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Test Cambridge EVO 300: Gelungene Kraftkur für den Streaming-Liebling

Der Cambridge EVO Streaming Vollverstärker ist ein Volltreffer. Schickes Gehäuse mit austauschbaren Seitenteilen, gelungenes Bedienkonzept mit ausgereifter App, ausgezeichneter Klang und alles zum fairen Preis unter einem Dach. Mit dem EVO 300 wird der Amp jetzt auch noch zum Leistungssportler.


Schon 2021, also vor fünf Jahren, erschien von dem britischen HiFi-Spezialisten Cambridge Audio (abgekürzt einfach Cambridge) ein Streaming-Vollverstärker, der der Konkurrenz mit seinem gelungenen Konzept in vielerlei Hinsicht deutlich voraus war. Der vielseitige Verstärker ist eine gelungene Mischung aus Streaming, DAC, Vorverstärker und Vollverstärker (inklusive Kopfhörerverstärker) in einem optisch sehr attraktiven, vergleichsweise kompakten Gehäuse. Einfach Passivlautsprecher der Wahl anschließen und fertig ist eine top-moderne HiFi-Anlage mit allem Komfort und Zurück, mit dem man über viele Jahre glücklich sein kann. Und das kam offensichtlich auch gut an, denn der EVO ist ein absoluter Bestseller im Cambridge-Portfolio.

Kompakt
Marke Cambridge Audio
Bezeichnung EVO 300
Art Streaming-Vollverstärker
Empf. Preis (€) 4.000
Verfügbarkeit sofort
Zu Anfang gab es zwei Varianten: Eine mit 75 W Ausgangsleistung pro Kanal und eine mit 2 x 150 W. (Lesen Sie hier den REWIND-Testbericht.) Letztere hatte auch noch ein paar zusätzliche Anschlussmöglichkeiten und konnte zwei Lautsprecherpaare gleichzeitig bedienen (A/B-Betrieb). Betrachtet man die Angebotssituation heute, gibt es mittlerweile zwar einige ähnliche gute Konzepte, und auch solche mit deutlich günstigerem Einstiegspreis (wie den eversolo PLAY), doch bei genauer Betrachtung seiner Möglichkeiten und mit seinen klanglichen Fähigkeiten ist der "Ur-EVO" nach wie vor voll auf der Höhe der Zeit.


Beim Klang konnte Cambridge aber noch eine Schippe drauflegen, indem Sie auf bessere Verstärkermodule (aber mit weiterhin 150 W) einbauten und die Signalwege optimierten. Mit dem EVO 150 SE genannten Modell fiel auch die 75-W-Variante weg, weil es dafür schlicht keine der neuen Hypex-Verstärkermodule gab, die Cambridge als Lizenznehmer speziell für seine Zwecke anpasst und optimiert. Dann gab es noch eine Designvariante namens DeLorean (basierend auf dem Ur-Modell), die an das berühmte Auto aus dem Film "Zurück in die Zukunft" angelehnt war. Der ist längst vergriffen.

Der EVO 150 SE ist weiterhin im Sortiment, bekommt nun aber mit dem EVO 300 neue Gesellschaft.

Der EVO 300 Vorgestellt: Bigger ist better!
Das Streamingkonzept des neuen EVO 300 ist unverändert. Ok, das trifft nicht ganz die Wahrheit, denn natürlich hat Cambridge seine Software über die Jahre immer weiter entwickelt. Tatsächlich zählt Cambridge zu den Pionieren auf diesem Gebiet und zu den wenigen kleinen bis mittelständischen Unternehmen, die eine eigene und nicht gerade kleine Software-Abteilung unterhalten. Das merkt man dem System an. Sowohl die zugehörige App als auch die Bedienung am Gerät und die Firmware gehören zu den ausgereiftesten und zuverlässigsten am Markt.

Screenshots aus der StreamMagic-App.

Aber ich brauche über die Streamingmöglichkeiten des EVO 300 an dieser Stelle gar nicht viel sagen. Lesen Sie sich dazu einfach den REWIND-Test der Ur-Version oder meinen Test der SE-Version bei LowBeats.de durch, in dem ich auch einen ausführlichen Vergleich mit der Ur-Version mache.

