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Interview mit KI-Kritiker: "Wenn die Blase platzt, sitzt Apple am Rand und schaut allen beim Brennen zu"

Könnte sich Apples später Start von Apple Intelligence samt Siri AI rückblickend als Glücksfall herausstellen? In einem Interview mit dem bekannten KI-Kritiker Ed Zitron geht es unter anderem um dieses Thema. Zitron stellt darin vor allem die aktuellen Entwicklungen und die Ökonomie rund um KI-Lösungen infrage, sieht aber Apple als möglichen Profiteur.

Die enttäuschende Resonanz auf die erste Umsetzung von Apple Intelligence habe das Unternehmen davon abgehalten, ebenfalls Hunderte Milliarden Dollar in Rechenzentren zu versenken. Stattdessen kauft Cupertino benötigte Modellleistung ein, nutzt möglichst viel lokale Verarbeitung und hält die eigenen Investitionen vergleichsweise begrenzt.


Apple investiert vergleichsweise wenig – und könnte der lachende Dritte sein
Sollte Rechenleistung später wegen Überkapazitäten, effizienteren Modellen und Konkurrenz billiger werden, hätte Apple tatsächlich vieles richtig gemacht. Der Konzern könnte günstiger einkaufen, angeschlagene Spezialisten zu einem Bruchteil des aktuellen Marktwerts übernehmen und eigene Lösungen nachziehen, ohne zuvor den gesamten Boom durch aberwitzige Ausgaben mitfinanziert zu haben. Zitron formuliert das drastisch: Vielleicht stehe Apple dann an der Seitenlinie und sehe zu, wie alles brenne. Zwar bezahle Apple derzeit ebenfalls aufgrund explodierender Speicherpreise für die KI-Blase, profitiere aber möglicherweise ganz besonders von ihrem Platzen.

Große Anbieter: Mehr Investitionen als Cashflow
Ein zentraler Punkt von Zitrons Kritik richtet sich gegen die groteske Größenordnung des Infrastrukturaufbaus. Für 2026 werden bei Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft zusammen rund 650 Milliarden Dollar an KI-bezogenen Investitionen erwartet. Reuters kommt inzwischen sogar zu dem Ergebnis, dass die großen Anbieter bei unverändertem Kurs bereits 2027 zusammen mehr investieren könnten, als sie an freiem Cashflow erzeugen. Wie daraus jemals stabile und ausreichende Gewinne entstehen sollen, bleibt die offene Frage auf dem Markt.

OpenAI, Anthropic und andere verkaufen ihre Angebote meist als relativ günstige Pauschalabos, obwohl besonders intensive Nutzer ein Vielfaches ihrer Monatsgebühr an Rechenkosten auslösen können. Das ist an sich auch noch kein Problem, denn Mobilfunktarife, Versicherungen oder Fitnessstudios setzen genauso auf derlei Kalkulationen. Die entscheidende Frage lautet aber, ob Durchschnittsnutzung, Unternehmenskunden und steigende Preise langfristig ausreichen, die Investitionen zu rechtfertigen.


Kompletter Crash – oder doch nicht?
Seine dargebotene Gewissheit, alles müsse zwangsläufig zusammenbrechen, kein Rechenzentrum werde profitabel sein, KI-Produkte hätten generell kaum Nutzen, jedes KI-Startup sei wirtschaftlich nicht tragfähig, ist hingegen mehr Weltanschauung als objektive Betrachtung. Er beschreibt zudem ein denkbares Crash-Szenario – aber weder das einzig mögliche noch den unweigerlichen Ausgang. Die These, dass Preise, Kapitalaufwand, Tokenkosten und Finanzierung viel zu selten zusammengedacht werden, trifft jedoch durchaus einen wunden Punkt.

Damit lässt sich festhalten: Apple prägte sicherlich nicht den KI-Markt, doch man steht vor wesentlich geringeren Risiken als andere große Akteure. Sollte die Blase tatsächlich fulminant platzen, könnte Cupertino sogar als Sieger vom Platz gehen, der vieles erntet, das man gar nicht selbst säte.

