielt auf andere Server umleiten lassen.
Eine unveränderte hosts-Datei von macOS – man beachte den Warnhinweis.
Überprüfung bei Browser-AnmeldungReddit-Nutzer
thenickdude hat eine Theorie für die Ursache: Ruft man die Website von Adobe auf, versucht ein JavaScript-Befehl eine Datei namens „cc.png“ von der in der hosts-Datei angegebenen URL zu laden. Wurde auf dem Rechner Creative Cloud installiert und dabei auch der Eintrag in der hosts-Datei hinzugefügt, funktioniert der Dateiabruf. Lädt die Datei nicht, meldet JavaScript einen Fehler an den Webserver. Vor einiger Zeit sprach die JavaScript-Funktion direkt „http://localhost“ an. Doch nachdem Googles Chrome-Browser vergangenen Sommer solche Verbindungsanfragen mit einer
Berechtigungsanfrage versehen hat, entschied sich Adobe offenbar für diesen kontroversen Workaround.
"Keine Unterschiede zu Schadsoftware"Die Entdeckung löste umfangreichen Widerspruch aus. John Gruber fragt rhetorisch, was geschehe, wenn jede installierte Software einen Eintrag in /etc/hosts hinterlasse. Er erinnert sich an Zeiten, als Adobe eine Festung bester Entwickler-Praktiken gewesen ist. Inzwischen sei der Creative-Cloud-Installer nicht von Schadsoftware zu unterscheiden. Die erste Hälfte der Aussage ist wohl eher eine Einzelmeinung, die zweite findet allgemeine Zustimmung. Auf Reddit merkt ein sarkastischer Kommentar an, dass eine Raubkopie mittlerweile stabiler laufe, schneller starte und weniger ins System eingreife.