Der neue EVO 300 ist "All about hardware" – und das sind die Neuerungen:

Die Modellbezeichnung verrät schon die größte Änderung. Der Neue EVO erfuhr jetzt nochmals eine Leistungsverdoppelung. Dank allerneuester Hypex nCoreX-Module leistet der Brite jetzt satte 300 W pro Kanal an 8 Ohm. An 4 Ohm kitzelt er sogar bis zu 550 Watt aus der Leistungselektronik. Diese Power verdankt er natürlich nicht allein den Hypex-Modulen, sondern auch einem stark verbesserten und ertüchtigten Schaltnetzteil.

Neben der reinen Kraftkur in der Muckibude haben die Trainer des EVO aber auch an dessen technischen Fähigkeiten gefeilt, um ihm einen noch besseren Klang zu entlocken. Dazu wurde die gesamte Schaltung nun in Dual-Mono-Bauweise ausgeführt. Das heißt, alles ist quasi doppelt vorhanden und vollsymmetrisch konzipiert. Das verbessert unter anderem die Kanaltrennung und das Rauschverhalten deutlich. Ein solcher Doppel-Mono-Aufbau verdoppelt aber auch den Bauteileaufwand in allen Signalführenden Schaltungsbereichen und damit den Bauteileaufwand und den Platzbedarf. Aus diesem Grund hat der EVO 300 auch äußerlich ein Stück zugelegt.

Statt mit einer annähernd quadratischen Grundfläche von rund 305 mm bei den bisherigen Versionen einschließlich EVO 150 SE hat der EVO 300 nun einen Fußabdruck von 387 x 352 mm. Der Neuzugang ist also vor allem in die Breite gegangen. Die Höhe von 89 mm bleibt unverändert. Das Gewicht steigt von 5,3 auf 7,2 kg.


Deutlich hochwertiger ist beim 300er auch die Lautstärkeregelung ausgelegt, die nun rein analog arbeitet. Zu guter Letzt hat Cambridge auch beim DAC – einem ESS Sabre ES9038Q2M mit Unterstützung bis DSD512 und 32 Bit/768 kHz– ins höhere Regal gegriffen.

Auf den Produktabbildungen im Netz fällt der Größenzuwachs erst gar nicht auf. Auch bei mir nach dem Auspacken war mir erst gar nicht klar, dass der EVO 300 ordentlich breiter geworden ist. Erst nach dem Einschalten wurde mir das bewusst, nämlich bei einem Blick auf das Display. Das ist nun ebenfalls gewachsen und hat nut nun 7,8 statt 6,8 Zoll Bildschirmdiagonale. Hört sich nicht nach viel an, fällt aber total auf. Zumindest, wenn man die Vorgänger kennt. Der neue Bildschirm ist damit noch besser aus der Distanz ablesbar. Es bleibt aber weiterhin eine Anzeige ohne Touch-Funktion. Die braucht der EVO schlicht nicht, denn alle am Gerät einstellbaren Grundfunktionen sind über sechs dezent neben dem Display platzierte Tasten und den doppelten Drehregler für Lautstärke und Quellenwahl verfügbar.

Erwähnenswert ist noch der neue Kopfhörerverstärker im EVO 300, der nun einen für Heimkopfhörer üblicheren 6,35-mm-Klinkenanschluss bietet.


An dem cleveren Konzept mit den magnetisch befestigten und leicht austauschbaren Seitenteilen ändert sich nichts. Cambridge liefert weiterhin ein Paar in schicker Holzoptik und eines in einem modernen Kühlrippendesign mit. Es wundert mich nur, warum Cambridge nicht längst mehr Designoptionen anbietet, so wie sich bei der Apple Watch über die leicht austauschbaren Armbänder die Optik individualisieren lässt. Bei mir bleiben die Holzwangen dran. Die anderen Seitenteile machen den EVO für meinen Geschmack zu sehr zur "Black Box". Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.


Technik: Mehr Leistung, mehr gut?
Hubraum ist nur durch noch mehr Hubraum zu ersetzen, ist ein Ausspruch aus der Motorenwelt. Der gilt zwar nur bedingt, birgt aber viel Wahres. Man könnte es auch "Leistung ist nur durch noch mehr Leistung zu ersetzen" nennen. Der EVO 300 verdoppelt mal eben die Ausgangsleistung zum bisherigen Topmodell. Aber man kann sich zurecht fragen, ob man das wirklich braucht.

