Bloomberg: Siri AI in der EU kann noch lange dauern


Auf iPhones und iPads steht in der EU bekanntlich kein Siri AI zur Verfügung – auf Macs in englischer Sprache hingegen schon. In der teils öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung hieß es von EU-Behördenseite, Apple habe um eine mindestens eineinhalbjährige Ausnahme von den Regeln gebeten – ansonsten aber keine geeigneten Vorschläge gemacht. Kritiker vermuten dahinter die Taktik, in dieser Zeit schlicht so viele Kunden wie möglich für iCloud-Abos gewinnen zu wollen, bevor dieselben Regeln wie für andere Großunternehmen gelten. Apple vertritt hingegen die Auffassung, dass die geforderte Öffnung zentraler Siri-Funktionen für konkurrierende KI-Assistenten erhebliche Datenschutz- und Sicherheitsrisiken mit sich bringt.
Im besten Fall: Frühjahr 2027In seinem neuerlichen
Newsletter beschäftigt sich Gurman mit der Frage, wie viel Zeit wohl noch verstreicht, bis Siri AI auch unter iOS und iPadOS allen EU‑Bürgern zur Verfügung steht. Eine Verzögerung von ungefähr fünf Monaten bezeichnet er dabei als das absolute Best-Case-Szenario. Gurman geht zudem davon aus, dass Apple die Situation bewusst als Druckmittel nutzt. Seiner Einschätzung nach könnte das Unternehmen darauf setzen, dass die Unzufriedenheit europäischer Kunden den Druck auf die EU-Kommission erhöht, Apple bei den regulatorischen Vorgaben entgegenzukommen.
InteroperabilitätsvorgabenZur inhaltlichen Einordnung des Streits: Ein "Gatekeeper" muss Drittanbietern Interoperabilität mit denselben Hardware- und Softwarefunktionen ermöglichen, die seinen eigenen Diensten zur Verfügung stehen. Welche Apps/Dienste ein Nutzer verwendet und welche Berechtigungen er ihnen erteilt, soll aber der Nutzer selbst und nicht der Plattformbetreiber in dessen Namen entscheiden können. Das gilt im Rahmen des DMA vor allem bei besonders mächtigen Plattformen, die durch ihre Marktmacht Konkurrenz im Keim ersticken könnten – gerne mit Argumenten wie Sicherheit und Datenschutz.
"Trusted System Agent" als Vorschlag...Im September machte die Kommission noch einmal klar, von Apple keine Absenkung der Sicherheitsstandards zu fordern – aber denjenigen Alternativen ermöglichen zu wollen, die solche eben explizit einsetzen möchten. Apples Ansatz lautete, einen "Trusted System Agent" anzubieten, der Drittanbieter-Systemen vergleichbare Zugriffe ermöglichen soll. Diese müssten dafür nicht selbst dauerhaft Zugriff auf Mail-Datenbanken, Messages, Fotos oder die internen Schnittstellen anderer Apps bekommen, sondern Apples System gibt zurück, was für die Anfrage erforderlich ist.
...der aber noch nicht umgesetzt istIn der eingangs erwähnten Reaktion der EU-Kommission hieß es dazu, Apple habe keine entsprechenden Schnittstellen oder Dokumentationen vorzeigen können – sondern lediglich Ausnahmen gefordert, bis man innerhalb der kommenden 18 Monate so weit sei. Ganz aus der Luft gegriffen ist die Zeitschätzung wohl nicht, denn es handelt sich um eine neue Sicherheits- und Berechtigungsschicht durch das gesamte Betriebssystem. Siri AI kann vermutlich viele interne Schnittstellen nutzen, die nie dafür gebaut wurden, einem fremden Agenten zur Verfügung zu stehen. Die Frage bleibt allerdings, warum Apple nicht von Anfang an auf ein solches Konzept hinarbeitete, denn Interoperabilitätsvorgaben sind längst kein reines EU-Thema mehr.