Notepad++: Neuer (alter) Texteditor für macOS (Aktualisierung: Streit um Markenrecht)


Texteditoren unterscheiden sich von Schreibprogrammen wie Pages deutlich: Auf Formatierung verzichten die oftmals spartanisch anmutenden Programme. Anstatt auf die Form, fokussieren sie sich auf den Inhalt, bringen mächtige Werkzeuge zum Suchen und Ersetzen mit und heben Syntaxelemente verschiedenster Programmier- und Auszeichnungssprachen hervor. Ein auf Windows besonders beliebter Texteditor ist Notepad++, und den gibt es jetzt
auch für den Mac – ebenso kostenlos und mit niedrigen Systemanforderungen.
Die notarisierte App lässt sich als Dmg-Datei herunterladen; sie setzt mindestens einen Intel-Mac mit macOS 11 (Big Sur) und 4 GByte RAM voraus. Im Programme-Ordner nimmt sie 35 MByte ein. Das Hauptfenster versammelt geöffnete Dokumente in einer Reiterleiste; darüber reihen sich die wichtigsten Werkzeuge auf.
Die Mac-Version von Notepad++ kommt erwartbar zurückhaltend daher.
Unabhängige EntwicklungNotepad++ unterstützt von Haus aus über 80 Programmiersprachen und Auszeichnungsformate, auch werden verschiedenste Encodings unterstützt. Das Projekt wurde von einem unabhängigen Entwickler namens Andrey Letov ins Leben gerufen. Er verwendet Objective-C++, um das Windows-native Programm in die Bedienschnittstellen von macOS zu integrieren. Dafür rekrutierte er KI-Hilfe: Knapp die Hälfte der Commits des
GitHub-Projekts werden Claude von Anthropic zugeschrieben.
Bekannte Umgebung für SwitcherDie Mac-Version von Notepad++ hat eine klar definierte Zielgruppe, erklärt Letov in der
Projektbeschreibung: Anwender, die von Windows dauerhaft oder zeitweilig auf macOS wechseln und dort ihren gewohnten Texteditor mit denselben Werkzeugen und Tastenkürzeln nutzen wollen. Diese waren bisher auf Virtualisierungslösungen angewiesen und können nun die Vorteile einer nativen Mac-Version ausschöpfen.
Aktualisierung: Der Erfinder wurde überrumpeltInzwischen hat sich der Erfinder und Hauptentwickler von Notepad++, Dan Ho,
zu Wort gemeldet. Er weist darauf hin, dass es sich bei der Portierung nicht um eine offizielle Mac-Version von Notepad++ handelt. Er sieht das Markenrecht verletzt und fühlt sich hintergangen: Die Website erwecke über URL, Namen und Inhalt den Anschein, dass es sich um eine offizielle Portierung handele. „Das ist irreführend, unangemessen und offen gesagt respektlos gegenüber dem Projekt und dessen Anwendern.“
Streit eskaliert, Umbenennung in Nextpad++In einer
Diskussion im GitHub-Projekt des Originals zog die Auseinandersetzung dann weitere Kreise: Ho räumte ein, dass der Entwickler der Mac-Version ihn vor einigen Wochen kontaktiert hatte, er jedoch nicht geantwortet hatte. Er konkretisierte, dass er den Aufwand und die Idee zu schätzen weiß, aber nicht mit der Verwendung des ursprünglichen Namens und Logos einverstanden ist. Letov war überrascht bis enttäuscht über die Reaktion und bat um einige Wochen Zeit, die Namensänderung vorzunehmen. Damit war der Entwickler von Notepad++ nicht einverstanden und forderte sofortige Änderungen. Schließlich kündigte Letov an, das Projekt in Nextpad++ umzubenennen und das Logo zu ändern. Auch die Website leitet mittlerweile auf
nextpad.org um. Wer die Mac-App derzeit herunterlädt, erhält die App noch mit altem Namen; ab Version 1.0.6 wird sie dann durchgehend zu Nextpad++ umbenannt.