Kommentare

euha0129.07.26 09:20
Die Argumentation erschließt sich mir nicht: warum sollte Apple profitieren, wenn die KI-Blase platzen sollte (im Halbleiterbereich ist dies mit Rückgängen von 35% ja schon passiert). Sicherlich wird die Aktie nicht so in Mitleidenschadft gezogen werden, aber profitieren? Aus welchem Grund? Die Kosten für Chips etc. werden hochbleiben. Warten wir mal die Zahlen Do Abend ab. Mit einem KGV von 40% ist die Aktie sehr hoch bewertet im Moment.
-20
spheric
spheric29.07.26 09:33
euha01
Die Argumentation erschließt sich mir nicht: warum sollte Apple profitieren, wenn die KI-Blase platzen sollte (im Halbleiterbereich ist dies mit Rückgängen von 35% ja schon passiert). Sicherlich wird die Aktie nicht so in Mitleidenschadft gezogen werden, aber profitieren? Aus welchem Grund?
„Sollte Rechenleistung später wegen Überkapazitäten, effizienteren Modellen und Konkurrenz billiger werden, hätte Apple tatsächlich vieles richtig gemacht. Der Konzern könnte günstiger einkaufen, angeschlagene Spezialisten übernehmen oder eigene Lösungen nachziehen, ohne zuvor den gesamten Boom durch aberwitzige Ausgaben mitfinanziert zu haben.“

Apple würde dann von den günstigen Kosten profitieren, aber am meisten davon, im Vergleich zu anderen KI-Anbietern viel, viel weniger Geld in eine wertlos gewordene Infrastruktur investiert zu haben.
Früher war auch schon früher alles besser!
+32
Oceanbeat
Oceanbeat29.07.26 09:55
Und dann sämtliche KI-Farmen als Cluster betreiben um endlich einmal die Weltformel zu berechnen…
Wenn das Universum expandiert, werden wir dann alle dicker...?
+5
Unwindprotect29.07.26 10:03
euha01
Die Argumentation erschließt sich mir nicht: warum sollte Apple profitieren, wenn die KI-Blase platzen sollte (im Halbleiterbereich ist dies mit Rückgängen von 35% ja schon passiert). Sicherlich wird die Aktie nicht so in Mitleidenschadft gezogen werden, aber profitieren? Aus welchem Grund? Die Kosten für Chips etc. werden hochbleiben. Warten wir mal die Zahlen Do Abend ab. Mit einem KGV von 40% ist die Aktie sehr hoch bewertet im Moment.

Vereinfacht gesprochen… es gibt zwei Arten von „Blasen“: bei den einen platzt die Blase und alles ist kaputt - es bleibt nichts verwertbares übrig. Bei anderen platzt die Blase, aber sie hinterlässt dennoch reale Werte am Markt.

Im Bereich der KI-Blase sind ja trotzdem Rechenzentren gebaut worden. Es sind auch KI-Modelle entstanden die man nutzen kann.

Die Frage ist eben wer sich diese Werte beim Platzen der Blase sichern kann. Auch die aktuellen Player in dem Feld haben sicherlich alles versucht um ihren eigenen Hals aus der Schlinge zu halten. Am Ende werden die gigantischen Verluste vermutlich einfach wieder sozialisiert und die Player kaufen die Werte billig auf um dann damit große Profite zu machen.
+6
hal5329.07.26 10:03
Die Überkapazitäten werden zu einem Preisverfall führen, von welchem Apple dann profitieren würde, wenn verschiedene Anbieter miteinander konkurrieren. Der return on investment bei den KI-Investoren wird sich aufgrund des Preisverfalls durch die Konkurrenzsituation zeitlich in die Länge ziehen. Da Apple einkauft und nicht selbst in den Ausbau der KI investiert hat, ergeben sich hier Vorteile.
+3
Radiodelta
Radiodelta29.07.26 10:08
Oceanbeat
Und dann sämtliche KI-Farmen als Cluster betreiben um endlich einmal die Weltformel zu berechnen…
Und das Ergebnis ist 42
+23
Unwindprotect29.07.26 10:21
Wobei... nach etwas überlegen über was ich schrieb...

Bei den vergangenen Blasen wurden Restwerte von "überschuldeten Newcomer" dann von den alten Cash-reichen Aufkäufern von außen aufgekauft. Diesmal sind die Bauherren aber die Cash-reichen! Die potentiellen Blasen-Verkäufer sind die verschuldete zweite Reihe (Neoclouds wie CoreWeave, Nebius, Lambda... usw). D.h. der Kreis der den Markt eh bereits dominiert wird wohl seine Kinder fressen. Konzentration statt Umverteilung.

