Verbesserte UI, mehr KI – Ars Technica veröffentlicht Golden-Gate-Rezension


Der jährliche Ars-Technica-Review zu Apples aktuellem Betriebssystem ist eine Institution, die bis ins vergangene Jahrtausend zurückgeht. Anfangs schrieb der Entwickler und Podcaster John Siracusa die ausführlichen Rezensionen; vor mehr als 10 Jahren übernahm Andrew Cunningham die Aufgabe. Die aktuelle
Rezension zu macOS 27 Golden Gate zieht ein positives Resümee: Einerseits habe Apple die Versprechungen hinsichtlich des Fokus auf Stabilität wahr gemacht, andererseits habe Apple Intelligence viele Verbesserungen erfahren.
Die Aktualisierung auf macOS 27 Golden Gate wurde auf der WWDC 26 mit einem Fokus auf Geschwindigkeit und Stabilität präsentiert, auch für ältere (Apple-Silicon-)Macs. Vor allem habe man in macOS 26 Tahoe vorgenommene Umgestaltung sämtlicher grafischer Bedienschnittstellen konsolidiert: Die Liquid-Glass-UI ist nun mit weniger Inkonsistenzen versehen. Eckradien von Fenstern sind einheitlich und weniger ausgeprägt, Buttons deutlicher hervorgehoben. Auch das scheinbar schwebende Element in Seitenleisten ist Geschichte. Zudem erhalten Anwender mehr Entscheidungsfreiheit, wie stark die Lichtbrechung und Transparenz ausgeprägt ist.
„Vibe Scripting“ für AnwenderDie auf der WWDC 24 verkündeten KI-Features sind weiterhin im Fokus von Apples Fortentwicklungen auf Betriebssystem-Ebene. Cunningham hebt dabei zwei Innovationen in Golden Gate hervor, welche er als „Vibe-Coding“ beschreibt: Anwender beschreiben individuelle Funktionen, welche dann mithilfe von Apple Intelligence in ein Skript umgesetzt werden. Dies findet Anwendung in der Kurzbefehle-App: Man beschreibt einen Programmablauf, und nach kurzer Zeit (etwa eine Minute) entsteht ein Kurzbefehl.
Die Kurzbefehle-App erzeugt Kurzbefehle auf Basis einer Funktionsbeschreibung.
Ein ähnlicher KI-basierter Assistent versteckt sich in Safari – darüber lässt sich eine individuelle Browser-Erweiterung gestalten. Sie findet sich derzeit nur über den Zeilen-Button innerhalb der URL-Leiste – in Einstellungen/Erweiterungen fehlt jeder Hinweis.
Über „Erweiterung beschreiben“ können Nutzer ihre eigene Safari-Erweiterung gestalten.
Apple Intelligence in vielen AppsDie unter Apple Intelligence zusammengefassten Funktionen tauchen an vielen Stellen in macOS auf. So erweitert die Fotos-App Bilder um KI-generierte Landschaften oder generiert eine virtuelle dreidimensionale Szene, in der Anwender im begrenzten Rahmen den Blickwinkel ändern können. Ebenso neu in Golden Gate sind ausdrucksstarke Siri-Stimmen sowie Siri AI; beide beschränken sich derzeit allerdings auf die englische Sprache.
Hoher Platzbedarf, nicht abschaltbarAndrew Cunningham hat den Platzbedarf der Apple-Intelligence-Funktionen bestimmt und festgestellt, dass die lokalen Modelle maßgeblich für den zusätzlichen Platzbedarf von macOS 27 Golden Gate verantwortlich ist: Nach der Installation lädt das neue Betriebssystem etwa 12 GB auf einem M1-MacBook Air herunter. Auf einem für Apple Foundation Model 3 qualifizierten Mac erhöht sich der Bedarf auf nahezu 30 GB. Dies lässt sich in den Systemeinstellungen/Allgemein/Speicher durch einen Klick auf den Info-Button neben „macOS“ überprüfen, aber nicht verhindern: Unter macOS 27 Golden Gate gebe es keinen Schalter, um Apple Intelligence zu deaktivieren, so Cunningham.
Klickt man in der Einstellungen-App unter Allgemein/Speicher auf das „i" neben „macOS“, zeigt das System den Platzbedarf der KI-Funktionen an.
Neuestes Apple Intelligence ab M3 und 12 GB RAMDie mittlerweile dritte Version des lokalen Apple-Foundation-Modells erhalten lediglich Anwender, welche einen Mac mit mindestens M3-Chip verwenden; zudem muss der Rechner über mindestens 12 GB RAM verfügen. Diese Zahl erscheint seltsam, da Apple bisher keinen Mac mit dieser Speicherausstattung auf den Markt gebracht hat. Cunningham vermutet, dass Apple in einer zukünftigen Version des MacBook Neo den A19-Pro-Chip verbauen will – dieser verwendet standardmäßig 12 GB RAM und wäre somit für neueste lokale Apple-Intelligence-Modelle gerüstet.
Easter Egg: ClarusUnter Einstellungen/Erscheinungsbild findet sich der neue Schieberegler zum stufenlosen Einstellen des Liquid-Glass-Effekts. Ein Vorschaubild mit Buttons und Suchfeld zeigt den Effekt auf die Darstellung in macOS 27 Golden Gate. Anwender können hier vertikal scrollen, um zwischen vier Bildern aus Apple Parkzu wechseln. Wer ein Magic Trackpad verwendet, kann noch etwas weiter scrollen, um zu einem fünften zu gelangen, es zeigt „Clarus, the Dogcow“, das legendäre Fabelwesen aus Apples Druckdialog, wie es die Oberfläche des Apple-Park-Brunnens betrachtet. In diesem Zuge wechselt auch der Text im Suchfeld von „Suchen“ auf „Moof!“.
macOS Golden Gate verbirgt eine Anspielung auf die Anfänge des Macintosh in dem Liquid-Glass-Einstellungsdialog.