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Immer mehr Portale sperren Crawler aus – droht KI-Modellen der Kollaps?

Die Antworten von KI-Assistenten verdrängen für viele Menschen zunehmend die klassische Web-Suche, ob sie es wollen oder nicht: Suchmaschinen blenden zunehmend prominent KI-Antworten ein. Meist liefern diese eine Antwort auf die eingegebene Frage in wenigen ablenkungsfreien Sätzen und ersparen Nutzern einen weiteren Klick. Das wiederum beschert Seitenbetreibern Umsatzeinbußen – sie versuchen, sich mit dem Aussperren der Crawler von KI-Anbietern zu wehren. Eine umfangreiche Golem-Reportage setzt sich mit den Folgen auseinander.


In der Vergangenheit bedienten sich KI-Anbieter beim Sammeln von Trainingsdaten an allen Inhalten, welche im Netz aufrufbar waren. Zunehmend verweigern jedoch Portale Anbietern einen Zugriff auf ihre Inhalte. Eine Erhebung stellte einen starken Anstieg von September 2023 bis Mai 2025 fest: Der Anteil der angesehenen News-Seiten wuchs von 23 auf beinahe 60 Prozent. Auf deutschsprachigen Domains sperrt ein Drittel mindestens einen KI-Crawler aus.

Kaum Gegenleistung
Die Verweigerung hat handfeste Gründe: Während bei klassischen Suchergebnissen noch recht viele Nutzer auf eine präsentierte Quelle klickten, geben sich bei KI-Antworten die überwältigende Mehrheit mit dem von KI generierten Resultat zufrieden, ohne eine Korrektheit anhand angegebener Quellen zu prüfen. Gleichzeitig stellen die Bot-Abrufe zunehmend einen Kostenfaktor dar – deren Seitenabrufzahlen nehmen überproportional zu.

Wettrüsten
Einige KI-Crawler versuchen, Sperren zu umgehen, indem sie sich tarnen und versuchen, wie gewöhnliche Seitenaufrufe eines Anwenders zu erscheinen. Das führt zu zunehmenden Kontrollmechanismen, welche auch Webseitenbesucher zu spüren bekommen – sie müssen regelmäßig nachweisen, dass sie kein Bot sind. Andere Portale hingegen empfangen KI-Bots mit offenen Armen: Bei Desinformationsseiten liegt die Sperrquote weiterhin bei unter 10 Prozent.

Bis zum Modellkollaps?
Auch Portale, welche neue Veröffentlichungen mithilfe eines großen Sprachmodells (Large Language Model, LLM) generieren lassen, sperren KI-Crawler seltener aus. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen benötigt die LLM-Erzeugung einen Mindestanteil an korrekten, von Menschen geschriebenen Inhalten. Wenn die aus dem Netz gezogenen Informationen zunehmend einer KI entstammen, sinkt zunächst die Tiefe der bereitgestellten Antworten. Ab einer gewissen Schwelle kann es sogar zum Kollaps kommen, und die KI erzeugt wirre Resultate mit wenig Realitätsbezug.

Trend zur Lizenz
Zunehmend verhandeln große Inhaltsanbieter mit KI-Unternehmen, um ihre Inhalte zu lizenzieren. In diesem Fall zahlt der LLM-Anbieter einen Beitrag an den Portalbetreiber. Als Beispiele nennt Golem-Autor Nils Matthiesen journalistische Angebote wie der Axel-Springer-Verlag, aber auch Portale wie Reddit, Shutterstock oder Stack Overflow Texte, welche bei der Verwertungsgesellschaft „VG Wort“ gemeldet sind, dürfen nur nach dem Erwerb einer Unternehmenslizenz für das Training eines Sprachmodells genutzt werden; dieses darf dann nur unternehmensintern genutzt werden. Ob und wie die Verwertungsgesellschaft eine Einhaltung dieser Regel durchsetzen kann, bleibt zum aktuellen Zeitpunkt allerdings unklar.

Kommentare

Peanuts
Peanuts06.07.26 17:27
Surfen ohne Login und vor allem im Private oder Incognito Modus wird zunehmend anstrengender. So oft wie man jetzt beweisen muss, dass man kein Mensch ist.

Falls jemand eine bessere Suchmaschine sucht, alles konfigurierbar: Kagi.com Nutze ich seit einiger Zeit wieder und bin sehr zufrieden.
+1
Kehrblech06.07.26 17:38
Es geht hier allerdings nicht darum, dass ich meinen Zugang zu der Suchmaschine anders konfigurieren möchte, sondern dass die Suchmaschinen bitte sich selbst konfigurieren müsste.
In meiner Firma enthält jeder Copyright-Verweis inzwischen das Verbot der Nutzung für KI.
Und wenn das Modell zusammenbricht, kann ich uns alle nur beglückwünschen, denn die oben beschriebenen Vorgehensweisen weisen sehr deutlich darauf hin, dass die diversen Algorithmen etwas haben wollen (und sich genommen haben und immer noch nehmen), das ihnen nicht gehört und für das sie nicht bezahlen woll(t)en (die angesprochenen VG Wort-Gebühren sind ja ein sehr neues Feigenblättchen für bereits begangenes Unrecht). Das ist ganz klarer Betrug (und dafür zahlen wir auch noch horrende Speicherpreise …).
+2
MacBerf06.07.26 17:52
„In meiner Firma enthält jeder Copyright-Verweis inzwischen das Verbot der Nutzung für KI.“ - wie meinst du das genauer, Kehrblech?
+1
sonorman
sonorman06.07.26 18:25
Das wird wirklich immer mehr zu einem Problem. Und was die ganzen KI-Modelle inzwischen auch an eigentlich vertraulichen Daten zusammenklauben, ist beängstigend.

Nur ein Beispiel. Ich habe kürzlich von einem bekannten Hersteller Vorab-Informationen zu einem neuen Produkt bekommen. (Veröffentlichung nicht vor Ende des Monats.) Dafür musste ich, wie oft in so einem Fall üblich, ein NDA (Geheimhaltungsvereinbarung) unterschreiben.

Im Zuge meiner Vorbereitung für die Berichterstattung über das Produkt habe ich aus Jux eine kleine generative KI-Bildmanipulation damit vorgenommen. Das Produktbild, welches ich als Vorlage dafür hochgeladen habe. war komplett befreit von Metadaten. Auch der Prompt enthielt keine Hinweise auf den Ursprung. Trotzdem hat die KI sofort erkannt, um welchen Hersteller es sich handelt und ungefragt in die generative Bilderzeugung das korrekte Logo eingebaut (welches Nirgendwo auf dem hochgeladenen Bild zu sehen war). Beeindruckend, aber auch ein bisschen gruselig.

Die Frage lautet: Konnte die KI den Hersteller nur anhand eines bestimmten Wiedererkennungsmerkmals am Produkt zuordnen, oder kursieren die Daten schon deshalb im Netz, weil der Hersteller einige der Produktbilder höchstwahrscheinlich per KI erzeugt hat?
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