Allerdings ist eben die Frage ob es überhaupt ein Platzen gibt. Die größten Sozialisierungseffekte haben wir ja bereits: Stromkosten sind hoch (und bleiben). Die Finanzierung der Big Player ist letztlich bei Versicherern, Pensionsfonds und Kreditfonds. Die Allgemeinheit wird also locker 10 Jahre lang extrem schlechte Renditen und sehr hohe Energiekosten stemmen. Davon werden die Kredite getilgt. Gleichzeitig konsolidiert sich der Markt indem die dominanten Player die zweite Reihe fressen und so noch mehr Macht kriegen.

Dies strebt schnell auf effektiv einen "Tech-Feudalismus" zu, in dem die Milliardäre dieses Sektors letztlich ungestört von Demokratie und Gesetz agieren können und die meisten Menschen unter äußerst prekären Umständen leben.
+4
UWS29.07.26 10:33
Das Problem bei solchen Beiträgen wie denen von Mr. Zitron und vielen anderen liegt ja auf der Hand. Keiner kann voraussehen, wie sich bestimmte Dinge entwickeln. Nachher zu sagen, dass etwas richtig oder falsch war, ist bekanntlicherweise sehr einfach. Nach der Logik hätte es Firmen wie Amazon und Tesla nie geben dürfen.

Man kann wohl kaum abstreiten, dass KI tatsächlich in vielen Bereichen eine nützliche Angelegenheit ist. Wie nützlich und wie hoch der Gegenwert ist, darüber kann man natürlich diskutieren. Im Gegensatz zu anderen "Blasen" erwirtschaften einige der Marktteilnehmer in den Nicht-KI-Bereichen signifikante Umsätze. Andere finanzieren sich fast ausschließlich durch Investoren. Klar, das kann auch schief gehen und es werden nicht alle Firmen überleben. Ob falls ja wie das dann andere Teile der Wirtschaft mitreißt, ist möglich, aber schwer abzuschätzen.

Die gigantischen Investitionen in Technik haben letztlich nur einen Hintergrund: Modelle werden mit immer mehr Rechenleistung eben besser und nicht in erster Linie schneller. Und da ist die Sache mittlerweile auch eine strategische Angelegenheit. Es geht eben nicht darum, das man noch "lustigere" KI-Videos generieren kann oder sich mit 20 Dollar-Abos zu refinanzieren...deswegen spielt der Aufwand, der da betrieben wird, am Ende keine Rolle – die Frage nach Kosten für Strom, Hardware oder das komplette Abschöpfen und Ignorieren aller lästigen Urheberrechte ist allen Beteiligten erstmal egal.

Und abschließend zum Thema Apple: Auch da ist keine seriöse Prognose möglich. Kann man mit der deutschen Autoindustrie vergleichen. Da wurde ja postuliert: "Eine Batterie für ein E-Auto ist ein reines Zukaufprodukt." War das jetzt die richtige oder falsche EInschätzung?
There is no cloud…it’s just someone else’s computer.
+3
Metty
Metty29.07.26 10:56
UWS
Das Problem bei solchen Beiträgen wie denen von Mr. Zitron und vielen anderen liegt ja auf der Hand. Keiner kann voraussehen, wie sich bestimmte Dinge entwickeln.
Wenn eine Firma deutlich mehr Geld investiert als sie auch nur eine Chance hätte irgendwann mal wieder rein zu bekommen, dann kann man voraussehen wie sich bestimmte Dinge entwickeln.
+7
Unwindprotect29.07.26 10:56
UWS
Man kann wohl kaum abstreiten, dass KI tatsächlich in vielen Bereichen eine nützliche Angelegenheit ist. Wie nützlich und wie hoch der Gegenwert ist, darüber kann man natürlich diskutieren. Im Gegensatz zu anderen "Blasen" erwirtschaften einige der Marktteilnehmer in den Nicht-KI-Bereichen signifikante Umsätze. Andere finanzieren sich fast ausschließlich durch Investoren. Klar, das kann auch schief gehen und es werden nicht alle Firmen überleben. Ob falls ja wie das dann andere Teile der Wirtschaft mitreißt, ist möglich, aber schwer abzuschätzen.

Ich glaube Du unterschätzt den ökonomischen Effekt von Marktveränderungen und Investitionen dieser Größenordnung.
UWS
Die gigantischen Investitionen in Technik haben letztlich nur einen Hintergrund: Modelle werden mit immer mehr Rechenleistung eben besser und nicht in erster Linie schneller.

