Apple bleibt hart: 30% Provision auf Patreon-Umsätze per iOS-App werden erzwungen


Im Kampf um die Verteidigung der sprudelnden Einnahmen über den App Store hat Apple die beliebte Plattform Patreon ins Visier genommen. Schon im letzten Jahr kündigte man an, dass alle Nutzer fortan 30 Prozent ihrer Umsätze an Apple abgeben
müssen, wenn diese via iOS-App zustande kommen. Das ist reichlich dubios, zumal Patreon nur ein Vermittler von Content ist und das bisherige System viele Jahre lang ohne Beanstandung von Apple akzeptiert wurde.
Patreon ist unter anderem bei Musikern und anderen Künstlern sehr beliebt, die ihren Fans weitere Hintergrundinformationen oder Inhalte zur Verfügung stellen wollen – oder Nutzern die Möglichkeit bieten, unkompliziert Spenden zu leisten. Auch zur Distribution von regelmäßig erscheinenden Videos bzw. Podcasts wird Patreon gern genutzt.
Mehr Änderungen als nur GebührenAngebote wie "drei Inhalte pro Monat kostenlos" oder gestaffelte Preise nach Anzahl der Postings kann es ab November 2026 ebenfalls nicht mehr geben, denn der App Store unterstützt derlei Modelle nicht. Stattdessen muss es zwingend das Abo mit 30 Prozent an Apple sein. Anbieter haben die Option, ihre Preise automatisch um diesen Betrag verteuern zu lassen, um nicht fortan ein Drittel statt der bisherigen 5 bis 12 Prozent zu verlieren.
Alternative Zahlungsweisen? Nur in der TheorieApple hat durch das bewusst extrem verkomplizierte Gebührenmodell Sorge dafür getragen, alternative Zahlungsweisen nur schwer nutzen zu können – denn jeder Wirtschaftsraum hat unterschiedliche Regeln. In den USA muss es eine Art "Web Checkout" als Alternative geben, in anderen Ländern sind Links auf Stores erlaubt, wenngleich Apple dann dennoch mitverdienen will. Nutzer darauf hinzuweisen, dass es auf Patreon.com dieselben Angebote zu günstigeren Gebühren gibt, verbietet Apple. Die Kommunikation bezüglich der Bestimmungen für Patreon war zudem reichlich verworren. Erst gab es eine Deadline mit Forderung zur Umstellung, dann ließ Apple diese fallen, um anschließend aber plötzlich ein App-Update zu blockieren, wenn Patreon nicht sofort den Forderungen nachkomme.
Unverständlich: Warum erst jetzt – und warum angesichts regulatorischer ProblemeWarum Apple angesichts des enormen regulatorischen Drucks noch ein weiteres Konfliktfeld wie dieses eröffnet, ist schwer nachvollziehbar. Einerseits ist die Linie konsequent, denn Umsätze per digitaler Angebote in Apps unterliegen nun einmal der Apple Tax, andererseits hatte das Modell wie eingangs erwähnt viele Jahre lang Bestand. Zweifelhaft ist zudem, ob dieser Schritt überhaupt dem ursprünglichen Geist der App-Store-Regeln entspricht: Apple behandelt die Plattform jetzt so, als würde sie eigene digitale Inhalte verkaufen. Gleichzeitig ist auch der kleinste Anbieter mit geringen Patreon-Umsätzen dadurch nicht "Small Business" (15 Prozent), sondern unterliegt dem maximalen Satz.
Allerdings: Die Auswirkungen sind etwas weniger weitreichend, als man auf den ersten Blick denken könnte. Patreon hat bereits rund 96 % der Creators auf das von Apple verlangte Abo-Modell umgestellt ("subscription billing") – die 30 Prozent fallen aber nur auf neue Mitgliedschaften per App an. Wer aber noch das ältere, Patreon-eigene Modell verwendet, muss zwingend umstellen. Das macht es umso weniger verständlich, warum Apple so große Geschütze auffährt und mit dem Rauswurf von Patreon aus dem App Store droht. Offensichtlich will man um jeden Preis verhindern, dass es Wege an der Apple Tax vorbei geben kann.