App-Inflation: Doppelt so viele neue Apps – gleiche Downloadzahlen


Es gibt für alles eine App: Dieser Spruch illustriert etwas flapsig, was es mit dem iOS App Store auf sich hat. Menge und Vielfalt der Anwendungen, welche in Apples Softwareladen zur Verfügung stehen, sind gewaltig. Das gilt gleichermaßen für die Zahl der jährlichen Downloads sowie die Umsätze, welche Entwickler und – dank hoher Provisionen – auch Apple mit dem Shop erzielen. Seit Künstliche Intelligenz (KI) vornehmlich in Form von Großen Sprachmodellen (Large Language Models, LLM) für nahezu jedermann verfügbar ist, steigt die Zahl der Anwendungen im iOS App Store kontinuierlich in einem Ausmaß an, das in früheren Zeiten undenkbar gewesen wäre. KI ermöglicht es nämlich auch Laien ohne Programmierkenntnisse, Apps zu erstellen – oder besser: erstellen zu lassen. Der Fachbegriff hierfür lautet „Vibe Coding“.
Über eine halbe Million neue Apps im ersten Halbjahr 2026Wie signifikant das Ausmaß dieses Phänomens ist, zeigen jetzt aktuelle Zahlen. Einer Untersuchung von Sensor Tower zufolge überfluten per Vibe Coding erstellte Apps den iOS App Store geradezu. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden fast so viele neue Anwendungen in Apples Softwareshop hochgeladen wie 2025 insgesamt. Das berichtet die
New York Times (Bezahlschranke). In konkreten Zahlen bedeutet das: Im gesamten vergangenen Jahr stieg die Zahl der Apps um 600.000, von Januar bis Juni 2026 belief sich der Zuwachs auf rund 560.000 Anwendungen. Hält dieser Trend an, wird das Angebot im iOS App Store bis Ende des Jahres um mehr als eine Million Apps zunehmen.
Zahl der App-Downloads nur um zwei Prozent gestiegenDie Downloadzahlen können mit dieser inflationären Entwicklung allerdings bei Weitem nicht mithalten. Sensor Tower zufolge stiegen sie von Januar bis Juni 2026 lediglich um zwei Prozent. Das ist ein Prozentpunkt weniger als im gesamten Jahr 2025. Den Marktforschern zufolge gab es in den zurückliegenden sechs Monaten insgesamt 17,6 Milliarden App-Downloads (2025: 35,4 Milliarden). Die New York Times befragte zwei Vibe-Coding-Entwickler zu ihren Erfahrungen mit dieser Art der App-Erstellung sowie dem Erfolg ihrer Anwendungen im App Store. Bei beiden hielten sich die Umsätze mit 500 beziehungsweise 3.000 US-Dollar in Grenzen. Einer betrachtet folgerichtig Vibe Coding eher als Hobby denn als Geschäftsmodell.
Apple betrachtet Vibe-Coding-Trend von zwei SeitenApple geht zwar seit einiger Zeit gegen Vibe Coding vor (siehe
), kann dem Trend allerdings auch Positives abgewinnen. Ein Sprecher des kalifornischen Unternehmens teilte der New York Times mit, man sei begeistert von der neuen Entwicklergeneration, die Apps mithilfe modernster Werkzeuge schneller erzeuge und im App Store anbiete. Für Apple bedeutet das jedoch einen stark erhöhten Aufwand beim App-Review. Das Unternehmen sei aber in der Lage, rund 90 Prozent aller Einreichungen innerhalb von 48 Stunden zu bearbeiten. Sämtliche Apps unterlägen dabei stets identischen Anforderungen an Qualität, Datenschutz und Sicherheit, so der Sprecher.