Das ist allerdings kein Fakt sondern eher schon vom Marketing-Blatt vorgelesen. Die Idee, dass KI-Modelle mit mehr Training "immer besser" werden ist höchst fragwürdig. Ich würde behaupten, dass die größten Fortschritte seit mindestens einem Jahr nicht wirklich in Form von Modellen passierte sondern in "Harness"-Software. Letztlich Softwaretools mit welchen es einfacher wird einen zur Aufgabe stimmigen Kontext zu erstellen. Das ist mehr oder minder herkömmliches Softwareengineering - sicherlich, viel Coding hat man mit Agents gemacht, aber dennoch ist das Resultat kein "besser trainiertes Modell" sondern eine Software zur besseren Kontextbildung.

Viele haben z.B. berichtet, dass man auch mit Claude Opus und einem gut optimierten Harness ähnlich gute Ergebnisse erzielen kann wie mit Claude Fable. Das lässt zumindest die Vermutung aufkommen, dass der Fortschritt von "Fable" hauptsächlich auf etwas besser optimierte Use cases zurückgehen lässt - also das so manche grundlegende sinnvolle Regel des Softwareengineering bereits im Modell verstärkt wurde und nicht mehr entsprechende Regelsätze im Kontext benötigt. Weiterhin natürlich gezieltes Training auf Themen wie "Cybersecurity", kombiniert mit starken Schlagzeilen (siehe Mythos und das Verbots-Drama oder jetzt OpenAI mit seinem Publicity-Hack).

Gleichzeitig versuchen die US-Player immer noch Trump zu einer Form von Regulierung in ihrem Sinne zu bewegen. Wie das der Palantir... äh "Führer" ja deutlich gemacht hat: Regulierung, die sicherstellt, dass die Richtigen (sie selbst) davon profitieren.
+1
Wellenbrett29.07.26 11:02
Bei der Beurteilung der Folgen ist meiner Meinung nach entscheidend, zwischen dem aufwändigen Training der KI-Modelle und dem Betrieb der trainierten Modelle zu unterscheiden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Anzahl der Parameter die das zu betreibende Modell hat. Das ganze Geld für die Rechenzentren dient dem Training und dem Betrieb der ganz großen Modelle.

Es deutet sich an - auch durch den Einstieg Chinas (siehe z.B. diesen Artikel in der Wirtschaftswoche zu Kimi AI: dass es auch für die ganz großen trainierten Modelle in Zukunft konkurrierende Anbieter geben wird, zwischen denen Apple auswählen kann.

Gleichzeitig sind die ganz großen Modelle, die derzeit nicht lokal auf der Hardware (also den Macs und iPads und iPhones) von Apples Kunden ausgeführt werden können, jedoch nur eine Anwendung von vielen. Viele KI-Modelle - z.B. die in der neuen Core Image RAW 9 Engine verwendeten Modelle um Demosaicing und Rauschunterdrückung in einem einzigen Schritt zu vereinen, benötigen jedoch nur viel kleinere Modelle. In macOS 27 gibt es u.a. diese lokalen KI-Funktionen: kontextuelles Verständnis für Siri, lokale Shortcuts per Sprache, Spotlight-Suche, Absichts-Vorhersage beim Tippen, Funktionen zum Umschreiben, Korrigieren und Zusammenfassen von Texten, intelligente Mail-Priorisierung, Suche nach Bildinhalten und Bildretusche in Apple Fotos und so weiter und so fort.

