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REWIND erklärt: Warum die variable Irisblende im neuen iPhone 18 Pro eine große Sache ist

Apple Events wie diese Woche sind immer vollgestopft mit größeren und kleineren Neuigkeiten rund um das Apple-Universum. Eine davon war die Implementation einer variablen Irisblende im iPhone 18 Pro. Diese bringt die iPhone-Fotografie wieder ein gutes Stück voran. REWIND erklärt, warum.


In der Fotografie gibt es die variable Irisblende oder Aperturblende schon seit einer Ewigkeit, nämlich seit etwa 1858. In der analogen wie digitalen Fotografie wird sie seit jeher genutzt, um die Helligkeit des Bildes gleichmäßig zu beeinflussen, bzw. um die Lichtmenge, die auf den Film/Sensor fällt, zu steuern. Dazu werden mehrere Blendenlamellen ringförmig und beweglich so angeordnet, dass sie sich ähnlich wie die Iris des menschlichen Auges weiter öffnen oder schließen lassen. – Vereinfacht ausgedrückt.


Die genaue Funktionsweise sowie besondere Vorteile und die Wirkungen, die damit bei der Bildgestaltung erzielt werden können, will ich hier nicht im Detail erläutern. Dazu gibt es genug umfangreiche Erklärungen im Netz. Aber der Einsatz einer variablen Irisblende (Wikipedia) in einem Smartphone, wie in Kürze mit dem neuen iPhone 18 Pro verfügbar, ist schon etwas Besonderes, denn eigentlich brauchen Smartphones mit ihren verhältnismäßig kleinen Optiken und Bildsensoren aus physikalischen Gründen keine variable Blende. Eine Blende haben sie trotzdem alle. Aber die ist bei Smartphones in aller Regel (es gibt wenige Ausnahmen) nicht variabel, also nicht in der Öffnungsgröße verstellbar. Die Blende in Smartphones sieht meist aus wie eine sehr flache Unterlegscheibe für Schrauben, einfach mit einem kreisförmigen Loch in der Mitte, dessen Durchmesser genau auf die Optik abgestimmt ist. Mechanisch beweglich ist da nichts.

Blende zu im neuen iPhone 18 Pro
Apple hat nun für das iPhone 18 Pro/Max eine winzig kleine verstellbare Irisblende entwickelt. Apple schreibt: "Sechs laser­geschnittene Lamellen sorgen für einen sanften Übergang zwischen verschiedenen Blendenöffnungen." Das wird bei genauerer Betrachtung aber schon relativiert, denn real ist die Blende im 18 Pro nur in vier festen Stufen verstellbar. Zum Vergleich: Viele DSLR-Objektive haben (je nach Blendenbereich) mindestens Acht bis weit über 20 Blendenstufen verfügbar. Doch auch mit nur vier Blendenstufen erweitert dieses neue Feature in iPhones die fotografischen Möglichkeiten.


Die verfügbaren Blendenwerte beim iPhone 18 Pro sind f/1,48, 1,8, 2,8 und 4. Der Einstellbereich dürfte Fotografen, die sonst etwa mit Vollformatsensoren fotografieren, sehr gering vorkommen. Bei f/4 fangen viele Systemobjektive gar erst an und die Einstellmöglichkeit reicht dann oft bis Blende f/24 oder noch höher. Für das iPhone ist das aber nicht erforderlich, denn in Relation entspricht f/4 am iPhone immerhin Blende f/13,7 bei Vollformat – bezogen auf die Tiefenschärfe, nicht auf die Belichtung. Zum Vergleich: Die offene Einstellung f/1,48 entspricht ungefähr f/5,1 bei Vollformat.


Aber wozu braucht man eine verstellbare Blende überhaupt? Die Meisten werden dabei erst mal an das Schlagwort Bokeh denken, welches in den letzten Jahren unter Fotografierenden die Runde gemacht hat. Gemeint ist damit der Unschärfebereich abseits des Hauptmotives. Wie unscharf der ist, lässt sich – bei Kameras mit deutlich größeren Sensoren als Smartphones und abhängig vom verwendeten Objektiv – über die variable Blende steuern. Je kleiner der eingestellte Blendenwert, respektive je größer die Blendenöffnung, desto unschärfer der Bereich abseits des Fokus. Oder anders ausgedrückt: Die Tiefenschärfe wird umso geringer, je größer die Blendenöffnung, und desto mehr Licht gelangt auf den Sensor.

Die Wirkung setzt umso stärker ein, je größer der verwendete Bildsensor ist. Oder wieder umgekehrt: Je kleiner der Sensor, desto weniger unscharfen Hintergrund kann man auf optischem Wege erzielen. Das Bokeh, also dieser sehr weich und ätherisch wirkende Unschärfebereich, der das Hauptmotiv besonders "dreidimensional" hervortreten lässt, ist deshalb bei Smartphones mit ihren relativ kleinen Sensoren kaum ausgeprägt. iPhone & Co. machen ihre Aufnahmen praktisch immer bei "Offenblende". Die fest eingesetzte "Unterlegscheibe" mit dem runden Loch ist quasi das, was bei einer Irisblende der größtmögliche Öffnung entspricht. – Und trotzdem sieht man bei Smartphone-Fotos nur wenig bis gar kein Bokeh in den Aufnahmen.