Schon der kleinste EVO 75 hatte im Grunde für fast alle Lebenslagen und an sehr vielen handelsüblichen Lautsprechern genügend Leistung, um ordentlich hohe Pegel fahren zu können. Aber Leistung definiert sich im HiFi eben nicht nur durch Pegel. Genau genommen tut es das gar nicht, denn mit entsprechend wirkungsgradstarken Lautsprechern reichen auch ganz wenige Watt für ordentlich Kapelle.

Da wären wir wieder beim Hubraum, der in Verbrennungsmotoren die einfachste Methode ist, um mehr Drehmoment auf die Welle zu bringen. Also Durchzugskraft auch aus niedrigen Drehzahlen heraus. Bei Leistungsverstärkern für Audio ist dafür vor allem das Netzteil der entscheidende Faktor. Oder besser die richtige Kombination von Netzteil und Leistungstransistoren. Die Class-D-Module im EVO 300 können auch nur so viel Leistung abgeben, wenn sie diese auch von der Strom-Abteilung geliefert bekommen.


Wenn all das gut aufeinander abgestimmt ist, bedeutet das – entsprechend Hubraum und PS bei Verbrennungsmotoren – einen Verstärker, der in der Lage ist, auch heftigste Dynamiksprünge in der Musik umsetzen zu können, ohne dass ihm die Puste ausgeht. Viel Leistung ging früher aber oft mit einem eher trägen Klangbild einher, weil die Leistung oft nicht schnell genug abgegeben werden konnte. So wie auch Autos mit sehr großem Hubraum als eher träge am Gas gelten. Verstärker mit Schaltnetzteilen versprechen zwar grundsätzlich eine bessere (schnellere) Leistungsversorgung, hatten bisher aber oft den Nachteil, dies wegen der eigenen Taktfrequenz nur mit vielen Störungen im Signal zu schaffen. Class-D mit Schaltnetzteil galt daher lange Zeit als klanglich unterlegen. Die Zeiten haben sich aber geändert. Heutige Schaltnetzteile werden oft mit sehr hoher Schaltfrequenz betrieben, und immer mehr Hersteller setzen dabei auch auf einen (stark vereinfacht ausgedrückt) sinusförmigen Schaltakt anstatt mit "harten" Schaltvorgängen mit Rechtecksignal, die massiv Störungen produzieren können. Schaltnetzteiltechnologie ist sehr vielfältig und echtes High-Tech geworden.

Die Frage beim Cambridge EVO 300 lautet also, ob er vor Kraft kaum laufen kann und eher wie ein träger Tanker reagiert, oder ob er zwar dynamisch aber eher harsch und undiszipliniert klingt, oder ob er es mit den besten Class-AB-Schaltungen aufnehmen kann, die bislang als weitaus musikalischer als Class-D galten. Das kann man nur durch Hören herausfinden. Nicht durch nachmessen.

Hörtest: We have a Winner!
Die Antwort auf obige Fragen ist schnell gefunden. Dazu brauche ich nicht einemal den Vorgänger zum direkten Vergleich hier haben. Der EVO 300 klingt vom ersten Takt an überzeugend erwachsen, souverän und zugleich feinfühlig. Und zwar nicht nur bei hohen Lautstärken, sondern insbesondere auch bei mittleren bis niedrigen Wiedergabepegeln. Leise Musik ist eigentlich sogar viel Anspruchsvoller für ein gutes Verstärkerkonzept, als Partypegel. Der Verstärker muss auch leise in der Lage sein, einen habhaften und tiefen Bass zu erzeugen – entsprechend gute Lautsprecher vorausgesetzt. Die Klangbühne zwischen den Lautsprechern muss dabei absolut stabil und fokussiert bleiben, Stimmen und Instrumente bis in feiste Details erkennbar bleiben. Das alles gelingt dem EVO 300 auf einem sehr hohen Niveau.