Apple kann einfach zusehen, ob die KI-Blase platzt oder nicht. Ich glaube, wichtig ist es für Apple die Entwickler weg von Nvidia und Python hin zu Swift auf lokaler Apple Hardware zu bekommen: gerüchteweise wird es ja einen Mac Studio mit M7-Prozessor und 1,5TB RAM geben.
+2
UWS29.07.26 11:02
Metty
Wenn eine Firma deutlich mehr Geld investiert als sie auch nur eine Chance hätte irgendwann mal wieder rein zu bekommen, dann kann man voraussehen wie sich bestimmte Dinge entwickeln.
Das stimmt nur, wenn man tatsächlich weiß, wie viel Geld man langfristig wieder reinbekommt. Und genau das kann derzeit niemand qualifiziert voraussagen...
There is no cloud…it’s just someone else’s computer.
+1
UWS29.07.26 11:10
Unwindprotect
Ich glaube Du unterschätzt den ökonomischen Effekt von Marktveränderungen und Investitionen dieser Größenordnung.
Ja, das mag durchaus sein. Aber wer kann das insgesamt bei dieser Wette auf die Zukunft qualifiziert abschätzen?
Unwindprotect
Das ist allerdings kein Fakt sondern eher schon vom Marketing-Blatt vorgelesen. Die Idee, dass KI-Modelle mit mehr Training "immer besser" werden ist höchst fragwürdig.
Ja auch das mag so sein. Es ist ja durchaus auffällig, dass chinesische Modelle trotz scheinbar unterlegener Hardware, da so weit nicht hinterher hinken. Ist im normalen Software-Business ja jetzt auch nicht so selten, dass schlampige Programmierung durch schnellere Hardware aufgefangen wird.
Andererseits, wenn denn gar nichts dran wäre an dieser Theorie, warum dann diese irren Investitionen?
There is no cloud…it’s just someone else’s computer.
0
adokai29.07.26 11:28
Radiodelta
Oceanbeat
Und dann sämtliche KI-Farmen als Cluster betreiben um endlich einmal die Weltformel zu berechnen…
Und das Ergebnis ist 42
Ich machs mir schon mal mit Popcorn und Frage-aller-Frage-Keksen bequem…;-)
0
gfhfkgfhfk29.07.26 11:36
Wenn die Blase platzt wie die Fed enorme Geldmengen in den Markt drücken, um den Flächenbrand mit Geld zu löschen. Das könnte den US$ insgesamt unter Druck bringen. Es bleibt also die Frage offen, ob Apple nicht mit in den Strudel gerissen wird.
Wellenbrett
Ich glaube, wichtig ist es für Apple die Entwickler weg von Nvidia und Python hin zu Swift auf lokaler Apple Hardware zu bekommen: gerüchteweise wird es ja einen Mac Studio mit M7-Prozessor und 1,5TB RAM geben.
Das Problem ist hierbei, dass Apple Hardware nicht zum Training der Modelle taugt. Daher wird man immer nVidias Software Stack oder den von AMD nutzen müssen, und die braucht man fürs Inferencing nicht zu portieren. Die neuen AMD EPYC CPUs erlauben bis zu 4TB lokalen Speicher, und erhöhen die Speicherbandbreite auf 1,6TB/s. Dazu werden Datentypen mit höheren Genauigkeit (INT8, FP16) von AVX512 direkt unterstützt. Es wird spannend wie sich das weiterentwickelt, da die EPYCs mit ihren SIMD Einheiten in Bereiche vorstoßen die bisher den GPUs vorbehalten waren.
+2
Unwindprotect29.07.26 12:01
UWS
Unwindprotect
Ich glaube Du unterschätzt den ökonomischen Effekt von Marktveränderungen und Investitionen dieser Größenordnung.
Ja, das mag durchaus sein. Aber wer kann das insgesamt bei dieser Wette auf die Zukunft qualifiziert abschätzen?

Vermutlich niemand ausreichend sicher. Wir befinden uns eben in einem hochkomplexen dynamischen System mit vielen Variablen.

Was interessant ist, das viele Insider bei Nvidia & Co. seit einiger Zeit erstaunlich große Zahlen an Aktien geplant verkauft haben. Also hier werden jetzt auf einen potentiellen Peak zu Gewinne realisiert die dann ja erstmal sicher sind. Die Verlierer die dann bei fallenden Kursen verkaufen werden sind die ganzen Index-Fonds usw. usf.

Spannenderweise ist Europa da gar nicht mal so schlecht dran: durch strengere Risikokapitalanforderungen usw. sind die Auswirkungen gar nicht mal soooo hoch. Im Prinzip deckelt das von unten. Einerseits profitiert Europa nicht so groß von der KI-Blase (nach oben gedeckelt) aber es wird auch nicht so hart getroffen.

Es gibt ja jetzt starke Stimmen die nach AI-Gigafactories in Europa schreien... gerade zu einer Zeit wenn die Preise peaken... was streng genommen echt schlecht wäre. Wenn wir Glück haben wird die Bürokratie Europas diese Pläne noch 2 Jahre verzögern und man profitiert dann von antizyklischen Investitionen.
UWS
Ja auch das mag so sein. Es ist ja durchaus auffällig, dass chinesische Modelle trotz scheinbar unterlegener Hardware, da so weit nicht hinterher hinken. Ist im normalen Software-Business ja jetzt auch nicht so selten, dass schlampige Programmierung durch schnellere Hardware aufgefangen wird.