Heutzutage erzeugen Smartphones wie das iPhone Bokeh bei Bedarf künstlich. Dank einer genauen Tiefenanalyse der Szene, schlauen Algorithmen und viel Rechenleistung, kann das sonst rein optisch bedingte Bokeh größerer Sensoren sehr realistisch nachgebildet werden. Inzwischen klappt das so gut, dass Laien keinen Unterschied mehr zu Systemkameras erkennen. Und selbst Foto-Experten können das nicht immer genau auseinander halten.

Mehr Tiefe, mehr "Zeit"
Eine variable Blende ist bei Smartphones kein Ersatz, um viel schönes weiches Bokeh zu erzeugen. Das geht auf optischen Wege mit den kleinen Sensoren nicht annähernd so gut, wie mit großformatigen Sensoren. Aber ein wenig Unschärfe abseits des Fokus erzeugen auch Sensoren, wie die im iPhone. In bestimmten Motivsituationen, in denen maximale Tiefenschärfe gewünscht ist, reicht die "natürliche" Tiefenschärfe* dann nicht aus. In dieser Situation wäre abblenden auf einen größeren Blendenwert hilfreich. Und genau das ist mit dem iPhone 18 Pro nun möglich. Maximal f/4 reicht dabei völlig aus, um Szenen wie die Folgende mit bestmöglicher Tiefenschärfe zu erzeugen. Das Beispiel wurde sogar nur mit f/2,8 aufgenommen.


Noch weiter auf f/4 abzublenden kann sich in anderen Situatationen lohnen. Nämlich immer dann, wenn es darum geht, längere Belichtungszeiten zu erzielen. Heutige Smartphones wie das iPhone haben recht lichtstarke Objektive. Die Hauptkamera des iPhone 17 Pro etwa f/1,78, das neue 18 Pro sogar f/1,48. Bei hellem Umgebungslicht oder gar strahlendem Sonnenschein müssen iPhones deswegen sehr kurze Belichtungszeiten berwenden, oft verbunden mit stark verringerter ISO-Empfindlichkeit. Trotzdem reicht das manchmal nicht aus, um Überbelichtungen zu vermeiden. Beispielsweise wäre es in manchen Gegenlichtsituationen sinnvoll, stark abblenden zu können, um Details in hellen Bereichen zu erhalten. Wie oft habe ich es erlebt, dass die virtuelle Belichtungskorrektur im iPhone nicht ausreicht? Zu oft! Optisch abblenden zu können wäre da sehr hilfreich.


Eine andere Möglichkeit, die sich ergibt, liegt darin, attraktive Blendeneffekte zu erzeugen, oder Bewegungsunschärfe ins Bild zu bringen, wie Apple mit den folgenden zwei Bildern demonstriert:


Die Blendeneinstellung des iPhone 18 Pro ist Teil der neuen "Pro controls" in der Foto App, die auch noch weitere Einstellungen erlauben, auf die Fotografen schon eine Ewigkeit gewartet haben. Etwa die manuelle Einstellung der Farbtemperatur, ein Histogramm und nicht zuletzt die Verschlusszeit.

Natürlich wird das iPhone damit für fotografische Laien nicht komplizierter. Die Einfachheit der Automatikfunktionen, gepaart mit den mächtigen Fähigkeiten der "Computational Photography" bleiben erhalten. Doch endlich ziehen in der hauseigenen Foto-App mehr Kontrollen für diejenigen ein, die größeren kreativen Einfluss auf das Ergebnis nehmen wollen.


Die ohnehin schon sehr beeindruckenden fotografischen Möglichkeiten mit dem iPhone werden mit dem neuen 18 Pro nun noch umfangreicher. Die Ergebnisse sind schon jetzt in vielen Bereichen so überzeugend, dass Bilder oft gar nicht mehr von solchen mit Systemkameras unterschieden werden können. Selbst Experten tun sich dabei oft schwer und können (solange keine Metadaten die Herkunft verraten) höchstens noch durch "Pixel Peeping" (Untersuchung des Bildes auf Pixelebene) erkennen, ob die Aufnahme von einer DSLR oder einem Smartphone stammt.

Fazit: Ein weiterer Sargnagel für Systemkameras
Viele Fotofans, die für viel Geld Kamera, Objektive und weiteres Equipment angeschafft haben, werden mir vehement widersprechen. Aber ich – der ich selbst lange, lange Zeit ein eingefleischter Fan von Systemkameras war – bin jetzt endgültig an dem Punkt angekommen, an dem ich ernsthaft über einen Verkauf meiner Kameraausrüstung nachdenke. Im letzten Jahr habe ich etwa 99 % aller Fotos mit dem iPhone 17 Pro geschossen. Einschließlich zahlreicher Produktfotos. Deren Erzeugung erweist sich mit dem iPhone als wesentlich unkomplizierter und schneller in der Nachbearbeitung. Von der Aufnahme bis zur Veröffentlichung benötige ich mit dem iPhone wesentlich weniger Zeit, und die Ergebnisse überzeugen nicht weniger. Zumindest habe ich noch keine Beschwerden deswegen vernommen.