Dass immer noch ein bisschen mehr geht, konnte ich per Zufall herausfinden, weil ich zeitgleich einen anderen Streaming-Vollverstärker auf den Prüfstand bekam. Und zwar den Matrix Audio MD-1P. Der hat witzigerweise exakt die gleichen Hypex nCoreX-Module verbaut und sehr ähnliche Leistungsdaten, und er kann auch funktional etwa das Selbe, kostet aber 2.000 Euro mehr. Das sprach erst mal klar für den Cambridge, doch der Matrix konnte den Briten mit einer noch sorgfältiger gemachten Schaltung klanglich etwas distanzieren. Ob das 2.000 Euro Mehrpreis wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich denke, der EVO hat im sogenannten Preis-Leistungsverhältnis die Nase klar vorn. Doch der Matrix beweist, dass die Limits noch höher liegen können. Die Qualitäten des Cambridge EVO 300 schmälert das allerdings in keiner Weise.


Fazit: Ein Rundum-Glücklich-Amp
Toll. Einfach klasse, was Cambridge Audio mit der EVO-Plattform auf die Beine gestellt und diese mit dem EVO 300 zu ihrem (vorläufigen?) Höhepunkt getrieben hat. An diesem Streamingverstärker fühlt sich alles richtig an.

Kann er mehr als alle anderen? Nein. Aber was er kann, macht er vorbildlich gut und es reicht für die allermeisten Nutzer völlig aus. Sei es, dass sie Musik aus Online-Quellen Streamen oder von lokalen Datenträgern wiedergeben wollen, ob sie ihrem TV anständigen Sound abgewinnen wollen, oder analoge Quellen einschließlich Plattenspieler anschließen möchten. Als beinahe All-In-One-Lösung (nur Passivlautsprecher anschließen) sorgt er außerdem für eine sehr überschaubare Verkabelung. Als zentraler Audio-Hub unter dem TV-Gerät bietet er so ein genial minimalistisches Musiksystem, das aber unglaublich viel kann und nicht zuletzt fast auf High-End-Niveau klingt. Egal mit welchen Lautsprechern. Die 1.600 Euro Aufpreis zum EVO 150 SE ist er voll und ganz wert.

Herz, was willst Du mehr?
Top-Empfehlung!

Hardware- und Funktionshighlights:
  • 2 x 300 W an 8 Ohm
  • 2 x 550 W an 4 Ohm
  • Laststabil bis 2 Ohm
  • Dual-Mono Verstärkung, vollsymmetrische Vorstufe
  • ES9038Q2M DAC (PCM bis 768 kHZ, DSD512)
  • auswechselbare Seitenteile
  • Kopfhörerverstärker
  • 7,8 Zoll Farbdisplay
  • HDMI eARC, USB Audio, Phono MM,
  • optische, koaxiale, analoge und symmetrische XLR-Eingänge
  • Sub-OUT mit Crossover
  • 2 Lautsprecherzonen (A/B)
  • Trigger-Ports
  • Qobuz, Spotify & Tidal Connect (und viele weitere Dienste)
  • Roon Ready, AirPlay, Google Cast, UPnP-Unterstützung
  • StreamMagic App
  • IR-Fernbedienung



Plus/Minus Cambridge EVO 300
+ Leistung satt in allen Lebenslagen
+ Klang annähernd auf High-End-Niveau
+ Top Bedienung mit ausgereifter StreamMagic App
+ gute Softwarepflege seit vielen Jahren
+ sehr gut ablesbares, großes Display
+ tolle Haptik und Optik
+ echter Lautstärkeregler an der Front
+ austauschbare Seitenteile (könnte mehr Designoptionen geben)
+ niedriger Stromverbrauch im Netzwerk-Standby (1,9 W)
+ kurze Start-Up-Zeiten

– Fernbedienung nicht gut für Tischbedienung (wackelig)

Kommentare

SMP10.10.26 08:36
„Das Gewicht steigt 5,3 auf 72kg“? Soll wohl 7,2kg heissen, oder?
-2
SMP10.10.26 08:38
„Zu guter Letzt least“ müsste entweder „zu guter Letzt“ oder „last but not least“ heissen, oder nicht?
-2
macymesser10.10.26 09:20
Kann er auch A&B gleichzeitig spielen?
Und wie schlägt er sich im Vergleich zu dem Rose?
0

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