Das ist eigentlich ein sich wiederholender Prozess. Vermutlich stimmen die verbreiteten Vorwürfe, das chinesische Anbieter auch Modelle wie jene von Anthropic anzapfen (distilling) und so mit weit geringeren Trainingskosten ähnliche Inferenzleistung kriegen. Gleichzeitig hat der Mangel an Hardware viele chinesische Ingenieure erfinderisch gemacht - einige sehr fortschrittliche Errungenschaften wurden dort deshalb entwickelt.

Die US-Anbieter hatten weniger Bedarf daran, weil sie vermutlich trotzdem leichter mehr Hardware kaufen konnten als sich bessere Methoden zu überlegen - also ja das wäre Dein Argument zu "bessere Hardware fängt schlampige Programmierung auf".
UWS
Andererseits, wenn denn gar nichts dran wäre an dieser Theorie, warum dann diese irren Investitionen?

Es gibt ja eine Gruppe von Ingenieuren (insbesondere bei OpenAI, Anthropic, Nvidia...) die eben genau an diese "Scaling-Regel" glauben. Das ist in der KI-Industrie schon noch die gängige Vorstellung, auch wenn sie insbesondere aus der KI-Forschung bereits stark angezweifelt wird.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch in den R&D-Abteilungen der Industrie entsprechende Stimmen gibt und gerade die starken Entwicklungen in Richtung "Harness" zeigen ja, das man nicht nur auf ein Pferd setzt um heutige KI-Modelle nützlicher einsetzbar zu machen.

Allgemein-Medial herrscht aber definitiv noch diese Idee vor, das man nur immer mehr Energie rein stecken muss und es dann immer "schlauer" wird.
+1
MacDauerwelle
MacDauerwelle29.07.26 12:31
Oceanbeat
Und dann sämtliche KI-Farmen als Cluster betreiben um endlich einmal die Weltformel zu berechnen…
42
0
UWS29.07.26 12:32
Unwindprotect
Einerseits profitiert Europa nicht so groß von der KI-Blase (nach oben gedeckelt) aber es wird auch nicht so hart getroffen.

Da bin ich mir nicht so sicher. Wenn das alles funktioniert ohne Crash, dann wird Europa nicht nur "nicht so groß profitieren", sondern eher weiter abgehängt bzw. komplett abhängig. Da kann man sich dann nur noch aussuchen, ob von den USA oder von China.

Wenn das aber alles NICHT funktioniert, wird Europa auch nicht mit einem blauen Auge davonkommen – das wird weite Teile der Industrie und der Finanzwirtschaft mitreißen, aufgrund der Verflechtungen auch in Europa. Da tendiere ich dann in der Konsequenz eher zur Aussage von
gfhfkgfhfk
...wird die Fed enorme Geldmengen in den Markt drücken, um den Flächenbrand mit Geld zu löschen

Prognosen sind immer schwer, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen. Trotzdem muss man natürlich entscheiden, um irgendwie voran zu kommen. Die KI-Leute machen das gerade exzessiv und die Auswirkungen sind überall zu sehen. Sollte jemand eine Methode finden, die weniger Strom und Hardware benötigt, bei gleichen oder sogar besseren Ergebnissen wird das erst so richtig disruptiv. Erinnert mich alles so ein wenig an Margin Call
There is no cloud…it’s just someone else’s computer.
0
Wellenbrett29.07.26 12:33
gfhfkgfhfk
...
Wellenbrett
Ich glaube, wichtig ist es für Apple die Entwickler weg von Nvidia und Python hin zu Swift auf lokaler Apple Hardware zu bekommen: gerüchteweise wird es ja einen Mac Studio mit M7-Prozessor und 1,5TB RAM geben.
Das Problem ist hierbei, dass Apple Hardware nicht zum Training der Modelle taugt.

Welcher kleine Entwickler (der eine App im Appstore veröffentlicht) will denn ein großes LLM selber trainieren? Das Portieren bestehender Modelle ist zudem kein großer Aufwand. Auf Huggingface finden sich teilweise von Apple portierte Modelle. Apple MLX hilft zudem bei Feintuning der Modelle.
Für Apple sind Entwickler wie z.B. Kiraa wichtig, die bestehende trainierte Modelle geschickt und extrem effizient auf lokaler Hardware von Apple einsetzen. Kiraa ist hierbei ein Spezialfall, denn die Kiraa-Engine hilft Entwicklern im Enterprise-Bereich, extrem performante KI-Anwendungen mit bestehenden KI-Modellen zu bauen (klassische datenanalytische Anwendungen laufen bis zu 80 mal schneller als in Python).

