Interview mit KI-Kritiker: "Wenn die Blase platzt, sitzt Apple am Rand und schaut allen beim Brennen zu"


Könnte sich Apples später Start von Apple Intelligence samt Siri AI rückblickend als Glücksfall herausstellen? In einem
Interview mit dem bekannten KI-Kritiker Ed Zitron geht es unter anderem um dieses Thema. Zitron stellt darin vor allem die aktuellen Entwicklungen und die Ökonomie rund um KI-Lösungen infrage, sieht aber Apple als möglichen Profiteur.
Die enttäuschende Resonanz auf die erste Umsetzung von Apple Intelligence habe das Unternehmen davon abgehalten, ebenfalls Hunderte Milliarden Dollar in Rechenzentren zu versenken. Stattdessen kauft Cupertino benötigte Modellleistung ein, nutzt möglichst viel lokale Verarbeitung und hält die eigenen Investitionen vergleichsweise begrenzt.
Apple investiert vergleichsweise wenig – und könnte der lachende Dritte seinSollte Rechenleistung später wegen Überkapazitäten, effizienteren Modellen und Konkurrenz billiger werden, hätte Apple tatsächlich vieles richtig gemacht. Der Konzern könnte günstiger einkaufen, angeschlagene Spezialisten zu einem Bruchteil des aktuellen Marktwerts übernehmen und eigene Lösungen nachziehen, ohne zuvor den gesamten Boom durch aberwitzige Ausgaben mitfinanziert zu haben. Zitron formuliert das drastisch: Vielleicht stehe Apple dann an der Seitenlinie und sehe zu, wie alles brenne. Zwar bezahle Apple derzeit ebenfalls aufgrund explodierender Speicherpreise für die KI-Blase, profitiere aber möglicherweise ganz besonders von ihrem Platzen.
Große Anbieter: Mehr Investitionen als CashflowEin zentraler Punkt von Zitrons Kritik richtet sich gegen die groteske Größenordnung des Infrastrukturaufbaus. Für 2026 werden bei Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft zusammen rund 650 Milliarden Dollar an KI-bezogenen Investitionen erwartet. Reuters kommt inzwischen sogar zu dem Ergebnis, dass die großen Anbieter bei unverändertem Kurs bereits 2027 zusammen mehr investieren könnten, als sie an freiem Cashflow erzeugen. Wie daraus jemals stabile und ausreichende Gewinne entstehen sollen, bleibt die offene Frage auf dem Markt.
OpenAI, Anthropic und andere verkaufen ihre Angebote meist als relativ günstige Pauschalabos, obwohl besonders intensive Nutzer ein Vielfaches ihrer Monatsgebühr an Rechenkosten auslösen können. Das ist an sich auch noch kein Problem, denn Mobilfunktarife, Versicherungen oder Fitnessstudios setzen genauso auf derlei Kalkulationen. Die entscheidende Frage lautet aber, ob Durchschnittsnutzung, Unternehmenskunden und steigende Preise langfristig ausreichen, die Investitionen zu rechtfertigen.
Kompletter Crash – oder doch nicht?Seine dargebotene Gewissheit, alles müsse zwangsläufig zusammenbrechen, kein Rechenzentrum werde profitabel sein, KI-Produkte hätten generell kaum Nutzen, jedes KI-Startup sei wirtschaftlich nicht tragfähig, ist hingegen mehr Weltanschauung als objektive Betrachtung. Er beschreibt zudem ein denkbares Crash-Szenario – aber weder das einzig mögliche noch den unweigerlichen Ausgang. Die These, dass Preise, Kapitalaufwand, Tokenkosten und Finanzierung viel zu selten zusammengedacht werden, trifft jedoch durchaus einen wunden Punkt.
Damit lässt sich festhalten: Apple prägte sicherlich nicht den KI-Markt, doch man steht vor wesentlich geringeren Risiken als andere große Akteure. Sollte die Blase tatsächlich fulminant platzen, könnte Cupertino sogar als Sieger vom Platz gehen, der vieles erntet, das man gar nicht selbst säte.