Mit der neuen variablen Blende (die Apple zum Frust vieler leider nicht im neuen iPhone Duo verbaut, dessen großes Innendisplay prädestiniert für kreative fotografische Anwendungen wäre) und in Verbindung mit den endlich eingeführten "Pro controls" in der Fotos App, erweitern sich die Möglichkeiten der iPhone Fotografie (und natürlich auch für Videografen), nochmals erheblich.

Ob ich deswegen von meinem erst letztes Jahr angeschafften iPhone 17 Pro umsteigen werde, habe ich noch nicht entschieden, aber der Reiz ist schon groß. Normalerweise behalte ich mein iPhone für mindestens vier, fünf Jahre. Doch vor allem die neuen Kamerafeatures, explizit die variable Blende, könnten sich für mich auszahlen. Ich warte aber erst mal Erfahrungsberichte ab, wie weitreichend die Möglichkeiten mit den vier verfügbaren Blendenstufen tatsächlich sind. – Was ich auch anderen Nutzern in einer ähnlichen Situation empfehle.


*oder auch Schärfentiefe. Für beide Ausdrucksweisen gibt es Argumente. Ich bleibe bei Tiefenschärfe. Der Kompromiss nennt sich Tärfenschiefe.

Kommentare

Gammarus_Pulex
Gammarus_Pulex12.09.26 08:18
Aber der fürs Endergebnis interessanteste Punkt wurde gar nicht erwähnt: Das iPhone kann jetzt Blendensterne
-3
Uwe Kempf12.09.26 08:31
Ich finde auch, dass das sehr verlockende, neue Features sind. In Hardware und Software.

Und ich kann dem Autor auch nur zustimmen: meines Systemkamera bleibt auch immer häufiger im Regal. Das iPhone übernimmt an vielen Stellen.

Schade, finde ich nur, dass man sehr viel investieren muss, um am iPhone diese Features nutzen zu können.

Wenn man das „normale“ iPhone 18 in einigen Monaten kaufen kann, werden diese Features natürlich leider nicht enthalten sein. Das gilt ja z.B. auch schon langem für das ProRaw Format.

Das finde ich aus zwei Gründen äußerst bedauerlich: Das iPhone Pro ist natürlich deutlich teurer und es ist deutlich schwerer. Ich bevorzuge die „normale“ Bauform des iPhones. Das empfinde ich persönlich als sehr viel handlicher.

Schade, dass man als Foto Enthusiast mit einem normalen iPhone sehr stark beschnitten wird.

Ich wäre auch durchaus bereit, ein Art Software Upgrade zu zahlen für die Freischaltung von ProRaw oder ähnlichen Software basierenden Features. Das könnte doch sogar eine gute Einnahmequelle für Apple sein.

Die Hardware der normalen iPhone Serie ist natürlich im Stande, zum Beispiel auch ein ProRaw zu erstellen.
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frankenstein12.09.26 09:04
"...entspricht f/4 am iPhone immerhin Blende f/13,7 bei Vollformat – bezogen auf die Tiefenschärfe, nicht auf die Belichtung."

Doch, auch die Belichtung. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum.

Die Blende sagt nur etwas über das relative Verhältnis zwischen Brennweite und Öffnungs-Druchmesser aus (z.B. 50mm/25mm = F2). Die ISO-Werte sind ebenfalls keine absolute Zahl, sondern werden "rückwärts" ermittelt. Vereinfacht gesprochen: Der Kamera-Hersteller mißt, wie stark das durch die Photonen erzeugte Signal verstärkt werden muss, biss eine Norm-Helligkeit erreicht ist. Das ist dann z.B. ISO 100 bei dieser Kamera.

Entscheidend für die tatsächliche, physikalische Lichtstärke eines Objektivs ist die absolute Größe der Öffnung, und damit die Anzahl Photonen, die es auffangen kann. Wie ein Behälter im Regen: Eine Fingerhut fängt in der gleiche Zeit weniger Regen auf als ein Waschbottich. Das ist der Grund, warum lichtstarke Objektive größere Front-Elemente (und damit auch größere absolute Blenden-Öffnungen) brauchen.

Die iPhone-Linse mit F1.48 kann niemals so viel Photonen (=Licht!) auffangen wie ein F1.48 Vollformat Objektiv. Es geht physikalisch nicht, die Photonen treffen einfach nicht auf die Linse. Daher muss das iPhone das Signal viel mehr verstärken. Und durch die Verstärkung entsteht das Rauschen – besonders in den dunklen Bereichen oder Nachts, wenn nur wenige Photonen da sind.

Verschlimmert wird das ganze noch durch die kleine Sensor-Fläche, aber der Hauptfaktor ist die winzige Objektiv.
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