Wichtig ist genau hinzusehen, was Apple Geschäftsmodell ist und zu differenzieren, worum es geht. Geld verdient Apple mit Entwicklern im Appstore und Milliarden von Nutzern von Apples Hardware. Wenn Apple selber Modelle trainieren wollte, anstatt sie von konkurrierenden Anbietern zu kaufen, dann könnten sie es letztendlich tun. Apple hatte sich aber dagegen entschieden, als andere Firmen Apples Angestellte im KI-Bereich abgeworben haben: Apple hat sie ziehen lassen.
+2
Eventus
Eventus29.07.26 12:46
Ich hab nichts gegen KI, finds aber falsch, dass zu wenig beachtet und diskutiert wird, wie viele Ressourcen diese verbraucht, mit welchem Nutzen und auf wessen Kosten. Das ist bspw. beim (Flug-)verkehr ein Thema. Und auch das Quasi-Verbot von Klimaanlagen in Westeuropa/DACH-Region wirkt paradox, wenn Menschen im Haus schwitzen, während Server es schön kühl haben.
Live long and prosper! 🖖
+5
maikdrop29.07.26 12:50
Unwindprotect

Das scheint wie bei der Prozessorenentwicklung Ende der 90iger/2000er zu sein. Immer bessere Hardware (mehr Kerne) trifft auf Software die gar nicht bis wenig Multithreading kann. Da kannst du von den Kernen vorausberechnen etc lassen ohne Ende, die Software bleibt trotzdem langsam und träge. Wir hatten in ner Vorlesung mal ne schöne Grafik dazu, die die abflachende Kurve bei der Geschwindigkeit von Berechnungen trotz mehr Kernen gezeigt hat.
0
tranquillity
tranquillity29.07.26 14:00
Eventus
Ich hab nichts gegen KI, finds aber falsch, dass zu wenig beachtet und diskutiert wird, wie viele Ressourcen diese verbraucht, mit welchem Nutzen und auf wessen Kosten. Das ist bspw. beim (Flug-)verkehr ein Thema. Und auch das Quasi-Verbot von Klimaanlagen in Westeuropa/DACH-Region wirkt paradox, wenn Menschen im Haus schwitzen, während Server es schön kühl haben.
Verbot von Klimaanlagen? Gibt es nicht! Höchstens von bestimmten Chemikalien, die teilweise in Klimaanlagen verwendet wurden.
+7
Eventus
Eventus29.07.26 14:32
tranquillity
Eventus
Ich hab nichts gegen KI, finds aber falsch, dass zu wenig beachtet und diskutiert wird, wie viele Ressourcen diese verbraucht, mit welchem Nutzen und auf wessen Kosten. Das ist bspw. beim (Flug-)verkehr ein Thema. Und auch das Quasi-Verbot von Klimaanlagen in Westeuropa/DACH-Region wirkt paradox, wenn Menschen im Haus schwitzen, während Server es schön kühl haben.
Verbot von Klimaanlagen? Gibt es nicht! Höchstens von bestimmten Chemikalien, die teilweise in Klimaanlagen verwendet wurden.
Ich schrieb: Quasi-Verbot. Eine Bewilligung zu erhalten ist schwierig, zumindest in der Schweiz, und wahrscheinlich auch in Deutschland, denn anders als in südlicheren und östlicheren europäischen Ländern, wo fast jede Wohnung eine Klimaanlage hat, bekomme ich auf Reisen in Deutschland selbst in teureren Apartments oder Hotels oft nur einen Ventilator. Hat wohl mit Energie-/Kosten-Sparen zu tun, mit Umweltschutz usw., aber ich bin von dieser Strategie nicht überzeugt – und eben, es wirkt so paradox wie einerseits Papier-Trinkhalme nutzen, andrerseits Unmengen an Rohstoffen in Kriegen verballern – zum extremen Schaden von Natur, Tieren, Menschen.
Live long and prosper! 🖖
-2
UWS29.07.26 15:49
Eventus
Ich schrieb: Quasi-Verbot. Eine Bewilligung zu erhalten ist schwierig....und wahrscheinlich auch in Deutschland
Nein, auch nicht quasi...das hängt eher von den Eigentumsverhältnissen ab und betrifft generell nur Anlagen mit Außeneinheit.

Eigentümer eines Hauses - keine Zustimmung erforderlich
Eigentümer einer Wohnung - Zustimmung der Eigentümerversammelung erforderlich, dazu das hier
Mietwohnung - muss man mit dem Vermieter/Eigentümer der Wohnung abklären

Das sind aber alles privatrechtliche Fragen. Dazu kommen dann noch mögliche andere Erfordenisse wie ggf. Denkmalschutz oder Lärmemissionen. Dass die Anlage den technischen Bestimmungen gerecht werden muss, dürfte selbstverständlich sein.
</offtopic>
There is no cloud…it’s just someone else’s computer.
+6
gfhfkgfhfk29.07.26 16:36
Wellenbrett
Das Portieren bestehender Modelle ist zudem kein großer Aufwand.
Der Punkt ist, dass aber eine komplett andere API und Programmiersprachen nutzt. Man kann das Wissen was man für nVidia und AMD Hardware erworben hat, auf Apple Systemen nicht wiederverwenden – außer man bietet als nur als Service in der Cloud an. Und genau hier liegt Apples Problem.
0
Wellenbrett29.07.26 18:58
gfhfkgfhfk
Wellenbrett
Das Portieren bestehender Modelle ist zudem kein großer Aufwand.
Der Punkt ist, dass aber eine komplett andere API und Programmiersprachen nutzt. Man kann das Wissen was man für nVidia und AMD Hardware erworben hat, auf Apple Systemen nicht wiederverwenden – außer man bietet als nur als Service in der Cloud an. Und genau hier liegt Apples Problem.
Ja genau, deshalb hatte ich um 11:02 Uhr geschrieben:
Wellenbrett
... wichtig ist es für Apple die Entwickler weg von Nvidia und Python hin zu Swift auf lokaler Apple Hardware zu bekommen...
und um 12:33 Uhr:
Wellenbrett
...
Für Apple sind Entwickler wie z.B. Kiraa wichtig, die bestehende trainierte Modelle geschickt und extrem effizient auf lokaler Hardware von Apple einsetzen. Kiraa ist hierbei ein Spezialfall, denn die Kiraa-Engine hilft Entwicklern im Enterprise-Bereich, extrem performante KI-Anwendungen mit bestehenden KI-Modellen zu bauen (klassische datenanalytische Anwendungen laufen bis zu 80 mal schneller als in Python).
...
+1
Eventus
Eventus29.07.26 19:11
UWS
Eventus
Ich schrieb: Quasi-Verbot. Eine Bewilligung zu erhalten ist schwierig....und wahrscheinlich auch in Deutschland
Nein, auch nicht quasi...das hängt eher von den Eigentumsverhältnissen ab und betrifft generell nur Anlagen mit Außeneinheit.

Eigentümer eines Hauses - keine Zustimmung erforderlich
Eigentümer einer Wohnung - Zustimmung der Eigentümerversammelung erforderlich, dazu das hier
Mietwohnung - muss man mit dem Vermieter/Eigentümer der Wohnung abklären

Das sind aber alles privatrechtliche Fragen. Dazu kommen dann noch mögliche andere Erfordenisse wie ggf. Denkmalschutz oder Lärmemissionen. Dass die Anlage den technischen Bestimmungen gerecht werden muss, dürfte selbstverständlich sein.
</offtopic>
Also, wie gesagt, zumindest am Standort meiner Liegenschaft (weder in einer Altstadt, noch denkmalgeschütz) in der Schweiz brauchts eine behördliche Bewilligung. Aber gut, dass du das besser weisst als ich.
Live long and prosper! 🖖
0
Eventus
Eventus29.07.26 19:14
P. S.: Die Downvotes kassiere ich wohl, weil ichs wage, den Krieg zu kritisieren. Na dann, altes Europa, ab in den Kampf, wenn ihr wollt! Ich hab lieber Frieden und eine klimatisierte Wohnung.
Live long and prosper! 🖖
-5
UWS29.07.26 20:00
Eventus
Aber gut, dass du das besser weisst als ich.
Ja weiß ich offenbar…ich habe die meine Aussage ja im Zitatblock über meiner Antwort ausdrücklich auf Deutschland bezogen. In der Schweiz sind die Regelungen dann offenbar anders.
There is no cloud…it’s just someone else’s computer.
0
teorema67
teorema6729.07.26 22:20
Eventus
... es wirkt so paradox wie einerseits Papier-Trinkhalme nutzen, andrerseits Unmengen an Rohstoffen in Kriegen verballern – zum extremen Schaden von Natur, Tieren, Menschen.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Wie wäre es, wenn wir alle Ressourcen, die wir derzeit in Kriege, Waffensysteme, militärische Strukturen etc. stecken, für Klima- und Umweltschutz einsetzen würden?
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